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Die neue Welt · 1935-11-05 · Heft 510 (5.11.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 510 (5.11.1935)
Date
1935-11-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 510 AUS PAUKSTINA Die palästinensische Industrie An? Jerusalem: Die .statistische Abteilung der Zionistischen Exekutive hat. auf Grund ihrer jüngsten Erhebungen festgestellt, daß 571 jüdische Industrieunternehmungen, das sind 10 Prozent aller jüdischen Betriebe, 9902 Arbeiter beschäftigen; 366 vor Ende 1933 errichtete Betriebe, in denen 7651 Personen beschäftigt waren, zeigten eine Erhöhung des Personals um 12,2 Prozent auf. Die stärkste Zunahme war im Druck- und Papiergewerbe zu verzeichnen. Die von der Zählung erfaßten Betriebe haben eine Jahresproduktion im Werte von 2,5 Millionen Pfund. In 205 seit Jänner 1934 errichteten Betrieben werden 2251 Arbeiter beschäftigt. Die Zunahme der Arbeiterzahl beträgt in manchen Fällen 6 Prozent. An die Fabrikanten und Kaufleute Palästinas ist von dem Verband der palästinensischen Industriellen ein Fragebogen verschickt worden, durch den die Verwendung von Produktionskrediten und die Auswirkung der jüngsten Wirtschaftsstörungen festgestellt werden sollen. In einer Versammlung des Industriellenverbandes wurde vor kurzem auf die Schwierigkeiten hingewiesen, in die manche Fabrikanten infolge der durch die internationalen Ereignisse bedingten Kreditkürzungen geraten sind. Der Verband hat eine Unterkommission zur Behandlung des Rohstoffproblems eingesetzt. Es werden auch Bemühungen gemacht, die Verwendung einheimischer Produkte zu fördern und dem ausländischen Dumping entgegenzuwirken. Von einer anderen Unterkommission wird die Frage eines Schutzzolltarif es beraten und ein Memorandum an die Regierung in dieser Sache ausgearbeitet. Die Entwicklung der jüdusdien Handelsflotte Aus Jerusalem: Die von Einwanderern aus Deutschland gegründete Schiffsgesellschaft „A t i d" besitzt bereits drei Schiffe, die die palästinensische Flagge führen: „Atid" (700 Tonnen), „Alisa" (1200 Tonnen) und „Amal" (1600 Tonnen). Die beiden ersten Schiffe verkehren zwischen Palästina und Europa, das dritte im Levantinischen Meer (von Alexandrette in Syrien nach Alexandrien in Aegypten). Demnächst wird ein viertes Schiff in Verkehr gesetzt. Die Besatzung ist vorwiegend jüdisch. Das Segelschiff „Bikkura" ist vor kurzem zum erstenmal auf Fischfang ausgefahren. 31 Lizenzen für Aerzte in Palästina Aus Jerusalem: Im Dezember 1935 tritt die neue Verordnung der Palästina-Regierung in Kraft, wonach die Ausübung der ärztlichen Praxis im Lande für neu sich installierende Aerzte an eine Lizenz gebunden ist. In diesem Zusammenhang wird angekündigt, daß die Palästina-Regierung auf Grund vorliegender Gesuche im Monat Dezember 1935 31 neue Lizenzen an Aerzte, die ihre . raxis in Palästina ausüben wollen, erteilen wird. Solche Lizenzen werden an Palästina-Bürger und auch an solche Aerzte, die als Ausländer in Palästina Aufenthalt genommen haben, sich über einen guten Leumund ausweisen können und an Universitäten graduiert wurden, die von der Palästina- Regierung anerkannt sind, erteilt werden. Neue Wasserleitung für Tel-Aviv Aus Jerusalem: Die Stadtverwaltung von Tel- Aviv befaßt sich zurzeit mit der Frage des Baues einer zentralen .Wasserleitung. Der Wasserverbrauch in Tel-Aviv steigt immer mehr und wird im Jahre 1935 sieben Millionen Kubikmeter betragen. Für den Bau der Wasserleitung sind 300.000 Pfund erforderlich. Die vorbereitenden Arbeiten sind bereits im Gange. Autobusverkehr in Tel Aviv Aus Tel-Aviv (J. T. A.): In Tel-Aviv arbeiten 11 Transport-Kooperativen, die 8 81 Personen beschäftigen. Das Grundkapital beträgt 146.000 Pfund. 385.000 Pfund wurden 1934 eingenommen. In Gebäuden und Standplätzen sind 69.000, in Transportmitteln 222.800 Pfund investiert. Die größte Autobusgesellschaft Tel-Avivs hat 1934 1 5,0 6 9.0 0 0 Personen befördert gegenüber 10,950.000 im Jahre 1933. Eine andere Gesellschaft, die 1934 758.000 Passagiere hatte, beförderte in dem ersten Halbjahr 1935 über 400.000 Fahrgäste. Schutzzoll Aus Jerusalem: Der Schatzmeister der Palästina-Regierung, Johnson, hat dieser Tage eine Besprechung mit Vertretern der Industrie abgehalten. Es wurde die Frage eines Schutzzolls gegen ausländisches Dumping erörtert. Johnson schloß sich der Ansicht der Industriellen an, daß eine 25prozentige Erhöhung der Zölle für den Schutz der einheimischen Produktion ausreichen würde. Es wurde beschlossen, eine Verständigungskommission unter dem Vorsitz des Schatzmeisters Johnson einzusetzen, der fünf Vertreter der Industrie angehören werden. Ausbau des Hafens von Haifa Aus Jerusalem: Der Hafen von Haifa wird nach Süden zu bedeutend erweitert, so daß in Zukunft elf Schiffe gleichzeitig werden anlegen können. Gegenwärtig haben am Landungskai vier Schiffe Platz. Der englische Jude Selz aus Deutschland ausgewiesen Aus München: Wie bereits gemeldet, hat der englische Botschafter in Berlin bei der deutschen Regierung wegen der Verhaftung des englischen Staatsangehörigen Rudolf Selz in München, die wegen „Rassenschande" erfolgt war, interveniert. Diese Intervention hatte zur Folge, daß Selz freigelassen und das Verfahren gegen ihn niedergeschlagen wurde. Sofort nach seiner Freilassung aber wurde Selz wieder in Haft genommen und soll nun aus Deutschland ausgewiesen werden. Die Verhaftung und Ausweisung von Selz wegen „Rassenschande" läßt darauf schließen, daß Mischehen und andere intime Beziehungen zwischen ausländischen Juden und deutschen Ariern für die betreffenden Ausländer zwar nicht mit Strafen, aber mit Ausweisung verbunden sein werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich die englische Regierung mit einer solchen Erledigung des Falles Selz, bzw. mit einer solchen Praxis in der Zukunft zufriedengeben wird. Gegen alte Juden Aus Köln: Vor dem Amtegericht in Düren hatte sich ein 7 7 Jahre alter jüdischer Mann zu verantworten, dem zur Last gelegt wurde, in verbotener Weise Hühner geschächtet zu haben. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu RM. 150.— Geldstrafe oder 30 Tagen Gefängnis. Aus Königsberg: Vor einem Königsberger Einzelrichter stand am Donnerstag der 69 Jahre alte Jude Max Lewinsohn als Angeklagter. Er wurde beschuldigt, an mehreren Tagen im Juni vor einem Aushangkasten des „Stürme r" und einem jüdischen Geschäft groben Unfug verübt und zwei deutsche Volksgenossen öffentlich beleidigt zu haben. Nach den Darstellungen der Zeugen hat Lewinsohn sich zwischen die im Kasten ausgehängte Zeitungen lesenden Leute gestellt, ihnen eine Brille angeboten, damit sie sich den „D r e c k" genauer besehen könnten. Beim ersten Male war es zur Feststellung Lewinsohns nicht gekommen. Als ihn aber dieser selbe Zeuge acht Tage später wieder in einem großen Menschenhaufen Reden gegen den Antisemitismus halten sah, konnte Lewinsohns Festnahme durch die Polizei veranlaßt werden. Er wurde zunächst für vier Wochen in Schutzhaft genommen. Vor Gericht gab er die Richtigkeit der Schilderung des Tatbestandes zu, versprach schluchzend, er werde es nicht wieder tun, und bat um milde Strafe. Der Oberamtsanwalt beantragte wegen des groben Unfugs drei Monate Haft und wegen der beleidigenden Aeußerungen gegenüber zwei Zeugen fünf Monate Gcf ängni s. Das Urteil lautet auf RM. 200. - Geldstrafe, ersatzweise 40 Tage Haft für den groben Unfug' und weitere RM. 200.- für die Beleidigungen. Der Richter führte aus, daß die Schutzhaft keinesfalls bei der Festsetzung des Strafmaßes in Anrechnung gebracht werden könnte, daß aber das Alter und die durch Krankheit verursachte hohe Erregbarkeit des Juden strafmildernd zu berücksichtigen seien. Juden als italienische Kriegsfreiwillige Aus Rom: Unter den italienischen Kriegsfreiwilligen ist ein hoher Prozentsatz von Juden, nicht nur aus Italien selbst, sondern auch aus Aegypten, Algier, Griechenland, der Türkei usw. festzustellen. Es handelt sich meist um Juden, deren Eltern vor mehreren Jahrzehnten aus Livorno, Anco na, Pisa usw. ausgewandert sind und die jetzt ihre Treue zur italienischen Heimat unter Beweis stellen wollen. Die in Sabaudia bei Rom aufgestellte Legion, welche durchweg aus auslandsitalienischen Freiwilligen besteht, hat eine große Zahl jüdischer Offiziere in ihren Reihen. Ein Bataillon wird von dem jüdischen Major Lionello Attias aus Tunis befehligt, der nach dem Kommandanten den höchsten Rang in der Legion einnimmt. Major Attias ist gemeinsam mit seinem jungen Sohn und seinem Vetter freiwillig zu den Fahnen geeilt. Sommernachtstrauni. Zur ersten Vorführung dieses Reinhardt-Filmes waren nur Künstler und Presse- und Fachleute zugelassen, also ein blasiertes Publikum, das die Filmmacherei in- und auswendig kennt. Immer und immer wieder aber brach dieses Publikum in Beifallssalven aus. Die Gäste konnten einfach nicht wiederstehen und gebärdeten sich wie Menschen, denen der Film ein bisher ungeahntes Erlebnis bedeutet. Reinhardts Kunst weicht hier nicht einen Schritt vom Wege Shakespeares ab und wirkt gerade darum überwältigend. r. st. Moderne Schallplattenaufnahmc. Donnerstag, den 7. d., 8 Uhr abends, spricht im Rahmen des „Verbandes Jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas" im Heime der 'Zionistischen Bezirkssektion IX, Währingerstraße 6—8, Herr Ing. Dr. Robert P o 11 a k- R u d i n über „Moderne Schallplatte nauf nähme" mit Vorführungen. Erscheinen der Mitglieder Pflicht. »yfcxntefr^ *feü^£tfH i~S2l^tiäfeJ^** Eigentümer, Verleger, Herauageier und verantwortlicher. Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Druck: Druckerei- und Verlags-A,-G, Ignaz Steinmann, beide .Wien, . IX,, Unlversitätsstrjiße 6-^8.

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