Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 509 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite S DIB JNEÜE WE^I Nr. 509 tJifo (&ifc4&4lc$ TJk&dt£d</Humorcskc vcn 7unLcUr Ich h ihc ein neues S/(7r A geschrieben. Es heißt ..Die russische Revolution am Zarenhof". Die Proben beginnen ohen. Bald soll die P'-cmicre seh*. Irl lin neug-rng?:n sehen, mir r>.~; auf der Bühne herauskommen und nur überhaupt die Premirre ausfallen rvirJ, Ich. biri seinneugierig: zumal seil der Minute, wo ich das I! erk aus meinen Händen gab und fidioi! früher Aenderunücn an meinem S/^Vc A vom Direktor. Regisseur. Souffleur, von allen künstlerisch Beteiligten und deren I erioandte.it und »ort abseits stehenden Mensrhen vorgenommen morden sind. 'Jeder ein/.eine hat *cinc 1 erbc^sc-rungen und Aende.rungeu vorgeschlagen. Jeder einzelne hat seine Korrektur' n angebracht. Etwas muff man zugeben — daß oll die Aenderungen im Einvernehmen mit mir gemacht ivurten. Ich bin nicht n>ic andere Bühnenautoren. die aus ihren II erken wer weiß was machen lassen. Ich. /ei-yse mir nicht in die Suppe spucken. Meine erste Bedingung war. dop kein Haar entfernt, kein Beistrich geändert werden dürfe. Wegen eines Buchstabens bin ich gewillt, bin ans Herz zu gehen ... End. an sich hin ich ein harter Mensch mit Prinzipientreue. Beginnen tat i-s mit v.ncr ganz unschuldigen ..Kleinigkeit". End zwar: Einer der Schauspieler, dem die Holle des englischen Gesandten am kaiserlichen Hof anvertraut mar. halle nach meiner Regiebetnerkung im Stück eine Zigarre zu rauchen. Einmal, auf einer Probe, rief midi dieser Schauspieler zur Seile und flüsterte mir ins Ohr: ..Herr Autor, wie Sie mich, hier sehen, habe ich die Ehre, in Ihrem Stink die Rolle eines englischen Eords zu spielen. A -'.ch der Regiebemerkung soll ich eine Zigarre rauchen. Sun. haben ivir denn (leid auf Zigarren? . Ich wendete mich un die Truppe. Aber unsere Iruppe ist nicht in. der Eage. Auftrag auf eine Zigarre zu geben. ' ielleich.t erlauben Sie mir, eine Zigarette zu rauchen?" Ich überlegte hin und'her und kam zum Entschluß, daß man ohne Zigarre auskommen könne. Ein englischer Gesandter kann ohneweiters Zigaretten rauchen. Ein andermal kam ein zweiter Schauspieler zu wir, jener, der die Rolle des Finanzministers zu spielen hat. Auch er hatte, ein Anliegen: ..In einem Akt Ihres Stückes", sagte er, ..soll ich ohne Rock dastehen, bloß in Hemdärmeln ... Wollen Sic gütigst begreifen, daß ich bei meinen Kapitalien und bei meiner Gage, es soll mir nicht schaden, nibhf imstande bin. mich jeden Tag in einem, weiften Hemd zu zeigen. Wer kann sich erfrechen, jeden Monat ein Hemd zum Waschen zu geben? Denn Putzwäsche ist ' sehr teuer. End. sich in :>c hmutzigen Aermeln zeigen, schickt, sich nicht für einen Einänzminister... EJarum möchte ich daß Sie mir erlauben, den Rock anzubehalten, und ferner, daß Sie. mir erlauben, das ganze Stück mit dem Gesicht zum Publikum, die Hände am Rücken, zu spielen. Denn die Ellbogen sind beiderseits auf gerieben." Ich ging auch darauf ein. einfach: aus humanitären Motiven. Die Primadonna der Truppe stattete mir eine Visite ab und sprach wegen folgender Sache bei mir vor: / Diese Schauspielerin spielt in meinem Stück die Geliebte Rasputins, die Hofdame IViruboma. Ich bringe in meinem Stück eine Szene im kaiserlichen Park, wo im I erlauf einer Orgie Rasputin mit. der Wirubowa einen wilden Tanz aufführt. Beim- Tanzen geraten ihre Beine aufwärts und es sind hiebet ihre Sohlen zu sehen und che Sohlen, die armen, sind geflickt... „Sie verstehen", sagte sie, ..Herr Autor, es schickt sich nicht, das Publikum soll sehen daß die erste Hofdame des Kaiserlichen Hauses geflickte Sohlen, hat. es wäre eine Schande." „Nun?" „Nun. können Sic nicht die. ganze Szene streichen?" Ich überlegte und stimmte zu. „Vielen Dank." Es verging keine Woche und zu mir kam der Star der Truppe, der Charakterdarsteller Benje Heisertnann, der in meinem Stück die Rolle des Ministers plehwe zu spielen hat. „Ich habe mit Ihnen, Herr Autor, eine wichtige Angelegenheit zu besprechen." „End zwar?" „Ich habe in meinem Besitz .einen wunderbaren Monolog, mit dem ich jede Rolle beende,- die ich spiele. Es ist ein. hundertprozentig sicherer Applaus. Nach solch einer Prösa muß man applaudieren," „:\un, legen Sie los." Er stellte sich in dramatischer Pose hin ujid deklamierte: „Oh, oh, du Jidele, du Kind oorn Volk Israel! Oh. meine en>ige \ation! Du hast immer gelebt und wirst niemals untergehen und n>ie sehr auch deine Feinde dich drücken und /wirken, du bleibst Mnl,- loie ein lels in der H iiste. Soll er dich nur erwürgen, der Pöbel, mit den großen ImpiiaHinnen, du lachst über ihn, ha. ha. haha!... Wie gefällt Ihnen das?" ..Ausgezeichnet", antwortete ich. ..aber Plehwe war doch jucliiophob wie kann er solche II orte sprechen?" ..Entschuldigen Sie", erwiderte er. ..was ist das .judäophob'?" ..Juden feindlich." Der Schauspieler überlegte eine Weile und rief dann aus: lUstowaki Bm Bestrenommierte Küche -\iffj REICH H ALTIGE HENOS & S 1.90 UND 2.60 t C II WEL II ATE« 8 R A U H.Hommcr-PurastallGastc 3 (nldist SaiytorbfDthe) Tel. A-41-C-71 ..Phob — Stob, alles eins! Ich bin ein Star, ich brauche Applaus, auf Gage, stehe ich nicht an. Ich spiele nur um der Eunst und der Ehre willen. Muß ich da Applaus haben oder nicht?" ..Aber, um Gottes willen. Plehwe ist ein weltbekannter Antisemit, der den Kisrhinemer Pogrom angeregt hat. wie kann er solch einen Monolog halten? Er wird doch als J udenverfolger ermordet?!" ..So iverde ic h eben den Monolog vor dem Tod halten. Sehen mir wird Dr. Herzl stehn und ich iverde meinen Monolog sprechen. Zum Seh Inj! werde ich mit meinem berühmten Eied endigen, das mein Haupttreffer ist: Jidele. mein Kroin, mein geschätztes Nution! Dv trägst hojch d'iv jüdische Fohn, Du existierst rorr od// an. Zu sein a Jid. is a Antik, A grojßes. wahres Glich:. Tommer git man dir an Drick, Und wirst verschworst wie a Tnter., Schii&t dich dein Himmelvoter, Und du hörst deine Feinde wie dem Koter: " Ich überlegte mir die Sache und toar einverstanden. „Gut. gut. Meinetwegen. Aber Schluß mit allem und mein Stück soll man spielen! Ein Monat oerging. Da wurde ich plötzlieh vom Thea'terdircktor zu einer Konferenz berufen. Er hätte einige Bemerkungen zu machen. „lind zwar?" ..Die Handlung des Stückes spielt im II inier und. das ist unmöglich. weil die Schauspieler keine Wintermäntel .haben.1' „Was tut man also?"' .„Man muß dazuschauen. daß sich die Oktoberrevolution im August abspielt." „Das wird doch nicht mit der künstlerischen W ahrheit" übereinstimmen?-!" „Wahrheit — Klarheit ... Muri kann die Ueoolulioii nach Spanien verlegen, mit einem kleinen Atemzug in die Türkei, nach Griechenland, nach Mexiko, die Hauptsache: in eine warme Gegend" Da stellte ich wieder meine Ifeberleguiig an und. dachte nach und willigte schließlich eitv. Schluß! Meinetivegen die kleine Aenderung, wenn nur das S^ück gespielt wird, wenn ich nur die Frucht meines Schaffens auf den Brettern sehe, die die Welt, bedeuten. Und es kam der große I ag der Premiere. Ic h sa.ß im Theater, mein Herz'pochte. Aber, was ist geschehen? Man spielte „C h a n e, d.a «s W a i se nk i nd, will M a r m e I ad e." Ich. rief den Direktor beiseite und fragte: „Was soll'dab bedeuten? . ■ .-.Sie müssen begreifen'^antioortete er, „Ghunc, das Waisenkind' ist. schon eine eingespielte Sache und Ihr Stück ist neu und man muß Proben machen. Wie konnten wir Proben machen, wenn das Theatev nicht geheizt ist. und es ist kalt, daß die Wölfe daoonlaufen ...?" Warnung! Die protestantische „Schwedische Gesellschaft für Israel" im IX. Bezirk hat ihre auf Bekehrung von Juden gerichteten Bestrebungen in ihrem MiMiohshause, IX., Seegasse 16, und zwar diesmal durch die Abhaltung von hebräischen Kursen wieder aufgenommen, um ihre auf den Abfall vom Judentum gerichtete Tätigkeit durch diese Tarnung ausüben zu können. Seitens der Israelitischen Kultusgemeinde Wien sind entsprechende Warnungen in weitestem Umfange ergangen und es wird besonders die Aufgabe der jtydiacben Seelsorger sein, die Bestrebungen der Missionäre abauwehren. Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Cafes etc. i\. ItnrM-link. iL, Große L;chiffga:-ve ö. Streng "C2. Voiv;:ügliche Küche. Billige Preise. Cnfc-Kestnimmt Kupre^so, i., Kotenturmsiraüo 1. luiornationale kalte und warme Küche. Menüs v.n billigen Preisen. Js'ngrls Srldnvnrcnrrsliwrjnt, IL, Prafrrsli aße I'-}. Grill. Menü S Täglich Sdiclcl. 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WOCHE N=KALEN DER November 1035 nwn vjnn Gheschwan 5696 Freitag Samstag 1 2 5 6 Sabbatriugang 4.30 NabbataiiHganK 5.30 Sonntag 3 7 Montag 4 8 Dienstag 5 9 Mittwoch Donnerstag 6_ 7 1Q .„ 11 ■"" '" .. . 1 I'1 <:;.■• ,{ ■ , .......-',1 '«■,'»■»■'">■ I "IUI' i -:-•-' 1 - '■■ " .......-■-—-.- SigentUmerf Verleger, Herausgeber und veraptwortticker; fcfflaKteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Dructe: Druckerei, und Yerlass-A.-G. Ignaz Steinmann, beiUe Wit% IX, yaivereitätsstraßc f—«.