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Die neue Welt · 1936-01-21 · Heft 530 (21.1.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 530 (21.1.1936)
Date
1936-01-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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\ Preis 10 Groschen Dieniteg, den *K Jfattcv 1936 Mfftfcrgaitg Nr. 530 V« In h. DIE NEUE Zeitung vom Verleger versendet „Journal expSdie par 1'ecliteur" Titl. Universitätsbibliothek ßBZUGSBBDINGüNOBNs Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig ö 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 5.—, vierteljährig Ko 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel* jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Önlearien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 8a—; Italien, monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire. 3L4.-43 Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.60, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. j Mit B bezeichnet* Anzeigen sind entgeltlich* HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IXfUniversitäts^tr. 8JeLA-20^78 Erscheint Dienstag u. FreUa^ REVUE Weltpolitik der Woche Die Reise des Bundeskanzlers Dr. Schusch« nigg nach Prag hat Oesterreich und damit das mitteleuropäische Problem wieder einmal in den Vordergrund gerückt. Was über das Verhältnis zwischen 4en beiden Donaustaaten zu sagen ist, hat Doktor Schuschnigg präzise formuliert, und wenn man die Ausführungen Dr. Hodzas, des tschechoslowakischen Regierungschefs, hinzufügt, dann hat man die Richtlinien vorgezeichnet, welche die beiden Staatsmänner für die gegenseitige Politik der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit als erforderlich erachten. Die Besprechungen in Prag dienten dem Frieden. Die Bemühungen der rcichsdeutschen Presse, mit Andeutungen eines militärischen Bündnisses die Welt nervös zu machen, nützen nichts: Man weiß überall, wo der Friedensstörer sitzt, und man weiß überall Oester reichs Bedeutung im Donauraum richtig einzuschätzen Im übrigen hat die Kundgebung der Vater 1 ,ä n d i s c h e n Front am. Sonntag, den 19. Jänner, die letzten Zweifel bezüglich der außen- und innenpolitischen Haltung Oesterreichs beseitigt. Während das bisherige öffentliqhe Auftreten mehr der lieber sieht über die. vaterländische Organisation und ihren Aktionsradius galt, kann , die jüngste Kundgebung als hochpolitische Deklaration und — Demonstration gelten. Die Reden des Bundeskanzlers und des Fürsten Starhemberg gingen weit über das hinaus; wa,s .bisher im Rahmen der vaterländischen Appelle gesagt wurde Nach außen hin: Kein Anschluß an da:a Dritte Reich; nach innen hin; Absolute Gerech tigkeit gegenüber den fremden Volkssplittern, die,'in Oesterreich lebend, sich zu Oesterreich bekennen. Nach außen hin: Das Streben, den österreichischen Wirtschaftsraum in Verbindung mit anderen Räumen zu bringen und durch eine gesunde wirtschaftliche Wechselwirkung' die wirtschaftliche Krise zu überwinden; nach innen hin: Kampf gegen die pangermä nistischeri Schlagworte und für ein unabhängiges, freies Oesterreich. Nach. .diesen Erklärungen .ist. ein Mißverständnis bezüglich der Politik der Vaterländischen Front, der offiziellen, österreichischen Führung, nicht mehr mög' lieh. Diejenigen, weiche bisher die Organisation der Vaterländischen Front als einen großen und einflußreichen „Verein"; angesehen haben, werden jetzt erkennen, daß sie der alleinige Träger der österreichischen Politik in ganzem Umfang ist. Damit wird auch in allen Kreisen Oesterreichs, die bisher daran gezweifelt haben, die nötige Beruhigung eintreten. Die Juden Oesterreichs sehen sich durch die Sonntagsreden des Bundeskanzlers Schuschnigg und des Bundesführers Starhemberg in dem Bewußtsein gestärkt, daß keinerlei Schmälerung ihrer Rechte, keinerlei Diskriminierung ihres Stammes, keinerlei Einschränkung ihrer* Glaubensrichtung in dem Programm der Vaterländi-, sehen Front Platz haben kann. Der Hinweis des Bundeskanzlers darauf, daß im deutschchristlichen Oesterreich die fremden Volkstumssplitter ihr Volkstum als geborgen ansehen dürfen, wird auch jene beruhigen, die gewisse „administrative" Maßnahmen als den A u s f 1 u ß neuer Richtlinien gedeutet haben. Genf steht vor großen Aufgaben. Wieder soll versucht werden, den italienisch-abessinischen Konflikt zu schlichten, und zwar in einer Weise, die den Prinzipien des Völkerbundes entspricht. Ob England wie bisher der Exponent der verschärften Sanktionsforderung, sein wird, ist sehr fraglich. Im Gegenteil ist anzunehmen, daß auf Grund der ungünstigen Erfahrun-: gen mit den wirtschaftlichen und valutarischen Sanktionen gegen Italien eine mildere Praxis befürwortet werden wird — allerdings im Rahmen der kollek-, tiven Sicherheit, auf die England bisher den größten Wert gelegt hat. Die Frage, ob die am 20. Jänner beginnende Tagung des Völkerbundrates. den Krieg in Ostafrika liquidieren wird, läßt sich eher verneinen als bejahen. Sie wird aber zweifellos zu einer Revision in der Beurteilung der gesamten Lage gelangen und dadurch neue Wege zur Herstellung des Friedens austtndjg machen, Der, roxi den Italienern gemeldete. Sieg tSUillS Uud iuAi^Latß AuM/tu U/ti&siiküS ^tfWWWw^^ß wWw^^^ W9W^W^UWw^t^r W WW^^FIT^^^W m '^FVl^VI'VFUPW Auf Grund eines Aufsatzes „Katholi sehe Rechte in Palästina bedroht" der „Reichspost" vom 22. Dezember v. J. entwickelte sich in der Presse eine Diskussion die große Dimensionen annahm und ihren Höhepunkt in einer Versammlung katholischer Kreise erreichte, bei welcher die Frage der katholischen Rechte auf die heiligen Stätten im Zusammenhang mit dem zionistischen Aufbauwerk von einem theologi sehen und einem politischen Referenten be sprochen wurde. In einem Vortrag im Maimonides Institut kam Rabbiner Dr. Armand Ka minka auf das Bild des brennenden Dornbusches zu sprechen, der ganz in Flammen stand und doch nicht verbrannte, jener wunderbaren Erscheinung, welche Moses den Impuls gab, seine große Sendung als Be freier des Volkes Israel anzütreten. Der Vor tragende beschäftigte sich hiebei mit der obenerwähnten: Frage und führte" u. a. aus: Vor mehr als zweihundert Jahren hat der erste Ver fasser einer Gesamtgeschichte der Juden, selbst kein Jude, sondern Geistlicher, der reformierten Kirche, Jacques Basnage,, in einer Einleitung seiner „Histoire des Juifs" ' den brennenden Dornbusch als frappantes Sinnbild des Volkes Israel in der Zerstreuung bezeichnet, das von unzähligen grimmigen' Feinden mit der Ausrottung bedroht,, durch Gottes Vorsehung doch erhalten bleibt. Aber schon im Altertum "h$t Philo von Alexandrien in seinem" „Leben"Mbses~^re^ der Gewalttätigkeit und den von ihnen1 erfaßten Busch als Bild der Unrechtleiderideh dargestellt, wobei er Moses die Betrachtung in den Sinn legte: „Ihr" Bedrückten und Verfolgten braucht nicht zu fürchten! Eure Schwäche ist eure'Kraft. Die euch vernichten wollen, bewirken,, gegen iliren eigenen Willen, eure Rettung; wenn man glauben wird, euch zu vertilgen, werdet ihr erst recht imRuhmes- glänz erstrahlen." ' "• Es ist merkwürdig, wie diese Auslegung der biblischen Erscheinung durch einen Philosophen des-Altertums noch jetzt, nach zweitausend Jahren, ihre- Richtigkeit1 behält. Wir leben heute in einer Zeit, da unser . Volk in manchen Ländern einer, mitleidslosen Bedrückung ausgesetzt ist und in einem großen Reich sogar mit der Ausrottung bedroht wird. Und gerade jetzt erleben wir, daß die Lebenskraft Israels im uralten Lande seiner Vorfahren sich heu entfaltet. Die von allen Propheten geweissagte und nun vor den Augen der ganzen Welt zur Wirklichkeit sich gestaltende Wiederkehr Israels in das HeUige Land hat sich zwar erst in bescheidenem Umfange vollzogen. Aber mit Erstaunen vernehmen wir, daß eine andere, mächtige Religionsgemeinschaft, der in . den . Weissagungen des Alten Testaments jedes Wort heilig ist und die zur Verbreitung der biblischen Lehre auf dem ganzen Erdenrunde so ungemein viel .beigetragen hat, sich über diese sichtbare Erfüllung; der göttlichen Verheißungen beunruhigt zeigt. In einer dieser Tage stattgefundenen Versammlung hervorragender Katholiken in Wien, in Anwesenheit Sr. Eminenz des Kardinals Erzbischof Dr. Iruutzer, des Generals Graziani-bei Dolo kann den Friedensbestrebungen eine gute Unterlage geben.- Ein zweites Problem — die Hilfe für die de u tschen, dem Hungertod preisgegebenen Juden — steht auf der Tagesordnung, und .zwar in einem Zeitpunkt, wo eine englisch-jüdische Kommission mit Sir Herbert Samuel an der Spitze in Amerika eingetroffen ist, um wegen der Aufbringung von ein' paar Millionen Pfund für die Herausnahme von 250.000 Juden aus Deutschland mit amerikanischjüdischen Gruppen zu verhandeln. Wir halten solch eine Aktion, abgesehen von der enormen Schwierigkeit der Geldaufbringung, für verfehlt, da sie -rwie wir bereits in unserer Ausgabe vom 14. Jänner ausgeführt haben — den deutschen Machthabern hilft, die „Juden 1 o s z u w e r d e n", nachdem man ihnen ihr Hab und Gut teils v e r ni c h t e t, t ei.l s geraubt hat. i Hoffentlich sieht der Völkerbundrat klarer als jene Juden, welche dem deutschen Judenproblem mit ehiiaatta^ißchen Mitteln beikommen wollen, o. rs wurde über die erstarkte Position der Juden in Palästina,! welche in schwerer Arbeit den verwüsteten Bodeni in ein; Kulturland verwandeln, wie über etwas dem KatholizisW mus Unbequemes und Unerwünschtes gesprochen« Ich möchte zunächst vorausschicken, daß eine Beschwerde, die gegen manche Publizisten vorgebracht wurde, daß sie von den Katholiken verlangen, sie mögen konkrete Fälle angebe^, in welchen sie von der Mandats-« regierung benachteiligt oder von der anwachsenden! jüdischen Bevölkerung bedroht wären, ihre Berechtigung hat. Denn es handelt sich dabei natürlich nicht um irgendwelche konkrete Vorteile oder Nachteile, überhaupt nicht um Fragen irdischen Besitzes, sondern um die religiöse Weltstellung der katholischen Kirche, welche sich mit dem Heiligen Lande, innig verbunden fühlt und in diesen! eine bevorzugte Würdigung verlangt. Nun ist es aber; sonderbar, daß in dieser Versammlung ein hervorragender! Staatsmann und ehemaliger österreichischer Minister, allerdings kein Theologe, hervorgehoben hat, es handlei sich nicht um „ideelle und transzendente" Forderungen» sondern um reale Privüegien, welche die Hohe Pforte vor, Jahrhunderten gewährt hat, wozu die Steuerfreiheit gewisser Einrichtungen gehöre. Es steht mir natürlich' nicht zu, darüber zu urteilen, welche Bedeutung derartige! Privilegien für den Katholizismus haben. Aber wir]. Theologen aller Knofessionen, die wir davon, durch«, drungen sind, daß--die Macht einer ReUgionsgemeinschaft gerade nur in ihren ideellen und transzendenten] Werten verankert ist und diesen gegenüber winzige xrdi« sehe Vorteile wenig bedeuten, können eine derartige Auf«» fassung nur als eine Schmälerung der hohen ethischen! Aspirationen jener Religionsgemeinschaft ansehen. Die Hohe Pforte hat im 16. Jahrhundert einen unsereij Glaubensgenossen, Don Joseph Nassi, zum Herzog von; Naxos und der Zykladen gemacht. Aber wo ist jetzt diel Hohe Pforte und wo ist ihre Macht im Heiligen Lande! und auf den Inseln des Mittelmeeres? Die hervorragenden Bibelkenner und Gottesgelehrten der katholischen! Kirche Wissen ganz gut, daß das, was Menschen stiften; andere Menschen wieder zerstören können, wie se JesaiaJ so schön ausdrückt: „Es dorrt das Gx'as, es welkt die Blume, nur das Wort Gottes bleibt bestehen." In der Tat hat ein anderer katholischer Redner, ein Prälat, diö Frage mehr vom ethischen Gesichtspunkt aus .betrachtet^ Er sagte, daß die Katholiken nicht als geduldete Gästo im Heiligen Lande angesehen werden wollen und daß das Land niemanden so heilig seiwieden Katholiken. Was diese letztere Behauptung betrifft, so ist" mit ihr wohl" etwas zu viel gesagt. Denn wenn die Bekenner anderer, aus dem Judentum hervorgegangener Religionen mit inniger Verehrung auf jenen Bodeni blicken, auf dem die Patriarchen, die Propheten und die Psalmsänger gewandelt sind, so sind diese erhabenen Männer für uns Juden nicht nur die großen Führer und Wegweiser, sondern zugleich unsere Vorfahren, dereni Odem in uns noch lebt und deren Sprache, wir nicht aufgehört haben, in unseren Gebeten zu benützen und jetzt auch im Heiligen Lande als Alltagssprache zu gebrauchen. Die zahlreichen Gelehrten unter den Katholiken wissen, daß es hervorragende Werke der Weltliteratur gibt, welche in Uebersetzungen in allen Sprachen gejeseni werden können, daß aber keine der Uebersetzungen, etwa Homers, oder hebräischer biblischer Dichtungen des Alten Testaments, an das Original heranreichen kann< Die lateinischen Uebersetzungen der Psalmen mögen noch! so weihevoll sein, doch darf ich wohl' sagen, daß den hebräische Urtext, den wir täglich lesen, doch noch um eine Nuance weihevoller ist; und wir Juden glauben sogar, daß dies die wesentliche Differenz ist zwischen den Religionen, die aus dem Judentum hervorgegangen sind, und unserer uralten Ueberlieferung, daß sie sielt nämlich zum Judentume verhalten wie die Uebersetzung zum Original. Indessen wollen wir darüber nicht streiten, wem der Boden Palästinas heiliger ist. Es kann in einer Familie vorkommen, daß ein jüngeres Kind in voller Ueberzeugung erkläre, es übertreffe den älteren Bruder an Liebe und Verehrung für den Vater. Der Vater, wird sich über diesen Wetteifer nur freuen. So mag Gott im Himmel sich darüber nur freuen, wenn verschiedene: Religionen für sich die höhere Heiligkeit des geweihten Bodens unserer Väter in Anspruch nehmen, wobei «0 «ÜAerdings, naheliegen, würde, da& eie diese Liebe und Vef»

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