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Die neue Welt · 1936-02-14 · Heft 537 (14.2.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 537 (14.2.1936)
Date
1936-02-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag/ den 14* Februar 1936 ■ttfr ***aiH} Nr« 537 V«»*b» Zeltung vom Verleger versendet „Journal exp6dle par l'etUteur" **H Vi »in e*& RE V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig » 4.—, ganajährlg S 16.—: Polen monaUlch Zlott .1.B0» vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—: Jagoslawien• monatlichi Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, viertel Jährig^ Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—i Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX, Universitäfsstr.8, Tel. A-2Q-2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag Wir nehmen den Kampf auf! Die nationalsozialistische Partei Deutschlands benützte die Beisetzung ihreserschossenen Landesleiters für die Schweiz, Gustloff, zu einer Manifestation, die durch eine Ansprache Hitlers über den Bahnten .einer Leichenfeier hinausging. Berliner Meldungen besagen: Hitler begann mit dem Zusammenbruch von 1918, für den er zunächst nicht näher bezeichnete „überstaatliche Mächte" verantwortlich machte, und erwähnte dann den Geiselmord in München, erinnerte an die 300 Gefallenen der Bewegung und sagte, auf der Seite der Gegner des Nationalsozialismus liege jedoch im Gegensatz zu diesen Opfern nicht ein einziger Toter vor. Nicht ein einziges Attentat ist von Seiten des Nationalsozialismus verübt worden. Hinter jedem dieser Morde stehe dieselbe Macht;, die haßerfüllte Macht unser es jüdischen Feindes, dem wir nichts zuleide getan haben, die verantwortlich ist aber für alles Unglück, das Deutschland heimgesucht habe. Zu diesen Toten der Bewegung ist nun ein neuer gestoßen; wieder ein Mann, der nichts anderes tat als seine Pflicht. Da man keinen deutschen Volksgenossen für solche Verbrechen gewinnen konnte, so sei hier zum erstenmal ein Träger dieses Verbrechens selbst hinausgetreten. Wir begreifen die K a m p f an sage und greifen sie auf! Man weiß wirklich nicht, worüber man mehr staunen soll: über den Zynismus, mit dem Hitler von denzahllosen hakenkreuzlerischen Morden nichts wissen wilj, oder über seinen Mut, zu glauben, es gäbe irgendwo in der zivilisierten Welt naive Gemüter, die seine Entrüstung erstnehmen. Das einzige, woran wir uns, ohne in einen psychologischen Fehler zu verfallen, halten können, istdas- Wort „K a m p.fansäg-e" . ' : ' - '• ■ > . ,i Die Kampfansage - Hitler-Deutschlands' an,( das/ jüdische.-Volk datiert allerdings nicht vom aktuellen" Anlaßdeö^ DaVoser Attentats* <• Siehst so alt wie der Hitierisriiüs selbst und sie ist so frisch-wie am 1. Apj»il: 1933, da die Machthaber des eben etablierten Dritten' Reiches die beginnende 'jüdische Abwehr mit demscheußlichen Boykott-Terror beantworteten. Seither-' hat' der' Kämpf selbst keinen Augenblick geruht. Er hat verschiedene Formen ' angenommen, aber mV wesentlichen1 war es die ganze Zeit hindurch ein zähes Ringen, das auf hitleristischer Seite mit Lüge, Erpressung, Verleumdung, Knüppel, Kerkerhaft, Revolver und Handbeil geführt wurde. Es ist darum widersinnig, zu behaupten, daß der Nationalsozialismus den Mord als politisches Kampfmittel nicht kenne. Die Anhänger Hitlers würden über die Zumutung, daß von ider nationalsozialistischen Warte aus ein kleines Fememördcheh verpönt sei oder daß die . Horst-Wessel-. Strophe „Wenns Judenblut vom Messer spritzt" nur 1 yrischen Wert habe, geradezu entsetzt sein. Es gab eine Zeitlang in allen Lagern, liatür-; lieh auch im jüdischen, Stimmen, die von einer Versöhnung zwischen Judentum und Nationalsozialismus auf einer höheren Ebene sprachen; von der Möglichkeit einer Milderung der Gegensätze nach vollzogener volklicher Trennung . . Dieser Optimismus hat keinerlei Basis mehr. " Auch" «die Tatsache, daß wertvolle Persönlich»1 Seifen und Gruppen, die sich für eine Wendung im frudenschicksal nicht verantwortlich zu fühlen haben, 'den Abscheu vor dem Hitlerisniüs in alle Welt schreien, Jcann uns nicht die kämpferische Auseinandersetzung mit ihm ersparen. Thomas M a n n s Feststellung zufti Beispiel: „Der deutsche Judenhaß aber, ' oder derjenige der deutschen Machthaber, 'gilt, geistig gesehen, gar nicht den Juden oder nicht ihnen allein, er gilt- Europa . . ." bezeugt zweifellos tiefen Einblick in die Ijiationalsozialjstische Geistesverfassung. Aber solch feine metaphysische Betrachtung bringt diejenigen, Öenen das Stück Brot vor' dem Mund weggerissen Werden soll, um keinen Schritt weiter. Die Kampfansage ist. gefallen, wir nehmen den Kampf auf. Keine Frankfurters und keine Gustloffs werden ihn entscheiden. .15 Millionen Juden sind entschlossen, sich dem schändlichen Haß-des deutschen Hakenkreuzes entgegenzustellen — in einzigartiger Schicksalsgemeinschaft, und den Kampf so lange, zu führen; bis er in "ihrer vieltausendjährigen,- an •Heldentum nicht armen Geschichte zü einer/— Ep.i.s:o d e geworden ist. ......;.. ... Q-. r. m ■ •'. > ■W" är,3 triff)- toarrnfteng empfohlen Sauctfctunn Zum Attentat m Davos Das letzte Mittel der Verlassenen . .... Zum Attentat des jüdischen Studenten Fr a:n.kfurter auf den Schweizer Hakenkreuzführer.Gustloff schreibt. das „Pariser T a g b 1 a 11" unter" '^nweis darauf, daß die Kulturstaaten das HitlerrRegime in Deutschland anerkennen und nichts tun, um den Gewälttaten Einhalt zu gebieten: , . ' "'""' ,/Und die Opfer dieses Regimes merken mit Schaudern, daß man nicht nur den, Mächtigen nachläuft, ohne' nach ihrer. Legitimation zur. Macht zu fragen, sondern daß man auch noch das Schicksal ihrer Opfer nach Möglichkeiterschwert und es dadurch dem Tyrannen möglich macht, sich an den Qualen zu weiden, die: seine Opfer zu.der Sehnsucht nach der Heimat, noch durch die. Härte der Auf nahmeländer in der Fremde erleiden müssen. PjMstiw mhum! Billige Gesellschaftsreise mit oder ohne Verpflegung, Ausflüge im Lande, nach Aegypten und Syrien, unter bewährter Führung f F.Cfl Mäßige Preise ab * 43U* Nähere Auskünfte bei Dr.S.TOCKER im Reisebüro ,In die Welt' (W.M.Renner) WIEN IX, 1IECHTENSTEINSTRASSE 2, Tel. A-14-504 .■«■nBnanHnmHBi , Wenn in diesem Gefühl der unsäglichen Verl assienheit von jedermann, , der Verzweiflung über die unverständliche Moral einer ganzen Weit und dazu noch der Gefahr bewußt, die die 'ungehinderte, Propaganda dieses Systems womögl,ici\ noch in seinem eigenen Vaterlande anrichten" kann, ein armer, einsamer Balkanjude, der sich um die Politik der Parteien nie gekümmert hat, aber: täglichlesen und KOKS ANTHRACIT ita Alleinige Lieferantin der„Asca", Bund judischer Frontsoldaten, Keren Kajemeth, der Jüdischen Kulturatqlle BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40 .HERNIASTAT'-Bruchbandagen o jedem Einzelfall wissenschaftlich angepaßt, absolut beschwerdefrei auch in den schwersten Fällen FACHFIRMA Bondagen-niTjio!fl§di WIEN, TABORSTR. 22 hören muß, wie man das ihm Teuerste beschimpft — bedauerlicherweise dazu hinreißen läßt, den Repräsentanten seines Unglücks, der ihm gerade am nächsten lebt, niederzuschießen, so bleibt das gewiß trotz und trotz alledem durch nichts zu rechtfertigender Mord. Aber es wird einem wirklich nicht als Verherrlichung dieses Mordes ausgelegt werden können, wenn man die Welt auffordert, nicht etwa den Mörder, sondern sein Motiv zu begreifen. Dafür sollte besonders in demjenigen Lande Verständnis vorhanden sein, in dem als lebendige Legende die Tat des Tyrannenm örder^ Wilhelm Teil fortlebt. Friedrich Schiller > legt Wilhelm Stauffacher im Schillerschen Drama die ahnungsvollen' Worte in den Mund: „Nein, eine Grenze hat Tyranrienmacht, — wenn der Gedrückte nirgends Recht kann linden, — wenn unerträglich wird die Last, greift er — hinauf getrosten Mutes in den Himmel — und holt herunter seine ew.'gen Rechte, — die droben hangen unveräußerlich — und un- ■. zerbrechlich, \vie. d4eo Sferne^^lbst. — Der alte Urständ der-i ^^UT^keh'rt ' vjyieder, 7— wo Mensch dem Menschen gegenübersteht. —^ Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr.— verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben." Der Bischof von Durham Der Bischof von Durham, Dr. H.-Hensiey Henson, hielt anv Abend des 6. Februar in der Stern Hall der West London Synagogue Association, Seymour Place, einen Vortrag über „Die Juden Deutschlands".- ' Der Bischof kam auch auf den Mord in Davoa zu sprechen und sagte: „Die Tat war eine unheilvolle Torheit, die einen bösen Einfluß auf die ganze Situation haben wird. Der jüdische Mörder geriet in eine traurige Verirrung, jedoch unserer Meinung nach sind letztes Endes die Urheber dieser Tat die gegenwärtigen Herrscher in Deutschland. Ich bin überzeugt, daß die Geschichte, wenn sie über das, was heute in Deutschland vor sich geht, ihr Urteil sprechen wird, vorerst die heutigen Herrscher für die Gewalttätigkeit verantwortlich machen wird." Eine katholische Stimme Aus Prag: Das christlichsoziaie Blatt „Egerland" schreibt zum Mord in Davos: „Ein Staat, der die Mörder des Bundeskanzlers verherrlichte, ein Staat, der die Mörder eines Professor L e s s i n g, eines Ing. Formis nicht ausliefert, sondern schützt und sich dadurch an ihren Untaten vor aller Welt schuldig macht, ein Staat, dessen traurige Wahrzeichen die Konzentrationslager sind, ein Staat, PURIM REISEN PALÄSTINA vom 1?. Februar bis 26. März auf Hin« und Rückfahl karten 50% ERMÄSSIGUNG für die I. und II. Klasse 30% ERMÄSSIGUNG für die Touristenklasse Auskünfte: Ge neralageritur, Wien I Kärntnerring 6 und alle Reisebureaux

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