Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 537 (14.2.1936)
- Date
- 1936-02-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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■■!* WMZ ":^.v./ -'ijr.f^v:. : ,* ••'ilvit'rV ' - (1. Fortsetzung.) JME KEÜE WBJLI Nr. 537 vom 14. Februar 1036 et QestkuUte Meine Beziehungen zu Theodor Herzl Von Ali Nouri Dilmec Einige Wochen nach dieser Publikation erhielt ich von Theodor Herzl, dem ungekrönten König der Juden, einen Brief aus Wien vom 30. November 1903 mit der Ueberschrift: ,,E r e z Israel, Büro des Zionistenkongresse s". Dieser Brief befindet sich in meinem Besitz und lautet folgendermaßen: ..Die Kongreß arbeilen und die Aufarbeitung der zahlreichen Rückstände nach diesen bewegten Tagen haben es mir bisher unmöglich gemacht, auf den sehr interessanten Artikel einzugehen, den Sie im Kopenhagener Blatt ,.Samfundet" über unsere Bewegung geschrieben haben. Ich komme jetzt mit Vergnügen dazu, diese Dankesschuld abzutragen. % Die Ausführungen Ihres Artikels w&ren mir in mancher Beziehung höchst lehrreich und wertvoll und ich stimme in den meisten Punkten mit Ihnen überein. Es märe mir oon großem Werte, mit GRABSTEINE FRIED LÄNDER & DEUTSCH Wien, I. Bez., Seiienstetiengasse 2, III Samstag XL. Zentral tri edhof, neb. d. 7. Tor. III geschlossen Ihnen in eine nähere Beziehung zu kommen, und ich glaube, daß unser brieflicher und vielleicht mündlicher Gedankenaustausch für'die Ideen, die Ihnen und mir teuer sind, von Vorteil werden kann. Ich hoffe, bald von Ihnen zwh'ören. Sie können mir ebensowohl deutsch wie französisch schreiben und verbleibe mit hochachtungsvollem Gruß Ihr ganz ergebener T. Herzl." Von Kopenhagen aus, wo ich damals wohnte, benachrichtigte ich ihn, daß ich die Absicht hätte, demnächst nach Wien zu fahren, und bei dieser Gelegenheit ihm gern einen Besuch abstatten würde. ' Tatsächlich war ich zwei Monate später, im Februar 1904, in Wien und ging zur „Neuen Freien Presse", um Herzl einen Besuch abzustatten. Er erwiderte den Besuch am selben Tag; Im Laufe dieses Besuches lud er mich ein, am nächsten Tag bei ihm in Währing,' wo er in der Haizingergasse 29 wohnte, zu frühstücken. Er erkundigte sich, ob ich ein guter Fußgänger wäre, und schlug mir auf meine Bejahung vor, ihn vom Büro der „Neuen Freien Presse", abzuholen, um mit ihm zu Fuß den Spaziergang nach Währing zu machen. Ich war einverstanden. Er entschuldigte sich und begründete diesen seltsamen Vorschlag damit, daß sein Gesundheitszustand diesen täglichen langen Spaziergang verlange, dessen Annehmlichkeit er durch die Begleitung eines Freundes zu erhöhen suche, eine Bezeichnung, die er mir schon damals zu geben nicht zögerte. So knüpften sich unsere privaten Beziehungen in einer Atmosphäre von Einfachheit, Sympathie und gegenseitigem Vertrauen an; Beziehungen, die nur von kurzer Dauer-waren, aber nie durch ein Mißverständnis oder durch Mißhelligkeit getrübt oder unterbrochen wurden. Während der ganzen Zeit, die wir in Wien verbrachten, waren meine Frau und» ich bei verschiedenen Gelegenheit seine bevorzugten Gäste. Als wir Wien verließen, trennten wir uns als gute Freunde und . sagten uns froh „Auf Wiedersehen". Iqh bin überzeugt, wir hätten uns sicherlich wieder getroffen, wenn der Tod' Herzls, der bald nachher, am 3.: Juli 1904, eintrat, nicht gewaltsam unsere Beziehungen unterbrochen hätte. Es führt zu keinem Ziel, die zahllosen Fragen, die Herzl und ich im Laufe unserer langen Zusammenkünfte, besprachen, zu wiederholen. Ich bemühte mich, ihm zu zeigen, wie zwecklos es sei, eine Lösung zugunsten der Zionisten von Seiten Abdul Hamids zu erhoffen. Herzl bildete sich ein, daß man durch ein Opfer von zwei Millionen Pfund von Abdul Hamid das Dekret zur Etablierung eines autonomen jüdischen Staates in Palästina erlangen könne. Das war eine Utopie. Abdul Hamid hütete sich, solch einen Mißgriff zu tun. Und hätte er es doch getan, so wäre das Resultat überaus kläglich gewesen. Wer garantierte den Juden die Durchführung eines Charters, zu dem man auf solche Weise gekommen war? Zunächst war Abdul Hamid nicht unsterblich, und schließlich mußte die Revolution unbedingt-kommen, um eines Tages gründlich im ottomanischen Reich aufzuräumen, das sonst zum Zerfall verurteilt war. — i Daher unterstrich ich die Notwendigkeiten, daß der Zionismus sich möglichst'auf'die liberalen■'Ele-i mente stützen müßte, die sich bereits anschickten, die Nachfolge des Regimes Hamids anzutreten. Natürlich konnte dieses Ereignis -noch längere Zeit auf sich warten lassen, aber nachdem das jüdische Volk sich so viele Jahrhunderte geduldet hatte, konnte es wohl noch einige Jahre warten urid in der Zwischenzeit sich auf einen gediegeneren und festeren Boden stellen. Herzl: „Sie sind also der Meinung, wir sollön uns" offen auf die Seite der Jungtürken stellen? Aber können Sie mir auch eine Möglichkeit zur Verwirklichung dieses Projekts zeigen, ohne, daß wir uns mitsamt unserer ganzen Organisation einem Schiffbruch aussetzen?" Ali Nouri: „Nein, keineswegs, aber ich sehe, Sie legen meine Vorschläge in einem Sinn aus, den ich ihnen nie geben wollte. Meine Schlüsse sind sehr einfach: Da Sie von Abdul Hamid nichts zu hoffen haben, stellen Sie Ihre Versuche ein. Wenn Sie sie fortsetzen, müssen Sie ihm Vorschläge machen, die Sie unheilbar in den Augen jener Liberalen diskreditieren werden, die zweifelsohne die jetzige Regierung, stürzen und die Zügel des neuen Regimes in der Türkei in die,Hand, nehmen werden. In der Zwischenzeit sollte Sie Ihre Organisation so entwickeln, daß Sie im gegebenen Augenblick den finanziellen Verpflichtungen gewachsen sein würden, die Sie im Austausch für Ihr Autonomiedekret auf sich nehmen müssen." Herzl: „Und welches Opfer müßten wir nach Ihrer Meinung vor Augen haben?" ■ r Ali Nouri: „Sprechen wir nicht von Opfern; es würde nur dann die Rede davon sein, wenn es sich um einen .Vertrag handelte, der mit der freien Zu-: Stimmung beider Parteien abgeschlossen werden •würde. Meiner Meinung nach würde Ihnen die Aufgabe zufallen, die ,Dettes Publiques Ottomane* (jflie türkische Staatsschuld) auf radikale Art glattzusteflen und <Jer neuen Regierung eine große Konsolidieruri^s-: [ anleihe zu verschaffen, und zwar zu besonders günstigen Bedingungen. Weiters müssen Sie sich die Aüf gaben vor Augen halten, die Ihnen in Bezug auf die einheimische Bevölkerung Schwierigkeiten bereiten, deren Grundbesitz man nicht einer schiedsrichterlichen Enteignung ausliefern könnte und auch nicht den Machenschaften hemmungsloser Spekulanten." Herzl: „Alles, was,Sie sagen, liegt im Bereich der Möglichkeit. Grundsätzlich sind diese Bedingungen annehmbar, und es bliebe nur übrig, die Vorschläge-f ür dje; .Vprrechte festzusetzen, die einem zugesprochen werden, müßten." - Ali Nouri: „Ich glaube, daß: diese schon hin* reichend begrenzt sind in dem Aüsrduck .Autonomie', und daß dies ihre ganze Ausdehnung be zeichnet, die keine anderen Grenzen hat als diejenigen, welchedurch die unantastbaren Rechte der ändere» gesetzt sind. Denn es würde nie "in Frage kommen,'an diesen Rechten rühren zu lassen oder zu dulden, daß man .sich,- gleichgültig, unter welchem Vorwand und in welcher Weise, in-die Angelegenheiten' der muselmanischen oder christlichen Gemeinden einmische.'" Herzl: „Kurz, eine Autonomie, die eher scheinbar als tatsächlich ist." ' A li N o u r i: „Wenn Sie das so verstehen wollen, Immerhin wird man das.annehmen oder,lassen mÜ,ss£iii Können Sie sich vorstellen, daß man diese Scheidewand niederreißen .kann, ohne daß .Sie selbst von den Trümmern begraben würden?. Nicht währ, es gibt b'e^tin^nit keine Regierung, auf der ganzen Welt, "die sich auf so ein Abenteuer einlassen würde." , ' " " - *! J.'.'y. Herzl: „Leider ist es so, aber deshalb st'rejb^n wir nicht; die äußerste Macht; in. Palästina. arL Wjr' begnügen uns mit einer Autonomie, die .— wenn sfc.uns auch; verhindert, auf die anderen zur drücken -rruns dennoch gestattet, unser eigenes nationales. Lebsn £Ü, leberi,> und zwar in . aller Sicherheit,. ohne das .EUiaiKo neuerlicher Verfolgungen und, Erniedrigungen, .dejieii wir während der ganzen. Jahrhunderte unter der Qual des herumirrenden Volkes ausgesetzt waren, ohne-das Risiko der 'bestehenden Leiden, weil wir keine eigene Heimstätte haben." .- . v . 'Ali .Nouri: „Ja, Sie sprechen,das richtig aus; Ich glaube Ihnen gerne, daß Sie so denken. Sie. Aber-dje Millionen Juden, die Ihre zionistischen KampfreihcJn bilden, sind sich nicht der politischen Hindernisse;bewußt und der konfessionellen Erwägungen, dfa im Widerspruch dazu stehen, daß die Juden nach ihren^L freien: Ermessen nach Palästina zurückströmen kennen. Davon haben Sie sich beim letzten Kongreß überzeugen können, wie Sie das englische Projekt edner Festsetzung in Uganda zur Diskussion gestellt ihab^n. Sie wissen besser als ich, was für unangenehme Minuten Sie inmitten eines Aufruhrs verbracht'haben', den Sie erst zur Ruhe bringen konnten, als Sie yqrJder yerßamm^^ng• den'feierlichen Eid ablegten, daß Sie niemals daran gedacht hätten, auf Palästina zu ver* ziehten." ...... (Fortsetzung folgt.) . . ' : ■•■V ' . ' ■ ■ '.——" ' " 7 .....' ■ . \ FIRMEN EMPFEH|LE|N|SW|ERTE Restaurants, Cafes etc. Cafe Abbazla, II., Ausstellungsstraße 1, Tel. R-44-5-58. Warme und kalte Küche. Bier vom Faß. K;iubzimmer. Samstag u. Sonntag Konzert. Musikschutz frei. A. 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