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Die neue Welt · 1935-11-26 · Heft 516 (26.11.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 516 (26.11.1935)
Date
1935-11-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen lahrgang 9 Dienstags den November 1935 18s Nr* 516 V* b+ b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediö par retUteur4' DIE NEUL R E V UE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig ö 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljahrig Lire 14.—.; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, UniversUätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Mordver§diwörung gegen Juden und Engländer Unser Palästina-Korrespondent schreibt: Im Zuge der Untersuchung des Mordes an dem jüdischen Polizei- Bergeanten . Mosche Rosenfeld kam es zur Enthüllung einer arabischen Verschwörung gegen die englische Herrschaft in Palästina. Es ergab sich, daß die arabische Mörderbande nicht nur auf Raub ausging, aQndern nach politischen Instruktionen handelte. Der im Kampf mit der Polizei getötete Anführer de,r Bande war der Vorsitzende der arabischen Jugendorganisation, Scheich Ahmed elZaid. Wie. der Aufstand in Aegypten, so beweisen auch die. Vorfälle in Palästina, wie töricht die englische Palästina-Regierung handelt, wenn sie, statt sich auf das zuverlässige jüdische Element zu stützen, die Araber auf Kosten der Juden favorisiert und das jüdische Kolonisationswerk in Palästina hindert. Während die Juden England gegenüber eine durchaus loyale Politik betreiben, . bemühen, sich die begünstigten arabischen Führer, das Land gegen die Engländer aufzuhetzen. Wessen Einflüssen die arabischen Anführer zugänglich sind, zeigt ein Umstand: Waffen und Munition, welche die arabische Bande nach dem Feuergefecht mit der Polizei auf dem Kampfplatz zurückgelassen hat, sind, deu,t.s,ches Fabrikat. jüngste - -Vorfall. hat auch Anlaß- "gegeben, -die, SfcuBtändd in der von den Engländern örganisie'rten Paflä- Btina-Polizei zu prüfen.. Die Polizei zählt jetzt 600 Offiziere, hievon 530 Araber, 50 Engländer und 20 Juden. Unter der Mannschaft, welche 2400 beträgt, sind nur 25 0 Juden. Ein Zustand, der eines Tages für die Juden, aber auch für das englische Regime verhängnisvoll werden kann. .* ' Aus Jerusalem: Nach einem heftigen Feuerkampf wurde in J e n i n, etwa 70 Kilometer nördlich von Jerusalem, die arabische Bande, die vor einigen Tagen denPjüdischen Polizeisergeanten Mosche Rosenfeld im Orangenhain der jüdischen Kolonie Ajn Charod im Tale Uezreel ermordet hat, gestellt. Die Aufforderung der englischen Polizeitruppe, die die Mörder umzingelte, sich ZU;- ergeben, beantworteten die Räuber mit Eröff- Etu'ng des Feuers, das die englischen Polizisten mit einem Maschinengewehrfeuer erwiderten. Ein englischer Polizist wurde getötet und einer verletzt. Von 'den Banditen wurden fünf getötet, fünf weitere ergaben sich. Die britische Polizeileitung hatte für Mitteilungen, die zur Ergreifung der Mörder führen, eine Belohnung von 20p Pfund ausgesetzt. . In einem Kommunique der palästinensischen Polizei heißt es: „Am 7. November begab sich der Polizeisergeant Rosenfeld mit zwei anderen Polizisten zu Pferde auf die Suche nach Dieben. Sic fanden Fußspuren, denen sie zu Fuß nachgingen, während sie die Pferde in der Kolonie unterstellten. Der Polizist, der Rosenfeld um eine kurze Strecke vorausgegangen. war, hörte plötzlich Schüsse fällen und sah in der Ferne vier Männer, die feuertep. Er erwiderte das Feuer, worauf die Männer verschwanden. Er ging zu Rosenfeld zurück, der aber schon, von mehreren Schüssen durchbohrt, tot am Boden lag. Am Orte der Tat wurden abgeschossene Patronenhülsen deutschen Ursprungs gefunden." Aus Jerusalem (J. T. A.): Ueber das blutige Nachspiel zur Ermordung des jüdischen Polizeisergeanten Mosche Rosertf eld meldet das Tschechoslowakische PreßbUro: Jftel der Verfolgung einer arabischen Räuberbande umzingelte die Polizei das Dorf Scheikh Zeid im Gebiete füt {cdiH Tiftftidikäufcti im ftcfUet klkUtylteä! Um wirklich wenig Ueld sind Jetzt die schönsten u. prachtvollsten echten Perstrttpplch« (gesunde, ausgesucht« Qualitätsware) bei uns zu haben. Bekannt reelle Bedienung. Gelegenheitskäufe u.Zahlungserlelchterungen lürjedermant PERSER- U. ORIENTTEPPICHE |» C»nM, Ii RarhrlnS 12 Eingang Welb-burg^u»«, a*rt«»b»ttObj. (* i von Nablus. Nach einem mehrstündigen Feuergefecht wurden fünf Banditen erschossen. Auch ein englischer Polizist wurde im Laufe des Kampfes getötet, ein anderer wurde schwer verletzt. Fünf Banditen konnten gefangengenommen werden. Unter den Toten befindet sich auch der Vorsitzende des mohammedanischen Jugendverbandes Scheikh Ahmed el Zaid. Während der vorstehend wiedergegebenc Polizeibericht von Banditen spricht, behauptet die arabische Presse, daß es sich um eine politische Terror! stejig r u p p e handle.* Die arabischen Blätter feiern die Toten als Opfer des Mandatssystems, das die Araber zwinge, als Räuber politisch zu kämpfen. Ein Schwerverwundeter erklärte arabischen Berichterstattern, daß die Gruppe nur Moslems als Mitglieder aufgenommen und die Absicht gehabt habe, unter Führung des gleichfalls erschossenen Schelkhs Izz el Din el Quassam planmäßig führende Juden und Engländer im Interesse des Vaterlandes zu ermorden. * Aus Haifa: Anläßlich der Beerdigung der getöteten Araber überfiel eine etwa tausendköpfige Menge, die an der Beisetzung teilgenommen hatte, die Hauptstat^on der Polizei in Haifa, zertrümmerte sämtliche Fenster und verwundete mehrere Polizisten, zwei davon schwer. Einige Zeit darauf erfolgte ein zweiter Angriff ""auf'väHr-' 'P^izet-'-ani-'tter^'tffe-n^ avinw Station. Btttiye Heist** «ocu PALÄSTINA Dr Kostenlose Beratung In allen Reiseangelegenhelten, welche P a 1 ä s 11 n a betreffen, mflndllch und telephonisch bei S. Tockar, IX, Llechtenstelnstrafle 2, Tel. A.U-504 Judenpolitik - in Klammern Die Wiener „Reichspost", welche als katholisches Hauptorgan Oesterreichs gilt, führt Klage darüber, daß die Devisenprozesse gegen hohe katholische Geistliche, welche jetzt in Hitler-Deutschland geführt werden, dahin berechnet sind, das Ansehen der katholischen Kirche herabzusetzen. Sie ist, und mit Recht, darüber empört, daß in der Prozeßführung und öffentlichen Berichterstattung das Katholikentum der Angeklagten beständig hervorgehoben wird. Offenbar zu dem Zwecke, um im Volke die Meinung zu erzeugen, daß die katholische Religion die bürgerliche und staatsbürgerliche Moral ihrer Bekenner zu vermindern geeignet ist und katholisches Bekenntnis und Neigung zu skrupelloser Gesetzesverletzung in einem ursächlichen Zusammenhäng stehen. Die „Reichspost" schließt ihrer berechtigten Klage die richtige Lehre an, daß kein Staat und keine Gesellschaft es sich ungestraft erlauben dürfen, in den heiligen Glauben ihrer Bürger mit frevelnder Hand einzugreifen. Letzten Endes wendet sich eine solche Politik gegen die, welche sie betreiben. Hände weg vom religiösen Bekenntnis des Nächsten! Diese von der „Reichspost" verkündete Lehre ist eine gute Lehre. Es ist nur schade, daß die „Reichspost" sie wohl Dritten gegenüber gelten läßt, aber im eigenen Hausgebrauch nicht zur Anwendung bringt. Wenn es sich um Aufdeckung und Verfolgung von Lumpereien oder Verbrechen handelt, beliebt auch die „Reichspost", ganz wie die Herrschaften im Dritten Reiche, das religiöse Bekenntnis der Beteiligten oder Verdächtigten hervorzuheben. Allerdings nur dann, wenn es sich um ein bestimmtes Bekenntnis handelt. Bei Katholiken, Protestanten, Mohammedanern und Feueranbetern findet sie es nicht für notwendig. Nur bei Juden. Die „Reichspost" mußte vor kurzem über die Verhaftung zweier. Rechtsanwälte berichten. Sie hat JUDENSTAATSPARTEI ÖSTERREICHS Mittwoch, den 27. d. M., halb 9 Uhr ' abends, im Heim, I, Werdertorgasse 14 VORTRAG Referent: Dr. Oskar Rosenfeld Thema: Rom und Juda Gäste willkommen! die Hervorhebung des religiösen Bekenntnisses der Betroffenen — es handelte sich um Katholiken -— als nicht zur Sache gehörig befunden und unterlassen. Zwei oder drei Tage später konnte die „Reichspost" melden, daß der Rechtsanwalt Dr. B...' über Anzeige wegen Unterschlagung von Klientengeldern in Haft genommen wurde. Sie hat in diesem Falle die konfessionelle Zugehörigkeit in Beträcht gezogen und hinter den Namen in Klammern das Wort „mosaisch" gesetzt. Aber nicht jeden Juden nagelt die „Reichspost" als Juden an. Bei Gott nicht! Ein toller Zufall fügte es, daß sie in der gleichen Nummer, welche vqnj. verhafteten Dr. J... erzählte, drei Spalten später über die. Auszeichnung des Universitätsprofessors Hof rat Dr. Schey, welcher wegen überragender Verdienste um die österreichische Rechtswissenschaft und Rechtspflege zum Ehrendoktor der Wiener Universität ernannt wurde,: berichtete., Hofrat Dr. Schey ..istilude.. Jeder weiß das und die „Reichspost"weiß es ganz bestimmt, dentt^dievForschung nach, der Konfession von. Universitätsprofesoren ist ihr Spezialfach. Hinter diesen Namen hat die „Reichspost" keine Klammern und keine Religionsbezeichnung gesetzt. Ueber die Konfession des ausgezeichneten Juden hat sie den Mantel gebreitet. Allerdings nicht den Mantel ihrer christlichen Nächstenliebe. Die verklammerte Judenpolitik in . der „Reichspost" wird unter vernünftigen und selbstbewußten Juden keine Panik hervorrufen. Diese Juden wissen, daß es jüdische Lumpen und ausgezeichnete Juden gibt, und geraten weder über jene in Verzweiflung, noch über diese in freudige Ekstase. Das gilt nur für Juden, bei denen Würde und Judentum locker sitzen. Es ist kein Anlaß da, die „Reichspost" um Schonung und Gerechtigkeit zu bitten. Würde auch nicht viel nützen. Tut es die „Reichspost" nicht, tun es andere. Aber es ist wohl ein Anlaß da, das katholische Blatt wissen zu lassen, daß es Wasser predigt und Wein trinkt. Es klagt die Leute vom Dritten Reich an, daß sie sich gegen die Heiligkeit des Glaubens versündigen, indem sie Verbrechen und religiöses Bekenntnis freventlich in Verbindung bringen. Aber sie, die „Reichspost", nimmt keinen Anstoß daran und tut desgleichen, wenn es sich ums Judentum handelt. Die „Reichspost" sagt, vom katholischen Standpunkt aus, den Hakenkreuzlern, daß ihr Tun Erniedrigung und Schädigung des eigenen Glaubens bedeutet. Der „Reichspost" ist vom jüdischen Standpunkt aus dasselbe zu sagen. Das und weiter nichts. Robert Stricker. Das Ende der ,/itationaIdeufsdieti Juden" Aus Berlin wird unter dem 35. November berichtet: Hier war seit einiger Zeit das Gerücht verbreitet, daß die Existenz des „Verbandes nationaldeutscher Juden" (Gruppe Dr. Naumann) gefährdet sei. Wie die J. T. A. erfährt, wurde dieser Verband tatsächlich aufgelöst. * Gleich nach Etablierung des Hitler-Regimes im März 1933 setzte Dr. Naumann mit einer unerhörten Propaganda für seinen „Verband natkmaldeutacher Juden" ein, indem er einerseits die Zionisten und religiösen Juden Deutschlands des Vaterlandsverrats beschuldigte, andererseits das Programm des antisemitischen Nationalsozialismus für seinen Verband annahm und sich' in der schändlichsten Weise den Hakenkreuz-Machthabern anbiederte. Allerdings hatten diese für die „jüdischen" Ueberpatrioten nicht viel Verständnis. Herr Naumann mußte sehr viel Spott für seine Anbiederung einstecken und jetzt hat ihn das längst verdiente Schicksal erreicht. Eine jämmerliche jüdische Schande ist verschwunden.

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