Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 551 (3.4.1936)
- Date
- 1936-04-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 R E U Freitag, den 3« April 1936 10 Jftfcrgc 185 Nr* SSI V* b* bd Zeitung vom Verleget versendet '?oun$* expfidie pat l'&ttteti*'1 Titl. tliüversitätsMbüothek1^ Wien, I, HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—-; Bulgarien monatlich Lewa SO.—, vierteljährig' Lewa SO.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Sehwels und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung s IX, Universitätssir. 8, Jet. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag a: Freitag ist die Nacht, da der Todesengel ausflog, Aegyptens Erstgeburt schlug -7die Israels nicht. In dieser Nacht stand die W^e gleich: Da wog Der, (?ott der Väter die. Hnd das Xeid im ,.:" ■ .• ',V-' Gericht .... . Nun flackern dem festlichen Tisch Kerzen;••/.-...•■'-.-.'t.* '.'.'.>•*.»; . .^-..)>v.. v . Flämmchen .. . Vqä Israel" 'feiert das Fest, verklärt, von Licht, , pnd.preist die Liebe, Gottes, die niemals frog" "Jünd preist die großen Wunder (60 ist es Pflicht!) . Der Nacht, da Israel aus Aegypten zog. 1 . .' " c". ■ ■ ■ |$t dies nicht wie heut', so vjiele Zeit auch verfloß? Da lebte ein Ideines Volk in der Sklaverei, Die Wut der Mächtigen riß an dem dürftigen Sproß: Ein erdüberschattender Baum erwuchs aus dem Stämmchen — Ein Volk, so groß, daß se|n Blut es in Strömen ver- \ _' ■ - goß .... Wje kam das Wunder? Die Sklaven,, wie wurden sie ...... ... ..... ...... ..... frei, Indes das Mfeer sich um die Verfolger schloß? p^es, ipt die Nacht," da Wunder nach Wunder geschah: tlnd Gott, der uns damals half, ist noch heute da, TJmbau uns auch Haß einer Welt mit Dämmen und Dämmchen Ein .Mann/ von 'Gott"gesandt, unser Elend sah.— Und.'. Gott kann Ihn wieder senden: Hallelujah! Um uns nur Mohn und Haß wie Höllengeflamm. Im Bornendickicht, zerzaust von den Domenkämmehen, Verblutet ein Lamm ... Doch Gott errettet das Lamm — Dich selbst^ Kind Israels: Ein Lämmchen! Ein Lämmchen! Uriel Birnbaum. I Kyttejinacliiing 1 l' Die Wiener Molkerei bringt auch heuer § | Pessach-Koschermilch in allen ihren Filia- | | Jen zum Verkauf. Die Pessäch-KoscHer- | | milch wird in ihren Meiereien in Nieder- § | Österreich unter streng ritueller Aufsicht j | der von Sri Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. j I Roseninann bestellten religiös verläß- | | liehen Organe DVTWö erzeugt. Jede j |: Kahne und jede Flasche ist mit einer Plom- § 1 be,' respektive mit einer Schleife versehen j | mit dem Aufdruck § 1 tob *?v ttto. zin j 1 Vom 6. April bis U. April in §§ s alleh Verkaufsstellen erhältlich ff Im Kampf gegen das Judentum Von Rabb. Dr. Armand Kaminka Ein bedeutungsvoller Vortrag des bekannten Gelehrten Dr. Kaminka knüpfte aus Anlaß der „Parschath Hachodesch" an das Wort der Weisen an: ,,Chad'schu maass^chem" — Ihr Juden werdet euch in jeder Epoche neu zu bewähren haben. Zweierlei Schicksale stehen euch bevor, die euch entgegengesetzte Aufgaben stellen werden. Ihr werdet unter manchem großen Herrscher (,rosch') leben, von dem ihr nur wegen eurer überragenden Leistung für Staat und Land gewürdigt und emporgehoben werdet; dann aber werdet ihr zeitweilig die Mißgunst und den Haß mancher Volksgruppen zu fühlen haben, welche menschlich und kulturell unter vollkommen gleichen Bedingungen mit euch leben, sich aber kraft ihrer überwiegenden Mehrheit als Erste" (,rischon'), Herrschende und Alleinberechtigte, voranstellen und euch, gerade wegen eurer überragenden Leistung als Gefahr für Staat und Land mit ungerechten Mitteln zurückzudrängen bemüht sein werden. ■ Man kann sagen, daß in dieser schpn im dritten Jahrhundert erkaiinten Ätt^rnative ein Schema für die Leiden der Juden, in Zerstreuung gegeben ist.. Unter großen erleuchteten-Herrschern mußten.sie sich; individuell als tüchtiger erweisen, um sich.Achtung,zu. e^ringen^,J^ e;b*u d Kta;d;n e. z^a r ließ au.s,, J;ud#a Jjjjig? i sei 5nterenerrran!unaen ober @nt*it!tdimgen bc§ SlierenlietSens irmfe um: linge .vornehmer Abkunft kommen, um sie für denbabylonischen Staatsdienst auszubilden. Als diese Jünglinge sich „zehnfach vor allen chaldäischen Gelehrten" auszeichneten, war es dem Könige nur recht. Als unter ihnen Daniel .durch seine höhere Weisheit Bewunderung hervorrief, machte er ihn zu seinem Minister. Alexander der Große wollte grundsätzlich von Schranken unter den zahlreichen Völkerschaften seines Weltreiches nichts wissen und war besonders den Juden sehr gewogen, ebenso Julius C ä s a r, bei dessen Tod, wie Stietonius berichtet, die Juden — die damals schon, wie aus Ciceros Rede „Pro Flacco" bekannt ist, einigen Einfluß in Rom hatten ~ mehr als alle anderen Bürger trauerten, da er ihnen zahlreiche Privilegien verliehen und Wohltaten er- Jeden Sonntag „Francopol"- Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz Rückfahrten: 15, lü. April, 5., 19. Mai 1936 Spezielle Ermäßigung: 14 Tage - Rundreisekarten in ganz Polen nur S 50.— „FRANCOPOL", Wien III, Schwai zenbergplatz 7, Tetephon IM6-4-90 „CEOOK". Wi?n, l. Bezirk, Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-.88 f.OBRNCROSS". Wien VII. Marlahllferstraße 42, Telephon n-38-2-68 wiesen hatte. Von den vielen großen Kalifeh im Orient und im maurischen Spanien ist zur Genüge bekannt, wie sie immer wieder Juden in die obersten Stellen des Staatsdienstes beriefen. Karl der Große hat — was uns besonders in einer Zeit, da weltberühmte jüdische Gelehrte von deutschen Hochschulen verbannt sind, besonders interessiert — als erster eine jüdische Gelehrtenfamilie, Kalonymos aus Lucca, nach Deutschland berufen und ihr um das Jahr 787 in Mainz Niederlassung gewährt. Napoleon* hat in allen Ländern, die er seinem Einfluß unterwarf, die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden gesetzlich festgelegt und nach' Paris ein jüdisches Synhedrion berufen. Noch in unserer Zeit haben wir gesehen, wie der weise Kaiser Franz Joseph! vorurteilslos und wohlwollend zur Anerkennung bereit, jedem jüdischen Talent gegenüberstand, das im Dienste der Monarchie Ersprießliches zu leisten sich bemühte. Ein anderes Bild aber, und zwar ein sehr trübes, zeigt die Geschichte der Juden in der Zerstreuung, wenn wir an die in verschiedenen Epochen' gleichmäßig/ wiederkehrende klein-' liehe Mißgunst seitens einzelner B«- völkerungsgruppen denken, denen die Fähigkeiten der Juden' auf manchen Gebieten und ihre teilweise höheren Leistungen ein Aergernis bereiten, und an die ebenso gleichmäßig in verschic/r denen Epochen wiederkehrenden Ei'f'e>. Nach Amerika mit Koscher-Küche auf den Dämpfern „QUEEN MARY« „BF,RENGARIft" . . . . . „BRITANNIC" ....... „BERENGARIA" . Y(V. . 1. Abfahrt 27* HAI 193C ff , . . . ... .'. . , 15.. Äp>il 'M ........; . 22; April -H ....... ... . . 29; April s: 1 C U N A R O WHITE S T A R LT D. I I WIENI, KÄRNTNERRING4. TEL. U-42-0-43, U-46-2i48 § ■= . ' ■* ". 's .^lillllllilllllllljlllW r.e r, t-.diemit- Scheinargumenten -.die-, Yplksinst^kte gegen den angeblich zu groß gewordenen' Eirifiüßv4er Juden auf stacheln urid deren bürgerliche, und :wir1> schaftliche ^urückset2sung fordern; Sie 'gewinnen'••s^hr leicht den Beifall der großen Masse, indem^ sie ihr '3öfr gerieren, daß die Bewohner eines Landes nicht 'alieV saiht, wie Kinder einer Familie, Freud und Leid ': in freundschaftlichem Einvernehmen zu tragen " haben, sondern der jüdische BevÖlkerung'steil ein besonderes, mit Zorn und Verdächtigungen und AusnähmerBgeln. zu behandelndes „Pröblem" darstelle. ' 1 Schon im alten.Alexan'dri en,,.zu einer Zeit, als dessen sämtliche, Bewohner von den römischen Kaisern abhängig waren und alle gleichmäßig die ihnen auferlegten bürgerlichen und politischen, gasten zu tragen hatten, fanden sich Politiker und Vplksredner, wie Apion, die Lorbeeren in der Aufhetzung des Volkes gegen die Juden errangen. Sie: seien „Fremde", nicht bodenständig, keine . ^akedohier' (die Fiktion .Arier' kannte man damals noch nicht) — und ihre Religion,* djie Lehre Moses', sei minderwertig. Josephus Flavius widerlegte damals in einer klassischen Schrift (die auch von katholischen Gslehrte'n wegen ihrer Darlegung der Ethik des Alten-Testamentes geschätzt wird), die judenfeindiiehen Beschul5digungen. Aber diese tauchten in späteren Jahrhunderten in anderen Ländern in ähnlicher Weise wieder auf. Im Mittelalter waren, es oft Zeiten wirtschaftlicher Be,- drängnis, in welchen religiöse Motive zum Vorwand gewählt wurden, um die Leidenschaften gegen die Juden zu entfesseln. In unserer Zeit erleben Wir t wieder, daß — sicherlich edeldenkende und von Gptt erfüllte — religiöse Eiferer in Volksversammlungen einseitig nach ihrer Meinung „gerechte F orderungen" an die Judenschaft' stellen, die darauf hinausgehen, daß die Juden sich freiwillig eine Einschränkung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Rechte gefallen lassen. Wir kennen Gestalten derartiger Eiferer aus früheren Zeiten. Wir erinnern uns an V i n c e n t e F e r r e r, der um das Jahr 1412 in Spanien als heiliger Mann verehrt wurde und in heftigen Reden für-eine bürgerliche Zurückdrängung der Juden agitierte, oder an den Franziskanerprediger Johann von G a p i> Die nadisfe Ausgabe unseres Blattes erscheint wegen.der PESSACH-FEIERTAGE Freitag/ den 10+ April \