Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 523 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 523 vom 20. Dezember 1935 /' i j imd der herzige Talmid beantwortete die Fragen, sagte klar und deutlich die „Drusche"") auf und ging nach Hause. Zufrieden strich sich Reb Duwidl Melamed seinen Bart und hörte wohlgefällig — und das kam selten vor — zu, wie die Rebezin Chantsche sagte: „A woijl Jingale, a git Kepale"1'). Draußen tobte der Wind. Man hörte die Stimme des Schammes15), der von Haus zu Haus eilte, mit einem Holzhammer an die Tore klopfte und laut rief: „Jiden, Jiden, der Schabbes kimmt un, schojn Zat, locht zi zinnen"1''). Chantsche, die Rebezin, bereitete die Messingleuchter vor und Reb Duwidl Melamed holte aus seiner Tasche sein „Kapital hervor, zählte es, legte es wie gewöhnlich in den Talmudfolianten und versteckte ihn unter den Kasten. Rasch kleidete er sich um, legte die Sabbatkleider an und nachdem Chantsche, die Rebezen, die Kerzen angezündet hatte, ging er in feierlich gehobener Stimmung in die Klaus . . . GRABSTEINE FRIEDLANDER & DEUTSCH *ien,_l. Bez., Seitenstettengasse 2, j|| Samstag 1,1 geschlossen XL. Z nimlfrifdhot, neb. et. 1. 7or. In fröhlicher Stimmung war Sindrik am nächsten Tag. Fast die ganze Gemeinde war beim reichen Mendel versammelt, Hersch bestand glänzend die Prüfung, seine „Drusche" fand Beifall, Fische, Bier und Erbsen wurden in reichlichem Maße herumgereicht und mit Gesang und Tanz beendete man die Prüfungsfeier. Nach dem Abendgebet machte Reb Duwidl Melamed „Hawdule"i"). Noch singend, ging er zum Kasten, zog den Talmudfolianten hervor, um „sein Kapital" an sich zu nehmen. Da aber . . . Seite für Seite durchsuchte er, der Kasten wurde weggeschoben — nichts zu finden. Das Geld war verschwunden. Chantsche, die Rebezen, weinte, tobte. Reb Duwidl Melamed und Rüben, der Belfer, suchten weiter. Naabarn eilten herbei, man schrie, gab Ratschläge, aber alles vergebens. Das „Kapital" war weg. Vierzig Jahre hatte Reb Duwidl Melamed sich geplagt, seine Rebezen und sein Sohn der Belfer hatten sparen mitgeholfen, und jetzt, da er sich bald von seiner Lehrtätigkeit zurückziehen wollte, um seine letzten Jahre sorgenfrei zu verbringen, hatte ein Dieb sein „Kapital" gestohlen. Reb. Duwidl Melamed war ein gebrochener Mann. * In Sindrik staunte man zuerst. So viel Geld hatte er — meinten die Juden, .warum forderte er immer pünktliche Bezahlung des Lehrgeldes? So ein „Kapital" ist doch ein Vermögen. Noch dazu bares Geld. Der ersten Verwunderung folgte Bestürzung. Wer hat gestohlen? Der Verdacht fiel auf die Kinder des Ortes... Chantsche die Rebezen fuhr zum heiligen Wunderrabbi. Nur er kann helfen. Nach einigen Tagen kam sie zurück und erzählte ihrem Reb Duwidl Melamed, was der Wunderrabbi gesagt hatte: ,,Gott wird helfen." „Amen," — meinte ein jeder, der hie von erfahren hatte. Ein Jahr ging dahin. Der erste Chanukkahabend nahte heran. Schnee deckte Sindrik zu, eisige Kälte lag auf der Straße und im Cheder. Reb Duwidl Melamed dachte noch immer an das große Unglück. Man hörte nie ein freundliches Wort von ihm, nie ein Lachen. Mißtrauisch blickte er auf die Kinder. Einigen Talmidim rannen die Tränen über die Wangen. Sie hatten auch Grund dazu. Im Cheder war es kalt und traurig, der „Kantschik" war gar zu oft in Tätigkeit und heute... Es war eine alte Sitte in der alten Melamedfamilie des Reb Duwidl gewesen, am ersten Chäriukkahabend ein „Fest" für die Kinder zu richten. Diesmal war Reb Duwidl Melamed so sehr seinen Schmerz verfangen, daß er sogar an dieses Kinderfest vergessen hatte. Am traurigsten war der kleine Hersch. Plötzlich unterbrach er das Lernen, flüsterte verstohlen mit einigen Kindern und 3chhcli davon. Bald war er wieder da und hielt in der Hand einen Hering. „Rebbe, hajrit is Chanike"18) — sagte er und seine schelmischen. Augen blickten bittend au Reb Duwidl auf. Dieser schwieg, und so nahm man die Lehrbücher vom Tisch und legte ein Tischtuch darüber. Dann wird Chantsche die Rebezen ersucht, einige Kartoffel zu braten. „Gej in Keller"*») meinte sie. Hersch stieg in den Keller, der durch ein Loch vom Cheder zu erreichen war, und schleuderte übermütig Kartoffeln hinaus. Und mit den Kartoffeln flogen Geldscheine mit... Mäuse hatten das Papiergeld ins Kellerloch verschleppt und das „Kapital" ein wenig benagt. Das war ein Fest. Das Chanukkahlichtlein glitzerte. Das Zimmer wurde hell. Reb Duwidl Melamed erzählte den Kindern Geschichtchen von den Makkabäern und von Chanah und ihren sieben Söhnen. Chantsche die Rebezen holte Most, >•'«) Predigt, Vortrag. t») Ein herziger Knabe, ein gescheiter Kopf, i"») Synagogendiener. iß) Juden, Juden, der Sabbath naht heran, schon Zeit, die Lichter anzuzünden. i") Sabbathausgangsgebet. Lehrer, heute Ist Chanukkah. i») Geh* in den Keller. jU^mmd Bittet -\W2 Besircnommieric Küche REICHHALTIGE MENOSäS 1.90 UNO 2.60 i C II W Et H A T E K BRAU ll,Hammcr-Purgstall-Gasse 3 (nächst Sa!ztotbrDcke)OTe]J-4f-C-?5 Von S 2 Woehenraten erhalten Sie alle Gegenstände in gröBtor Auswahl und bester Qualltat bis 20 Monate Kredit SCHLESINGER VII, Burggasse 122-124 Telephon B-32-2-24, B-35-6-jj5 und Rüben, der Belfer, schenkte jedem Kind ein Trenderl. Man sang, man lachte, man spielte und bald ward der Tisch beiseite geschoben und zum erstenmal tanzte der Melamed mit seinen Talmidim ein echt chassidisches Tänzchen ... Das war ein Fest. Lange noch erzählte man sich in Sindrik, wie lustig das Chanukkahfest bei Reb Duwidl Melamed war. „Gott hat geholfen" — meinte Chantsche die Rebezen und fuhr am zweiten Chanukkahabend zum Wunderrabbi. Chanukali'Gottesdienste für die Sdtuljugend An Stelle des am 21. Dezember d. J. (Schabbaa-Chanuka) abzuhaltenden allgemeinen Jugendgottesdienstes finden Chanuka- Festgottesdienste für die Schuljugend in folgender Einteilung statt a) Am Freitag, den 20. Dezember, um 4 Uhr nachm. in der Synagoge. XI.. Braunhubergasse 7. b) Am Samstag, den 21. Dezember, um 4 Uhr nachm. in den Synagogen: L, Seitenstettengasse 1; II., Tempelgasse 5; II., Sebastian-Kn^pp-Gasse 14; III.. Untere Viaduktgasse 13; III.. Steingasse IS'; V.. Siebenbrunnengasse la; VI.. Schmalzhofgasse 3; VIII., Neudeggergasse 12; IX.. Müllnergasse 21; X., Humboldtgasse 27: XV., Turnergasse 22; XVI.. Hubergasse 8; XIX., Dollinergasse 3: XX., Kluckygasse 11. c) Am Samst a g, den 21. Dezember, um 3 Uhr nachm. in der Svnagoge. XIII.. Eitelberggasse 22. d) Am S a m st a g, den 21. Dezember, um 3|.t5 Uhr nachm. in der Synagoge, XVIII. , Schopenhauerstraße 39. e) Am Sonntag, den 22. Dezember, um 4 Uhr nachm. in der Synagoge, XXI., Holzmeistergasse 12. , , Besondere Chanuka-Festgottesdienste: a) Für die Unterklassen der Mittelschulen im IL, IX. und XX. Bezirk am Samstag, den 21. Dezember, um %6 Uhr nachm. in den Synagogen. IL. Tempelgasse 5. IX.. Mülinergasse 21, und XX., Kluckygasse 11. b) Für die Oberklassen der Mittelschulen am Freitag, den 20. Dezember, um M..6 Uhr abends in der Synagoge, L, Seitenstettengasse 4 (Ansprache: Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang), und um 6 Uhr abends in der Synagoge, VIII.. Neudeggergasse 12 (Ansprache: Se. Ehrw. Herr Rabbiner Studienrat Dr. M. Bauer). Predigten in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 20. Dezember, werden bei den um 4 Uhr beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: IL, Tempelgasse 5 (Oberrabbiner Dr. I. Taglicht); VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky); VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Doktor M. Bauer); IX., Mülinergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); X., Humboldtgasse 27 (Rabbiner Dr. A. Weiner); XV., Turnergasse 22 (Dozent Dr. H. J. Zimmels); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); XX., Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein). Samstag, den 21. Dezember, beim Vormittagsgottesdienst Schrifterklärung: XX., Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein). — Chanuka-Festgottesdienste. Samstag, den 21. Dezember, um 1^5 Uhr nachm.: XIX. , Dollinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankfurter). Sonntag, den-22. Dezember, um 4 Uhr nachm.: XXL, Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). Sfellenaussdireibung Der Bewerbungstermin für die mit Kundmachung vom 29. November 1935 erfolgte Ausschreibung der Stelle eines Ersten Sekretärs und Amtsdirektors wird bis einschließlich 3 1. Dezember 1935 verlängert. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien. Nach Polen und Czernowitz fahren Sie zu Weihnachten und Neujahr heernem und billig mit Francopol, III., Rennweg 3, Tel. LM6-4-90. 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