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Die neue Welt · 1935-10-22 · Heft 506 (22.10.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 506 (22.10.1935)
Date
1935-10-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 506 Beel, du MeweUskeum Eine spaßigr Geschichte von A. K o g a 11 o \v s k y Drr Jude blickte lange Zeit auf mich. Durch die «climalen Lidspalten seiner verwitterten Augen betrachtete er mich und rief auf einmal aus: ..Wie ist. sagten Sie. Thr Familiennnme 7 -- Goldmann?" „Nein, Goldberg." ..Wie? Gold—" „Goldberg!" ..Wenn dem so ist. dann sind Sic also von den Rownoer Golds... Goldsteins?" „Goldberg, nicht Goldstein . . . Zweitens stamme ich nicht aus Rowno .. . Ich bin überhaupt niemals dort gewesen ..." „Von welchen Goldmanns sind Sie eigentlich, von den Lubliner?" „Nicht Goldmann, sondern Goldberg." „So? Goldberg? Dann weiß ich schon, wer Sic sind... Stellt sich heraus, daß Sic ein Stückchen verwandt mit mir sind . .. Die Frau meines Neffen stammt auch von Chaim Goldblatt... Ebenfalls ein Lomscher. Sie stammen daher von ihrer Familie... Was sind Sie eigentlich zu ihr?" „Ich bin kein Goldblatt und kenne keinen einzigen Menschen in ganz Lomscha. Mein Familienname ist Goldberg... Goldberg!" Der Mann gab einen langen, krächzenden Seufzer von sich. Nahm sein dichtbewachsenes Gesicht in die dürren Hände und dachte mit versorgter Miere nach. Nach ein paar Minuten ging es wieder los: „Und Sie selbst sind wo geboren?" „In Warschau." ,jn Warschau selbst?" „Ja." „Und die großen Goldmanns sind Ihre Familie?" „Die Goldmanns? Aber ich heiße doch gar nicht Goldmann ... Ich habe Ihnen schon gesagt, meine Familie heißt Goldberg... Ich habe zwei Brüder, die hier in Wärschau wohnen ..." Der Mensch war absolut nicht zufrieden: „Goldberg? Sie selbst, sind Sie mir nicht böse, Versprechen sich. Einmal sagen Sie Goldberg, einmal sagen Sie — anders. Aber wenn Ihre Familie wirklich Goldberg ist, weiß ich schon, wer Sie sind... Ihren Vater habe ich bestimmt gekannt, war ein feiner Mann ... Seine Branche war Papier ... Ich habe ihn gut gekannt... Wer hat nicht den alten Goldstein gekannt? Ich sehe ihn noch vor mir, wie er dahergeht in seinem weißen Bart... Ein feiner Mann gewesen! Wie lang ist er schon tot? Zwölf Jahre, was? Ich erinnere mich an ihn von der Hochzeit Ihrer Schwester... Ich glaube, die Aelteste, ein schönes Mädchen... Sonderbar, daß Sie sich nicht ein wenig an mich, erinnern, ich war doch ein Stückchen Gevatter . . ." „Ich hab' niemals eine Schwester gehabt." Der Mensch blickrte mich herablassend an. Er seufzte lang und plötzlich rief er giftig aus: ..Sic müssen von einer sehr kleinen, absolut niehtongeschenon Familie stammen . . ." Ich legte seine Worte als Entgelt dafür aus, dal.> ich nicht Goldmann. Goklrtcin, Goldblatt heifö -n wellte, -sondern just Goldberg. Der zerstreute Mensen wollte mich auf Nichts machen. Er hatte irgendwie den Ehrgeiz, zu beweisen, daß er die g'anzc Welt kenne, l.ui ihm dar. bei mir nicht gelungen war, setzte er ärgerlich fort: „Also, Sic stammen aus Warschau? . . Aber niemand kennt Sie hier, denn wenn Sie von etwas Richtigem stammen würden, müßte i c h Sie sicher kennen .. ." Ich bekam Mitleid mit ihm und ließ es dabei bewenden; ja, ich selbst begann ihm einzureden, daß er mich kenne, daß er wisse, wer ich bin. „Lieber Herr" — sagte ich ihm — „Sie wollten mir doch etwas von meiner Schwester erzählen .. . Ein schönes Mädchen gewesen, was? Den Bräutigam, meinen Schwager, haben Sie doch gewiß gekannt . . ." Der Mensch wurde lebhaft. „Der Schwager, lassen Sie nur, wie ist sein Familienname gewesen?" Ich wollte einen Namen zulegen, der sich leicht merken läßt, und mir fiel ein: „Rabinowitsch!" „Rabinowitsch! Uscher Rabinowitsch' Sohn? Ist er doch einer der unsrigen!" „Ja; Uscher Rabinowitsch' Sohn . .." „Er ist, glaub' ich, von den Kiewer... Ja, von den Kiewer oder von den Rownoer . . . Schließlich egal, da ja die Rabinowitsch eine Familie sind.. . Der von den Rownoer hat Chaim geheißen . .. Chaim und Uscher sind Brüder, und einer ist nach Rowno übersiedelt, weil er dort ein Holzgeschäft gehabt hat... es ist wahrscheinlich Chaim gewesen, weil ja Uscher Töchtev gehabt, so ... so ... Jetzt erinnere ich mich schon, was verdrehen Sie mir den Kopf? . . . Wenn ich Ihnen sage, daß ich bei der Hochzeit dabei war... was wollen Sie dann? Was heißt das? Ich erinnere mich noch daran, daß ich einen Rubel Hochzeitsgeschenk gegeben hab' ... Hahaha! Und wissen Sie, daß der alte Goldstein, Ihr Vater, mich herbeigerufen und mir gesagt hat das und jenes, ein Wort gibt das andere ... Er hat Worte sehr gern gehabt . . . Hat gesagt: .Weißt du, Berl, der Bräutigam drängt, er will rasch Hochzeit machen, hahaha!' ..." Und der Mann verfiel in ein sonderbares Lachen, dabei winkte er mir mit einem versteckt-unverständlichen Zeichen eines alten Mannes zu, der irgendwelche Dinge andeuten will... Er war zufrieden damit, daß die erfundenen fremden Namen den Erfolg hatten, den er sich wünschte. Von nun ab störte ich ihn nicht mehr, er nannte mich, wie es ihm paßte: Goldmann, Goldblatt, Goldstein, und manchmal rief er mich sogar mit meinem richtigen Namen Goldberg. KINO'PROGRAMME KREUZ-KINO f, Wollzeile 17 Telephon R -24-2lb" Vorstellungen : t§, %6, V«8, V*10 Der sensationelle Kriminalfilm Verbrecher im Frack mit Warner Baxter und Myrna Loy ROTENTURN I, Fleischmarkt 1 Telephon R-29-1-59 Beginn: *, JA6, ViB, V*10 Elisabeth Bergner in Vedoß htkk nie t SCHWEDEN II, Taborstraße 1 Vitt, V*6, V*8, ValO Telephon A-49-0-60 sThä^fer VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 beginn: Va6, 1A8, 'A10 STAFA, VII Mariahilferstraße 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: 5, 7, 9 Uhr VOTIVPARK IX, VVähringerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: it, JA6, VtB, y«,10 FOOTLIGHT- PARADE Die Revue der schönsten Frauen Der fpannende Wirklichkeitsfilm G-MEN Gangster - Dämmeruns GRETA GARBO — wie noch nie — in mit Herbert Marshall und Warner Oland Beim Abschied nannte er mich plötzlich Rabinowitsch, gab mir Grüße an die halbe Welt von Menschen mit, von denen ich noch nie etwas gehört hatte ... Er nannte mir auch seinen Familiennamen, den ich aber vergessen habe ... Eine Familie, an die sich niemand erinnern konnte .., Und ich glaube, der Mensch habe selbst seinen eigenen Namen verdreht und könne sich an ihn nicht mehr erinnern ... „Gtlud Zirim" ersucht um folgende Verlautbarung: Ein junger Mann, der sich Rosenzweig nennt, aber auch unter anderen Namen auftritt, gibt bei diversen Aemtern und Privatpersonen an, bei uns Hachschar a h gemacht zu haben. Er versucht auf diese Weise, Kleider und finanzielle Unterstützung zu erbetteln. Wir stellen fest, daß dieser Mann mit unserem Verband nicht» zu tun hat, und ersuchen, ihn im Betretungsfalle der Polizei zu übergeben. „Footlight Parade". Amerikas größte Filmschäu trägt diesen Titel, in der die schönsten Tänzerinnen und Schwimmerinnen des ganzen Kontinents vereinigt wurden. Die Hauptrollen spielen James Cagney, der bereits durch den Film „G-Men" in Wien bekannt, ist, Ruby Keeler, die reizende Hauptdarstellerin der „42. Straße". Joan Blondel und Amerikas beliebtester Bonvivant Diele Powell. Die Uraufführung dieses Films findet heute im Schweden-Kino statt. WH r * Seide, Samt ßeinwoll-Stoffe ££ithr:™*l°d|' 2"15 ßeinwoll-Crepe 7-50 für Kleider, 130 cm breit ...... S J Shetland-Boucle cm für Wintermäntel, 140 cm.....S J rre>r\f* I Ainp Reinwollgewebo für C'01 f*rcpC Lamc Kleider, 130crn. . S J Reinwoll-Mantel-Boucle *.90 schwarz oder braun, 110 cm .... S U Mnntel-FlaUSCh dunkelblau, Kein- 7'90 i iuiiici i iau:>v.ii wo||6) 140cm s / Marocain-Flamisol -zm das bevorzugte Material, 90 cm ... S J V -^Pirlpn-Piniu* {ür Blusen, sehr Z'OO k. iciacn Kiguc schön6 Slrcifen s j V\p>\r\(*T.*\r\Tt\\ die große Modo, neue "Z OO KICIUCI Ja 1111 Farben, 70<;m . . S J Cloque fleure S8cmA\le™™le<s 6 °° Plüsche und Fell-Imit. jeder Art, 110-120 cm . . . aufw. v. S U M«ntf»ltlirh «in« Wolle, schwarz n'so i laiucuuui und blaU) 140cm , <s y K.-S.-Duchesse-Satin o-2o für Mantelu. 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