Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 524 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Jahrgang 9 Dienstag, den 24< 18? Nr« S24 V« b* b* Leitung vom Verleger versende« —nal expediö par l'editeur'* R E V U HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig 8 16.—; Polen monatlich Zloty 1.8% vierteljahrig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Marl: 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljahrig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitä'sstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Unsere nächste Ausgabe erscheint wegen Feiertagsruhe Dienstag, den 31. Dezember Weltpolitik der Woche Obwohl in Ostafrika zum erstenmal während des ilalienisch-abessinischen Feldzuges umfangreiche militärische Operationen vor sich gehen, wendet sich das Interesse der Weltöffentlichkeit nicht dem Kriegsschauplatz, sondern den Schauplätzen der Diplomatie, London, Paris, Genf und Rom, zu. Der sogenannte englisch-französische Friedensplan, der von Laval und Hoare außerhalb des Völkerbundes in Szene gesetzt wurde, ist gefallen. Das englische und französische Parlament haben es abgelehnt, „den Angreifer zu belohnen", und so steht man nun wieder dort, wo man vor Monaten gestanden hat: vor dem Problem, den ostafrikanischen Feldzug zu liquidieren, ohne die Prinzipien des Völkerbundes zu verletzen und ohne Italiens Ansprüche auf Expansion außer acht zu lassen. Die Lage ist schwierig. Sie ist so kompliziert wie noch nie. Denn die Mittel, die bisherzur Beilegung' des Streitfalles angewendet wurden und sich als nutzlos erwiesen haben, kommen nicht mehr in Betracht. Mit einer Bagatellisierung der Sanktipnen läßt sich nicht mehr rechnen, denu — so argumentiert die Weltpresse — der bisherige . .englische Völkerbundvertreter Anthony Eden ist britischer Außenminister, ' In London selbst hat die Ernennung des jungen, sanktiousbeflissenen Eden zum Leiter der britischen Außenpolitik tiefen Eindruck gemacht — nicht nur, weil man von ihm eine konsequente Völkerbundpolitik erwartet, sondern weil sein Pate, der Ministerpräsident Baldwin, nach dem Zusammenbruch der Friedensaktion erklärte, daß vielleicht die nächste Gefahrenzone England näher liege als das Mittelmeer. Diese Bemerkung läßt erkennen, daß das englische Kabinett mit allen Möglichkeiter europäischer Verwicklungen rechnet. Wenn Außenminister Eden seine bisherige Politik Italien gegenüber konsequent verfolgt, dann wird es zweifellos zur Verschärfung der Sanktionen und weiterhin der Spannung im Mittelmeer kommen. England hat bereits den am Mittelmeer interessierten Mächten, ferner auch Rumänien und der Türkei die Möglichkeit eines Konflikts vor Augen geführt und von ihnen eine Stellungnahme abverlangt. Nur ein politischer Desperado kann dieses Gefahrenraoment unterschätzen. Mussolini hat bisher Proben staatsmännischer Klugheit gegeben und bewiesen, daß er weiß, wie weit er gehen darf. Aber manchmal — die Weltgeschichte birgt genügend viele Beispiele dafür — sind die Dinge soweit ins Rollen geraten, daß auch die Besinnung auf die Realitäten nichts mehr auszurichten vermag. Wird dem britischen Coroon sense, dem durch Jahrhunderte erzogenen Naturvers,tand der Engländer, das italienische Temperament gewachsen sein? Kann es überhaupt einen Ausgleich, ein Kompromiß geben, wo Englands Interessen im Vorderen Orient ernstlich tangiert werden? Hier eine Prognose stellen, heißt, mit Stimmungen so zu rechnen, als wären sie Tatsachen, und umgekehrt. In den ersten Jännertagen soll in Genf der Sanktionsausschuß des Völkerbundes zusammentreten. Wie man weiß, sind von den Sanktionen nicht nur die streitenden Parteien berührt. Wirtschaftsehaos. kann bei Ausdehnung der Sanktionen sehr leicht eintreten, und jeder chaotische Zustand birgt Gefahren auf allen anderen Gebieten in sich. Italien hat gesprochen: IJs setzt seinen Feldzug gegen Abessinien unbeschadet der Genfer Beschlüsse fort. Es verlangt die Anerkennung seiner Ansprüche auf Raumgewinn. Aus dieser Situation gibt es nur einen praktischen Ausweg: Italien gibt selbst einen Friedensplan bekannt, der sich in die Völkerbundprinzipien einbauen läßt. Denn die Tage, wo man um den Umfang der Sanktionen feilschte und italienische Erfolge gegen den Negiis als Vorbedingung für einen respektablen Friedensschluß ansah, sind endgültig vorüber. o. r. Palästina-Parlament errichtet! Es ist ein Ereignis eingetreten, welches den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina auf das allerschwerste bedroht. Die Jüdische Telegraphen- Agentur meldet: Aus Jerusalem, 19. Dezember: Das offizielle Organ der vom Jerusalemer Großmufti geführten j Arabisch-Palästinensischen Partei „AI Liaw" teilt! in seiner Ausgabe vom 19. Dezember mit, daß am Samstag, den 21. Dezember, der „Legislative Council (Gesetzgebender Bat) forPales t i n e" verkündet werden wird. Auf eine Anfrage der J. T. A. bestätigte die Regierung Palästinas diese Meldung. Der J. T. A. wurde offiziell erklärt, daß der High Commissioner Sir Arthur Wauchope die Führer der arabischen Parteien für Samstag, den 31. Dezember, ins Regierungshaus geladen hat, um die Schaffung des Legislative Council zu verkünden, Aus Jerusalem, 20. Dezember: Die Palästina-Regierung teilt offiziell mit, daß der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope den Präsidenten der Jewish Agehcy, Prof. Dr. Chaim Weizmann, und die anderen Führer . der .zi o n^i s t isehen Bewegung und der jüdischen Gemeinschaft Palästinas für Sonntag, den 2 2., D e z e m.b e r, in das Regierungshaus eingeladen hat, um ihnen die Schaf-, fung des „Legislative Council" (Gesetzgebender Rat) für Palästina mitzuteilen. Die arabischen Führer sind, wie mitgeteilt, vom High Commissioner zu dem gleichen Zweck für Samstag, den 21. Dezember, eingeladen worden. Die e n d g ü 11 i g e Z u s a m m e n s e t z u n g des Council wird nach dem Besuch der Führer der Landesbevölkerung beim High Commissioner bekantgegeben werden. * Telegraphische Meldung des Korrespondenten der „Neuen Welt" aus Tel-Aviv: Die Meldung von der Errichtung des Legislative Council hat unter der jüdischen Bevölkerung große Bestürzung hervorgerufen. Anklagen gegen die zionistische Leitung werden laut. Ein Teil der arabischen Presse kündigt Kampf gegen jüdische Einwanderung und Bodenkauf mit Hilfe des Council an. * Aus Jerusalem, 22. Dezember (J. T. A.): Die arabische Presse meldet, daß der Legislative Council seine Tätigkeit im April 1936 aufnehmen wird. Er wird aus einem Präsidenten und 26 Mitgliedern bestehen, von denen 16 gewählt und 10 ernannt werden sollen. Von den 16 gewählten Mitgliedern würden 8 mohammedanische und 3 christliche Araber und 5 Juden sein. Präsident soll ein Engl än d e r, von den beiden Vizepräsidenten einer ein Araber und der andere ein Jude sein. Auf dem Luzerner Zionistenkongreß im September 1935 war die Frage des Parlaments Gegenstand einer durch die Judenstaatspartei angeregten Debatte. Der Sprecher der Partei Robert Stricker wies auf die drohende Gefahr hin und forderte Einleitung einer umfassenden, das ganze jüdische Volk erfassenden Aktion gegen die Errichtung eines Parlaments mit einer Majorität von Arabern und englischen Beamten, welches dem Geist des Mandats widerspricht und, wie auch sein Wirkungskreis bestimmt werden mag, eine ständige Bedrohung des jüdischen Siedlungswerkes bedeutet. In seiner Gegenrede hat Präsident Weizmann die Frage als unwichtig und nicht aktuell behandelt und die Majorität hat sich mit der Annahme einer Resolution begnügt und ist über den Antrag auf Einleitung einer Aktion hinweggegangen. Vor vier Tagen, am 20. Dezember, hat die „Neue Welt" unter Hinweis auf englische Blätterstimmen geschrieben: „Noch nie wurde in so dezidierter Form für das Parlament und gegen die zionistischen Forderungen gesprochen. Die zionistische Leitung, Weizmann voran, glaubt die KUNDMACHUNG Wir empfehlen unseren geschätzten Lesern warmstens die Firma Wien ||4 Taborstr. 22, Tel. R-22-5 A0/ftt welche den geehrten Abonnenten gegen Vorlage des Abonnementscheines bestimmte mit uns abgemachte Rabatte in folgenden Abteilungen einräumt: Fußstützen, fertig oder nach Gipsmodell Fußheilbehelfe Bandagen aller Art (Bruchbänder, Leibbinden etc) Krampfaderstrümpfe Elektro-medizinlsche Apparate (Höhensonnen) Bestrahlungslampen, Heißluft- und Inhalationsapparate etc. Krankenfahrstühle Zimmerklosette und sonstige Krankenmöbel Personen- und Säuglingswaagen Verleihabteilung für alle Heilu. Pflegebehelfe Ausschneiden! Sache bagatellisieren zu können. Sie rechnet offenbar damit, daß die englische Regierung angesichts der Wirren im Orient jetzt „größere Sorgen" hat, als ein Parlament in Palästina, aber es kann anders kommen. Die englische, dem Zionismus wenig freundliche Kolonialbürokratie kann auch gerade die Verwirrung benützen, u m „i h r" Pari ament einzuschieben. Beispiele für eine solche Politik gibt es in Hülle und Fülle. Die Parlaments-Gefahr ist akuter als je und es ist und war unverantwortlich, über sie hinwegsehen zu wollen." * Nun steht die jüdische Welt vor einer vollendeten Tatsache. Die Gefahr ist groß und es würde die größte Versündigung an der Sache des jüdischen Volkes sein, wollte man vor ihr jetzt noch die Augen verschließen. Jetzt müssen alle zionistischen Kräfte zusammengefaßt werden, um den Kampf zu führen. Nicht nur die jüdische, sondern die gesamte Welt muß aufgerufen werden, um Bestrebungen zu verhindern, welche dem jüdischen Volke den letzten freien Lebensraum nehmen wollen. Stadtratswahl in TelsAviv Die Neuwahl in den Stadtrat von Tel-Aviv ergab folgendes Resultat: Es haben insgesamt 21.677 Wahlberechtigte abgestimmt. Die Arbeiterpartei erhielt 8709, die Zentrumspartei 8651 Stimmen, auf die Liste des bisherigen Bürgermeisters Meir Dizengoff entfielen JJ007, auf die verbundenen Listen der Fortschrittlichen Zionisten und der Hitachdut Ole Germania (Deutsche-Einwanderer-Liste, Dr. Felix JRosenblüth) 1685} Stimmen. Von den zu vergebenden 15 Mandaten erhalten: Arbeiterpartei und Zcn- FEIERTAGE im M»iw.,h,und Kai)8||8 ceiner Donnerstag, 26. XII. Gesang: LEO Beginn 1/»9 Uhr abends Cafe Weghub ULM AR mtm^mm Besucherkarte 60 Groschen (Hinter dem Deutschen Volkstheater)