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Die neue Welt · 1935-12-17 · Heft 522 (17.12.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 522 (17.12.1935)
Date
1935-12-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite % DIE NEUE WELT Nr. 522 vom 17. Dezember 1935 Beäim Mcteü 1935 Ion 11. Jl'. K a I/. (Strußburg). T or ciniiieit Monaten ging durch die Presse die Xachncht. daf: </it Conferencier des bekannten Berliner Kabaretts ..Die Katakomben". Werner I ink. in* Konzentrationslager eingeliefert morden ist. Dieser U einer link ist beileibe kein ..jüdischer . lsphaltliter;!t". kein ..krummnäsiges Judenstinktier" — er ist ein reinrassiger ...irrer". (n/mischen ,\/ an>ieder aus detn Konzen! ratio::. -.' :«er einlassen morden, aber er darf nicht mehr;:u'j. eleu. I.ach,en ist im Dritten Reich oerboten. II r. -er l'ink machte seine Hörer lachen. Das nnirde if!r «agt, für immer. Humor ist im Drillen Reich — //.' ■ l:-errat. U ie sollte es denn anders sein? U er wird ivohl in einem Lande noch Sinn für Humor haben, in dem aieh ein ~0. Juni abspielte? Wer wird noch lachen können, wenn er an Klausner, den Katholiken, an den Musikkritiker Schmidt, an Schleicher und an so viele andere hinüemordele Mensehen aller Reliüionen denkt? Werner l ink aber nahm keine Rücksicht auf diese ../.arten Gemüter". Jetzt merden Einzelheiten aus dem betreffenden Programm der „Katakomben" bekannt, das der witziäe Conferencier mit Konzentrationslager. Erdarbeiten. ..Drill". Tragen von Strällingskleidern und nun auch noch mit Berufsverbot büßen mußte Dieses Programm und besonders die { erssp;üche von Werner l ink geben ein sehr bezeichnendes Bild von dem heutigen Deutschland. Werner link begann die Conference mit einem Gruß. Xutürlich mit dem Hitler-Gruß. Er vergaß aber nicht, hinzuzufügen: ..Und dem anderen 7 eil der Herrschaften wünsche ich einen guten Abend ..." Dann kam eine Kabarettnummer. die er folgendem!aßen ansagte: ..Ja, früher! Früher, ach. hallen wir große Männer: Friedrich der Große, Goethe, Bismarck ... Das waren große Männer, über die man schreiben, über die man reden, über die man sprechen konnte, meckern konnte ... Aber heule! Ach heute! Versieben Sie mich nicht falsch! Heute gibt es auch Männer. Aber heule, meine Damen und Herren, heute..." Bedauernd und sehr verbindlich lächelnd hebt er die Schultern und verbeugt sich. Ein anderes Bild zeigt den Kaiser Barbarossa, der traurig und stumm in einer Ecke sitzt und sich auf keinen Fall von einer Schauspielertruppe aufheitern läßt. Da tritt der Conferencier auf die Szene und sagt: ,.Jf ciflt du. mein Kaiser, daß man demnächst in Deutschland einen Film von hervorragender künstlerischer (Jualität zeigen wird — einen d c u l s c Ii e n Film .. .?" l'drnuf der Kaiser der bisher stumm und trauriü blieb, unbändig zu lachen beginn!. Da ereignete sich ein kleiner '/.•mischen!all. Im Zuschauerraum rief ein SA-Mann dem Conferencier wutentbrannt zu: ..Frecher jüdischer Lausbub!" Darauf antwortete JFerner Fink prompt: ..Was wollen Sie — ich bin kein J ude, i c h s c h a u* n u r so in t eil i g e n t a u s ..." Hierauf sagte er die Pause an: ..Und jetzt, meine Herrschaften, kommt eine Pause von fünfzehn Minuten. Wenn ich nachher nicht erscheinen iverde. werden Sie sich denken können, wo ich bin..." Und dann erschien er ivirklich nicht mehr. Er war in ein Konzentrationslager gebracht worden. In einem Artikel der ..Frankfurter Zeitung" schrieb kürzlich ein Mitarbeiter — ich glaube es war der berüchtigte Sieburg — eine tiefsinnige Betrachtung über den Unterschied zwischen deutschem und französicliem Humor nieder. Seiner Ansicht nach geht der französische Humor durch den Kopf, der deutsche dagegen durch — das Zwerchfell Ich glaube, man muß sich einen anderen Silz des deutschen Humors heraussuchen, wenn man ihn ivirklich treffen will. Massen ausu/eisung polnischer Juden aus Deutschland Nachdem die relchsdeutschen Behörden seit Erneuerung des Handelsvertrages mit Polen, aus dem die Niederlassungsklausel eliminiert worden ist, begonnen haben, das Arbeitsrecht, da» Marktrecht und andere Rechte den polnischen Juden in Deutschland zu entziehen, gehen sie nun dazu über, den polnischen Juden auch das Wohnrecht in Deutschland zu entziehen. Es hat eine Massenausweisung polnischer Juden begonnen, bei der auf die besondere Lage der einzelnen Ausgewiesenen keine Rücksicht genommen wird. In den letzten Tagen wurden mehrere hundert Juden polnischer Staatsangehörigkeit ausgewiesen, da aber die Ausweisungen fortdauern, hat sich aller in Deutachland lebenden polnischen Juden, deren Zahl ungefähr 50.000 beträgt, eine starke Unruhe bemächtigt. Man fragt sich, ob die polnische Regierung Energie genug aufwenden wird, um ihre Staatsangehörigen jüdischen Glaubens in Deutschland vor dem Aergstcn zu schützen. Die Beamten des polnischen Konsulats erklärten Abordnungen von ausgewiesenen Juden, die um eine Intervention zu deren Gunsten ersuchten, das Konsulat könne nichts tun; „jedes Land hat das Hecht, unerwünschte ausländische Elemente (!) auszuweisen". In der Wirklichkeit besteht ein solches Hecht im allgemeiner» nicht, rta alle Staaten in ihre« gegenseitigen Verträgen das gegenseitige Niederlassungsrecht von Staatsangehörigen verankern. Die Lage der Ausgewiesenen ist furchtbar ernst. Sie haben nicht genug Zeit, ihre Geschäft? zu liquidieren und ausstehende Schulden einzutreiben. Selbstverständlich dürfen sie auch Kapital nicht aus dem Lande bringen. Sie erhoffen Hille davon, daß die jüdischen Abgeordneten im polnischen Sejm die Angelegenheit zur Sprache bringen. THEATER-KUNST* LITERATUR „Scala". ..Mit dem Kopf durch die Wand", das neue Stück von Oedon Horvath, ist kein geschlossenes Ganzes, eine Reihe von Szenen sind aneinandergefügt, man sieht, Oedön Horvath will sich nicht der Schablone fügen, will nicht ausgetretene Wege gehen, spinnt den Einfall nicht zu Ende, sondern läßt eine Idee die andere ablösen. Es entsteht so ein groteskes, absonderliches Stück, das aber fesselnde Momente und Szenen aufweist. Die Besetzung des Stückes war der Absonderlichkeit angepaßt. Egon FriedeU als Filmmagnat hat seine eigene Auffassung der Spielweise, Carl Forest hat hier Gelegenheit, wieder eine seiner skurrilen Figur auf die Bühne zu bringen. Herr Zedlitz, Vera Liessem und Luise Kartousch bemühten sich, ihrer Rolle Leben einzuhauchen. Goethe-Premiere in den Kammerspielcu. Direktor Ziegler hat auch literarische Ambitionen und bringt Goethes „Großkophta" zur Erstaufführung in Wien. Es handelt sich bei diesem bisher nicht gespielten Goethe- Stück um die Halsbandaffäre Maria Antoinettes, die eigentlich den ersten Anstoß zur französischen Revolution gab. Eine Menge interessanter Menschen sind in diese Affäre verstrickt, insbesondere Prinz Ronan und der Scharlatan Caglio.stro. Diese Rolle spielt Direktor Ziegler selbst und ausgezeichnet. Auch Mirjam Horwitz-Ziegel spielt vornehm und prägnant die Marquise, Alex Trojan bewährte sich als jugendlicher Held. Auch die kleineren Rollen waren in guten Händen. Ein interessiertes Publikum spendete freundlichen Beifall. c. k. Verlanget überall »i e können wenn Sie alles bei Schiff mann kaufen! Für Vereins-Aktionen Ausnahmspreise für Mädchen und Knaben: Samt-Imprime-Kleid, reizende Fasson, Größe 60 . S 5.90 Wollstoff-Kleid, mit Mongol-Garnitur, Größe 60 . S 7.90 Hubertus-Mäntel, f. Mädchen od. Knaben, Gr. 70 S 9.80 Cape-Wintermantel, reich verbrämt, Größe 60 . . S 14.90 Knaben-Winter-Mäntel, ganz auf Seide . . . . 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Ufid verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Druck: Druckerei- und. Verlaga-A-G. Iguaa Steinmann.'beide~WieIT IX., Universitätsatraße 6—8, , o » v*« **,

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