Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 504 (15.10.1935)
- Date
- 1935-10-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 504 Ein lassender aus Amerika Eine spusr'ge Geschichte von A. Koganowsky Sooft jemand von der Gesellschaft einen Brief aus Amerika bekam, entstand ein Lärmen und Laufen. Eine Frau mit auf geschürzten Aermeln und nassen Händen rannte von Zimmer zu Zimmer, hielt einen Brief am Eck des Umschlags. Hinter ihr liefen schnatternde Frauen, und man suchte jemand, der den Brief vorlesen kann. Der geeignetste Vorleser war der Verwalter des Hauses. Er schob sich die Mütze zurecht, legte die crahtgefaßten Brillen weg. blickte auf die Frau, die vor Freude lächelnd strahlte, und begann die Frauen und Kinder wegzujagen, die mitgekommen waren: „Was gifct'r. da? Ein Begräbnis? S:!::.v.t, daß ihr weiterkommt! .. ." „Weshalb roll, Gott behüte, ein Begräbnis sein, panj? Verwalter? Im Gegenteil, eia Freudenfest, ein Brief aus Amerika ..." Der Verwalter trieb alle hinaus, und wenn er mit der Frau alleingeblieben war, nahm er den Brief, betrachtete ihn von allen Seiten und '-.'chzte: ..Ein Brief aus Amerika ... r_: :: ' gleich c?hen, Amerika Ganef ..." ,,Lieber Herr Verwalter, was schreibt man?" „Drängt nicht .. ." Ich will doch bloß, Sie solle:; vorlesen . . ." „Hm ... vorlesen? Was wird da sein? Man wird den Brief lesen und gar nichts davon haben!" „Sollen nur irgendwie ein paar Dollar da sein, Herr Verwalter, will ich's nicht umsonst verlangen . . ." In diesem Augenbliok nahm der Verwalter den Brief aus dem Kuvert, rückte die Brillen zurecht und tat einen Blick. Was ist das? Er schaute und schaute, bald auf die Frau und bald auf den Brief, und sagte plötzlich: „Ja, 'ja. ..." „Was ist, Herr Verwalter?" ,.Es ist nicht gut . . ." „Was ist? Weh m:;-.' Vielleicht eine schlechte ■Nachricht? Weh mir!" „Still, liebe Frau! Es ist gar nichts! Man kann gar nichts wissen, weil es nicht auf jiddisch geschrieben ist, sondern auf englisch ..." „Auf englisch gar? Weh mir!'« ,,Ja, auf englisch ..." Der Verwalter betrachtete nochmals den Brief: „Es ist auf englisch geschrieben. Ihr müßt irgend, wohin gehen, wo man englisch lesen kann. Ich kann euch nur sagen, daß euch Geld zukommt »M und ich glaube, eine Menge Geld ..." „Wenn Sie nicht englisch können, woher wissen Sie es denn?" „Närrische Reden . . . Wenn ich was sag', weiß ich, was ich sag' ... Sie sehen, daß hier am Ende des Briefes eine Ziffer steht, eine große Ziffer . . . Ich hab' Angst, daß es 1000 ist ...! Ein Einser mit drei Nullen ..." Der Verwalter wischte die Brille ab und ließ die Augen auf dem Brief i -.er. „Ja, ein Einser mit drei Nullen ... Ja ... Wenn die dort sich nicht geirrt haben, ist es ein Tausender ... Schauen wir nach, ob der Brief wirklich für euch bestimmt ist ... Ja, die Adresse ist richtig ... Nun lauf t hinauf zum Doktor, vielleicht kann er englisch ... Lauft, steht nicht, schade um jede Minute ..." Die Frau bekam weiße Lippen. Sie fiel fast um, ihre Augen wurden glasig. Von allen Seiten lief und lärmte man. Man überschüttete die Frau mit kaltem Wasser, brachte sie zu sich, und man ging daran, den Brief zu übersetzen. „Das wird ge,wiß eine Erbschaft sein. Wenn es sich um 1000 Dollar handelt? Wißt ihr, wieviel das ausmacht. Vielleicht eine Million ..." „Ich soll's erleben, daß sie mir zur Miete beiträgt. Jeden Augenblick ist sie etwas borgen gekommen, bald Zündhölzer, bald Salz ..." „Und mir gar nichts? Mir? Die ich immer zur Tür geschaut hab am Pessach, wenn sie mit den Mazzes beschäftigt war? ..." •; So ging es zwischen den Nachbarn zur selben Zeit, da der halbe Hof und die halbe Gasse der Frau mit dem Brief nachgelaufen ist. Den ersten Besuch machte die Frau beim Doktor, der in der Nachbargasse wohnte. Die Leute mit der Frau drängten so stark, daß der Arzt fast zerdrückt wurde. „Doktor, mein lieber Herr Doktor, lesen Sie mir cisn Brief vor. Ich werde noch verrückt werden. Was laufen mir die da nach?" Der Doktor verstand kaum, um was es sich handle. Er hielt den Brief und schrie: „Was wollt ihr von mir? Ich kann ja gar nicht englisch ..." „Ein Doktor muß können", rief die Frau. „Man wird Ihnen dafür zahlen ..." Der Doktor nahm alle Kraft zusammen und bat, wie wenn er Räubern in die Hände gefallen wäre: Aber ich kann doch nicht englisch." Nichtsdestoweniger beschäftigte er sich mit dem Brief und fand heraus, daß in dem Brief etwas von wegen Tausend geschrieben steht, die Ziffer 1000, ein Einser mit drei Nullen. Als man den Doktor verließ, begann das rechte Geschrei: „Was hat er gesagt?" „Er hat gesagt, daß tausend ..." Dann lief man zu einem jungen Mann, der in Amerika war. Man belagerte seine Haustür. Aber er war nicht zu Hause. Plötzlich brachte irgend einer eine Uebcrraschung — irgendwo in einem Hof sei ein Amerikaner, soeben als Gast mit seiner Familie angekommen. Die ganze Gesellschaft begab sich mit der Frau, der Besitzerin des Briefes, dorthin. Es dauerte vielleicht eine Stunde, bis man einen jungen Mann mit hellen Hosen, großen, gelben Schuhen und großer, runder amerikanischer Brille, brachte. Die Frau stand zitternd da, während der Amerikaner sich ans Lesen machte. Er las lang. Still war es und alle warteten mit Herzklopfen. Schließlich sagte der Amerikaner: „Nun, was wollen Sie?" „Was heißt, was ich will? Mein Lieber, man sagt doch, daß dort etwas von Tausend steht, weh mir!" „Nun ja, es steht wirklich Tausend. Ich werde Ihnen also den ganzen Brief auf Jk'.clicch vorlesen. Hören Sie: „Teure Tante Pejse! Ihr . . ," „Wozu das? Was schreiben i\c drin von Tausend?" „Ah, Tausend?", lachte der Amerikaner. „Da steht so: Für die Kleine schicken wir tausend Küsse. Tausend Küsse, Sie verstehen!" Die Frau stand mit halboffenem Mund da, ihre Augen schlössen sich. Und die ganze Gesellschaft legte los: „Da hat man das amerikanische Glück, den amerikanischen Treffer!" Amerika, das narrt! Austritte aus dem Judentum Bauer, geb. Schwarz Franziska, geb. 15. II. 1898 Wien, g. g., II. Ferdinandstr. 16. — Mandler Dr. Egon, geb. 25. III. 1902 Wien, led., IV., Margaretenstr. 45. — Kümmclberg, geb. Pollitzer Luzie, geb. 22. IX. 1905 Wien, ger. getr., IV., Belvederegasse 23. — Zuckermann Leo, geb. 16. I. 1900 Wien, verh., II., Lassallestraße 36. — Zuckermann Emilie, geb. Prekop, geb. 31. X. 1909 Wien, verh., II., Lassallestraße 36. — Lechner Helene, geb. 15. II. 1909 Wien, Liesing. — Geiringer Ernst, geb. 1. IX. 1896 Wien, ger. gesch., XLX., Huschkagassc 1. — Eiser, geb. Adler Agathe, geb. 11. IV. 1898 Wien, verw., VIII., Florianigasse 58. — Eiser Herta, geb. 24. X. 1919 Mödling, led., VIII., Florianigasse 58. — Piidles Joseflne, geb. 20. X. 1920 Wien, led., XXI., Fultonstraße 5. — Borger Ilse, geb. 11. VI. 1921 Wien, led., XII., Karl-Toldl-Weg 29. — Sehacherl Erna, geb. 15. X. 1916 Wien, led., Maribor. — Millich Herta, Schauspielerin, geb. 13. V. 1914 Wien, led., I., Lichtenfelsgassc 7. — Weiß, geb. Mahler Hansi, geb. 29. XII. 1910 Wien, ger. getr., I., Kai 25. -- Jcllinrk, geb. Lichtenstein Alice, geb. 20. IX. 1876 Trautenau, verw., I., Schwarzenbergstraße 3. - Horvat Oskar, Kaufmann, geb. 27. VII. 1889 Prag, verh., I., Kärntnerstraße 9. — Arnims! Elvira, geb. 6. IV. 1889 Budapest, led., I., Naglergasse 5. -■- Keller Hertha, geb. 7. V. 1934 Wien, led., V.T., Linke Wienzeile 56. -- Friedmann Hans. Handelsangostollter, geb. 22. VII. Wien, led., VI., Mittelgasse 13. — Lang, geb. Schwitzer Anna, geb. 20. VII. 1895 Wien, ger. gesch., VIII., Langegasse 72. -- Tamboriner, geb. Beck Hedwig, geb. 1. X. 1899 Wien, verh., II., Darwingassr- 37. - Krall Alexander, geb. 7. VII. 1921 Wien, XII., Firmiangassc 53. — Birnbaum Otto, geb. 29. VII. 1910 Wien, ledig, Catania (Sizilien). — Geiger Artur, geb. 17. Dezember .1872 Wien, verwitwet, VIII., Haspingergasse 3. - Kratsclimer geb. Silberstern Elsa, geb. 3. Oktober 1901 Volainc, verheiratet, V., Brandmayergasse 6. — Döri Friedrich, Mittelschüler, geb. 16. Juli 1917 Wien, ledig, I., Schottenring 30. — Szanto Wilma, Kontoristin, geb. 24. November 1909 Wien, ledig, XVI., Kirchstetterngasse 43. — Weiß Hubert, geb. 12. September 1905 Wien, ledig, II., Taborstraße 20. — Hirsch Gisela, geb. 1. Oktober 1912 Wien, ledig, XVI., Hubergasse 14/10. — Krause Ludwig Otto, geb. 13. Oktober 1914, ledig, XIII., Hauptstraße. — Stern Karoline, geb. 29. August 1892 Wien, ledig, XIX., Billrothstraße 38. — Blüh Robert, geb. 12. November 1899 Wien, ledig, XIX., Chimanistraße 22. — Dauer geb. Pelzer Hermine, geb. 25. November 1919 Wien, ledig, XIV., Rustengasse 9. - Fichtenbaum Josef, geb. 7. Oktober 1904 Wien, verheiratet, VIII., Langegas.se 21. — Friedmann Erich, geb. 6. Oktober 1913 Wien, ledig, IX., Währingerstraße 61. — Engel Margarete, geb. 24. August 1911 Wien, ledig, III., Erdbergstraße 99. — Marcus Rosa Judith, geb. 11. August 1878 Wien, angebl. verwitwet, III., Messenhausergasse 14. — Storch Cornelia, Zeichnerin, geb. 29. April 1900 Wien, ledig, III., Kegelgasse 45. — Kerncr Anna, Ambulanzschwester, geb. 15. März 1901 Wien, ledig, VIII., Kochgasse 16. — Korn Selma, geb. 12. März 1917 Wien, ledig, II., Kaiserwasserstraße 36. >— Grünbaum geb. Filip Julie Marie, geb. 21. Mai 1905 Ustron, ger. geschieden., XIII., Iheringgasse 17/5. — Lerner Josefa Klara, geb. 25. Oktober 1896 Wien, verwitwet, X., Angeligasse 105. — Popper Alice, Kontoristin, geb. 6. August 1902 Brünn, ledig, VII., Faßziehergasae 5. — Schinka Hubert, Realschüler, geb. 14. März 1921 Wien, ledig, X., Johannitergasse 7. Fi-entümer Verleger Herausgeber und verantwortlicher. Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. Drufikj; ßsafikgrii- «ad Xfiitog(-A*-.G, Igoag Steinmajui, beide .Wien, fcjee«umer, verirr, ntiau**, . •*» j. t - UjUyersittttfiStjfflßfi 6^8, j