Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 526 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette? DIE NEUE WELT Nr. 526 vom 3. Jänner 1936 Weltpolitik der Woche Das Jahr 1936 trifft alle weltpolitischen Fragen, die 1935 aktuell waren, ungelöst an: den abessinischitalienischen Konflikt, die kollektiven Sicherheitspakte, die Freiheitsbestrebungen des jungen Aegypten, den Machtkampf im Fernen Osten, die Eingliederung des Dritten Reichs in die Kulturstaaten. Am drängendsten erscheint hoch immer der Streitfall zwischen Italien und Abessinien, da er die Möglichkeit weiterer Konflikte in sich birgt, und darum wendet sich ihm d£«%Weltinteresse, in ungemindertem Maß $u.:%3$euen Aspekt in diesem empfindlichen Problem gestattet das > Auftreten des kürzlich zum britis'cKeri Außenminister ernannten Anthony Eden, der bisher als Englands Vertreter in Genf der Beendigung des italienisch-abessinischen Feldzugs durch Verschärfung der Sanktionen das Wort redete. Man erinnert sich weiters an den von Laval und Hoare ausgearbeiteten Friedensplan, der an der englischen und französischen Parlamentsmeinung scheiterte und Hoare zu Fall brachte, während Läval mit einer knappen Majorität seine Stellung als französischer" Außenminister rettete. Was wird und soll weiter geschehen? Wird in Abessinien so lange gekämpft werden, bis m i 1 it ä r i s c h e Erfolge einen der beiden Partner friedensbereiter machen? Wird die Diplomatie genug Fähigkeiten besitzen, um einen Ausgleich und eine Beseitigung der italienisch-abessinischen Differenzen herbeiführen zu können? Ober wird schließlich Genf das erlösende Wort sprechen? ÜeHsiGH tätsim. - Semmemp Was alle in gleich hohem Maß fürchten, ist die Erweiterung des ostafrikanischen Feldzug zu einem kriegerischen Konflikt in Europa, zu einem Weltbrand mit nicht ausdekbaren Folgen, und darum wird weiterverhandelt werden. Mussolini hat bei allem Festhalten an den italienischen Zielen die Bereitschaft zu Verhandlungen bekundet, wohl wissend, daß aus wirtschaftlichen Sanktionen militärische Maßnahmen werden und aus diesen zwangsläufig Kriegsoperationen. Um dieser Gefahr zubegegnen, werden die Staatsmänner zu Hause und in Genf alle Anstrengungen zu einer Beilegung des italienisch-abessinischen Konflikts, aber auch aller sonstigen Spannungen in Europa und Östasien machen müssen. Die vom abgetretenen Völkerbundkommissär für das Flüchtlingwesen James M ä c D o n a 1 d" an das' Generalsekretariat des Völkerbundes gerichtete Darstellung über die Lage der Juden in Deutschland ist, wie es scheint, nicht wirkungslos geblieben. Die einflußreiche englische Presse, Zeitungen wie „Times" und „Manchester Guardian'' verlangen das Einschreiten der Mächte, beziehungsweise ein Einwirken auf Hitler-Deutschland. Man muß — so heißt es in diesen Blättern — Hitler-Deutschland zu verstehen, geben, daß sein Vorgehen gegen die Juden auch die anderen Länder (die als Einwanderungsstätten für die jüdischen Flüchtlinge in Betracht kommen) tangieren und daß es daher Rücksicht nehmen müsse — auf eben diese Länder, denen man nicht zumuten könne, die Folgen der deutschen Judenbehandlung und Judengesetzgebung zu tragen. James MacDonald führte klar aus, daß man das Los der deutschen Juden nur durch einepolitische Aktion verbessern könne. Diese Wahrheit ist von den Kulturstaaten noch nicht' voll erfaßt worden. Die Staatsmänner, welche in Genf und in ihren eigenen Ländern vom Versuch sprechen, Hitler-: Deutschland in den Völkerbund wieder zurückzuführen, wollen nicht verstehen, daß das nationalsozialistische Regime in der Judenfrage (wie in allen anderen) nicht etwa einer Laune frönt, einem Mißgriff erliegt und darum eines Besseren belehrt werden kann, sondern daß eben, die Juden (und die anderen Nichtanhänger) zum Opfer seiner bestialischen Mentalität auserwählt sind, der man mit Staatsraison und Berufung auf Humanität und Kultur nicht beikommen kann. Solange die verantwortlichen Leiter der europäischen Kanzleien der Meinung sind, daß sie es bei den Führern des Dritten Reiches mit ihresgleichen zu tun haben, ist an einen Erfolg nicht zu denken. o. r. foic Roäia fyMmntQykok. MUSIKHAUS EXCELSIOR Wien I, Franz-Josef s-Kal 15, Ruf R-21-4-46 Alleinvertrieb der guten jüdischen Lukraphonschallplatten Das EMEK-Lied aus dem Tonflm „Das Land der Verheißung", der größte Erfolg! Noch nie dagewesene moderne Tanzplatten mit hebräischem Oesang. PalästinensischeH O R RA'j und neu- , hebräische Kinderplatten. SchaliDlatten zur Erlernung der hebräischen Sprache Obk josef Rosenblatt von S 4.90 I Obk. Sirota von S 1.60 Aeußerst gut sortiertes Lager aller gangbaren SchallplaMen, Dadioapparaie und Grammophone, auch auf bequeme Teilzahlung Kampf in der Wiener Judengemeinde In der Wiener Kultusgemeinde werden sich in der} nächsten Tagen gründliche Veränderungen, vollziehen. Dies elf Vertreter der — wie sie Sich gelbst nennt — nicht-: nationalen und nicht zionistische"*! „Union österreichischer Juden" haben für die nächste Woche, die Niede rlegung ihrer Mandate angekündigt. (Der Vorstand zählt derzeit 28 Mitglieder, darunter i7 Zionisten.) Die zionistische Mehrheit sieht dem Ausscheiden der Unionisten ruhig entgegen. Die Verwaltung der Gemeinde und ihrer Institutionen wird'keine Störung erfahren, da' alle wichtigen Ressorts ausreichend besetzt bleiben. Auch der Diskussion über die Mandatsniederlegung sehen die Zionisten zuversichtlich entgegen, denn, sie ist durch keinerlei sachliche Gründe zu rechtfertigen. Sie ist der Ausfluß der Ratlosigkeit und ein Bekenntnis, daß die assimilatorische Richtung nicht mehr zu halten ist. Zum Anlasse ihres Verzweiflungsschrittes haben tiie Unionisten die bevorstehende Besetzung des freigewordenen Posten des Ersten Sekretärs genommen.. Der Umstand, daß der bisherige, um die Verwaltung überaus verdienstvolle Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz demissioniert hat und in freie Bewerbung um die öffentlich und ordnungsgemäß ausgeschriebene Stelle tritt, soll Gelegenheit bieten, die Wiener Judenschaft zu „revolutionieren" und die Zionisten zu stürzen. Es ist ein wahnwitziges Beginnen, unter dfesem Vorwande und in dieser Zeit einen „Putsch" zu versuchen. Aber die 'Herreh -Unionisten sind am Ende ihrer politischen Weisheit und haben sich wohl nur deshalb von ihrem Präsidenten Herrn Regierungsrat Dr. Oppenheim und ihr'em Anführer im 'Gemeindevorstande, Herrn Vizepräsidenten Dr. T i c h o, zu einem aussichtslosen Verzweiflungsschritt bewegen lassen. Denn wie ratlos und im. gegebenen Augenblicke auch führerlos die Union ist, hat der Verlauf der letzten öffentlichen Plenarsitzung' des Vorstandes bewiesen. Auf der Tagesordnung stand1 der Antrag auf Bewilligung' eines- '• Budgetprovisoriums^ für die ersten zwei Monate des Jahres 1936. Der Fraktionsführer der Unionisten erklärte kurz, daß sein Klub gegen den Antrag stimmen werde, als Ausdruck mangelnden Vertrauens zur zionistischen Majorität. Das war soweit in Ordnung und entsprach dem parlamentarischen Brauch. Aber was nachher kam, war einfach erbärmlich und bot dem Vorstande und dem Publikum ein in diesem Rahmen nie erlebtes Schauspiel der Kläglichkeit. Herr Dr. Feldsberg unternahm es, die Stellung der Union „sachlich" zu begründen. Er klagte die- Majorität wegen ihrer Miß- und Uebergriffe auf dem Gebiete..der .Fürs.orge, des- Bethausdienstes, , der Altersversorgung^ des: Schulwesens etc. an. Alle Fakten, die er anführte, stellten Ausführung von Beschlüssen dar, welche mit den Stimmen der Union gefaßt worden waren. In seiner Ratlosigkeit belastete er seine eigenen Parteigenossen aufs schwerste, indem von einer „Mißwirtschaft" in Ressorts sprach, welche von Unionisten geleitet w erden. Einige Zwischenrufe genügten, um die Rede des' „Anklägers" in einem erbarmungswürdigen Gestammel endigen zu lassen. Nach ihm sprach noch der Unionist Herr Dr. Stieglitz, welcher den Zionismus mit Argumenten bekämpfte, die in der heutigen Zeit wirklich unglaublich erscheinen. Er sprach, wie die Protestrabbiner anno 1896 und wenn es eines Beweises bedarf, daß die Assimilation in tödlichen Zerfall geraten ist, dann hat ihn der p.öIi tis ch e Sprecher der Union reichlich erbracht. Es wurde Oberbaurat Stricker, Rat der Stadt Wien Dr. Ehrlich, Dr. Körner, Dr. .Landau, Kommerzialrat Albers, Dr. Klaber und dem Schlußredner Dr. Löwenhera leicht, allzu leicht, die Ausführungen der Union-Redner der Entrüstung und Heiterkeit der Zuhörer preiszugeben, Sichtlich beschämt schwiegen die Herren von der Union. Ihr Führer, Herr Vizepräsident Dr. Tic ho, sagte nicht ein Wort und überließ seine Freunde und Vorredner ihrem Schicksal. Er, dem wohl nicht mit Unrecht eine Hauptrolle beim „Putsch" angelastet wird, schwieg sich während der langen und für seine Partei verhängnisvollen Debatte gründlich aus. Es war eine Niederlage sondergleichen. Die Winterhilfe der Wiener Kultu§<femeuide Für die Winterperiode 1935/36 hat die Wiener Kultusgemeinde eine besondere Hilfsaktion geschaffen, welche bereits seit 15. Dezember im Gange ist. Es werden vorläufig In acht Ausspeisestellen mehr als tausend Personen täglch gespeist. Zwei weitere Aus Speisungen werden binnen kurzem eröffnet werden, wobei die Zahl der Auszuspeisenden auf täglich ungefähr 2000 Personen ansteigen dürfte. Familien, die für die Ausspelse^ aktion nicht in Betracht kommen können, werden mit Lebensmittelpaketen bedacht. An: fürsorgebedürftige alte Personen, sowie an die im Bezüge von Pflegebeiträgen stehenden Familien mit Kindern wurden bereits Kohle und Koks geschickt, während allen anderen noch zu berücksichtigenden Armen: in' den nächsten Wochen Heizmaterial zugestellt werden wird. Die Bekleidungsaktion nimmt dank der Sachspenden an Kleidern, Wäsche und Schuhen eine befriedigende Entwicklung. Eine neue Aktion bildet die erstmalig in diesem Jahre eingerichtete Tagesheimstätte, wo schulpflichtige Kinder in geheizten Räumen ihre Schularbeiten t unter Aufsicht machen können und auch Mi&agmähl und Jause bekommen. Zu erwähnen ist auch die; Förderung von Wärmestuben und einer Reihe von Vereinsveranstaltungen, wie die Nachtmahl&usspeisung; des „Jüdischen Witwen- und .Waisehhilfsfoäds^Aüsspeisevereins im IX. Wiener Bezirk" usw., die im Rahmen der Winterhilfsaktion erfolgen. Abgesehen von diesen Sonderaushilfen der Winter« hilfsaktion, werden gleichzeitig alle sonstigen Fürsorge maß nahmen durchgeführt, für die im ordentlichen Budget der Kultusgemeinde vorgesorgt -st. FAHRRAD* llltafAfS KINDERWAGEN«» FABRIK kUPIMU FABRIK Klndorwagonverkauf: von * 33.- _______„______ / I, Tuchlaubenhof 7 , X, LaxenburgeratraBe 82 / XX, JBgerstraOe 41 Fatirradfabrlk: Vit, Burggasse 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge gratis! von S 35.— lB Deutsdiffarisdhes Adreßbuch für Oesterreich Zufolge der Bestimmungen des Preßgesetze3 müssen wir folgende „Berichtigungen" bringen: Funke & Loos, Linz a. d. D. Sie schreiben in der Zeitung „Die Neue Welt" vom Dienstag, dea 17. Dezember 1935, Nr. 522, Jahrgang 9, auf SeiU b\ unter dem Titel „Tribüne" und dem Untertitel joeutscharisches Adreßbuch für Oesterreich", daß dem Vorwort diesea Adreßbuches zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Funke & Loos, I., III., VII., XIV., XVI., XXL, Arbeitskleider, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Funke & Loos, I., in., 'VII.,, XIV, XVI.,. XXL, Arbeitskleider, den Besuch'jüdischer Kunden nicht wünscht. Rechtsanwalt!) r. Hans (Johann Josef) Frank, Wien, VI;, Gumpendorferstraße 15,' Sie schreiben in der „Neuen Welt" Nr. 522 vom 17. Dezember 1935, auf Seite 3, unter der Aufschrift „Tribüne«« Deutscharisches Adreßbuch für Oesterreich, folgendes: „Da dem Vorwort zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltenen Firmen und Geschäftsleute den Besuch, jüdischer Kunden nicht wünschen, führe..." Dies ist unrichtig, wahr ist vielmehr, daß aus dem Vorwort auf Seite 7 des genannten Adreßbuches dies nicht im mindesten zu entnehmen ist, daß lediglich von guten, bodenständigen Firmen die Rede ist. Rudolf Kolroser, Wien, L., Schottengasse 2. Sie schreiben in der Zeitung „Die Neue Welt" vom Dienstag, den 17. Dezember 1935, Nr. 522^ Jahrgang 9, auf Seite 3, unter dem Titel „Tribüne" und dem Untertitel „Deutscharisches Adreßbuch für. Oesterreich^ daß dem Vorwort dieses Adreßbuches zu entnehmen ist„ daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Rudolf Kolroser* Wien, L, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Rudolf Kolroser, Wien, I., den Besuch jüdischer Kunden nicht wünsekt. Stemberger & Mellitzer, Wien, VI.,, Mariahilferstraße 4 5. Sie schreiben in der Zeitung „Die Neue Welt" vom Dienstag, den 17. Dezember, 1935, Nr. 522, Jahrgang 9, auf Seite 3, unter dem Titel „Tribüne" und dem Untertitel* „Deutscharisches Adreßbuch für Oesterreich", daß dem Vorwort dieses Adreßbuches zu entnehmen ist, daß «die im Verzeichnis enthaltene Firma Stemberger & Mellitzer, Mariahilferstraße, Damenhüte, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht« Diese Behauptung ist unwahr! Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Stemberger & Mellitzer, Mariahilferstraße, Damenhüte, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Josef Pfeningbergers Söhne, Wien, I.t Wil dp retmarkt 6. Sie schreiben in der Zeitung „Die Neue Welt'* vom Dienstag, den 17. Dezember 1935* Nr. 522, Jahrgang 9, auf Seite 3, unter dem Titel „Tribüne" und dem Untertitel „Deutscharisches Adreßbuch für Oesterreich", daß dem Vorwort dieses Adreßbuches zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Josef Pfeningbergers Söhne, Linoleum, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Josef Pfeningbergers Söhne, Linoleum, den Besuch jüdischer Firmen nicht wünscht. Anm. der Red. Der Gleichlaut dieser Erklärungen läßt schließen, daß Ihre Quelle nicht allzu weit vom „Arischen Adreßbuch" entfernt ist. Ob den Einsendern damit gedient ist, möchten wir bezweifeln. Wenn man auf der einen Seite Wert darauf legt, in einem nach Hitler-Sitte als „deutsch-arisc h" bezeichneten Adreßbuch zu paradieren, so nehmen sich Mitteilungen an das jüdische Publikum, daß man nicht abgeneigt ist, judisches Geld zu nehmen, etwas sonderbar aus. In dieser Hinsicht verfehlen diese Mitteilungen sicherlich den Zweck. Das jüdische Publikum wird sich kaum durch solche Ankündigungen freundlich beeinflussen lassen. Wir haben unsere diesbezügliche Meinung In der letzten Nura« mer unter der Aufschrift „SiemalcnKrouzcandia; X ü r s,»" (erschöpfend dargelegt,