Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 546 (17.3.1936)
- Date
- 1936-03-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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4s> *>, f*l Preis 10 Groschen Dlemtog/ den 17» Man 1936 V« b. b. vom Verleger versendet. <*pe*U6 par redlteur«' RP7nr<*RiromftT!NßEN« Oesterreich monatlich 8 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig 8 16.—j Polen monatttc* Zto& 1.C * ^afJÄ^^ 1ttohS& jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—,ji^ljahng Lei ^;~.« t?«* StSSii«iQ«i Marie 3.-: Bölgarien monatlich Lewa S^^OT^C ^^i^T^ LIr# Schwei» und die übrigen Länder monaüich Schweizer Franca 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeichnete Anzeigen ilnd entgeltlich. R E V U E HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung-IXJJn^ Das Palästina-Parlament zur Diskussion Verband der Judenslaatszionisten Mittwoch, 4er! 18. ds, halb 9 Uhr abends, im Zentralhelm, I, Werdertorgasse Nr. 14 VORTRAG Referent: Rabbiner Dr. B. Murmelstein Thema: Abravanel, ein jüdischer Staatsmann Gäste willkommen! M«5« Zum Vortrag Pater Bidielmafer Was soll herauskommen? In den Wiener Tageszeitungen wird der Vorträg des' bekannten geistlichen Redners Pater Bichelmai er über das Thema „Der Christ und der Jude" angekündigt. Die „Reichspost" hebt die Wichtigkeit, der Veranstaltung dadurch hervor, daß sie>" gewiß nach Rücksprache mit dem Referenten, die Hauptpunkte des Vortrages zur Voranzeige bringt. Nach der „Reichspost" wird der Redner auch über „die' Notwendigkeit der Zurückdrängung des jüdischen Einflusses im Öffentlichen Leben" sprechen: .....' --Da entsteht nun die Frage: Was soll und kann dabei herauskommen? Welches ist der jüdische Einfluß im öffentlichen Leben Oesterreichs-? — In der Regierung sitzt kein Jude. In der Leitung der aHein .zur Führung der Politik befugten v Organisation ,,yäteriändische■, Front" ist _ kein .' Jude.. In der hohen •'ßVa^tenschäft;" kein Jude." In allen parlamentarischen Körperschaften insgesamt zwei oder drei Juden. Im "Stadtrat' von 'Wien» zWei Juden,' in allen übrigen österreichischen ■' Gemeinden —■ kein Jude. In der •Leitung der staatlichen Külturbehörden und Kulturmstitüte-kein Jude. Die Leitung; der Körperschaften für Industrie und Gewerbe — judenrein. Unter den Professoren aller Hochschulen kleine Reste aus alter Zeit; an-den Fingern einer Hähd zu zählen. Desgleichen im Bundesheer. Aus den; Leitungen der Banken-siii^die'Juden verschwunden.'Die Aufnahme von Juden in'jöffentliche Dienste findet nicht statt. ), Hier und dort' sind. noch getaufte Juden oder/ Abkömmlinge von solchen zu finden, aber auchnur in/verschAyindender Zahl. Diese können schwerlich gemeint, .seiii, denn weder die „Reichspost" noch Pat.er Bichelmaier standen bisher, so weit bekannt, auf dem rassischen Standpunkt. Im Gegenteil, sie fördern die Verbreitung des katholischen Glaubens unter den';Juden. Getaufte Juden können also von dieser Seite nicht mit dem Begriff „schädlicher jüdischer Einfluß" in Verbindung gebracht werden. ' Die tendenziöse Ankündigung des Vorträges hat' in manchen jüdischen Kreisen Unbehagen hervorgerufen, auch schon deshalb, weil der Referent, Pater" Bichelmaier, bisher nie in feindseliger Art gegen die Juden aufgetreten ist. Aber im Grunde ist auf jüdischer Seite gar kein Anlaß vorhanden, die Diskussion des* Themas "„Jüdischer Einfluß auf das öffentliche Leben in'Oesterreich" zu scheuen. Es kann sich nur ergeben, daß das Wort von der „notwendigen Zurückdrängung" dieses angeblich vorhandenen Einflusses nichts als eh} leeres, der traurigen Zeit angepaßtes Schlägwort ist, daß vielmehr Kräfte erfolgreich am Werke waren, die Juden aus dem öffentlichen Leben zü verdrängen, weit über , jedes vom Standpunkt der Gerechtigkeit, und Gleichberechtigung erlaubtes Maß hinaus. Die österx*eichischen Juden können der angekündigten Diskussion ruhig entgegensehen. ^mbenwerfer in Stücke gerissen Auf dem Geyersmarkt in Lodz explodierte eine/ Bombe in der Tasche des 25jährigen Eugeniusz Pjonowski. Dem jungen Mann wurden eine Hand und der. Bauch zerrissen und beide Augen ausgeschlagen. Er wurde in das Hospital gebracht und erlag dort seinen Verletzungen.' Es wurde festgestellt, daß Pjonowski ein Attentat auf;einen jüdischen Bäckerladen geplant hatte, wo die Bombe vorzeitig explodierte. Die Polizei verhaftete fünf Nationaldemokraten, die Pjonowski zum Attentat angestiftet hatten, und versiegelte daa nationaldemokratische Lokal in der Knaipastraße. In' Oatrowiec bei Wilna wurden sechs Juden wegen Mißhandlung eines Nichtjuden zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Mißhandelte gehörte einer Gruppe an, die die Judenschaft von Ostrowiec überfiel und fünf Juden schwere Verletzungen beibrachte. Immer wieder, seit mehr aJs fünf Jahren, tauchte In der palästinensischen Oeffentlichkeit die Nachricht auf, daß die Mandatsregierung daran gehe, in Palästina einen Gesetzgebenden Rat, ein Parlament einzurichten. Jedesmal knüpfte sich an diese Nachricht eine heftige Diskussion, wobei im großen und ganzen das Projekt mißbilligt wurde;. Alle mit dem Aulbau des Jüdischen Nationalhelms verknüpften Kreise nahmen jede diesbezügliche Meldung mit gespanntestem Interesse auf, zumal zahlreiche Interpellationen im englischen Unter- und Oberhaus bezeugten, da& betreffs des Parlaments-Problcms geteilte Meinungen auch innerhalb der englischen öffentlichen. Meinung bestehen« Nun ist knapp vor der Entscheidung eine Wendung eingetreten. Die Frage des Palästina-Parlaments, das von der Majorität der Abgeordneten und Regicrungsmitglieder abgelehnt wird, ist. noch nicht entschieden« Die 3TS % & meldet zu dieser wichtigen Frage unter dem 14. März* In der Unterhaussitzung vom 11. März gab Kolonienminister J. H. Thomas in Beantwortung von Anfragen der Abgeordneten Lunn und Hall-Caine bedeutsame Erklärungen zur Frage des Legislative Council ab. Er teilte mit, daß dem Hause Gelegenheit zu einer Aussprache über, diese Frage gegeben werden wird, bevor die endgültige Entscheidung fällt. Gleichzeitig wurde nochmals betont, daß Fragen des Mandats oder der jüdischen Einwanderung keinesfalls der Kompetenz des geplanten Legislative Council unterliegen werden. Andererseits lehnte der Kolonienminister die Einsetzung einer aKommission zur Ueberprüfung des palästinensischen Verlassungsproblems ab. IIIIIII II Hl IIIIII IUI ■M'JTIrl'i^t^-.iS.P-NiNvTA.G'' „trVJim^ilit^M-ltWi'iHl F&AHGÖPÖ^MPOIBH Osierabfahrten 29; März iö^Awil,^ ab Nordbahnhof ü: .C2ERNOWITZ ffs'r5Ö/^ Rückfahrt am: 17„ 31.. März -14» 2h April 57, 19: Mai * 'Ermäßigung „FRANCOPOL", Wien III, Schwatzenbergplatz 7, Telephon :U-16-4-90 ,,«EDOX", Wi*n. 1. Bezirk, Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 „GERNGROSS", Wien VII, Marlahilferstraße 42, Telephon B-38-2-68 ■ -. Abg. L u n n richtete an den Minister für die Kolonien die Frage, welches die gegenwärtige Lage in bezug auf die Errichtung eines Legislative Council in Palästina sei, Und ob. der Minister der Einsetzung einer Kommission zustimmen wolle, die das palästinensische Verfassüngspr.oblem zu untersuchen hätte, bevor ein solcher Schritt (Schaffung des Council) getan wird. Minister Thomas antwortete, der - 'Inhalt der Vorschläge der Regierung sei durch den High Com'missioner den arabischen und jüdischen Führern mitgeteilt worden. In Beantwortung des zweiten Teiles der Frage erklärte der Minister, er glaube nicht, daß. die Einsetzung einer Kommission jetzt gerechtfertigt wäre. Jedenfalls könnten keine weiteren Schritte unternommen werden, bevor er nicht vom High Commissioner f einen offiziellen Bericht über die. Aufnahme der Regierungsyorschläge durch die Führer in Palästina erhalten habe. Nach" Erhalt der Mitteilung müsse sich die' Regierung von der Meinung des High Commissioner leiten lassen, v.' ■ Captain Cazalet fragte, ob der Kolonienminister der Ansicht sei, daß die Einsetzung einer solchen .Kommission im .Widerspruch stünde zu. den Versprechungen der Regierung und ob ein solcher Legislative Council die Ermächtigung hätte, Fragen des Mandats, der" Einwanderung oder der An Siedlung zu diskutieren. Minister Thomas antwortete, was den* ersten Teil der.Frage betreffe, so würde die Einsetzung einer. Kommission von den Arabern als in absolutem' Widerspruch zu allen gegebenen Versprechungen stehend interpretiert werden. Was den zweiten Teil der Frage betreff* so werde das Mandat nicht Gegenstand der.Erörterung' durch diese Körperschaft sein. Fragen des Bodens und der Einwanderung würden innerhalb der Jurisdiktion des High Commissioner verbleiben. Der Kolonienminister erklärte weiter, er könne die Versicherung geben, daß es, soweit ihm in diesem Augenblick bekannt sei, nicht wahrscheinlich sei, ■ . daß eine endgültige Entscheidung getroffen werden wird, bevor dem Hause die Gelegenheit geboten sein werde, anläßlich der Abstimmung über das Budget des Colonial Office die Angelegenheit zu diskutieren. Eine Kopie des Kommuniquees des High Commissioner, in dem der Inhalt der Vorschläge der Regierung wiedergegeben ist, erklärte Thoams schließlich, wurde in der Bibliothek des Hauses deponiert? um jedoch eine weitere Verbreitung zu ermöglichen, lasse ich es als ,jCkmimand Paper" veröffentlichen. Es wird erhebliche Zeit dauern, bevor der Entwurf der Verordnühg über die neue Verfassung d^ha-König vorgelegt werden kann. In der Zwischenzeit wird das Haus die Möglichkeit einer Debatte bei der Abstimmung über das Budget des Colonial Office haben.. * Jüdischerseits ist der entschlossene Wille vorhanden, sich an dem projektierten Gesetzgebenden Rat nicht zu beteiligen, da er im Widerspruch zum Mandat und'zu unseren vitalsten Aufbau-Interessen steht. MündeDttt Ermäßisunsen nach PALÄSTINA PURIHREISEN Hinfahrt bis 31. März 1936, Rückfahrt bis 31. tf»! 1936 £3 mit 90% bzw. 30% Ermäßigung von S$fj{ aufwärts auf Hin» und Rückfahrkarten FRUHLINGSREISEN Hinfahrt vom I.April bis 23. Mal 1936, Rückfahrt bis 24. Juni 1936. mit 90% Ermäßigung auf Hin* und Rückfahrkarten von $ HO.- aufwärts mit 10% Ermäßigung auf einfache Hinfahrt von s soo,- aufwärts Auskünfte: Generalagentur, Wien I, Kärntnerrlng 6, Telephon U,47>5>60, und alle Relseeureaux Weltpolitik der Woche Alle Welt ist unruhig, nervös. Sie blickt nach London, sie lauscht der Botschaft, die von dort kommt. Die Kommentare zur Lage besagen nicht viel, denn diese ist undurchsichtig, verworren, darum Prophezeiung riskant. Aber über allen Meinungen und Hoffnungen und Befürchtungen steht das Gefühl grenzenloser Entäuschung über Englands zögernde Haltung gegenüber dem aggressiven Paktbruch Hitler-Deutschlands. Warum, fragt sich der gesunde Menschenverstand und der Glaube an die sittliche Macht der Verträge, weicht England einer raschen und eindeutigen Entscheidung aus? Warum verschließt es sich der Anwendung von Mitteln, die es Italien gegenüber so energisch gefordert hat? Warum wünscht es die Rückkehr Hitler-Deutschlands . nach Genf, trotzdem Deutschland sogar die Teilnahme an den gegenwärtigen Londoner Verhandlungen von Forderungen abhängig macht? Zunächst einmal: Die Londoner City hat viel Geld in Deutschland stecken. Zu einer Zeit, da alle Kulturstaaten ihren Abscheu vor dem Naziregime und ihr Mißtrauen ihm gegenüber aussprachen, hat die City der deutschen Aufrüstungsindustrie mit Krediten und Rohstoffen ausgeholfen, ohne die daa j Dritte Reich niemals seine „Wehrhoheit" hätte erlangen können. Es ist weiters zweifellos, daß Hitler den englischen politischen Vertretern in Deutschland die Gefahr des Bolschewismus an die Wand malte, falls man nicht — den ungeduldig gewordenen Massen (auch'den Parteimitgliedern) einen Prestige-Erfolg vorzaubern würde. Die Angst vor dem Bolschewismus ist in England nicht gering. Dieses Schlagwort beeindruckt auch die führenden Männer, die bei aller „weltpolitischen Weitsicht" naiv wie Kinder sein können. Das dritte Moment ist die Tatsache, daß England sich nicht genügend gerüstet fühlt, um im Augenblick gefährlicher Komplikationen seine Macht zu präsentieren. Schließlich scheinen England kontinentale Entscheidungen nicht so dringend wie koloniale — wofür das englische Vorgehen gegen die Kolonialexpedition Mussolinis ein Beispiel gibt. Eng« land liebt es, zu warten, hinauszuziehen, den Partn«?