Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 555 (24.4.1936)
- Date
- 1936-04-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag, den 24« April 1936 ^h*oanQ Hu 555 V.b.h 186 Zeitung' vom Verleger versendet „Journal expedie par l'dditeur" *Vtf. #4/ REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Eo 8.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; BamSnien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire -6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweii: und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: lX,Universitätsstr.8, Tel,A-20-2-78 — Erscheint Dienstaghu.JRreitag Die Namen der Todesopfer Bis jetzt wurden folgende Namen der jüdischen Todesopfer bekannt; 1. Der 25jährige Jisrael Przygoda, ein Advokaturskanzlist; 2. der 40 jährige Eliezer B i s t s z y c k i, Fabrikant; 3. Shitkowicz; 4. der Maurer Chaim Kornfeld, getötet auf seinem Arbeitsplatz in Jaffa; 5. Mordechai Friedmann, ein Schüler aus Mikweh Jisrael; 6. David Schmakadal, ein Elektromonteur, getötet auf seinem Arbeitsplatz in Jaffa; 7. Chaim S z t s z e g o d a; 8. Israel Frankel; ö. Chaim Chazkewitsch; 10. Schlomo Mars o n; 11. Selig L e w 1 nsöhn aus der Tel-Aviver Vorstadt Schechunat-Tikwah (nicht, wie früher gemeldet, Petach Tikwa); 12. der 60jährige Jehuda Slmantow; 13. der 36jährige Chaim Kischler; 14. der jemenitische Jude Schlomo Garbi. en zur levante »Messe m&qestml .. Aus Prag (22. April): Die Tschechoslowakischpalästinensische Handelskammer. in Prag teilt uns mit, daßeinem bei ihr eingelangten Telegramm zufolge in Jaffa bereits vollständ ig e O r d ri u n g und in T e 1- A v i v, absolute Ruhe •heri'Sche. Die .Vorbereitungen für die ^yil. Levantemesse in . Tel-Aviv nehmen ihren ungestörten Fortgang." " ' ...... Die Tschechoslovvaldschrpälästihensische Haridels- IraTmmer errichtete auf der Messe von Tel-Aviv einen ge-; rHiimlgen Pavillon zur Ausstellung von tscb^chpslowakischen \V"aren, die für diese Messe in Betracht kommen. Mit der Führung der Agenda wurde Obersektionsrat Doktor Turnovsky vom Haiidelsministeriiuit betraut. (J. T. A.) Sande(en in Haifa Aiis'Haifa (22. April): Die Dampfer „Kosciusko" und „GerusalPme", , die , zusammen 800 jüdische Einwanderer nach Palästina brachten und in Jaffa landen sollten, wurden durch die Behörden, veranlaßt, nach Haifa weiter zu fahren. Die Einwanderer landeten sämtlich am Montag in Haifa und fuhren in einem Sonderzug nach Tel-Aviv. (J. T. A.) Ruhe nach "Mord und Brandl In Toi-Aviv und in.Jaffa herrscht seit Mittwoch, den 22. April, vollständige Ruhe. Als Folge der Ereignisse, der zwei letzten Tago befinden sich jetzt im Hadassa-Spital sechs schwerverwundete Juden. Die übrigen gehen ihrer Genesung entgegen. Während der Unruhen sind» insgesamt 16 Juden getötet worden. Weiters wird gemeldet, daß im ganzen Emck Ruhe herrscht. * In verschiedenen kleinen Orten wie in Sichern, Djenin und Tulkarem kam es zu arabischen Demonstrationen, die aber rasch unterdrückt wurden. In Djenin überfiel der arabische Mob einige Automobile, in welchen französische Offiziere aus Syrien eine Reise durch Palästina machten. Hiebei stießen die Araber antifranzösische Drohungen aus. Weizmann bei Waudbope Die Mitglieder der zionistischen Exekutive Ben Gurion und Tschertok sowio der Vorsitzende des Wand Leumi Ben Zwl besuchten unmittelbar nach dem Begräbnis der Opfer in Tel-Aviv den Präsidenten der zionistischen Organisation Dr. Weizmann in Reehoboth. Am gleichen Tag, Dienstag, den 21. April, wurde Dr. Weizmann vom Oberkommissär in Jerusalem empfangen. Perserteppiche zu staunend billigen Nachsaisonpreisen Herrliche Qualitätsware zu jedem annehmbaren Preis! PERSER- UND ORIENTTEPPICHE i, ß. R. KANZAH Die Opfer nicht nutzlos gefallen Eingang Weihburggasse Gartenbau-Objekte Wieder sind in Palästina jüdische Opfer gefallen, Opfer auf dem Felde der Arbeit, die dem Frieden, der Gesittung und dem Wohlstand des Landes dient. Das Volk sendet seine Söhne und Töchter nach Erez Israel, damit sie dort ein neues Leben beginnen, frei von den Beschwerden der Galuth, und damit dort endlich das seit Jahrhunderten ersehnte, von Theodor H e r z 1 vorgezeichnete, von allen Kulturstaaten als Wiedergutmachung uralten Unrechts angesehene Jüdische National heim werde. , An den Juden, an dem zionistischen Ideal liegt es nicht, daß jetzt wieder die Buhe gestört wurde und ein Teil der arabischen Bevölkerung zu blutigen Exzessen geschritten ist. Noch sind die Hintergründe der letzten Ereignisse nicht erhellt — die Untersuchung darüber ist nach Angabc des Oberkommissärs Wauchope im Gange — und darum wäre es verfehlt, da oder dort Schuldige zu suchen oder gar Gerüchte zur Grundlage von Behauptungen zu machen. Aber die Atmosphäre, innerhalb welcher der unprovozierte Angriff gewisser arabischer Elemente gegen den Jischuw erfolgte, ist zweifellos das Produkt der Haltung der Palästina-Regierung gegenüber den arabischen Chauvinisten, in denen der Eindruck erweckt wurde, daß sie für ihre antijüdischen Aspirationen auf Verständnis, ja Entgegenkommen rechnen können. Vorläufig hat das jüdische Palästina seine Loyalität mit 16 Todesopfern und schweren moralischen und materiellen Schäden bezahlen müssen. Aber hoffentlich nicht nutzlos. Die blutigen Apriltage in Palästina Der Gang der Ereignisse Der blutige Angriff arabischer Nationalisten auf Juden in Palästina, wie er in solcher Intensität seit den Augustunruhen von 1929 nicht zu verzeichnen war, nahm folgenden Verlauf; 17. April: \ An diesem Tag fand die Bestattung des aus Saloniki eingewanderten jungen Chaluz Israel C h a s a n statt, edr einige Tage' vorher von' einer arabifdjafft ftdjer ytnberuua eine Srinhhur mit mreblauer V Sauettmttm sehen Banditenhorde bei Tulkarem überfallen und getötet worden war. Anschließend an die Begräbnisfeier formierte sich ein Zug zur Allenby-Straße, wurde aber von. einem Polizeitrupp aufgehalten und mit Knütteln bearbeitet. Die Polizei beantwortete ein Steinbombardement mit. einer Salve,' die schwere Folgen hatte. Viele Juden wurden schwer verletzt, viele — auch nicht demonstrierende — verhaftet. Als,der Fr'eit'agabend hereinbrach, war in Tel-Aviv Ruhe eingekehrt. Die Menge hatte sich-zerstreut. Vierzehn Verletzte waren von Mitgliedern des Roten „Magen David" in das „Hadassa"-Hospital eingeliefert worden, von denen vier sich in einem bedenklichen Zustand befinden; die übrigen Verletzten wurden in häuslicher Pflege belassen. Unter den Schwerverletzten befindet sich ein jüdischer Polizist. Verhaftet wurden zehn Personen, darunter einige Verletzte. Die Polizei hielt die Haupt- Zur Levante-Nesse nach Palastina Hie wiederRelirentle Gelegenheit, billig zu fahren! Besondere Ermäßigungen und Begünstipungen, auch bei der Visaerlangung. Näheres bei Dr. S. Tocker, IX, llechtenstelnstr. 2, Tel. A-14-504, Reisebüro „in die Welt" (W, M. Renner). verkehrsstraßen der Stadt besetzt, die AUenby-Straße in der Nähe der Stadthalle wurde durch Polizeikordons abgeriegelt. Im Verlauf des ganzen Sabbats herrschte in Tel-Aviv äußerlich vollkommene Ruhe, wenn auch die Erregung anhielt. Hingegen machten sich in der Tel-Aviv unmittelbar benachbarten Stadt Jaffa im Verlauf des Samstags Zeichen einer gefährlichen Unruhe bemerkbar. Agitatoren hetzten die arabische Bevölkerung gegen die Juden auf, indem sie auf die jüdischen Demonstationen in Tel-Aviv hinwiesen und diese außerordentlich übertrieben schilderten. Am Sonntag erreichte die Erregung unter der arabischen Bevölkerung' ' Jaffas ihren Höhepunkt, als bekannt wurde, daß in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zwei Unbekannte in eine abgelegene arabische Werkstätte zwischen den jüdischen Kolonien Raanana und Kfar Saba eindrangen und die dort anwesenden zw*! Araber niederschossen. Einer der Getroffenen war sofort tot, der zweite; starb am Freitag im Hospital, nachdem er vor seinem Tode erklärt hatte, daß der Unbekannte, der auf ihn den Schuß abgab, ein jüdisches Aussehen hatte. Obwohl der Polizeibericht,,, besagte, daß der an der Mordstelle auf die Spur gesetzte Polizeihund nach einem Nachtasyl arabischer Arbeiter lief, wo die Spur aufhörte — In Polizeikreisen ist man der Ansicht, daß es sich bei dem Doppelmord um einen Akt arabischer Blutrache handelt — forderten arabische Agitatoren die Menge auf, Rache an den Juden zu nehmen. Verschiedene andere Gerüchte trugen dazu bei, die Erregung unter den Arabern zu nähren. , . 1 9. A p r i 1: Im Verlauf des Sonntags zogen grbßere Trupps Araber von Jaffa in die Richtung Tel-Aviv. Auf dem Wege dahin griffen sie die mit jüdischen Arbeitern besetzten Autobusse der Ruthenberg-Gesellschaft an, schlugen die Fenster ein und mißhandelten die Insassen. Auf dem weiteren Wege nach Tel-Aviv griffen sie mehrere Juden und auch die sich ihnen entgegenstellende Polizei heftig an, es kam zu einigen sehr gefährlichen Zusammenstößen, wobei.die Polizei von der Waffe Gebrauch machte. Sieben Juden wurden von den Arabern getötet und etwa vierzig Juden verletzt; zwei Araber wurden durch Polizisten getötet, man zählte auch eine Reihe verletzter Araber. Von den vierzig verletzten Juden schweben mehrere in Lebensgefahr. Auch eine Reihe Polizisten wurde verletzt. Noch am , Sonntag hatte die Regierung für den Distrikt Jaffa-Tel-Aviv den Belagerungszustand ereklärt. Zwischen 7 Uhr abends und 5 Uhr morgens ist das Betreten der Straßen ganz und gar verboten. Gruppen* ansammlungen sind auch während des Tages verboten. Die Straße zwischen Jerusalem ünd Jaffa-Tei-Aviv wurde für jeden Verkehr gesperrt. Außer Polizei wurde auch Militär zur Aufrechterhaltung der Ordnung angesetzt. Britische Truppenabteilungen mit Maschinengewehren marschieren gegen Jaffa. Am Sonntag abends erließ der Gouverneur des Süddistrikts Major Crossbie eine Kundgebung, in der er v» c** « V 0Ol*\ t EIN 8.X.1 •«y«», T E IE FON*. A 3 4 S- SO Cül&ttt