Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 521 (13.12.1935)
- Date
- 1935-12-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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w. vom 13. Dezember 1935 DIB NEUE WELT Jüdisches Leben in Brasilien Von unserem S. W .-Korrespondenten Sao Paulo, im Dezember 1935. Die Nationalfondskommission für Sao Paulo hat vor einiger Zeit mit der großzügigen Aufstellung von N.-F.-Büchsen in Privathäusern begonnen — eine an und fllr sich sehr lobenswerte Sache, die nur zu begrüßen ist. Dagegen ist es sehr tadelnswert, wie die Angelegenheit in Angriff genommen wurde. Die N.-F.-K. hat einen bezahlten Inkassanten, der die gespendeten Beträge einkassiert, die Büchsen leert usw. Statt nun nur ausgewählte Personen mit der Aufstellung der neuen Büchsen zu betrauen, welche gleichzeitig propagandistisch wirken könnten, hat man just einen Angestellten hiezu gewählt, während früher freiwillige Kräfte diese Arbeiten zur vollsten Zufriedenheit besorgten. Wie hat sich nun der Inkassant seiner Aufgabe entledigt? Von den Mitgliedern der N.-F.-Kommission selbst wird hierüber folgende Darstellung gegeben: Der Inkassant, der sich schämte", mit den N.-F.-Eüchsen in der Hand herumzulaufen, nahm sich einen Nichtjuden auf, der mit einem großen Sack auf dem Rücken wie dn K r a m p u s von Haus zu Haus ging und dort nach einer mitgegebenen Liste versuchte, N.-F.-Büchsen zur Aufstellung zu bringen. Das ist, gelinde gesagt, ein Skandal, der das Ansehen der N.-F.-Institution schädigt. Bei der für ihn mit Vorteil verbundenen späteren Leerung der BUehsen wird sich der Inkassant wahrscheinlich nicht mehr schämen. Man vermehrt sn'di durch Spaltung Die linken Arbeiterparteien in der jüdischen Kolonie führen ihr Eigenleben. Wenn sie nicht mit den national bewußteu Juden im Streit liegen, so raufen sie sich untereinander. Die gespaltenen Sozialisten mit den gespaltenen Bolschewiken und "umgekehrt. Wir erleben jetzt eine Hochkonjunktur der Spaltungsbestrebungen. Zuerst haben sich die jüdischen Sozialisten gespalten, nunmehr auch die jüdischen Kommunisten. Es gibt jetzt eine Gruppe Stalin und eine oppositionelle Gruppe der Anhänger Trotzkys. Die Spaltung erfolgte in ihrem Turnverein, wo bisher sehr fleißig , geturnt wurde. Als die Frage auftauchte, ob ein Bauchaufschwung ä la Trotzky oder eine Biesenwelle ä la Stalin durchgeführt werden solle, entschieden, die Anhänger schwedischer Freiübungen, daß dieses Problem nur durch eine Trennung der Gegner gelöst werden könne. Der Turnverein spaltete sich anläßlich einer tiefen Kniebeuge und löste sich schließlich vollständig auf. Die „Atemübungen" haben aufgehört und damit auch überhaupt alle Turnübungen. Jede Gruppe allein ist zu schwach, den Turnbetrieb aufrecht zu erhalten. Die politisierten Turner mußten sich nun auf das „Boxen" mit ihren Gegnern verlogen; natürlich auch auf das politische Boxen, wo sie nun ihre Ideen von Stalin und Trotzky bis zum Knock-out durchkämpfen können. Jüdische Volkszählung Hier ist der Plan aufgetaucht, eine jüdische Volkszählung vorzunehmen. Die hiebei gesammelten Daten sollen von einer statistischen Kommission zur Herausgabe eines Werkes über „Geschichte, Statistik und Demographie der Juden Sao Paulos" verwendet werden. Der ..Circulo Israelita" hat mit der Herausgabe einer humoristischen Zeitung begonnen, welche einmal monatlich erscheinen soll. HerzftrGedenkfefer tat Siadtf?hcaiir Im großen „Theatro Municlpal" hat zum ersten Male eine jüdische Veranstaltung stattgefunden. In großzügigem Rahmen veranstalteten die Zionisten eine Herzl- Revisionen, Steuerfassionen gegen mäßiges Honorar von tüchtigem Fachmann. Gefällige Zuschriften unter „Verläßlich" an die Administration dieses Blattes Gedenkfeier mit einem musikalischen Nebenprogramm, Eröffnet wurde der Abend durch deren Präsidenten A. Blaustein. Die Festrede hielt Dr. Adolpho Taubkin (Assi* stent des Justizministers). Die Veranstaltung war massenhaft besucht, auch von vielen Nichtzionisten. Jeder Teilnehmer erhielt eine Aufklärungsbroschüre über den Keren Kajemeth. Die Feier hinterließ einen tiefen Eindruck. Die Zionistische Organisation Seit 10 Jahren hat sie Winterschlaf gehalten. Man hat nie etwas von ihr gehört. Ein eigenes Lokal besaß sie niemals. Nun wurde eine neue „Zionistische Organisation" von A. Blaustein geschaffen, die sich unter seiner tatkräftigen Leitung prächtig entwickelt und zum ersten Male ein eigenes Heim hu Zentrum der Stadt bezogen hat,, wo jüngst, eine "gelungene Eröffnungsfeier; Übernehme Hausverwaltungen gegen Bankgarantie und erteile Vorschüsse auf Mieten Josef Weiss, Tel*Aviv Rechow Jehuda Halev/i Nr. 36, Tel. 155 stattfand. Alle Vereine hatten Vertreter entsandt, welche Ansprachen hielten. Das Ergebnis des Abends war das Versprechen aller zionistischen Gruppen, nunmehr zusammenzuarbeiten. Sao Paulo besucht SuenosrAjt es Aul Vorschlag der jüdisch-portugiesischen Z"itung ..Civil taacas" findet gegen Ende dieses Jahres eine Vcrbrüderungsfahrt. der Juden Sao Paulos nach Buenos-Aires statt. Man verspricht sich von diesem Besuch eine Befruchtung des jüdischen Lebens in Südamerika. Sebr erfreulich ist. daß die Jugend (die jüdischen Pfadfinder, Makkabim) von Rio de Janeiro mit ihren Freunden von Sao Paulo bereits Fühlung genommen hat. Die Atmosphäre für die zionistischen Bestrebungen wird allmählich günstiger. Filme der Woche Palästina: Land der Verheißung. Oesterreich: Czardas. Amerika: Feminine appeal — Oberst Shirley — Gangster — Sturm über Gran Chaco — Land des Lachens — Intimitäten — Jungen der Paulstraße. FÜrne unter Arierparagroph Henker. Frauen und Soldaten — Mazurka — Im weißen Rößel — Familie Schimek — Herbstmanöver — Tanzmusik — Mädchen vom Moorhof — Die blonde Carmen — Unsterbliche Melodien — Ich liebe alle Frauen — Zirkus Sa ran.__ Die österreidriidie Casfoio A«'G« Die österreichische Casino A. G. stellt den größten Spielbetrieb der Welt vor. Dieser Betrieb wirkt sich im Budget unseres Staates erheblich aus und fügt sich organisch in die Fremdenwerbungszyklen ein. Besonders in Salzburg trug er bedeutend zur Erhöhung des Fremdenstromes zu den Festspielen bei. Die enorme Leistungsfähigkeit des Generaldirektors Fehringer erzielte eine stetige pausenlose Erhöhung des Spielbetriebes. Verdauungsbeschwerden. Das von vielen Aerzten verordnete natürliche „Franz-Josef-Bitterwasser entleert und desinfiziert den Verdauungskanal, regelt die Darmtätigkeit, stärkt den Magen, verbessert das Blut, beruhigt die Nerven und schafft so allgemeines Wohlbefinden und Waren Kopf. klaren Kopf. E wenn Sie alles Schiff man n kaufen! 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