Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 509 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Jahrgang 9 Freitag, den!♦ November 1935 Nr« 509 V* h**o+ Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par FecUteur" BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1 40./»erteljährig 8 4.-. ^^^^•-^X^^S^ ^&kS' yierteljährlg Zloty 4.50; Tschechoslowakei^^\^tl^t^tm5-f S^^SÄiff l^T^ ^ertelÄg ifö*^»?^^ Schwein und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u.Verwaltung: lX>Vniversitätsstr.8JeLA-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag REVUE Krieg gegen kleine/ kranke und verwaiste Kinder Der Schweizer Nationalrat Dr. Oeri schreibt auf Grund von Erhebungen, die in Deutschland angestellt wurden, in dm „Basier Nachrichten" über ,.Juden im Hitler-Reich" u. a. folgendes: „Parallel mit der Verhinderung der Juden am Vcrknu f c n geht der immer stärker einsetzende Versuch, sie systematisch auch am Einkauf e n zu verhindern. Das System greift aber nicht nur im Handel um sieh, sondern erstreckt sieh vieierort« auch auf die Versorgung jüdischer Familien mit dem kleinen Bedarf des täglichen Lebens beim Metzger, Bäcker, Spezierer usw., ja sogar beim Apothc k e r. In etwa fünfzig deutschen Städten gibt es für jüdische Kinder bereits keine Milch mehr, zum Beispiel in Magdeburg mit 300.000 Einwohnern. Nebenbei: das Schicksal der jüdischen Kinder ist überhaupt erbarmungswürdig. Soweit sie noch die öffentlichen Schulen besuchen dürfen, sind sie von seifen feiger L c h r <*■ r und M i i s c h ü 1 e r täglich den gröbsten Demütigungen ausgesetzt. Von allen Sports- und Turnveranstaltungen, von Jugendspielen im Freien, vom Baden usw. sind sie ausgeschlossen. Zur Gründung und Aufrechterhaltung von eigenen Schulen und Kinderheimen sind die Juden wegen ihrer finanziellen Bedrängnis vielfach nicht mehr imstande, auch wenn solche Institute geduldet werden. I« Diez an der Lahn ist es aber vorgekommen, daß das j ü d i s c h e Kinder- und Waisenheim nachts um 12 Uhr plötzlich geräumt wurde; die Polizei erklärte, daß sie für den Schutz der Kinder nicht mehr bürgen könne," Nationalrat Oeri tut den Hitler-Deutschen ein wenig Unrecht an. Es gibt ja doch noch Dinge, die sie gerne an Juden abgeben. Wohl keine Pfennigbrötchen, keine Milch- und Medizinfläschchcn an kranke, kleine Kinder in Deutschland. Dafür aber waggonweise Motöre, Pumpen, Röhren und andere nützliche Sachen an die Juden in Palästina. Sogar um 2 Prozent billiger als die Konkurrenz. Und es gibt viele Juden, denen 2 Prozent. Mehrgewinn in Palästina näher zum Herzen sind, als hungrige Judenkinder ohne Milch und Medi< zin in Deutschland. Seit, der Machtergreifung durch Hitler ist der Absatz deutscher Erzeugnisse im jüdischen Palästina auf das Dreifache gestiegen. Ein Pogrom erträglicher.■. Boykott jVu^ London wird berichte!: 'Sonntag, ab -21 Oktober« 'fahd' -Im - UfiB- Park i» London eine gewaltige' P ro titstkun d'gebung g e g e n d i e nazistische Barbarei in Deutschland statt. Von sechs Tribünen herab sprachen zu etwa. 2 0.0 0 0 Zuhörern die bekannten Parlamentarier Major <"'. R. Atlee, Führer der Arbeiterpartei, Miß Eleanor II a t h b o n e, Colouel Josiah . W e d g w o o d, Barnett J anne r, Lord M »rley, Prof. ,J. B. S. Haida n e, Miß Sylvia P a n k h u r s t, eine Reihe Geistlicher aller Bekenntnisse, und mehrere Führer des öffentlichen Lebens, die alle betouten, sie wollten nicht das deutsche Volk anklagen, sondern nur die Führe r, die sich einer feigen Verfolgung Andersdenkender und Andersgläubiger schuldig machen. Lord Marley betonte, daß sich die Lage der Verfolgten in Deutschland von Tag zu Tag verschlimmert, daß aber auch das gesamte deutsche Volk die Folgen des Nazi-Regimes zu spüren. beginnt, und daß Europa bedroht sei durch einen deutschen Angriffskrieg, mit dem -Zif!«1., -die öffentliche Meinung von der Nb<! in Deutschland abzulenken? We^gwogti'führte aus, man sei fast versucht, zu sagen, daß für die unsäglich leidenden Juden in Deutschland ein schneller Pogrom erträglicher wäre als diese langsam tötende Abwürgung der Körner und der Seelen. Barnett Janner wies auf den Goebbels- Erlaß betreffend Ausiöschung der jüdischen Namen von den Kriegsehrentafeln hin und sagte: Den Unbekannten Soldaten könne Goebbels nicht ausmerzen, und vielleicht war dieser ein Jude. Unter lebhafter Zustimmung wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die physische und seelische Marterung von Männern und Frauen in Deutschland protestiert wird und die britische, n Bürger aufgefordert werden, deutsche Waren und Dienste so lange r ü c ksiehtslos zu boykottieren, ,,b i s in Deutschland volle religiöse und bürgerliche Freiheit wiederhergestellt i s t". Der arabische Generalstreik in Palästina 'Aus Jerusalem: Der von den vereinigten arabischen Parteien für Samstag, den 26. Oktober, proklamierte Generalstreik zum Protest gegen jüdischen Waffens eh m u. g g e 1 und dessen Duldung durch die Regierung wurde nicht, total durchgeführt. Zahlreiche arabische Geschäfte in Jerusalem und in den anderen Städten, ebenso die arabischen Restaurants blieben geöffnet, auch verkehrten zahlreiche arabische Autobusse. Im allgemeinen verlief der Generalstreik ruhig, nur in Jaffa kam es zu kleineren Zwischenfällen, und in Nablus (dem biblischen Schechem), der jetzt rein arabischen Stadt, demonstrierten 400 jugendliche Araber in der Siedlung der Sekte der Samar itaner am Fuße des Berges Gexlzim und warfen einige Fenster ein. Verletzt wurde niemand. Die Polizei in Palästina hatte von Freitag an überall Verstärkten Dienst, die englischen Polizisten waren mit Gewehron ausgerüstet. Für deu Streiktag verbot die Tlegieruhg die Vorführung des Keren-Hajessod-Films ', JJi and der V e r h e i ß u n g" als Maßnahme zur Garantierung der Ruhe. Der Verband der a r a b i s c hen Jugend Palästinas hat für den 2. November, den Jahrestag der Ver» kündung der Balfour-Deklaration, eine Tagung nach i.ni—i.i nimm iiim»|b—«HP— ii iii —p———i iiiii n'a Billige Reisen nach Palästina Kostenlos» Heratun« In allen Relseangelegenlielten, welche P a 1 ä « tlna betreffen, mündlich und telephonisch, bei Pf. f. Tocker» IX. LiechtensteinstraCe 2, Tel. A-14-504 Nablus einberufen, deren Tagesordnung folgende Gegenstände vorsieht: 1. Die Gefahr des jüdischen Waffenschmuggels; 2. das Telegramm des High Commjssioner und die Antwort der Araber; 3. Fragen der Einwanderung und des Bodenkaufes; 1. Palästina und der Krieg in Abessinien. * In einem arabischen Dorfe bei T u 1 k a r e m wurden bei einer Durchsuchung fünfzehn Gewehre gefunden, die kurz vorher auf geheimnisvolle Weise aus einem Polizeidepot verschwunden waren. 30 Araber wurden verhaftet, von diesen wurden nunmehr 18 zu kleineren Strafen verurteilt, 7 wurden dem Kreisgericht übergeben. Selbstschutz — Selbstverständlichkeit Aus Jerusalem: Die arabischen Parteien haben die Aufdeckung des Waffenschmuggels in Jaffa zum Anlaß genommen, eine Delegation zum Stellvertreter des abwesenden Hochkommissärs, Mr. Hall, zu entsenden. Die Delegation erklärte, daß sich die Araber Palästinas bedroht fühlen, forderte E n tw a f f n u n g der Juden und Einschränkung, bzw, Einstellung der jüdischen Einwänder u n g. Dazu meldet die Korrespondenz der zionistischen Exekutive „Palcor": Wie wir erfahren, hat Mr. Hall der arabischen Delegation erklärt, daß es selbstverständlich sei, wenn sich die Juden zwecks Selbstverteidigung mit Gewehren versehen. Er wies hiebei auf die blutigen Heber fälle auf; Juden, welcjie die Araber im Jahre 1929 veranstaltet haben, hin. Eine Diskussion über die jüdische Einwanderung lehnte Mr. Hall mit der Begründung ab, daß diese Frage mit dem Waffenschmug* gel in keinerlei Zusammenhang stehe. Bessere Juden — Sdiledifere Juden Nachdem die Ausschaltung der Juden aus dem geistigen und wirtschaftlichen Leben Hitler- Deutschlands so gut wie vollendet ist, hat Minister Dr. Goebbels angeordnet, daß die Namen kriegsgefallener Juden auf Gedenktafeln nicht mehr erscheinen dürfen. Zwei Brüder fahren im Schlitten durch die Nacht. Wölfe jagen hinter ihnen her. Da stößt der eine Bruder den anderen aus dem Schlitten, den Bestien zum Fräße. Er will sie damit hinhalten, satt machen. Er will so Raum gewinnen, Zeit gewinnen, sich retten ... * Der Antisemit sagt: ,,Ja, wenn alle Juden wären so wie S i e, wären ..." Weil es ihm gesellschaftlich, geschäftlich gerade so paßt oder weil er ein sonst ganz manierlicher und guter Kerl ist, sagt er das. In den meisten Fällen gibt der so angesprochene J'uotF eilig und gerne zu, daß es tatsächlich auch schlechtere und sehr schlechte Juden gibt ... leider! „Leider" sagt er und denkt „Gottseidank". ■\-; Juden, die durch wertvolle Leistungen oder glückliche Zufälle oder kräftige -Ellenbogen oder auf krummen Wegen hochgekommen sind, legen in der Regel keinen''WäM' auf irgendeine Verbindung mit den anderen Juden. Im Gegenteil. Sie unterstreichen, 4aß sie anders sind wie die anderen. Sie sprechen oft und mit kräftigen Worten davon, daß die Tätigkeit und das Gehaben so vieler Juden der Gesellschaft Abbruch tun, Schaden bringen. Sie glauben 'durch Herausstreichung dieses Umstandes sich selbst aus der antisemitischen Gefahrenzone zu retten. Aber im entscheidenden Augenblick zeigt es sich, daß es. den Antisemiten gerade um die Ausmerzung der hochgekommenen Juden geht, der jüdischen Kapazitäten, der jüdischen Großen in Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft. Dann die Juden, die sich „völlig angepaßt'* haben. Sie betonen bei jeder Gelegenheit ihre Verbun« denheit mit Sprache, Kultur, Sitten und, Lebensanschauung der nichtjüdischen Umgebung. Sie benützen jede Gelegenheit, besonders wenn sich Nichtjüden in Hörweite befinden, um schmerzlich bewegt festzustellen, daß es gar so viele Juden gibt, denen diese Anpassung nicht gelungen ist und nie gelingen, kann. Ihrem Bedauern ist eine ganz große Portion selbstzufriedener Genugtuung beigemischt. Aber wenn es zum Reinemachen mit den Juden kommt, macht den Besen um die Angepaßten keinen Bogen. Gerade Anpassung ist nicht erwünscht. Zu den Hochgekommenen und Angepaßten gesellen sich noch die Bodenständigen. Sie haben keine ausweisbaren Sonderverdienste und mit der kulturallen Anpassung ist es auch nicht weit her. Dafür haben sie einen Urgroßvater, der bereits da war. Vom seligen Herrn Urgroßvater reden sie beständig. Im Notfalle .muß der Großvater oder Vater herhalten. Man ist eingesessen und versteht, daß die zugereisten Juden wirklich unzeitgemäß hergekommen und den Nichtjuder* ein Aergernis sind. Man vergißt, daß es seit der Zerstörung des Judenstaates keine anderen als zugereiste Juden gibt. Aber die Nichtjüden denken daran. Immer. Hochgekommene, Angepaßte und Bodenständige Tut iedmTjtqütiMufa v&t ftöfUet Wiciittykeit! Um wirklich wenig üeld sind jetzt die schönsten u. prachtvollsten echten perserfeppiche (gesunde, ausgesuchte Qualitätsware) bei uns zu haben. 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