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Die neue Welt · 1935-12-17 · Heft 522 (17.12.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 522 (17.12.1935)
Date
1935-12-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 10 Groschen DIE Jahrgang 9 Dienstag/ den 17 — 1«M5 Nr« 588 V* b« Im J«7 Zeitung vom Verleger versendet Journal exp6di6 par l'gdlteur" IS fliVe ^fcfc REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig a 4.-. ganzjährig 3 J-b.-: Pol«»'"25?^"% ^SJ-fft vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-. vierteljährig Kc 15.-; ^«oslavnen monatlich Dinar 1*-. tferteljührlg Dlnär 40.-; Rumänien monatlich Lei 40—, vierteljährig Lei 120.-: Dentschland monatlich T 14 l!f Mark 8.-: Bnljprien monatlich Lewa 30.-. viertel jährig Lewa 80.-; "»"en mSnÄ£0, ^„i'TVn^6 * g LÜ* ' Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen Bind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung. IX, Universitä'sstr. 8,7et. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag "Ja * 2wi Paz&z CUafa s. A. Als Oberrabbiner Zwi Perez C h a j e s, der Führer und/, Frieund der , Wiener Judenschaft, v o r a c h t J a h r e n zu sei ne n Vätern einging, hat sie ihm ein Ehrengrab errichtet,\ einen schmucklosen, darum aber desto eindringlicher redenden Grabstein gestellt, so einfach und schlicht wie das große Herz dessen war, den der Tod, seiner Gemeinde entrissen hat ' . . Das Wort „unvefgeJMich", so abgegriffen es auch sein mag, -trifft, auf Zwi Perez Chäjes in seltenem Maße , zu,. . Denn das,. was 'er für. Gemeinde,; Volk Wissenschaft, für das jüdische Palästina geleistet hat, wirkt fort in die. Jahrhunderte hinaus. Der Politiker Ghajes— im Sinne der Umgestaltung des jüdischen JLebens: zu schöpferischem Wirken an der unsterblichen zionistischen Idee — ist es, der heute wieder im Gedenken der Gemeinschaft lebendig wird, ein ganzer Mensch, ein ganzer Führer, ein ganzer;;Jude. Wenn wir geloben, in seinem Sinn tätig z/u sein, so tun wir das Schönste, was wir für die Ehrung dieses Mannes leisten können. Die Trauer um diesen Großen in Israel wandelt sich in das erhebende Bewußtsein, daß das, was er zurückgelassen, treu verwaltet wjrd. Ch^jeSTGedeukieior. Mittwoch, den 18. Dezember, um 20 Uhir findet im Chajes-Saal der „Judäa", Wien, IX., Alseratraßev26, eine Chajes-Gedenkfeier statt. Die Gedenkrede hält Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz. Gäste willkommen! Befestigung von Haifa Aus Haifa: Die englischen Militärbehörden haben durch Aufstellung von 39 Geschützen in und bei Haifa den Hafen zu einer befestigten Basis gegen etwaige Angriffe umgestaltet. Sechs Geschütze wurden bei den Eisenbahnwerkstätten1 aufgestellt, vier bei der Fabrik Schemen, sechs in Bat Galim, vier bei den städtischen Bädern, sechs auf dem Karmel, vier im Bahai- Vlertel, acht zwischen Haifa und Akko und zwölf, im Hafen. von Ras-an-Naquara, nahe der syrischen Grenze. Ferner wurden in Haifa fünf Schcinwerferanlagen errichtet. Die Schande des Transfer Auf dem Zionistenkongreß im Sommer 1935 haben die Delegierten der Judenstaatspartei als einzige und leider vergeblich ihre Stimme gegen das Transfer-Abkommen mit Deutschland, wonach nicht nur das jüdische Palästina Hitler-Waren zu. kaufen, sondern auch diese Waren im Orient zu verbreiten hat, erhoben. Als garder Antrag angenommen wurde, daß die Zionistische Exekutive in die Transfer-Gesellschaft „Haawarah", d. h. in die Agentie für deutsche Waren eintritt und für sie die Verantwortung übernimmt, da haben die Judenstaats-Zionisten den Saal unter flammendem Protest verlassen. Sie haben vorausgesagt, daß die auf dem Kongresse von der Majorität unterdrückte Entrüstung des jüdischen Volkes gegen die Schande des Transfer außerhalb des Kongresses zum Ausbruch kommen wird. Dieser Fall ist eingetreten und in Palästina ist ein offener Kampf gegen den Transfer entbrannt. Die Zionistische Exekutive, welche durch Verschweigen der Proteste und tendenziöse Lobesartikels über die „Rettung der deutschen Juden durch den Transfer" die Opposition abzuschwächen suchte, hat ihren Zweck nicht erreicht und muß sich stellen. Aus Jerusalem wird berichtet: In einer öffentlichen Erklärung nimmt die Zionistische * Exekutive Stellung gegen den Feldzug, der gegenwärtig in Palästina zwecks Liquidierung des Transfer-Abkommens Deutschland-Palästina geführt wird. Die Exekutive nennt die Gründe, die im Verlauf dieses Feldzugs gegen das Transferabkommen ins Treffen geführt werden,, „irreführen d" und erklärt, der Transfer sei der einzige Weg, um ein Maximum von Kapital der deutschen Juden nach Billige Reisen nach Polen Abfahrt! 19. und 22. Dezember 1935 Rückfahrt: 22. Dezember 1935, 5. u. 7. Jänner 1936 Auskünfte — auch über Palästina-Reisen bei Dr. S. Tocker, Wien IX, Liechtensteinstr. 2 Tel. A-14-504 (Reisebüro ,ln diTWelt'. W. M.Renner) Palästina zu bringen, ohne daß Deutschland aus dieser Transaktion Nutzen zieht. Außerdem — so heißt es am Schluß der Erklärung — überwache die Zionistische Exekutive gemäß dem Beschluß des Luzerner Kongresses genau alle Transaktionen der „Haawarah", sie habe ihre eigenen Vertreter im Ausschuß und der Leitung dieser Gesellschaft. Ein Schritt zum Bösen zieht den anderen nach sich. Um sich zu rechtfertigen, muß die Zionistische Exekutive in eine Unwahrheit flüchten. Es ist unwahr, daß Deutschland aus dem Transfer keinen Nutzen zieht. Eine Feststellung genügt: Der deutsche Import in Palästina ist seit der Machtergreifung Hitlers, aufs vielfache gestiegen. Er hat alle anderen Länder zurückgedrängt und den englischen Import, den bisher weitaus stärksten, überflügelt. Noch tiefer steigt Ben Gurion, der 'Führer der zionistisch-sozialistischen Arbeiterschaft hinunter. Er verherrlicht den Hitler- Transfer. Er beleidigt nicht nur den Zionismus, sondern auch seine sozialistische Organisation, die zweite Internationale, welche den Deutschland-Boykott feierlich beschlossen und für1 die Genössen bindend erklärt hat. Aus Jerusalem: Die Frage des Transfer-Abkommens Deutschland-Palästina bildete den Gegenstand einer erregten Auseinandersetzung in der Sitzung des Waad Leumi (Jüd. Nationalrat). Das Mitglied der Zion. Exekutive, J. Griinbaum, forderte leidenschaftlich die Ablehnung des Transfer und erklärte den Boykott deutscher Waren als einzigen Weg zur Rettung der deutschen Judenheit und — für die Zukunft — auch der Judenheiten anderer Länder. Der Arbeiterführer und Vorsitzende der Exekutive Ben Gurion verteidigte den Transfer als den einzigen Weg zur Bettung kapitalbesitzender deutscher Juden aus der deutschen Hölle. Transfer bedeutet Zionismus, Ablehnung des Transfers bedeutet Unterstützung der Ass i m i I a t i o n. In dem gleichen Sinne sprach Dr. Werner Senator, das „nichtzionistische" Mitglied der Exekutive. JUPENSTAATSPARTEI ÖSTERREICHS Mittwoch, den 18. d. M.. entfällt der Vortrag im Zentralheim, I, Werdertorgasse 14 * ... Voranzeige! Donnerstag, den 26. d. M., halb 9 Uhr abends im Zentralheim, 1, Werdertorgasse 14 Nakkabäer-Feier Festrede: Dr Salomon Wolf_ Es wirken mit: Oberkantor J. Wahrmann, Ernst Friedländer Ceilo), Jehuda Ehrenkranz u a Schließlich nahm dbr Waad Leumi eine Resolution an, die analog dem Kongreßbeschluß, dem Transfer-Abkommen^ die Zustimmung gibt. Ein Vertreter des VVaad Leumi wurde in die Haavarah-Kommission delegiert. An den Jischuw wurde appelliert, den „Feldzug" zur Herbeiführung eines Plebiszits gegen Haavarah als von unverantwortlicher Seite ausgehende Aktion zu ignorieren. Man greift sich an den Kopf: Handel mit Hitler-Deutschland ist „Zionismus" . . . Protest gegen die Verletzung jüdischer Ehre und Sicherheit ist Assimilation.... Und den Widerstand des jüdischen Volkes muß man „ignorieren" und ruhig weiter Geschäfte machen, als Agent des Hakenkreuzes. Die Debatte zwischen den Führern Ben Gurion und Grünbaum deckt den Abgrund auf, vor dem die heutige zionistische Leitung und mit ihr das jüdische Volk steht. Paläsfina*Fragen im englischen Unterhaus Einwanderung deutscher Flüchtlinge Die J. T. A. bringt folgende Meldungen aus London: Auf eine Anfrage, ob die Quote der jüdischen Ein» Wanderung nach Palästina erhöht werden und diese Erhöhung den deutschen Juden zugute kommen werde, erwiderte Kolonialminister Thomas: Die Palästina-Regierung untersucht gegenwärtig die Möglichkeit der weiteren Erleichterungen, wie die Zulassung der deutsch-jüdischen Einwanderer, aber das Ausmaß der Einwanderung wird zu jeder Zeit vom Oberkommissär nach Maßgabe der Aufnahmsfähigkeit des Landes bestimmt werden. Eine weitere Anfrage bezog sich auf die Verzögerung der Schedule für das Halbjahr Oktober 1935 bis März 1936, hiezu erwiderte der Kolonialminister Thomas, daß diese noch nicht festgesetzt worden sei, aber die Palästina-Regierung der Zionistischen Exekutive einen Vorschuß von 1000 Zertifikaten gegeben habe. „Gewisse Umstände", erklärte er, „die nicht vorauszusehen waren, haben die Höhe der bevorstehenden Schedule verzögert, und der Oberkommissär beschäftigt sich erst seit einigen Tagen mit der Prüfung der Vorschläge." Auf eine weitere Anfrage, ob er auf den Protest der Zionistischen Exekutive gegen die Lizenzbeschränkungen für einwandernde jüdische Aer2te au« Deutschland hier antworten wolle, erwiderte der Kolonialminister: „Die Beschränkungsverordnung — anerkannte Kapazitäten sind ausgenommen — erwies sich im Hinblick auf den starken Zustrom von Aerzten notwendig, zumal Angehörige des Aerzteberufs sich an ihre Palästina* Regierung um Schutz gewendet haben.'*

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