Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 501 (27.9.1935)
- Date
- 1935-09-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WEL1 Nr. 501 Chargenhfife Uhlanen-, Offiziers-, Polen-, Russenkappen, Jakobinermützen — sie alle nenne ich Chargenkappen, sagt Frau Krieser, die Wiener Hutmodelleurin par excellence. Für den Abend mache ich Häubchen aus Filz, Samt usw.; aber streng nach dem Gesicht, auf dem Kopfe geformt für Damen mit gescheiteltem Haar; doch trägt man auch in die Stirn geschwungene Krempen. HutnuKtetbabn PQCJ STPIPQKP Margaretenstraße 31,Telephon B-20-8-3& Protcstmeeti'ng in Holland Aus Amsterdam: Der vom Komitee für besondre jüdische Interessen im Apollo-Saal zu Amsterdam veranstalteten Kundgebung gegen die Nürnberger Judengesetze wohnten weit mehr als 6000 Juden und Nichtjuden bei, während Tausende wegen Platzmangels nicht teilnehmen konnten. Der Präsident des veranstaltenden Komitees und der Aschkenasischen Gemeinde Hollands, A. Asse her, und der Oberrabbiner von Amsterdam, L. H. S a r 1 o u i s, sprachen von den ewigen Werten des Judentums, die durch einen Streicher oder Rosenberg nicht herabgewürdigt werden können. Der christliche Geistliche und Theologie-Professor an der Universität Amsterdam, Dr. A. H. de Hartogh, führte aus, Israel sei ein Gottesvolk; er beendete seine Ansprache mit den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Worten: „Heil Israel!" Der katholische Geistliche Drost aus Rotterdam erklärte: Wir Christen spüren das Böse, das den Juden angetan wird, als wäre es uns selbst zugefügt. Der protestantische Geistliche J. J. B u s k e s erklärte, der Gott, in dessen Namen Göring spricht, sei ein Popanz, der nichts zu tun hat mit dem Gottc Abrahams, Isaaks und Jaakobs. Der Vizepräsident des Obersten Gerichts im Hagg, Dr. L. E. Visaer, erklärte, die Nürnberger Gesetze seien keine Gesetze, sondern nur eine Kodifizierung des Hasses. Leibesverstopfung, abnormale Zersetzung und Fäulnis im Darm, vermehrter Säuregehalt des Magensaftes vergehen bei Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef'-Bitterwassers sicher und schnell. Nach einer Ansprache von Prof. Dr. D. Cohen wurde eine Resolution gefaßt, in der an alle Völker appelliert wird, das Unrecht, welches in Deutschland einer wehrlosen Minderheit zugefügt wird, wieder gutzumachen. Sympathiekundgebungen von der Gemeinde der Juden Niederländisch-Ostindiens, von der liberalen Staatspartei und der Sozialdemokratischen Partei wurden verlesen. Bund jüdischer Legionäre der Tschechoslowakei Aus Prag (J. T. A.): Im Prager Gemeindehaus fand unter großer Beteiligung die konstituierende Generalversammlung des Freundeskreises der tschechoslowakischen Legionäre jüdischer Abkunft statt. Nach Eröffnung der Sitzung durch Dr. Otakar Guth folgten Kundgebungen des Generals i. R. R a s e und von Vertretern der Legionärgemeinde und des Unabhängigen Legionärverbandes. Zum Vorsitzenden der neuen Organisation wurde Dr. Guth gewählt, zum Vorsitzenden- Stellvertreter der Oberstleutnant der schechoslowakischen Legionen Obersanitätsrat Dr. B ä u m e 1. Der Freundeskreis der tschechoslowakischen Legionäre jüdischer Abkunft bezweckt die Erhaltung der Legionärtradition und die Verbreitung des Gedankens des tschechoslowakischen Abwehrkampfes im Ausland auch in den jüdischen Kreisen. Verfolgung illegaler Einwanderer Aus Jerusalem (J. T. A.): Die arabische Tageszeitung „Falastin" berichtet, daß von der syrischen Grenzwache 13 Juden verhaftet worden seien, die versucht hätten, die Grenze Palästinas ohne Visum zu überschreiten. Weitere sieben illegale Einwanderer seien in Ras-el-Nakura verhaftet worden. Der französische Oberkommissär von Syrien habe eine verstärkte Bewachung der syrisch-palästinensischen Grenze angeordnet. Acht Juden aus Rußland, die illegal nach Palästina einwandern wollten, wurden an der syrischen Grenze festgenommen. Das Gericht in Jaffa hat den abessinischen Juden Gabriel ben Gabriel, der illegal nach Palästina gekommen war, zu einem Monat Gefängnis mit nachfolgender Landesverweisung verurteilt. Von den illegalen Einwanderern im Gefängnis von Akko, die vor kurzem einen Hungerstreik durchgeführt haben, sind sechs freigelassen worden. Für die übrigen ist die Hinterlegung der erforderlichen Kaution noch nicht erfolgt. Rabbiner Dr. Josef Babad u. Frau Klagenfurt wünschen allen Gemeindemitgliedcrn, Freunden und Bekannten ,-;2ia ne\n,*n nzvis Kommerzialrat Franz Benedek und Frau Fohnsdorf gratulieren allen Verwandten, Freunden und Gesinnungsgenossen Provinzsekretariat der Judenstaatspartei wünscht allen Gesinnungsgenossen nmo nöTim na^na Ortsgruppe Graz der Judenstaatspartei gratuliert allen Mitgliedern und Freunden zum Jahreswechsel Kultusvorsteher Max fchifff mann II, Taborstraße 44 wünscht allen Verwandten, Freunden und Bekannten anläßlich des Jahreswechsels nsits nawi ro-ro Brüder Schiffmann II, Taborstraße 48 gratulieren allen Kunden, Verioandtcn und Bekannten zum Neuen Jahre Jüdische /äUtsiiet^fUeU Sensationsgastspiel J&t RiCidOUll (jvofe lltocU-Uasckatä-Vx&nietz „Jüdische Künstlerspiele" (IL, Praterstraße 34, Tel. R-45-4-94). Als Rosch-Haschana- Premiere findet Sonntag, den 29. September, lA 9 Uhr die Erstaufführung des romantischen Traumspiels „D e r fröhliche Zigeuner" in drei Akten von S. Kohn statt. Jac Rechtzeit, der jüdisch-amerikanische Star, wird anläßlich unserer Feiertage besondere Ueberraschungen bieten, indem er in zwölf Sprachen das Publikum zu Lachstürmen hinreißen wird. — Es wird gebeten, sich für die Rosch-Haschana-Premiere rechtzeitig mit Karten zu versorgen. Das Stück bleibt bis inklusive 7. Oktober auf dem Spielplan. Direktor J. Goldfließ entbietet allen Theaterbesuchern und Freunden eine naits navim nrra mi\XMmnm],MMw«. Untersuchung der Augen u. Verordnung passender Augengläser. Ununterbrochen von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends geöffnet KOSTENLOS unter Leitung dMAugaaantM Harro Doktor P0B0RSXI. (Telephon R 27-0-43) Brillen -vom & auf-w. Vom akademischen Völkerbundverband Aus Genf: Der 12. Kongreß des Weltverbandes der akademischen Völkerbundvereinigung hat mit Einstimmigkeit der zwanzig anwesenden Delegationen dem Aufnahmegesuch des „Verbandes der palästinensischen Studentenschaft für den Völkerbund" entsprochen. An den Verhandlungen nahmen bereits als Vertreter der palästinensischen Gruppe A, Arazi und D. S h e r regen Anteil. Um der deutschen Gruppe entgegenzukommen, änderte man den Namen des „Weltverbnades der akademischen Völkerbundvereinigung" in „Weltverband der akademischen Vereinigungen für die Grundsätze des Völkerbundes" um. Daraufhin kündigte die französische Vereinigung ihren Austritt aus dem Weltverband an. Billigste Reisen nach PALÄSTINA und ÄGYPTEN durch Palestine & Orient Lloyd Generalvertretung tür Oesterreich: »NORDISCHES REISEBÜRO« (Reiseleitung N. M. Racker), Wien 1/ Am Graben 10, Telephon R-24-2-30 hebet* BäkUtidtastk Eine Szene von B. K o w n (New York) Da tritt plötzlich ein Kerl von dreißig Jahren, hochgewachsen, kräftig und gesund, it^ einer dicken Zigarre im Mund, in einen Beth Midrasc^ wo frommo Juden sitzen und lernen und sich wieget und schaukeln wie das Singen des Windes in warmvr Sommernacht. Er nimmt aus seiner Tasche einen hinkenden Revolver und ruft die Lernenden an: „Who is the monk that rounce this joint?" Die Juden erschrecken, werden bleich die Wand und erwidern kein Wort. Sie verstehen die Sprache nicht. Sie kommen zu sich und lernen weilcr und wiegen sich wie früher. Der Gangster stellt wiederum dieselbe Frage: ,,Who is the monk that rounce this joint?" Einer der Lernenden sagt zu den anderen: „Gebt ihm alles hin und soll er zum Teufel gehen!" Und der Kerl stellt immer dieselbe Frage, jetzt aber schon böse: „Who is the monk that rounce this joint?" Da erscheint aus dem Nebenzimmer der Schammes des Beth Midrasch, ein hageres Männchen mit einem schütteren Bärtchen, mit einem hervorstehenden Adamsapfel, und fragt den Gangster: „Mister, Sie wünschen etwas? Sagen Sie, was Sie brauchen. Wir müssen bald ans Mincha-Gebct heran." Der Gangster zuckt mit seinem Revolver an des Schammes Nase herum und fragt: „Are you the monk that rounce this joint?" Der Schammes blickt verwundert auf den Gangster und sagt: „Ha? Sie sagen etwas? Haben Sie gar Pistolen zu verkaufen? Wir sind keine Abnehmer für diese Ware. Wir usen (brauchen) es nicht ... Was wollen Sie?" Der Gangster gerät in Wut und schreit aus: „You heard me; so, you are the monk that rounce this joint?" Der Schammes zittert wie ein Blatt, steht mit eingebogenen Knien da und fragt: „Was ist das für eine Sprache? Sic reden kein Jiddisch?" Der Gangster sagt streng: „Come on, pope! Stop give me the workers, make it snappy!" Die Juden, bleich vor Schreck, bitten den Schammes: „Gebt ihm, was er will, und laßt ihn gehen. Es ist schon Zeit, Mincha zu beten." Der Gangster, wütend: Listen here, monk (er spuckt aus) you know, my old man kickeci the bocked ... So, I got to see something ... oh, yec, I forgot the sacred shawl ... I got it ... Something lake kaddisch ... I dont know ... (Er spuckt wieder aus.) Der Schammes hört ihn zu Ende und faßt sich: „Oh, Sie haben gar Jahrzeit nach Ihrem Vater! Sio wollen, heißt das, Kaddisch nach ihm sagen! Das hätten Sie doch gleich sagen können! Wozu fuchteln Sie mit einem Revolver herum? Wer braucht einen Revolver zum Kaddisch-Sagen? ... Auch ich sag' Kaddisch, aber ohne Revolver ..." Der Gangster wird ungeduldig und ruft aus: ,,Heh, pope, make it snappy! Here is a slog and knock me of a Kaddish, but make it sure, that the old man heard its ..." Der Schammes nimmt den Dollar und dankt ihm: „Danke, danke, Gott möge Sie beschützen, wohin immer Sie sich wenden. Wohl dem Vater, der solch einen Kaddischsager zurückläßt ... Er wird gewiß dort drüben im Paradies selig werden Gehen Sie gesunderheit nach Hause, ich will schon die Sache in Ordnung bringen ..." Der Gangster gibt dem Schammes einen Schlag auf die Schulter: „O key, pope, here is an other bog .. Und er verläßt zufrieden den Beth Midrasch. Die Juden blicken ihm nach: „Wie konnte man wissen, daß solch ein braver Sohn sich mit einem Revolver in der Hand herumschleppen wird." Der Schammes lächelt und sagt: „Juden, geh'n wir zu Minche, es ist schon spät." Ihr Heim sich mit wenig Geld elegant und gemütlich herzurichten, bietet Ihnen Weit/mer, VI., Mariahilferstraßc 105, IV., Wiedner Hauptstraße 10. J. Boucle-Teppich, 2X3 groß S 39.—, Velours- und Axminster-Teppichc S 78.—, Netzstoffe S 1.68, Indanthrenstoffe a*b S 1.95, Seidensteppdeck* S 12.50, Stores, Handarbeit S 4.50 bis S 12.—, Doppelbett-, decke S 12.— bis S 24.—, Laufteppiche, ind. Boucle, per Meter 3.90, Bettvorleger S 3.70 usw. Fehlerhafte Teppiche, Velours, 3 X4 groß S 60.—, echter Smyrna, 350 X 450 S 160.—, echte Perser ab S 25.— und S 58.—, BanyaL Teppiche billigst. Hauslehrer, Hofmeister für alle Miüelscliultypeii, mit Kenntnissen fremder Sprachen, vermittelt prompt und unenttfoltlieh der jüdische IlochschulaiiHHchuU, Wien, IX., Alaerstmße ^G, Tel. A-25-2-28. von I bU 1 Uhr.