Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 512 (12.11.1935)
- Date
- 1935-11-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 512 Den fUk$ m^M Groteske von T u n k e 1 e r Man hat einen kostbaren Kriegin die Hand genommen und zuscha-nden gemacht. Wie sehr hat man auf ihn gewartet: Wie sehr hat man gebangt, bis er ausgebrochen ist! Wer hat sich da nicht ins Zeug gelegt? Diplomaten. Entwaffnungskonferenzen, Nichtangriffspakte, Munitionsfabrikanten. Ministerprophezeiungen, Staatsmänner-Begegnungen . . . und als man schon dabei war. als man sich gegenseitig zu beschießen begann, da hat man, wie Scholem Alechem in seinem „Scholet" sagt, „es zerpatscht, zerhatscht, zerwatscht und es war kein Scholet mehr da". Der Krieg wurde eine Verschleppung, eine Vermischunsr. eine Verdrehung — nur kein Krieg. Und man hat doch so große Hoffnungen auf diesen Krieg gesetzt. Man hat, einer dem andern, einen gesunden Krieg, Weidmannsheil gewünscht, geglaubt, daß sich hier der wahrhafte Krieg abspielen wird, der Krieg, wo wirklich ailes kracht; der Welt sich das Zwerchfell hebt und man ein Vergnügen hat. Nun, der Krieg begann ein wenig weit, im fernen Afrika. Aber wir hatten berechtigte Hoffnung, daß er immer naher und näher rücken wird und daß es lustig wird. . . . Ha^en wir denn, unter uns gesagt, in dieser grauen, nüchternen, langweiligen Zeit irgendein anderes Vergnügen als ein bißchen Krieg? Die Welt versinkt in Trauer, die Langweile ist ihr in die Knochen gefahren. Wir alle leben jetzt im Zeichen riues großen, mächtigen Gähnens. Theater, Kino, Radio, Zirkus, Bar. Boxkämpfe, Redouten, Scbönheitskonkurrenzen, Re vuen, Dancings — all «das kriecht einem zum Hals heraus. Auch Parlamentssitzungen, Kultusratssitzungen, Gerichtsverhandlungen, Kongreß-Resolutionen, Wahlen in England. Sanktionen — all das unterhält uns nicht mehr. Es besteht die Ueberzeugung, daß der Artikel Krieg von der Langweile 3tammt; daß die Welt aus Langweile geschaffen wurde, und daß die Sintflut, der Turmbau von Babel und andere solche Sa<jhen Produkte der Langweile sind, schließlich auch das Kriegswesen. Wahr ist auch, daß uns auch die Pazifisten oft Kurzweil verschaffen und die Verkünder des Völkerfriedens uns genug Vergnügen bereiten, und daß die Schriftsteller Remarque und Barbusse mit ihren pazifistischen Werken uns eine gewisse Zeit in Spannung gehalten haben. Aber wie lang können solche Sachen anhalten? Wir haben uns genug schon sattgegessen an diesen pazifistischen Werken und es hat schon ein Krieg kommen müssen, zumal es doch ohne Krieg keine Pazifisten gäbe und keine pazifistischen Bücher. Also ist auch vom pazifistischen Standpunkt der Krieg notwendig wie das Leben. Und jetzt, wenn wir schon den Krieg erlebt haben, ist er einem zwischen den Fingern durchgerutscht. Wir haben geglaubt, daß der Krieg wachsen und blühen und uns großes Vergnügen verschaffen werde. Besonders in solch einer zivilisierten Epoche des Radio und des Kino und der blitzschnellen Verbindungen würden wir doch alles schnell und detailliert vor Augen haben können. Keine künstlichen amerikanischen Kriegsbilder, sondern wahre, auf den Schlachtfeldern aufgenommene Szenen, Kriegsbilder von echtem Schrot und Korn. . . . Zahlreiche Regierungen werden direkte Radiostationen von Abessinien zu sich legen. Sogar die amerikanische Regierung ist im Begriffe, eine Radioverbindung zwischen Abessinien und New York herzustellen. Die Regierungen sorgen dafür, daß ihre Bevölkerungen direkt und unmittelbar die Freude und das Vergnügen des Krieges genießen, aus erster Hand. Und, wie es heißt, soll in kurzem auch noch die Television, die Fernphotographie, eingeführt werden, und nicht nur die Fernphotographie, sondern der Fernklang, auf daß der Genuß nicht mehr über troffen werden kann. Man wird auf seinem weichen Sofa sitzen, beim warmen Kamin, Bilder erscheinen, eines interessanter als das andere, und man wird den ganzen Krieg mit seinen Schlachten sehen und hören, mit den Kanonaden, Attacken, Gaswolken, dem Geschrei von Verwundeten, dem Stöhnen der Verschütteten, dem Röcheln der Sterbenden. Oh wie reizend, angenehm, gemütlich und amüsant wird das sein! Natürlich werden die Bilder nicht jeden Tag interessant sein. Manchmal wird es weniger blutige Kämpfe geben. Und da wird sich der eine beim andern beklagen, daß „heute" die Bilder sehr „schwach" seien. Man schieße zu wenig, die Angriffe seien nicht sichtbar. Während des Regens werden die Gefechte ganz und gar eingestellt werden und das Publikum wird dann sagen: „Langweilig, keine rechte Schlacht! Man sieht bloß Soldaten durch Schlamm und Kot waten, hie und da einen Soldaten an Malaria oder Hungers sterben! Zum Sterben langweilig." Dafür aber wird's bei einem Angriff interessant sein. Bombenwürfe von Aeroplanen, zusammenstürzende Häuser — das ist etwas anderes, vor allem pikanter. Und doch, zum Teufelholen, der schöne, erwartete, kostbare, große Krieg ist nicht zustande gekommen, verpatzt! Oh, oh, oh! Uns ist solch ein Krieg nicht gegönnt worden. Vielleicht hätte er uns unsere entsetzliche Langweile vertrieben. DieHalcoahvSdiuftzhütte auf dem Somnicirofig Tn unvergleichlich schöner Landschaft wurde Sonntag, den 10. d., von herrlichstem Wetter begünstigt, in Anwesenheit von zirka 13000 Personen die Einweihung des ersten jüdischen Schutzhauses auf dem Scmmcring vorgenommen. Es war ein erhebender Anblick, als unter den Klängen der Tikwah an dem von Architekten Philipp Diamantstcin reizend erbauten Hause die blau-weiße Fahne hochgehoben wurde. Es waren Vertretungen der Kultusgemeinden Wien. C-\"i7. r>JHj(.n> ,]rtruirq-ermeister vom Semmering. eine Alr^dn-.ing dos Tl. T. F, der Faganah. der legitimistisehen jüdische?! Frontkämpfer, der Vaterländischen Front, des AHg. Skh-'erbandes ti. a. erschienen. Eröffnet wurde die schöne Feier durch einen von Alfred Winzer verfaßten, von Jakob F c 1 d h a mm e r wirkungsvoll gesprochenen Prolog. Dann nahm Oberrabbiner Dr. Feuehtwang die feier'iche Eröffnung vor. Er und die ihm folgenden Redner, Staatsrat Doktor Friedmann. Rat der Stadt Wien Dr. Ehrlich. Bürgermeister Museer. Dipl.-Kfm. Tschiaßny. Dr. Oskar Orünbaum. Dr. Leo Fischmann. Vizepräsident Robert Glücksmaun und Obmann Hugo Kolin. sie alle hoben die erninente Bedeutung der Errichtung dieser Hütte für die jüdische Sportwelt hervor, denn gerade die Touristik- und Skisektion der Hakoah hatte unter dem wachsenden Antisemitismus in den Bergen zu leiden. Sic hat mit dem Bau dieser Hütte eine gute und schöne Tat gesetzt. Volksop«r. „Eva", Operette von Franz. Lehär. Mit einer Reprise dieser Operette, die zu den schönsten Werken Lehärs zählt, eröffnete die Volksoper ihre eigentliche Spielsaison. Es war eine ausgesprochen schöne' Vorstellurg, von Direktor Lustig-Prran mit Liebe und Sorgfalt inszeniert. M'mi Sfiorn in der Titolrol'e. sang mit schöner Stimme und spielte mit verhaltener Innerlichkeit, Egon Kartet-, ein vornehmer Fabriksherr, Trude Berliner voll Rasse und Temperament und Tibor v. Halmay springlebendig. Es gab Beifall und Wiederholungen. Doppeljubiliium eines bekannten Wiener Bankiers. In diesen Tagen feiert Herr Kommerzialrat Carl Bauer, Alleininhaber des auch als Klassenlotterie-Geschäftsstelle sehr bekannten Bank- und Wechslergeschäftes Albert Bauer, Wien, IV., Favoritenstraße 4, ein seltenes Doppeljubiläum. Vor fünfzig Jahren trat er in die von seinem Vater im Jahre 1872 gegründete Firma ein, deren Alleininhaber er nunmehr seit vierzig Jahren ist. Der Jubliar der auch im Wiener Sport- und Gesellschaftsleben eine Reihe namhafter Ehrenstellen einnimmt, wurde aus diesem Anlasse Gegenstand zahlreicher Ehrungen. AsssfirBtffe aais Apfovrit/.er- Adolf, Verkäufer, geb. 11. Oktober" ^04 Wien, ledig, XVTTT.. Simonygasse A. Friemann *»*^la, geb. 26. Mär/. 1905, ledig," XX., Webergasse 23. - Gott- Urb Kar!, geb. 13. August .1800 Wien, Mc'düng- - Brrnn) Harry Arnold, geb. 8. Ecbniar 1021 Wie-!. Mödling. ----- Grünhut schert, Schildermaler, geb. 2;'). Jänner 1010, Wien, ledig, XXI., Pragerstraßc 43,17. Mayer Gertrude, geh. 17. Juni 1017 Wien, ledig, Wr. Neudorf. - Hutter geb. Lr.ierer F.'<:ra, geh. 17. September 1001, Korneuburg, verh.., Vf., Drcihu'cisengasse 3/3lloMrngr.:'-brr Fritz, Havtptscmüor. geb. 6. Jänner 1021 Wien, ledig, I., B«llariastraße '0. Holdengrährr geb. Srlv.vatv, Anna, geb. 8. Dp.^i-üv7 1S01 Oroßmug». verh., I., LM'nriastvaßr 10. — Kurzwei? geh. ^ascliken Feig», geb. 9. Oktober 1861 Lemberg, verw., VII., Neubaugnsse 36. - Moldauer Marie Louise,'geb. 22. September 10M Wien, ledig, XV., Turne rgassr- 20. Neuron nn geb. I'n'ichkis Lotte, geb. 4. Jänner 1013 Stuttgart, verh., IV., Karolinengasse 5. — Neumann Franz-, geb. 10. September 1917 Wien, 1<s&2. XV., Klementinengasse 28. - Stein Walter, Kaufmann, geb. 10. August. .1003 Wien, verh., VII., Neubaugasse AI - Troumar.n geb. Fant«, Stephanie, geb. 1. September 1881, Postelberg, verh., IL. Pratcrstraße 19. — Weiß geb. Hatsehek Berfa, geb. 16. Juli 1004 Wien, ger. gesch., XX., Rauscherstraße 12. Bcral Dr. Alma Regina, Aerztin, geb. 22. August 1000 Szeret, .ledig, XVIII., Gersthoferstraße 00. — Fricdlündcr Dr. Hanns, Arzt, geb. 16. Februar H)05 Wien, ledig, IX., Wasagasse 31. — Krilek recte Bürstenbinder Rubin, geb. 8. August 1894 Wien, ger. gesch,, IL, Vorgartenstraße 211. — Adler Alfons, geb. 1. Jänner 1872 Linz, ledig, XVII., Hormayrgasse 20. — Bunzel Ernst, Kaufmann, geb. 9. Februar 1896 Wien, verh., VIII., Skodagasse 15. — Chüowi'-z Otto, Goldschmiedgehilfe, geb. 26. August 1914 Wien, ledig, XVI., Neulerchenfcldcrstraße 88. — Fuchs Peter, Student, geb. 30. Oktober 10.16 Wien, ledig, I., Mahlerstraße 7 — Karpati (früher Karpeles), Gustav, Werkmeister, geb. 20. August 1883 Agram, verh., III., Wällischgasse 5. — Karpati, geb. Scheine! Anna, Verkäuferin, geb. 5. Mai 1888 Wien, verh., III., Wällischgasse 5. — Holtzer Paula geb. 25. September 1901 Wien, ledig, IL, Taborstraße 104. — Calef Josef, geb. 29. Mai 1899 Bukarest, ledig, II., Taborstraße 39. — Muncieak Kurt, Mechanikerlehrling, geb. 8. April 1919 Wien, ledig, III., Hohlweggasse 32. — Runes gab. Szynkaruk Viktoria, geb. 5. August 1894 Wien, verh., XVIII., Staudgasse 11. — Runes Dr. Ernst, Privatbeamter, geb. 6. Juni 1890 Zaleszczyki, verh., XVIII., Staudgasse 11. — Stein Alfred, geb. 2. Juli 1921 Wien, ledig, IL, Stuwerstr. 36. — Steinwurzel Chaje, geb. 3. Oktober 3 885 Lipica görna, ledig, IL, Bretteldorferstraße 32. — Schloßmann Aurelia, geb. 25. Februar 1907 Brody, ledig, VIII., Albertgas3e 11. — Welward Oskar, geb. 24. Juni 1890 Wien, verh., XIII., Sturzgasse lc. 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