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Die neue Welt · 1936-04-10 · Heft 552 (10.4.1936) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 552 (10.4.1936)
Date
1936-04-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite * DIE NEÜE WELT Nr. 552 vom 10. April 1986 Scholem Aleckem 44 fha MkätUmU,..} 44 Vater, ich möchte dir vier Fragen stellen Die erste Fraget Ma nischtanah halajlo hase, mi'kol haielos — „Warum ist diese Nacht ausgezeichnet vor allen anderen des Jahres"? Schebchol halelos . . . „an allen anderen Nächten" onu ochlim „essen wir" nach Belieben, Koscheres und Trefenes, Würste und Fisch mit Rettig, Krebse, halajlo hase kulo mazo . . . „nur Mazzoth"? Alles wurde gewaschen, geputzt, gereinigt, gescheuert — in jedem Winkel, an jedem Ort; frisch genialen, die Möbel aufpolitiert, besonderes Geschirr verwendet; die nichtjüdische Köchin'hat man heimgeschickt, die Türen gestrichen, den Qfen ausgeglüht, damit alles blitzblank und „koscher" und jontewtig werde. Und uns hieß man die Kappen auf- . setzen, zu Tisch kommen, und gab uns einen „Siddur" in die Hand, damit wir hineinschauen. So sitzen wir also, schauen hinein in den Siddur. Was soll diese Komödie? — Das, Vater, ist die erste Frage. Die zweite Frage! Warum hat die Mutter die nichtjüdischen Bediensteten über die acht Pessachtage beurlaubt? Warum schämen wir uns unseres Pessachf estes? Etwa deshalb, weil wir aus der Knechtschaft Aegyptens befreit und aus Sklaven ein freies Volk wurden? Oder schämen wir uns vielleicht unserer Thora, worin es heißt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" . . . Wenn dein Feind hungert, gib ihm Brot und wenn er durstig ist, gib ihm Wasser! Oder schämen wir uns unseres Beth Hamikdasch, das,, -wie man sagt, ein Gotteshaus für al 1 e Völker war? ,*'Oder unserer Könige, die nicht nur Schlachten lieferten, sondern, wie ich hörte, erlesene Werke verfaßt und herrliche Lieder gesungen haben? Oder gar unserer Propheten, die inmitten des Volkes lebten und den Samen des Höchts, der Gerechtigkeit, der Wahrheit und des Friedens säeten; und nicht zuließen,-daß man den Armen beleidige, den Schwachen unterdrücke, der Witwen und Waisen vergesse?, die den Wagemut hatten, die Schwächen der Großen und Mächtigen anzuprangern, sogar den Königen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen? Oder-: sollen wir uns etwa unserer Ahnen schämen, die sich martern und quälen, peinigen und bespeien, braten und brennen, hängen und ertränken " ließen ihres Glaubens wegen und den Scheiterhaufen in voller Seelenruhe bestiegen, den letzten Ruf „Sch'ma Israel" auf den Lippen?.— Das, Väter, ist die zweite' Frage. Die dritte Frage! Warum ließest du uns alle Sprachen lernen, alte und neue, und eine Sprache hast du vergessen — unsere eigene hebräische Sprache! . Die Sprache der Thora, der Propheten, die Sprache, von der man sagt, daß sie eine reiche und wertvolle Literatur besitzt, r-——' Warum mußten wir die Geschichte alter und fremder Völker lernen, während Uns die Geschichte unseres eigenen Volkes nicht gelehrt wurde?. Warum hat man uns die Geographie der ganzen Welt, aller Länder und Erdteile beigebracht — nur die Geographie von Erez Israel ist uns fremd? Warum kennen wir genau den Lebensgang und die Werke aller Könige, Denker und Dichter — aber wissen kaum etwas von Esra, Juda Makkabi, Jehuda Halevy, Gordon, Abramovics, Bialik . . .? Das, Vater, ist die dritte Frage. Die vierte Frage! Warum ist Ivan Ivanovics bei dir so angesehen und geehrt und — Reb Chaim nicht? Warum wird Ivan Ivanovics, wenn er uns besucht, von allen fürstlich empfangen, bekommt den würdigsten Platz und das Beste vorgesetzt — und wenn Reb Chaim kommt, bleibt er bei der Tür stehen und zittert aus Furcht, man werde ihn gar nicht einlassen? Warum haben wir vor unserem russischen Lehrer so großen Respekt, benehmen uns ehrfürchtig, haben Respekt vor seinem Blick — wenn aber unser jüdischer „Rebbe" kommt, machen wir uns lustig über ihn, treiben mit ihm Schabernak, verstecken seinen Hut unter dem Bett und werfen seine Galoschen in den Hof? Warum finden wir so oft in den Zeitungen deinen Namen als Spender für so viele nichtjüdische Institutionen — aber sehr selten hört man, daß du auch für eine jüdische Sache etwas gespendet hast? Warum - gabst du mir den Namen M a r k u s, und nicht Mordechaj, wie icht nach, meinem Großvater heiße? Ist etwa Markus, ein größerer Mensch gewesen als Unser größer Mordechaj? Das, Vater, ist die vierte und letzte Frage. Und nun, lieber Vater, bitte ich dich, mir auf diese vier Fragen eine Antwort zu geben, und wenn d u mir keine Antwort darauf geben kannst, werde ich dir die Antwort sagen: „Awodim hojim", das ist: Knechte wären wir — und sind Knechte geblieben. (JubÜäumsaüsgabe1 ÜeiJ.g&kk&melteix' Schriften, Washington 19Ö9.) Frei übertragen von M. S. Brafmann. Modernstes PaJ^tJnensisch-Hebräisch nach lebendiger Sprachauffassung lehrt Individualpädagoge. — P. Schönbabh^ Teh;A-12-8-88. ' ' J* Segal*Rosenbadi Ueber Einladung der Judenstaatszionisten Oesterreichs gab .der bekannte Sänger J. S,e g.a,l - K o s e n b a c h im Zentralheim der Judenstaatler einen Konzertabend. Die Einführung bildete ein von Segal-Rosenbach verfaßter Vortrag ,.U e b e r die Entstehung und Entwicklung des jüdischen (hebräischen u'nd j'i d dl seh en) Kunst- und -Volksliedes''. Dann folgte der Vortrag der Lieder. Der Sänger brachte neühebräische' und jiddische Kunstlieder (Komponisten: Engel. Alman^Milner,. Gelbart u. a.), ferner hebräischorientalische Volkslieder u. a., jahrhundertealte Volksgesänge ^iP^Ä - .y -.^»y m\mß- /■ii* \! ■ ■W< mm Von S 2 Wochenraten er« halfen Sie alle Gegenstände In gröBter Autwahl und peiler Qualität bis 20 Monate Kredit SCHLESINGER VII, Burggasse Telephon B-32-2-24, B-S5-<h§5 palästinensischen, jemenitischen und arabischen Ursprungs. Dann eine Fülle neupalästinensischer Lieder und Tanzgesänge, in welchen sich der rieue Jlschuw abspiegelt. Mit populären jiddt« sehen; Volksliedern au:; üom Familien- und Volksleben schloß I. Segal-Rosenbaeh unter stürmischem Applaus das Konzert. In Lili R-i e g 1 e r, weiche die Klavierbegleitung ausgezeichnet besorgte, hat Segal-Rosenbach die beste Helferin gefunden. Der Schwimmklub Hakoah hat an den Aufnahmen von Knaben und Mädchen im Alter von 12 bis 15 Jahren, die des Schwimmens bereits kundig sind, Interesse. Jugendliche in diesem Alter, die sich dem Schwimmsport widmen wollen, mögen sich an den jeden Dienstag von %7 bis 8 Uhr abends und jeden Donnerstag von 3/j7 bis U9 Uhr abends imDianabad stattfindenden Badeabenden anmelden. Ihre Herren-Garderobe besorgen Sie günstigst im erstklassigen Schneideratelier Brüder Goldberg, I., Weihburggasse 9 (Mezzanin). Orig. engl. Stoffe. E WOCHENsKALENDM FÜR DAS JAHR 5696 April p^o vsnn . Nissan - Freitag 10 18 Sabbateingang 6.35 . ' Samstag 11 19 Sabbatausgang %Z5 Sonntag 12 20 'i Montag 13 21 HDD 5ü">I^Sl0 Dienstag 14 22 ' niowj vs»d ~ hdd 9ü innx Mittwoch 15 23 Donnerstag 16 24 M P F E SWERTE FIRME Restaurants, Cafes etc. Cafe Abbazia, II., Ausstellungsstraße 1,' Tel. R-44-5-58. Warme und kalte Küche. Bier vom Faß. Klubzimmer. Samstag u. Sohntag Konzert. Musikschutz frei. A. Barschak, II., Große Schiffgasse 3. Streng Vorzügliche Küche. Billige Preise. ' Dalmatla Weinhaus, TV., Rechte Wienzqlle 27, Telephon A-37-0-25. Filiale: I., Tuchlauben 11, Tel. 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