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Die neue Welt · 1935-12-20 · Heft 523 (20.12.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 523 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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183 Preis 20 Groschen ****** «««• Dezember ■ m Universitätsbibliothek (I R^^_ mm mm —> BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60. ■i M M> ■ ■ VI vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Kc 16.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertet- K_ MM ■ ■ 9Lb iührig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig MB ■ JPJ V Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; P_m fMf VmmV Bwaa Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. ™* Ä3*ä Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Vniversitäfsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Chanukkah 5696 Ah dU titenacaU Lichter, die zu spät in die Nacht meiner Jugend brachen Alle meine Träume leben in. eurem Glanz. ]Achter, die mir von Helden und Heiligen sprachen Schließet um mich euren leuchtenden Kranz. Die ihr schimmernd das Wunderbare Durch die Fährnis der Zeilen erzählt: Leuchtend im Dunkel der Jahre Verharret ihr auserivählt. Gestoßenes Oel der Olioen Entflammt oun IVander und Sieg: Heindiche Stimmen, riefen Jene, die dämmernd noch, schliefen Zu Gottes hochheiligem Krieg. Die ihr Geschehenes deutet Weiset das Kommende auch. — Der die Geschicke leitet Gibt emigen Sinn altem Brauch. Lichter, die zu spül in die Nacht meiner Jugend brachen Alle meine Sehnsucht ivebt in eurem Glanz. Lichter, die mir oon Ahnen und Enkeln sprachen Schließet um mich euren eroigen Kranz. Aus Fr Hz Roscnthal (Ben Chonin) .,Das Mal der Sendung", Verlag ß. Heller. München 1935. Jüdisches Ferienheim»Atid« 14 Fap;c Wintersport in den Schladminger Tauern (1200 m) Rituelle Verpflegung, ärztliche und pädagogische Aufsicht Vetpflegskosten inkl. gemeinsamer' hin- und Rückfahrt S 85.— für 14 Tag«, 8 Tage S 60.— Anmeldung: Sekretariat, IX, Scliwarzspanierstr. 12/3. ft-ZB-3-73 die kothsU Ausf&k unseres Blattes erscheint Muudofe den 23. Dmmtet in vergrößertem Umfang Weihnachts? u. NeujahrssSonderfahrlen nadi Polen und Czernowitz Abfahrten: ti. Dezember 1935, 2. und 21. Jänner 1M6 Rückfahrten: «8. Deicmber 1935, 5. Jänner u. 12. Februar 1*36 „FRANCSPOL", Wien III, Rennweg 1, Tel, U-1Q-4-90 Katholische Jugend und Judenfrage Bei Elternversammlungen an den Wiener Schulen und Veranstaltungen von katholischen Jugendführern wurde in den letzten Tagen massenweise eine Broschüre verteilt. Sie trägt den Titel: „Kampf der Jugend für Sozialreform", von Pugnator. — Herausgegeben vom sozialen Arbeitskreis des Reichsbundes der katholischen deutschen Jugend Oesterreichs. Verlag: Reichsbund der katholischen deutschen Jugend Oesterreichs, Wien, I., Ebendorferstraße 6. Es handelt sich also, das sei vorausgeschickt, um keine geheime hitleristische Hetzschrift, sondern um die Kundgebung einer anerkannten, zur Führung der österreichischen Jugend autorisierten Körperschaft. Diese Kundgebung enthält folgende Richtlinien: Seite 155: „Wie jedem Gastvolk im Rahmen des deutschen Siedlungsgebietes, gebührt auch dem J u d e n v o 1 k eine gesonderte Stellung. Die Erreichung der Vollbürgerschaft für die Juden war ein schadenb ringen der Irrtum der Aufklärungs- und liberalen Zeit." „Unerträglich ist die Macht der Juden über Wirtschaft, Presse und In geistigen Berufen. Sie muß gebrochen werden (durch staatliche Maßnahmen, durch persönliche^föegenarbeit bei jedem einzelnen)." Mthten Sie. luenu <Ste flltebiauetMttm,fle"ssL^ V suiet&tuim Sriginalflofdie! „Der R a s s e n a n t i s e m i t i s m u s ist zu verwerfen, um so mächtiger und bis zum letzten Bürger durchgreifend muß der geistige und wirtschaftliche Antisemitismus werden. Starke Christen sein — das bricht die Macht des Judentums." Seite 16: Kapitel „Wie kann ich an der Reform von unten her mitarbeiten?": „§ 8. Gegen den Einfluß des Judentums: In jüdischen Geschäften (Kaufhäusern) nicht einkaufen, keine judenfreundliehen Zeitungen beziehen und andere zur A bbestellung veranlassen (Gasthöfe!). Zu christlichen A e r z t e n und Advokaten gehen, andere dazu überreden! REISEN nach POLEN Iund PALÄSTINA | Auskünfte bei Dr. S. TOCKER, I IX. Liechtensteinstraße Nr. 2, Telephon A-14-504 ■ (Reisebüro „In die Welt", W. M. Renner) g § 10. Kleinkampf für die Erkenntnis, im Christentum liegt die Lösung der sozialen Frage: G u t s e i n z u j c d e m . . ." Seite 12: „Kampf gegen den judaistischen Geist, der unser Wirtschafts- und Gesellschaftsleben ganz zu zersetzen droht (durch Einschleppen von Händler- und Wuchergeist, Gewinnsucht, Unterwühlung der Begriffe, Liebe, Ehe, Religion, Heldentum und Vaterland)." Wie ist der § 10 vom „Gutsein zu jedem" in diesen Wust von Gift und Galle hineingeraten? Da scheint ein Versehen in der Druckerei vorzuliegen. Da hat man scheinbar die Sätze von frommen Erbauungsbüchlein und geifernden Hetzschriften durcheinandergeworfen. Ein Wiener jüdisches Blatt macht auch auf die Broschüre aufmerksam und fragt: „Was sagt der Herr Staatsanwalt dazu?", der doch berufen sei, gegen solche Exzesse einzuschreiten, welche nicht nur den Juden, sondern in vielleicht noch höherem Maße dem österreichischen Staate schaden. Das Blatt tut recht daran, den Staatsanwalt an seine Pflicht zu mahnen. Aber der Staatsanwalt kann nur Hetzschriften konfiszieren und ihre Verfasser anklagen. Er kann Bücher unterdrücken, aber nicht ihren Geist beseitigen. Und darauf kommt es ja an. Der Umstand, daß es Menschen in Oesterreich wagen, mit der Ehre und Sicherheit der Juden derart umzuspringen, hat nicht zuletzt den Grund darin, daß es an einer geschlossenen Organisation des jüdischen Volkes in Oesterreich fehlt. Die jüdische Volksfront, die einmal da war, ist zerfallen. Die dadurch bedingte, offensichtliche Zerfahrenheit und Schwäche der Juden fordern direkt die dreistesten Angriffe heraus. Polizei und Proteste können ein Volk, nicht ausreichend sichern. Das Volk muß als Volk seine gerechten Ansprüche verteidigen. Wäre die nationale Front wieder da, man brauchte nicht zu verzweifeln. Es gibt auch auf katholischer Seite Führer, die eine ehrenhafte und gerechte Lösung der Judenfrage anstreben. In Verbindung mit ihnen könnte es einer organisierten jüdischen Volksgemeinschaft gelingen, den Geist des brutalen Hasses auszutilgen, welcher — wie das oben erwähnte jüdische Blatt richtig hervorhebt — dem österreichischen Staate keinen kleineren Schaden zufügt als den Juden. Judenfrage vor dem Budgetrede Dr. Ehrlidis in der Wiener Bürgersdialfi Der Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich befaßte sich in seiner in der Wiener Bürgerschaft gehaltenen Budgetrede ausführlich mit der Personalpolitik der städtischen Verwaltung. Er habe sich nur solcher jüdischer Angestellter angenommen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen und aus den städtischen Diensten nur deshalb ausscheiden mußten, weilVsie der Gemeinschaft angehören, für deren Vertretung der Redner vom Bürgermeister berufen sei. Es seien für ihn zwei Gesichtspunkte maßgebend gewesen: soziale Rücksichten, weil es sich meist um sehr arme Menschen handelt, vor allem aber grundsätzliche Erwägungen, weil derartige Kündigungen bei allen Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft das bedrückende Gefühl hervorrufen, daß an dieser ein Akt der Zurücksetzung begangen wurde, der sich mit den Grundsätzen der Verfassung nicht in Uebereinstimmung bringen läßt. Der Bürgermeister habe die Weisung gegeben, daß jene gekündigten jüdischen Angestellten, die während des Krieges Frontdienste geleistet, haben, wieder zurückgenommen werden. Diese Weisung berührt nur eine Seite des Problems. Redner habe bei vielen Heldengedenkfeiern aus dem Munde alter Generäle dem Gedanken Ausdruck geben gehört, daß die feindlichen Geschosse auf Abstammung und Glaubensbekenntnis keine Rücksicht genommen und daß die Söhne aller Bekenntnisse ihre Pflicht getan haben. Man ehre sie auch heute in der ganzen Welt, abgesehen bloß von einem Lande, in dem die Namen von 12.000 gefallenen Juden von den Gedenktafeln gelöscht wurden, als Zeugnis einer traurigen Verirrung des menschlichen Geistes und Herzens. In unserem Staate ehre man aber alle Gefallenen und dies müsse man auch dadurch tun, daß man an die L e- Cafe Weghuber (Hinter dem Deutschen Volkstheater) Kapelle Isy Geiser Gesang: Leo Jllmar Jeden Samstag, Sonn- und Feiertag: Konzert, Tanz und Stimmuiriosmuslk Beginn Va9 Uhr abends // Musikschutz 60 Gr.

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