Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-04-10 · Heft 552 (10.4.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 552 (10.4.1936)
Date
1936-04-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712177--5716-2719371
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

is 20 Groschen Freitag, den 10« April 1036 19 Jahrgang Nr« $$Ä V« b* b* Zeitung vom Verleger versende! „Journal exp6di6 pär l'gditettr'1 REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlieh 8 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmäölen monatlich Lei 40.-1-, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 80.—, viertel jährig Lewa 80.—{ Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.60. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion u.VerwaUung: IX, Universitäisstr,8, leLA-20-2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag ,H ERMIASTAT'- Bruchbandagen jedem Einzelfall wissenschaftlich angepaßt, absolut beschwerdefrei auch in den schwersten Fällen FACHFIRMA Bondagen^n&SiSSSh WIEN, TABORSTR. 22 Weltpolitik der Woche Von London nach Genf — und was weiter? Die Weltöffentlichkeit findet keine Beruhigung in der Tatsache, daß nun wieder ein großer Apparat in Bewegung gesetzt wird, um die bestehenden Spannungen, bzw. die gewaltigen Gegensätze zu überbrücken. Sie hat ein Recht, gegenüber einem Apparat skeptisch zu sein, der bisher in allen Entscheidungen, die dem natürlichen Verstand und dem Bedürfnis der Völker entsprochen hätten, jämmerlich versagte, mehr noch: den Entscheidungen auswich. Der Dreizehnerausschuß, ein Gremium des Völkerbundes, und die Locarno-Mächte tagen. Sie sqllen die Krise, die um den Nil (Abessinien) und um den Rhein (Deutschland—Frankreich) ausgebrochen ist, beseitigen. Es geht aber, wie der gründlichere Betrachter erkannt hat, nicht um die aktuellen, akuten Probleme, sondern^-um die Auffassung von Recht und Vertrag, also um weltanschauliche Dinge. Während E n-g 1 a n d ' die augenblicklichen Hindernisse, -einer Verständigung: bese'itigetr will, 'Wünscht Prankreich seine Meinung über den Wert von Verträgen durchzusetzen. Während England die Rheinländfrage aus der Welt schaffen, will, um mit freiem Kopf und ungebundenen Händen gegen Italiens abessinische Aspirationen auftreten ' zu können, wünscht Frankreich, daß man Italien .gegenüber wohlwollender verfahre und es wieder in die friedenbewahrende Front einreihe. Während England die Vorschläge Hitlers als Verhandlungsbasis ansieht, weist Frankreich die Zumutung zurück, mit einem Vertragsbrecher —- nach ungesühntem Vertragsbruch — neue Abmachungen zu treffen. Während schließlich England den französischdeutschen Konflikt durch gegenseitige Konzessionen bereinigt sehen möchte, verlangt Frankreich die Erörterung und Schlichtung aller Differenzen im Bchoß des Völkerbundes, d. h. im Rahmen kollektiver, umfassender, europäischer Sicherheit. Und da bekanntlich England „Zeit hat", für Frankreich hingegen der Begriff „Zeit" einen fatalen Beigeschmack durch die fortschreitende Militarisierung Deutschlands bekommt, ist nicht abzusehen, wie man in Genf zu einem vernünftigen Resultat gelangen soll. Verharrt Frankreich — und viele Anzeichen. sprechen dafür— auf seinem Entweder — Oder, so wird England endlich Farbe bekennen müssen. Es wird den Völker- 'fjundmächten nicht zumuten können, daß sie gegen Italien einen verschärften Sanktionsbeschluß annehmen, das Vertragsbrüchige Deutschland aber weiter gewähren lassen. Dieser unlogische Standpunkt wurde vom französischen Außenminister deutlich herausgearbeitet und als unakzeptabel bezeichnet. Wird Genf mehr bringen als London? Wird England seine Absichten weiter im unklaren lassen lind, seine Verzögerungs- und Verschleppungstaktik weiter praktizieren? Und.kann andererseits Frankreich ohne tiefgehenden Schaden dieses Spiel weiter mitmachen? Wird Italien sich der englischen Drohung fügen und die Kriegshandhmgen in Abessinien abstoppen, nur um England gegenüber willfährig zu sein und sich eine günstige Stimmung für Friedensverhandlungen zu schaffen? Und wird endlich Deutschland fortfahren, unter dem Wohlwollen einzelner britischer Staatsmänner seinen Erpressergelüsten gegenüber den kleinen Nachbarstaaten zu frönen? In diesen nur linear umrissenen Fragen liegt das Programm: Genf. Man wird• debattieren, verhandeln, beschließen, feststellen, vielleicht sogar etwas tun. Aber keinesfalls genug, um die dunklen Schatten, die auf Europa lasten, zu-verscheuchen. o, r; Ministe* Thomas ruft arabische Helfer In der Frage der Errichtung eines Palästina- Parlaments mit jüdischer Minderheit (Legislative Council) hat der Kolonialminister T h o m a s, als Verfechter dieses Planes, eine moralische Niederlage sowohl im englischen Oberhaus als auch im Unterhaus erlitten. Nicht ein einziger Redner hat für Thomas gesprochen. Die Vertreter aller Parteien wandten sich gegen seinen Plan, den sie als Treubruch gegenüber den Juden, als ein Mittel, um die Juden ihres Rechtes auf Einwanderung und Bodenerwerb zu berauben, und als schwere Schädigung der Interessen fengländs im Orient mit den stärksten Ausdrücken verurteilten. Da sich Minister Thomas an die Wand gedrückt sieht, hat er seine arabischen Günstlinge aus Palästina zu Hilfe gerufen. Sie sollen nach London kommen und offenbar einen Druck auf die englische öffentliche Meinung ausüben. »et ttttorrJjalffiöett Q&«**%t*tmm** 9lffcltionen gtier fiafttoeoe!|jlßOiUl!Cl Aus jerusalemvv wird gemeldet;: Der High Oommissioner Sir Arthur W au c h ö p i empfing eine Delegation a r a b i s e h e r j P a r't e i f ti h r e;r ühd übermittelte ihn^»^ej^4^iiidung des Colonial Office, eine arabische Deputation von sechs Mtglie-: derh häcIi I/o lidon zu senden, um direkte Verhandlungen im Zusammenhang. mit dem geplanten Legislative Council zu führen. Der High Gommissioner informierte weiterhin die arabischen Führer darüber, daß die Frage der Land verkauf e und Einw a n d e r u n g ebenfalls Gegenstand* der Unterhandlungen sein werde. Die arabischen Führer nahmen die Einladung an und baten, daß auch ein christlicher Araber die Delegation begleiten könne. Die arabische Abordnung wird in London in einigen Wochen erwartet. Als Grund der Einladung gab Sie Wauchope den Arabern bekannt, daß die Juden in absoluter Opposition gegen den Legislative Council verharren. Unmittelbar vor den Arabern hatte Sir Wauchope den Vertreter der Zionistischen Exekutive, Jeden Sonntag „Francopol"- Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Rückfahrten: 15., 21. April, 5., 19. Mai 1936 Spezielle Ermäßigung: 14 Tage - Rundreisekarten in ganz Polen nur S 50.— „FRANCOPOL", Wien IN, Schwai zenbergplatz 7, Telephon U-16-4-90 „CEDOK". Wien, 1. Bezirk, Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 „GERNGROSS", Wien VII, Mariahilferstraße 42, Telephon B-38-2-68 Ben Gurion, empfangen, der neuerlich die Erklärung abgab, daß die Juden jede Teilnahme an dem Legislative Council ablehnen. * ' In der englischen Presse wird die Diskussion über den Plan der Einsetzung eines Legislative Council in Palästina fortgesetzt. Die Zeitschrift „New Statesman and the Nation" schreibt: „Die dienstägige Debatte über die Einsetzung eines Legislative Council in Palästina hat gezeigt, wie Weitverbreitet die Gegnerschaft gegen die Politik der Regierung ist. Hält man diesen Vorschlag mit den jüngsten Maßnahmen zur Einschränkung des Bodenverkaufs zusammen, so hat es den Anschein, daß er den Arabern eine ge-, fähr Ii che Vorherrschaft geben würde zu einer Zeit, da Erwägungen humanitärer Art es mehr als je lebenswichtig erscheinen lassen, daß die Bemühungen, ein jüdisches Nationalheim zu schaffen, nicht nachlassen. Mr. Thomas behauptet, daß der High Commissioner durch Versprechen an die Araber gebunden sei. Dagegen brachte Mr. Churchill die Stimmung des Hauses zum Ausdruck, als er erklärte, daß die B a 1 f o u r - D. e k 1 a r a t i o n mit' einer arabischen Mehrheit im Council ri 1 c h t in Einklang zu bringen sei. # Aus Je r u sa 1 e m: In der arabischen Presse werden die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen darüber, ob der Vorschlag der: Regierung anzunehmen oder abzulehnen sei, fortgesetzt. Die Tageszeitung „F e 1 e s t i n" tritt unbedingt für die Annahme des Regierungsvorschlages ein. Sie begründet diesen Standpuntk damit, daß das künftige Parlament uneingeschränkte Vollmacht haben wird, die Probleme des palästinensischen Lebens, der Politik und Verwaltung des Lahdes zu erörtern. „Damit. allein", behauptet das Blatt, „können wir die Regierungspolitik der Schaffung, des Jüdischen Nationalheims angreifen und die sowohl für die christliche -wie für die mohammedanische Bevölkerung schädlichen Aktionen vereiteln. Was im Parlament gesagt werden wird, wird ja doch als offizielle Meinungsäußerung gelten und keinerlei Ableugnung der arabischen Beschwerden wird mehr helfen. Darum werden der englische Präsident des Parlaments und tausend and.ere Präsidenten keine Bedeutung haben, denn die Regierung anerkennt die Freiheit der Diskussion, Diejenigen, die, gegen die Einschränkung der Befugnisse des Parlaments polemisieren, .sollten bedenken, ■ ■- „ -v " vi- . ■■ >«S . ■ ■ . r.--.-- :■■ . ■ - . daß auch; der :Shaw*l5onimissiQn von-Anfang verböten Wurde, über politische' Fragen zu sprechen.,,. Kaun} hatte sie aher ihre Arbeit begonnen, .da ging .sie^aueft schon üb e r d en e r 1 au b t en R ah men hi nä u s. Genau dasselbe wird auch in bezug auf Eiuwand,ernngsgesetze, Bodenfragen usw. der Fall sein." , * Die hebräische Presse Palästinas protestiert' dagegen, daß die arabischen Führer .nach London geladen wurden und über , die Juden anscheinend7 zur Tagesordnung übergegangen wird. Sie spricht, die Hoffnung aus, daß die Freunde der zionistischen Sache im englischen Parlament fest bleiben werden. Die fiudenslaalspartei in Amerika Aus New York: Auf der in New York abgehaltenen ersten Konferenz der Judenstaatspartei Amerikas wurde eine Resolution gefaßt,'in der die Intervention des amerikanischen Außenministeriums zugunsten des Jüdischen Nationalheims in Palästina auf Grund der amerikanisch-englischen Konvention über das Palästina-Mandat gefordert wird. In der Resolution wird Klage darüber geführt» daß England das Mandat nicht verwirkliche. An das englische Volk wird der Appell gerichtet, die englische Regierung darin zu beeinflussen, daß sie ihre Politik ändere. Gegen den Legislative Council wird in der Resolution Protest erhoben und an die Juden der Diaspora der . Appell gerichtet, Märkte für den Absatz palästinensischer Waren zu erschließen. Der Präsident der Judenstaatspartei, Meir Groß man, hielt eine. Rede, in der ejr vor den Versuchen warnte, den Judenstaat in eine b l o ße Zufluchtstätte umzuwandeln. Er forderte Massen- Wanderung nach Palästina. Arabische Vorstöße Aus Jerusalem: Der Kampf der Araber gegen den Gebrauch der Bezeichnung Erez Israel, in'-dem hebräischen Programm des Palästina-Senders geht weiter. Die arabischen1 Nationalisten geben sieh nicht damit zufrieden, daß man künftig statt des vollen Namens Erez Israel nur die I n i t i a 1 e n E. I. gebrauchen will. Araber beschädigten die Anlagen des Paiästjna- B.R.KANZAH Eingang Weihburggajse Perserteppiche zu staunend billigen Nachsaisbnpreisen Herrliche Qualitätsware zu jedem annehmbaren Preis! PERSER- UND ORIENTTEPPICHE I, PARKRING 12 Gartenbau-Objcktt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.