Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 555 (24.4.1936)
- Date
- 1936-04-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»Äffe A DIE NEUE WELX Nr. 555 voni April 193& SCHWERHÖRIGE! Hören ohne Ohren im iteuertt flutten Spetfalhaus für Schwerhörige l. A. NIüHOTH, Wien Vi, Mirlifllfferttraflf 1 i (Tel. A-33-Ö-S2) Knech«nl«ttuntt»h6r«r der WelHlrmiit Afcttfttlk 0. m. b. H. und bono on Corp. in höchsUfr Vollehtfsiiig. Kortenlose Probe (8—13 u 14-18). _ ^atalogg gtjttit t E inwohner Palästinas nicht gtechadlgt werden dürfen. Daß sich die Palästina-Administration dieser Einschaltung zur gänzlichen Paralysierung der dem Jüdischen Volke gegebenen Versprechungen bedient, ist allgemein bekannt. Daß aber jüdische ilonistiscne Politiker „ethische" Theorien heranziehen, um mit deren Hilfe die Rechte der Araber In Palästina zu unterbauen, dürfte kaum die Zustimmung der vielgemarterten .-jüdischen Slawen finden. Diese abwegige zionistische. Politik führt dazu, den Arabern hier Im Lande eine Basis forcierter Entwicklung auch in nationalen Belangen zu schaffen.. Schon allein die wirtschaftliche Entwicklung, die wir Juden den arabischen Einwohnern des Landes bieten, beinhaltet große Gefahren für uns." Die im jüdischen Leben allmächtige zionistisch-sozialistische ..Histadruth Haklalit" ist bestrebt, das allgemeine Lohnniveau im Lande hochzuhalten. Man kann den Willen der Arbeiterführer verstehen, dem jüdischen Arbeiter, der doch größtenteils aus bürgerlichen Kreisen stammt und alles eher als eine proletarische Geistesverfassung hat, eine hohe Lebenshaltung zu sichern, obwohl die Nationalökonomie dies 3cit je als gefährlich für die Wirtschaft des Landes erkannt hat. weil allzu hohe Löhne zu* einer Verteuerung der Produktion führen, welche die Erzeugnisse des Landes nicht konkurrenzfähig machen. Es gibt nun theoretisch zwei Möglichkeiten, die hohen Arbeitslöhne zu erhalten: Boykott der arabischen Arbeitskräfte, so daß die billige arabische Arbeitskraft nicht als Konkurrenz der jüdischen in Betracht kommt, oder den Weg der Anstellung arabischer Arbeiter mit hohen Löhnen. Diesen letzteren Weg hat die Histadruth Haklalith gewählt. Sic fühlt sich dazu berufen, auch die arabischen Arbeiter zu heben. Der Erfolg ist. daß nirgends in der Welt der arabische Ar* beiter so hohe Löhne erhält wie hier in Palästina, und daß bereits die Anzeichen für eine unkontrollierte und unkontrollierbare arabische Invasion festgestellt werden können. Denn während die uns Juden zugänglichen Grenzen, das Meer, der Weg über Aegypten und über Syrien auf das intensivste bewacht werden, hält niemand die Araber vom Betreten des Landes zurück, die über T r a n s j o r d a n i e. n kommen. Dies wäre ein Schlag« nmenEanomv KIEVKA Mottensäcke IN DROGERIEN UND PA RFUMERIEN! licht auf die wirtschaftliche Seite der arabischen Lohnerhöhung. Die politische Seite: Die Feindschaft der arabischen Notabein gegen den Zionismus ist darauf zurückzuführen, daß ihre Arbeiter, ihre Fellachen, seit der „Aufklärung" durch die jüdische Histadruth höhere Löhne verlangen., Der Effendi ,muß heute für einen Arbeitstag 10 bis 12 Plaster bezahlen, der ihm vor zehn Jahren nur 3 bis 4 Piaster gekostet hat. Er weiß, worauf Öas zurückzuführen ist und deshalb ist er unser Feind, obwohl er uns ansonsten vielleicht dankbar wäre,' weil wir den Wert seiner Böden urn ein »Vielfaches gehoben haben. ' ' x\ber nicht nur aus dieser wirtschaftlichen Frage erwuchs eine politische Situation, die wir heute mit größter Besorgnis betrachten. Die Palästina-Administration hat den ständigen arabischen.Forderungen, bei gleichzeitiger jüdischer Untätigkeit, bereits soweit nachgegeben, daß wir nunmehr unter starkem politischen Druck der Araber stehen und den tagtäglichen Terror des Arabertums zu verspüren haben. Nur ein Vergleich' sei hier als Beweis angeführt. Da» abgesagte Purimf est Jedes Jahr gab es in Tel-Aviv zu Purim einen großen Karneval. Heuer ist dieser Karneval abgesagt worden. Der V o r w a n d war, daß hierzulande eine Krise { herrsche und daß die Lage des Judentums im Auslande (Deutschland, Polen, Rumänien) nicht darnach sei, öffentliche Feste solchen Ausmaßes zu feiern. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus wirkte diese Begründung ganz sonderbar. Denn die Purimfelcrlichkeiten brachten stets viel Geld nach Tel-Aviv. Die Hotels litten unter dem Ausfall einer solchen Attraktion und konnten nur schwer auf diese Woche guten Verdienstes verzichten. Tatsächlich sah man auch' nur sehr wenige Touristen in der Stadt und fast gar keine ausländischen. Der Grund zur Absage des Karnevals lag auf einer ganz anderen Linie. Es hat sich in Tel-Aviv die Gewohnheit eingebürgert, daß die Kinder während der Purlmfeierlichkeiten mit Schrccksehußpistolen durch die Straßen ziehen und nicht nur beim Verlesen der Megilla, die mit Lautsprechern auf die Straßen übertragen wird, wenn der Name HamanH fällt, schießen, sondern den ganzen Tag und die ganze Nacht. Zum Karneval pflegen ganz-. Züge arabischer Pferdewagen mit m a s k i c r t e n Arabern aus Jaffa zu kommen. Man befürchtete mm, daß sich unter den maskierten Arabern auch unkontrollierbare Elemente befinden könnten, die, nicht nur mit SchreckschußpUtoIen bewaffnet, die Maskerade «t*ti«- gefährlich gestalten würden. Au« diesem Grifft de mußte der Karneval abgesagt werden. Wir Stehen also selbst im rein jüdischen Tel-Arlv unter dem Terror der arabischen Nationalisten. Sfl w"e*it hat es die Palästina- Administration kommen lassen. Andererseits sieht es im arabischen Lager heute ganz anders aus als im vorigen Jfthr. Als damals Um die Pessachzelt die Prozession der Nebi-Musa-Felerlichkeiten in Jerusalem stattfand, fühlte sich der Mufti so unsicher, ■daß er englische Polizei zu seinem persönlichen Schutz heranziehen mußte und daß ganzen arabischen Gruppen die Beteiligung an den Nebl*MU9a-Umzügert untersagt wurde. Damals war der' Mufti außerordentlich unpopulär und einige, arabische Blätter brachten aufsehenerregende Enthüllungen über die verräterische Politik des Mufti. Es wird sich mancher noch der Veröffentlichung der Briefe Emir Arslans entsinnen, die c'rrmls d*;i Auftakt zur Kampagne gegen den Mufti boten. Demgegenüber wurde heuer die Nebi-Musa-Prozession am 3. April in eine große nationale Demonstration verwandelt, mit offenen antiziönistl* sehen und sogar antijüdischen Plakaten und Losungen. Dagegen hatte die Palästina-Administration nichts einzuwenden, obwohl sie, ebenso wie wir, genau weiß, was dies in solchem Zeitpunkt bedeutet, die religiöse Nebi-Musa-Prozession zu elfter nationalistischen Demonstration umzugestalten. Aber diese Veränderimg der politischen Lage kann nicht überraschen. Denn wir haben während des ganzen Jahres die: z i o n i s t i s c h e Politik und Tätigkeit vor Augen gehabt. Da gab es vor einiger Zeit eine große Demonstration , der Araber in. Jaffa gegen die j U d ischc Einwanderung. Und an der Spitze dieser Demonstration standen die von der Histadruth organisierten arabischen Hafenarbeiter Jaffas, jene Araber, die doch eigentlich von den ankommenden jüdischen Einwanderern leben, jene Araber, die mit zu den ersten gehörten, für deren Organisierung die ..Histadruth Haklalith" so viel Energie aufgewendet hat. So entsteht nun auf wirtschaftlicher Linie ebenso wie auf der politischen eine Situation im Lande, die alle Grundlagen 'für eine arabische Invasion bietet. Und diese weitaus größte Gefahr, die Erez Israel droht, ist bis heute noch von der Zionistischen Exekutive auf keiner Linie betrachtet, behandelt oder gar bekämpft worden. KIE¥KA MotSensäcke IN DROGERIEN UND PA RFUMERIEN! * teilte Nadkridif en Aus Jerusalem, 22. Äpüi («f. t. A*): Ucber die ßrcigniasä in Palästina sind noch folgende Einzelheiten tu melden: Der High Commlssloncr Sir AfthUr Waüchope lud die a r a b i s c h e n Führer au einer Konferenz über dfe gegenwärtige Lage nach Hebron ein. In Tulkarem fand ein ertMter Zusammenstoß zwischen Arabern und Polizei, die auf der Surfte nach den Terroristen war, statt, wobei sieben Araber und zwei Polizisten verwundet wurden. In Jerusalem, herrschte am Dienstag Und am Mittwoch vollkommene P-rihel Die j Vi d 1 s c h e n .K o 1 o n i e n sind von den Unruhen Überhaupt nicht betroffen worden. Der EI s c « b * h n v e r k © h r «wischen Jerusalem und Jaffa wird aufrechterhalten. Polizeiwachen begleite« jeden Zug. Arabische und jüdische Fahrgäste werden In gesonderten Abteilen befördert. Drei englische Kriegsschiffe liefen in den Hafen von Jaffa ein. Es wird aber erklärt daß ihr Eintreffen nicht mit den Unruhen in Zusammenhang steht, sondern bereits vor drei 'Wochen festgelegt wurde. Die große Mehrheit der Jüdlsohctt Einwohner von Jaffa hat die Stadt vorübergehend verlassen. Hunderte PTIKEft KUDOIF HAAS & Co. Wien ii, prateü Strasse 32 S P E, Z CA L I $ T F Ü R B R I L L E N OPTIK Jaffaer Juden kamen nach Tel-Aviv, wo sie In den Straßen, hauptsächlich auf dem Rothschild-Boulevard, biwakierten. Die Wizo und amerikanisch-jüdische Wohlfahrjßorganisationen nahmen sich ihrer an und brachten sie im Ppstamt, im Gebäude der Anglo-Palestine Bank und In Speichern unter. 150 Jüdische Reglerungsbeamtc und Beamte der Angio-Palestine Bank .wurden unter polizeilicher Bedeckung von Jaffa nach Tel-Aviv gebracht. Zwischen Jaffa und Tel-Aviv wurde eine n c nt r a I e Z,o ii e errichtet, die nicht betreten worden darf. Bürgermeister Dizengoff hat in Tel-Aviv mit Erlaubnis der Regierung eine jüdische Bürgerwache gebildet. - Alle bisherigen Zusammenstoße ereigneten sich lediglich In der Zone zwischen Jaffa und Tel-Aviv und in den Vorstadtvierteln, die Jaffa augekehrt sind. In der Stadt kam es nirgendwo zu Tumulten. Aus N a t h a n i a wird mitgeteilt, daß zwischen Haifa und Tulkarem eiii Ueberfall auf Reisende verübt wurde, wobei einige Personen verletzt wurden. Arabische Agitatoren verbreiteten, das falsche, Gerücht, daß Juden aus Nathania das arabische Dorf Um-Chaledüberfielen, doch wurde sofort die Haltlosigkeit dieses Gerüchtes festgestellt. Die Araber der dortigen Gegend erklärten selbst, daß r.wischeii ihnen' und; den Juden von Nathatiia eine nie gestörte Dauerfreundsehaft lyrjrscht. In der Nähe von Mikwe Jisrael würden sieben jüdische Reisende verwundet, einer von ihnen schwer. In Nablus wurde ein jüdischer Cbaufeur angegriffen und verletzt. Kim IN DROGERIEN UND PA RFUMERIEN! Nicht alle Deutsdien ♦ . " ' Es ist nicht richtig, wenn die Nazi erklären, daß es m Deutschland keine Pogrome gebe, denn fast jede kleine deutsche Stadt hat zwei oder drei jüdische Tote zu verzeichnen, die der SA. zum Opfer gefallen sind. Das deutsche Volk ist besser als' die'Leute, die dies zu, verantworten hüben. Denn trotz dem Boykott und der Anprangerung fährt es fort, die jüdischen Geschäfte zu besuchen und sich jüdischer Aerzte zu bedienen. Dio deutschen Juden wären sonst schon alle verhungert. A. Brailsford im „Daily Herald", 1936. u>i*> Bewertung der palästinensischen Handelsbilanz Die Notwendigkeit, die Beziehung zwischen der Außenhandelsstruktur und der Entwicklungsstufe der Volkswirtschaft bei der Beurteilung der Güte der Handelsbilanz zu berücksichtigen, hat zur Folge, daß die Bewertung der palästinensischen Handelsbilanz nicht nach denselben Maßstäben erfolgen kann wie die eines auf der Höhe oder am Ende seiner kapitalistischen Ent- Wicklung siehenden europäischen ItidHStriestaates. Wenn in den lötetet} zehn Jahren, die^Tendenz der Kontingentierung und der. systematischen Einfuhfdrosselung immer mehr an Boden gewonnen und. zu entsprechenden Bemühungen um eine Balancierung von Ein- und Ausfuhr geführt hat,-so drückt sich darbt die Politik von Staaten aus, deren Wirtaohaftsraum bereits völlig durch' kapitalisiert ist. Völlig anders ist die Situation in einem Land wie Palästina, das sich mittele der eingeführten Rohstoffe üftd Produktionsmittel erst eine Position auf dem Weltmarkt erkämpfen und seine Eigenversorgung »Ichern will z>r, ß. Mas c hk e (Jerusalem) in der Zeltschrift „Palästina", April 1036. Der „Gott" des heutigen Menschen Uebar das Geheimnis des Erfolges wW& man erst nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus klarer und vor altem offener spreohen können, als es jetzt möff' lieh ist. Vorläufig genügt es, darauf hinzuweisen, daß der Erfolg, wenigstens »um großen Teil, darauf zurückzuführen ist, daß der Nationalsozialismus es verstanden hat, aus mtnsohUchen Fehlern und Sohwächen Tugenden zu machen, die menschUohe Dummheit zur höchsten Weisheit zu proklamieren, die menschlichen Leidenschaften zu heiligen Worten w former.. Dadurch, daß er unserer Zeit die Weltanschauung gegeben hat, die ihrer ' Minderwertigkeit entspricht, hat er den „Gott" erschaffen, den der heutige Mensch begreift und — anbetet. : , Prof. Dr. P an t, Vorsitzender der deutschen christlichen Vplkspartci in Poleni 19i'IG. Erinnerung an Raf Henau Die Walther-Rathenau-Villa im Berliner Grunewald, die nach des •Außanmlnister.'i Ermordung von dessen Mutter dem Staat .geschenkt und in ein Museum mw»- gcwandelt worden war, wird jetzt auf Amvolstfng Doktor Goebbels' ein Klubheim, für arische Schauspieler ■werden. Um seinen Diebstahl vollständig zu machen, hat Goebbels angeordnet, daß die Gedenktafel für Walther Räthenän beseitigt werde. * Berliner Meldung 1936. ..... ■ ■ > Natürliche Zionisten Es ist dem indischen Juden selbstverständlich, sich in j e derHinsicht, als Jude zu fühlen,, und ebenso selbst« verständlich wird sein ungeteiltes Judentum von den, anderen akzeptiert. Seine Religiosität, die naiv genug geblieben ist, um weder in der Art einer, gewissen europäischen Orthodoxie, noch in der des Liberalismus den nationalen Charakter des Judentums umzudeuten, läßt ihm Zion als das Zentrum des jüdischen Doseins und Erez Israel, als die Erfüllung aller jüdischen Hoffnungen erscheinen. Der indische Jude ist sozusagen ei/n „natürlicher" Zionisi. C. Z. Klötzel; Ortentrelae, iOS6. Verb« d« JudenstaafMionfeten Oesterreichs Soktlon Prater, II., Erlafstraße 5. Freitag, den ■24. d., 9 Uhr abends, Oneg Schabbath unter Leitung Rabb. Dr. I. Z. Kann er. — Samstag, den 25. d., halb Ö Uhr abends, Akademie und Tanz. Mitwirken hervorragender Kunstkräfto. - .t Sektion jXIV/XV, Schariässtraße 32, Sonntag, den 26. d., 8;Uhr abends, Helmabendi Es wirken mit: Karl Schönberg, Max Wachsmann, Adolf Schlößbeutel, Lilly Halpern. — Dienstag, den 28. d., halb 9. Uhr abends, Vortrag.Dr. Sal. Wolf: Die englische Weltpolitik. Bessirksgruppe Favoriten veranstaltet Montag, den Ii. Mai, 0 Uhf abends, im Saale des Wiener Volkablldungsverelnes (Tonkino Waldmüllerpark), X., Hasengasse 38, eme' Sondervorstellung des Films „Die Rothschilds". Ferner „Der Zioriistenkongreß In Luzem". Karten'von S —.80 bis 1.80 bei allen Leitungsmitgliedern sowie im Heim, X., Horndlgasse 23. Zentralhelm JWerdertorgasse 14, Mittwoch, den 29. d., halb 9 Uhr, Dr. Oskar Karbach: „1918 bis 1927. Erinnerungen eines Wiener Zionlsten." Der Verband d e r J u d e h s t a a t s z l o n 1 s t e n gratuliert seinem Leitungsmitglied Herrn Oberinspektor Theodor Engel und Gattin anläßlloh der Bar MizwaU ihres Sohnes, .....