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Die neue Welt · 1936-02-28 · Heft 541 (28.2.1936) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 541 (28.2.1936)
Date
1936-02-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 ,. DQQ NEUE WELT Nr. 541 vom 28. Februar 1936 üß&däddß, yFwwffffiv (Schluß.) Meine Beziehungen zu Theodor Herzl Von Ali Nouri Dilmec Ich begann ihm das Projekt zu erklären. Wir besprachen es bis in seine kleinsten Einzelheiten während langer Zusammenkünfte, die Stunden dauerten. Ich gebe eine Zusammenfassung: Es handelte sich darum, einen Panzerkreuzer erster Klasse anzukaufen, ein sehr schnelles Schiff, das mit ausgezeichneten Waffen und allen notwendigen Behelfen ausgerüstet war, um vom Marmarameer aus in den Bosporus zu dringen, von wo aus man Abdul Hamid den Willen der Nation diktieren konnte, nachdem die .Kanonen auf Yildiz eingestellt waren,.bereit, jeden Widerstand zu brechen. „Woher nehmen Sie die Offiziere und die Be ' Satzung?" fragte Herzl ungläubig. „Wir haben mehr, als wir brauchen. Es handelt sich nur darum, die Mannschaft zu sammeln. Die Offiziere stehen in Bereitschaft. Es ist leicht, sie zusammenzubekommen. Ueberflüssig, zu erwähnen, daß sie danach brennen, in Tätigkeit zu treten, und daß sie alle bereit sind, sich für ihr Vaterland, zu opfern." Herzl fand den Plan herrlich, er hatte aber begreiflicherweise Einwürfe und Skrupeln. - Während der nächsten Tage kam er immer wieder auf diese Sache zurück. Bald befreundete er sich mit der Idee, bald wies er sie zurück. Das dauerte bis zu meiner Abreise nach Budapest an. Seine Einwürfe bezogen sich hauptsächlich auf technische Fragen und auf die Möglichkeiten eines Erfolges. Die Erklärungen, die ich ihm gab, schienen ihn zu befriedigen. Schwierigerer Natur waren seine Skrupel, weil sie wahrscheinlich aus Dingen ihren Ursprung nahmen, die er mir nicht sagen wollte.- Seine Bedenken bezogen sich > zunächst auf die Möglichkeit eines Mißerfolges. Da es,-lächerlich war, diese Möglichkeit auszuschließen, sagte: ich ihm:■• „In diesem Falle hätten Sie eben Ihr Geld verloren. Wir aber würden Hunderte unserer besten Leute verlieren. Man muß eben aljesriskieren, um alles zu gewinnen." „So darf man meinen Einwand nicht auslegen", rief Herzl, „ich habe nicht vom Geld sprechen wollen. Der Verlust einer solchen Summe wäre wohl schwer zu tragen, aber das ist ja bloß eiri'TJnglück, dää kerne schweren . Folgen' hätte. Der Verlust so vieler Menschenleben, die vergebens für unsere Sache geopfert wurden, würde unser Gewissen: beunruhigen." „Beunruhigen Sie sich nicht. Es würde kein einziger Mann an dieser Expedition teilnehmen, der ncht von Anfang an sein Leben für den Triumph-der Revolution, hergeben wollte." Jeder Teilnehmer würde sich ja auch nur für seine eigene Sache opfern. Ihr Gewissen bleibt deshalb w^iß wie Schnee, was das anlangt." „Desto besser. Es ist aber auch die- Gefahr vorhanden, daß wir im Falle eines Mißerfolges nicht wieder gutzumachenden Schaden erleiden könnten. Man wird sofort erkennen, woher Ihre Mittel-stammen, und so wird Ihr Mißerfolg auch der unsere sein und wir werden für unberechenbare Zeit zurückgeworfen werden." Soweit ich verstehen konnte, war besonders diese letzte Annahme an seiner Unentschlossenheit schuld. Er schwankte zwischen dem Verlangen, den Streich zu wagen, und der Angst vor den Folgen, wenn das Unternehmen fehlschlüge. Während unserer langen, interessanten Diskussionen rund um diesen Plan machte Herzl noch eine Menge anderer Einwürfe, die manchmal von Eingebungen begleitet waren, die man nicht verachten konnte. Ein ganzer Band würde nicht genügen, die Gesichtspunkte anzuführen, über die gesprochen wurde. Wozu dient es aber überhaupt, Einzelheiten einer Kombination zu beanständen, zu deren Ausführung es nicht kam, weil es an Geld fehlte? An dem Tag, an dem ich mich von Herzl verabschiedete, sagte er mir, daß er immer wieder über das Projekt nachdenke. Bevor er aber sich endgültig äußern könne, müsse er sich mit seinen Freunden beraten. Bei meiner Rückkehr aus Budapest anfangs April blieb ich nur kurze Zeit in Wien und hatte nur gerade Zeit, ihn anzurufen. Ich sprach mein Bedauern aus, nicht länger in Wien bleiben zu können, um unsere Aussprache fortzusetzen, und Herzl sagte mir, er hätte noch nicht mit seinen Freunden sprechen können. Er werde mir sofort schreiben, wenn irgend etwas entschieden wäre. Ich habe nichts mehr von ihm gehört. Das hatte gar keine Bedeutung. Sein Schweigen ließ mich erkennen, daß er für den Plan nicht mehr zu haben sei. Nachdem er so viel Eifer für das Projekt und alle seine Einzelheiten bezeugt hatte, glaubte ich, dieses stillschweigende Aufgeben auf den atmosphärischen Einfluß von Wien zurückzuführen, dessen besonderes Kennzeichen ist, die Politik der versäumten Möglichkeiten zu begünstigen. Ich dachte nicht daran, daß Herzl damals schon seinem Ende entgegenging. Ich weiß wohl, daß sich eine beunruhigende Welle des Mißtrauens gegen ihn bemerkbar machte — wegen des Planes, Uganda zu kolonisieren. Besonders in den Kreisen der russischen Juden machte sich eine solche Unzufriedenheit bemerkbar, daß man offen gegen Herzl Opposition machte. , Eine Protestversammlung, die in Kherkof stattfand, hatte eine Abordnung nach Wien gesandt, um ihm offiziell und sozusagen in der Form eines Ultimatums ihren Widerstand gegen das Uganda-Projekt auszusprechen. . Es kamen auch viele Juden einzeln und in kleinen Gruppen und sprachen ihre Anerkennung dem Manne aus, den sie als ihren Herrscher ansahen, und erkundigten sich, ob Hoffnung bestände, bald in das versprochene Land zu ziehen. Als ich mich eines Tages bei Herzl in der Haizingergasse befand, erlaubte er mir, einer Audienz beizuwohnen, die er einer kleinen Gruppe von Juden gewährte, welche irgend woher, ganz weit aus Zentralasien, gekommen waren, um ihre Verehrung dem großen Sohn Israels auszusprechen. Es war rührend zu schauen, mit welcher Ehrfurcht und Hingebung sie sich dem Führer der Idee näherten, dem Retter, der sein Volk nach Palästina zurückführen sollte. Ich wußte allerdings nicht, daß die Mißverständnisse, die aus dem Streit wegen Uganda resultierten, einen solchen Umfang angenommen hatten, daß Herzl glaubte, den zionistischen Kongreß Mitte April zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen zu müssen, nur zu dem Zweck, um die Gemüter zu beruhigen und eine Spaltung in der Organisation zu verhindern. Es gelang Herzl nach mehreren Tagen hitziger Diskussionen und bewegter Auseinandersetzungen, die Ruhe wiederherzustestellen und alles in Ordnung zu bringen. Herzl war wieder Herr der Lage geblieben, aber die Anstrengung hatte seine Kräfte überstiegen und ihn vollkommen aufgerieben. Die folgenden Wochen waren nur ein kurzer Aufschub voll Angst und Leiden. Erst nach seinem Tod habe ich diese Einzelheiten erfahren. Da erst verstand ich die Gründe, die ihn zurückhielten, den schönen Plan der Revolution zu verfolgen, der auch mit ihm starb. Judi'sdie Künstlerspi'eOe II., Praterstraße 34, Tel. R-45-4-94 Trotz des operettenhaften Titels ist die Komödie „Liebe zu verkaufen" ein lustig-sentimentales Stück, das durch die Mitwirkung von Sevilla Pastor (gemeinsam mit Erna Siegler und Dolly Nachbar) Niveau bekommt. Sevilla Pastor präsentiert sich diesmal als Schlosserjunge Itzig und läßt in dieser Rolle alle Funken ihres einzigartigen Talents sprühen, so daß wiederum ein Riesenerfolg zu vei-zeichnen ist. Die Novität geht Freitag, den 28. Februar, Samstag, den 29. Februar, und Sonntag, den 1. März in Szene. Sonntag, den 1. März, VA Uhr nachmittags, bei ermäßigten Preisen „Tanzt. Jidalech, tanzt!" mit Sevilla Pastor in der Hauptrolle. Montag, den 2. März, „UnserRebbenj u", Dienstag, den 3. März, „Masltow", Mittwoch, den 4. März, Sondervorstellung „Pojazzenliebe", Donnerstag, den 5. März, „D u wi d 1". ' * _ Sondervorstellung in den Jüdischen Künstler spielen. Mittwoch, (Jen 4. März, geht zum erstenmal in dieser Saison „Po jazzenliebe" mit Sevilla Pastor und Simon F o s t e 1 in Szene. Welters wirken mit die Meloparodisten Hilde Dulitzkaja und Mundi Hausknecht. In dieser Vorstellung zeigt der bekannte Ctmrakterkomiker Fostel eine neue Seite seines starken Talents. ~ , , D5" KmI Bitter. Im Festsaal des Hotel Habsburg (Cafe" Excelsior) gibt Dr. Karl Ritter in seinem Einmann-Kabarett Mittwoch, den 4. März, einen Abschiedsabend. Die Veranstaltung beginnt um V69 Uhr. Regfebeitrag. Programm: „Menschen und Type n." „ ■LeSS" ünd Redehalle jüdischer Hochschüler. Am Samstag, den 29. Februar, spricht in unserem Heim, IX., Türkenstraße 9, Herr Josef F r ä n k e 1 über das Thema „Vierzig Jahre Judenstaa t". Beginn MO Uhn Gäste willkommen. WOCHENsKALENDER. FÜR DAS JAHR 5696 Februar-März TIN Tüm Mm Freitag 28 5 Sabbateingang 5.35 Samstag 29 6 Sabbatausgang 6.25 Sonntag 1 7 Montag 2 8 Dienstag 3 9 Mittwoch 4 10 Donnerstag 5 11 Restaurants, Cafes etc. Cafe Abbazia, II., Aussteliungsstraße 1, Tel. R-44-5-58. Warme und kalte Küche.. Bier vom Faß. Klubzimraer. Samstag u. Sonntag Konzert. Musikschutz frei. A. Barschak, Ii., Große Schiff gasse 3. Streng wa Vorzügliche Küche. Billige.preise. ... Dalmatia Weinhaas, IV., Recht» ' Wienzeile 27, Telephon A-37t0-25. Filiale: I., Tuchlauben .11, Tel. ü-27-lr61. Original serbische Küche, jugoslawische, dalmatinische und: serbische Weine. Kaffee-Bestaurant „De France", I„ ■ Schottenring 3, Tele« phon A-16-3-74. Erstklassige Küche. Billige Preise. Saal und Klubzimmer zu vergeben. Krystall-Cafe, I., Asperaplatz 1. Tel. U-14-5-50, U-14-5-51. Elegantes, billiges Großcafe. Warme Speisen. Deutsch am Schöttenring 12, Tel. U-213-55. Selchwaren, Delikatessen und Gaststube. 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