Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 517 (29.11.1935)
- Date
- 1935-11-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ßjitc 8 DIE NEUE WELT Nr. 517 üh iiidwkes Hutiutwetk (Das Zentralmusoum in Nikolsburg) Aus Nikolsburg wird uns von Dr. M. F. geschrieben: Wehmütig beklagen wir es. daß ein jüdisches Kulturgut nach dem andern schwindet. Wo einst jüdische Gemeinwesen blühten, stehen die Synagogen verwaist, sind die Gemäuer dem Verderben preisgegeben, vermodern die Memorbücher. die Matriken und andere wertvolle Aufzeichnungen. Friedhöfe gleichen Trümmerstätten und auf den verwahrlosten Grabsteinen aus Sandstein sind kaum die Inschriften zu lesen. Welche Schätze entgehen der Familienforschung', welche Füllr von Quel'en dem Geschichtschreiber! Da heißt es, retten, was noch zu retton ist. den künftigen Geschlechtern den Weg zum "Rückblick offen lassen. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde in Nikolsburg ein Zentralmuseum für Mähren und Schlesien geschaffen. An der Geschichte unserer Judengemeinden soll das Gefühl für Judentum gestärkt werden. Ein Stück lebendiger Geschichte ist ein richtig verwaltetes und eingerichtetes Museum. Wir entbehrten bisher eines solchen Ilulturinstituts und gar vieles ging zugrunde oder geriet in Privathändc, war also für die Allgemeinheit so gut wie verloren. Nikolsburg, einst Sitz einer berühmten Schule und des Landesrabbiners und eine der angesehensten Gemeinden Mährens, der Ort, wo der legendenumwobenc hohe Rabbi L ö w, Rabbi Bezalel, Rabbi Gabriel Ben Jehuda, Rabbi David ben Abraham wirkten. Erloschen der Glanz, der Nikolsburg als Stätte jüdischer Gelehrsamkeit umwob! Aber wenn auch nur Spuren längst entschwundener Pracht vorhanden sind, so ist doch deren Stätte dem rückschauenden Geist verehrungswürdig, ja heilig. Noch ist der an einer Hügellehne gebettete Friedhof da, mit seinem Rabbonimplatz. der die Gebeine Rabbi Jehuda Lobs, Rabbi Menachem Mendls, Rabbi Samuel Schmelka Hrov.itz1?. Rabbi Mordechci Beneths birgt. Noch steilen die Gotteshäuser da. wie die um das Jahr 1450 erbaute alle Sj-nagoge nächst dem Schloßtempel mit dem herrlichen Almemor, noch sind Reste des alten Ghettos zu sehen, das sich wie schutzflehend an die Rückseite des Schlosses anlehnt, und manch anderer Zeuge einer mehr als 500jährigen Geschichte erzählt uns vom Leid, aber auch vom rührend schlichten Leben unserer Alti'ordern. Darum ist Nikoisburg nicht allein der richtige, sondern der einzig mögliche Ort für ein zentrales Museum in Mähren. Wer herkommt, um das Museum zu besichtigen, wird es sich nicht an einer flüchtigen Schau genug sein lassen, vielmehr in die Einzelheiten .versenken und gehobenen Gemüts die Stätten verlassen, die ihm ein Stück entschwindenden jüdischen Lebens offenbaren. So müssen wir es den Gründern danken, daß sie in einer außerordentlich kurzen Spanne Zeit ein Werk geschaffen haben, worauf sie stolz sein können. Im Jahre 1922 konnte der damalige Kultusrvorsteher der Israelitengemeinde in Nikolsburg, Richard T e 11 s c h e r, als Delegierter des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinde in Mähren berichten, daß die Gemeinde Nikolsburg an die Schaffung eines Museums denke, da diese Gemeinde über große Sehenswürdigkeiten verfüge, und am 27. Oktober 1935 fand bereits die konstituierende Versammlung des behördlich genehmigten Vereines „Jüdisches Zentralmuseum für Mähren und Schlesien in Nikolsburg" statt. Es betrifft: „Sammlung und Aufbewahrung von Gegenständen und deren Abbildungen — besonders von künstlerisch ausgeführten — für den jüdischen Kultus in Synagoge und Haus, vornehmlich soweit sie aus Nikolsburg oder Mähren-Schlesien stammen. — Sammlung und Aufbewahrung von Archivalien, Handschriften und Druckwerken, die sich auf Juden, jüdische Geschichte und Literatur, insbesondere aber auf die Nikolsburger und rnährisch-schlesische Judenschaft beziehen." In Ausführung dieser Zwecke wurden bereits, nebst den vielen Hunderten kostbaren und sehenswerten Musealstücken, 2000 Faszikel aus dem Fürst Dittrichstein- Schlosse erworben, die, wie Professor Dr. Alfred Engel (neben Dr. Richard Teltscher, der Mann der sich um das Museum unvergängliche Verdienste erworben hat) sagt, Nikolsburg in die erste Reihe der beurkundeten jüdischen Geschichte rücken läßt. Dr. Engel wird diese Schätze aichten und verarbeiten, der Rabbiner Dr. W i 11 m a n n geht daran, die Inschriften der Grabsteine zu entziffern und zu veröffentlichen, der Architekt Blum aus Brünn hat es unternommen, die Geschichte der Altschule zu schreiben und Oberlehrer H e 11 m a n n führt eine übersichtliche Zusammenstellung . der Brünner jüdischen Drucke durch. Auch eine Musealzeitschrift soll erscheinen. Unter anderem will Dr. Engel die schwierige Aufgabe der Wiedererneuerung des Bethhamidrasch durchführen, damit diese wertvollste jüdische Bücherei Mährens mit ihren schönen Venezianer, Amsterdamer und Konstantinopler Drucken ein würdiges und sicheres Heim erhalte. Das Museum kann sich heute schon mit seinen vielen Herrlichkeiten zeigen. Allerdings muß das Unternehmen auch gestützt werden. Alle jüdischen Körperschaften haben die Pflicht, diesem Kulturinstitut opfervoll beizustehen, sei es, daß sie dem Muaeumverein als gründende oder als stiftende Mitglieder beitreten. Der Einzelne kann mit einem jährlichen Beitrag von tsch. K 20 wirkliches Mitglied werden. Krzitationsabend Jehuda Ehrenkranz. Nach fast dreijährigem Aufenthalt in Palästina tritt Jehuda Ehrenkranz, das seinerzeitige Mitglied der Wilnaer Truppe und der bekannteste Interpret ostjlidischer Dichtung, zum erstenmal am 7. Dezember im Mittleren Konzerthaussaal an das Voriesepult. Er wird in deutscher Sprache lesen. Während Ehrankranz hislier auf seinen Rezitationsahenden vornehmlich die großen Dichter des Ostens, wie Perez, Scholem Alejchem u. a. im Original oder in deutscher Nachdichtung las, hat er diesmal außer ..Europäischen Dichtungen" (Capck, Dostojewski, Mann) das dichterische Schaffen des neuen jüdischen Palästinas auf sein Programm gesetzt. Zum erstenmal wird dai Wiener jüdische Publikum Gelegenheit haben, in der Interpretation eines anerkannten Meisters die heutigen hcbriMschcn Dichter Palästinas kennenzulernen. Schlonskis ..Wog", Schimonowics ,,Fest auf der Tenne", Berkovics heitere Geschichte „Der Chauffeur" und Ernas „Kinder im Kibbus" ermöglichen Ehrenkranz alle seine sprachlichen, dynamischen und psychologischen Kräfte einzusetzen. Geschichte des jüdischen Volke». Soeben ist in Rollenform (eine Art Megilla) eine Geschichte des jüdischen Volkes erschienen. Sie enthält s c h 1 a g w o r tartig alle Ereignisse der jüdischen Geschichte bis zur Gegenwart in historischer Reihenfolge und ist daher als handliches Nachschlagswcrk, hauptsächlich iür die Jugend, verwendbar. Henrik Wergeland. Der Jude und die Jüdin. Omtvedts Bokhandel, Oslo. Akersgaten 47. Henrik Wergeland, ein norwegischer Protestant, schrieb vor 90 Jahren eine Reihe von Gedichten, die sich mit Wärme und Ueberzeugungskraft für die Aufhebung des Judenniederlassungsverbots in Norwegen einsetzten. Nun liegen diese gutgemeinten und in ihrem Enthusiasmus zu bewundernden Gedichte in deutscher Uebersetzung (Julius Samuel) vor. Trotz der sprachlichen Unzulänglichkeit der Uebersetzung muß da3 Werk doch in der Geschichte der Judenemanzipation den ihm gebührenden Platz zugewiesen bekommen. Sevilla Pastor in „Der letzte Tanz". Nach den großen amerikanischen Schauspielern wird nun Sevilla Pastor zum erstenmal die männliche Hauptrolle (Mischa) in der Komödie „Der letzte Tanz'1 spielen. Den Höhepunkt des Stückes bildet eine Clownszene, die. wie von uns bereits gemeldet, auf der amerikanischen Bühne von AI Jolson dargestellt wurde. Oesterreichischc Uraufführung heute. Freitag, in den Jüdischen Künstler spielen. Das Stück bleibt Samstag, den 30. d., und Sonntag, den 1. Dezember abends, auf dem Spielplan. Das Wochenprogramm der Jüdischen Künstlerspiele lautet: Montag, den 2. Dezember: „Reis! macht Karriere": Dienstag, den 3. Dezember: „Komödiantin": Mittwoch, den 4. Dezember: „Goldene Glücken"; Donnerstag, den 5. Dezember, „Izikl". Der große Lachschlager ..Das importierte Weibel" geht Sonntag, den 1. Dezember, nachmittags, bei ermäßigten Preisen, mit Sevilla Pastor in der Hauptrolle in Szene. Konzert Emst Fricdländer. Der Versuch des bekannten Cellisten Ernst Friedländer (der bereits gemeinsam mit Bronislav Huber.ian öffentlich musizierte), an einem Abend ausschließlich Werke für Violoncello allein zu spielen, kann als außerordentlich gelungen bezeichnet werden. Was am meisten,bewundert wurde, war die Vielfalt der Charakteristik, das restlose Eindringen in den Geist so gegensätzlicher Stilarten wie Bach, Heger, und schließlich K o d a 1 y, dessen Dynamik alle Gesetze der „klassischen" Tonkunst über den Haufen wirft. Ernst Friedländer bezeugte an seinem Abend trotz seiner Jugend hohe Meisterschaft. — Der Musikdirektor Prof. Ernst Kunwald schreibt über ihn: „Ich habe Herrn Ernst Friedländer eine Solosonate von Bach und Teile von Solosonaten von Reger und Kodaly soielen hören und auch mit ihm am Klavier musiziert. Er ist ein Cellist von außerordentlichen Qualitäten, der alle Klangmöglichkeiten und technischen Schwierigkelten seines Instruments aus dem Grund beherrscht. Die Sonate von Kodaly hat auf mich einen ganz großen Eindruck gemacht." Jüdische Volkskimstschule. VI., Gumpendorferstraße 65. Beginn des Unterrichts Montag, den 2. Dezember, 6 Uhr abends. Histadruth Iwrith, II., Kl. Mohrengasse 3. Samstag, den 30. d., 8.15 Uhr abends, Herr Plonl Almoni über: „Halasphon kemakor haraschi schel Toldoth Haadam wetarbuth Haolam." — Samstag, den 30. d„ 6.30 Uhr abends, Seminar für neuhebriüsche Literatur (Auerbach); 7.30 Uhr: Seminar für hebräische Publizistik (Ploni). — Zum Präsidenten des Hebräischlehrerverbandes der Histadruth wurde der pädagogische Schriftsteller Herr David Zwi Weinstein gewählt. — Der Leiter der Versuchsstation in Rechowoth (Palästina), Herr Dr. Israel R b ic h e r t, spricht am 7. D.ezember im Rahmen der Histadruth über „Das kulturelle Leben in Palästina". Lese- und Kcdehalle jüdischer Hoch.schüler. Samstag, den 30. November, findet um 8 Uhr abends in unserem Heim eine Aussprache über „Arbeitsmöglichkeiten und Intensivierung des Keren- Kajemeth" in Anwesenheit des Leiters des K. K. L. Oesterreichs Dr. Ch. Tartakower statt. Alle A. H. A. H. werden dringendst ersucht, zu diesem Abend zu erscheinen. -Misraclii-Landesverfoaml für Oesterreich, II., Praterstraße Nr. 60. Wochenprogramm: Freitag, den 29. d„ 8- Uhr abends, findet ein Oneg-Schabbat statt. Referate, Gesänge und Geselligkeit. — Dienstag, den. 3. Dezember, 8 Uhr abends, sprechen irn großen Saale des Misrachi-Landesverbandes, II., Praterstraße Nr. 60, die Herren: Dr. Feldmann, Jerusalem, Mitglied der Misrachi-Weltzentrale, und Dr. Lankowitz, Prag, Propagandaleiter der Misrachi-Weltorganisation, Uber „Misrachi, sein Weg und sein Ziel". Gäste willkommen: Jüdisches Volksbildungsheini „liialik", Wien, VII., Kaiserstraße 30. Montag, den 2. Dezember, 8 Uhr abends: Heilige Schriften, Buch Arnos und Ijob. Vortragender: Prof. Dr. Benjamin Klar. — Dienstag, den-3. Dezember, 7.30 Uhr abends: Talmudvortrag, Traktat Bawa Meziah. ■ Vortragender: Prof. Dr. O. J. Glaser. — Mittwoch, den 4. Dezember, 4.SO Uhr nachmittags: Hebräischkurse für Jugendliche (Kinder). Lehrerin: Fr. 8. Engelberg. — Anmeldungen für Hebräischkurse jeden Montag, Dienstag, Donnerstag und Samstag, ab 7 Uhr abends. Die sorgsame Erhaltung der Milchzähne ist. auch im Interesse der Zähne dringend erforderlich. Die heranwachsende Jugend schützt ihre Zähne um besten durch tägliche mehrmalige Pflege mit O D O L - M u n d w a s s e r. Odoi-Mundwasscr Ist antiseptisch, wohlschmeckend, aromatisch und bildet noch stundenlang nach Gebrauch einen Schutz für Zähne, Mund und Mandeln. Außerdem enthält Odol-Mundwaaser neben dem Odol- Antiseptikum den Myrrheextrakt, der gegen Lockerung clor Zähne und Blutung des Zahnfleisches wirksam verwendet wird. —— III ««MWMiwpMMMpMWil Israelitische Jugendgottesdienste. 1. Jugendgöttqsdienst für Volks-, Haupt- und Mittelschüler (-Schülerinnen) : Samstag, den 30. November, um 3 Uhr nachmittags in allen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. 2. Besondere Jugendgottesdienste für Mittelschüler und -Schülerinnen für Unterklassen im 2., 9. und-20. Bezirk: Samstag, den 30. November, um Uhr nachmittags im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse 5, und in den Bezirkfisynagogen, IX., Müllnergasse 21, und XX., Kluckygasse 11. Predigten in den Gemeinde- und Be/lrksaynagogeii. Freitag, den 29. November, werden bei den um 4.05 Uhr beginnenden Abendgottesdiensten in "nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: I., Seitenstettengasse 4, Qberr.abbiner Dr. D. Fqyphtwang; II., Pazmanitengasse 6, Rabbiner Dr. Z. Taubes; III., Untere Viaduktgasse 13, Rabbiner Dr. K. Kupfer; V., Siebenbrunnengasse 1 a, Rabbiner Dr. M. G. Mehrer; XV., Turnergasse 22, Dozent Dr. H. J. Zimmels; XVIII,, Schopenhauerstraße 39, Rabbiner Dr. A. Z. Schwär^; XIX., Dollinergasse 3, Rabbiner Dr. A. Frankfurter, -r- Samstag, den 30. November, beim Vormittagsgottesdienst Schrifterklärungen: XX., Kluckygasse 11, Rabbiner Doktor B. Murmelstein; XXI., Holzmeistergasse 12, Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Von riP A Wochenrafen er» halten Sie alle Gegenstände in qrößtar Auswahl und bester QuaSÜät bis 20 Monate Kredit VII, Burggasse 122-124 T c 1 e p h o n B-32-2-24, B:35-J>55 "W2 Bestienommierie Küche REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UND 2.60 IC H W KL II A l t Ii b R A U I IlfHammer-PurgstctH-Gcisse 3 (nächst Saliforbrütke) © Tel. A-41 -C-751 mmtmmm*mmammt^m^m^mMa^mmwmmmmmnmamBmmammwmms3*\immMm\ \isota*—■^^w— iwj^. Empfehlenswerte /Farmern Restaurants, Cafes et- - A. Barsehnk, II., Große Schiffgasse 3. Streng raz. Vorzügliche Küche. Billige Preise. Caic-ltcstauraiit Impresso, i., Rolcnttirmstraße l. internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Nagel» Selchwarcnrcstaurant, LI., Praterstraße 33. Orth. Menü S 2.—. Tüglich Scholet, Sclchfleisch mit Ritschct, Pfefferkarpfen etc. Dalmatiner Wcin-Kcstanrant Josef fJnjas, Wien, V., Itaniburgerstraße 11, Tel. B-22-0-75. Täglich jugoslawische Spezialitäten, am Rost gebraten. Linie (Jl, 4 Haltestellen von der Oper. 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