Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 500 (24.9.1935)
- Date
- 1935-09-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 10 Groschen lafirgang 9 Mntffog, tfeil September 1935 Nf* 500 V. b- In ___ ^^^^^^H HFIII-i NEUE W Zeitung vom Verleger versendet „Journal expSdle par l'ßditeur" VniV{ erSit*t«bibU{ REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Marie 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag ttoseee tMsie Auslote erscheint Freitag, den 27. September atdäßütk Resck Hasätma in vergrößertem Umfang u. reich illustriert zum normalen Preis von 20 g Weltpolitik der Woche Seit Monaten wird die Weltöffentlichkeit vor das Problem gestellt zu erraten, welchen Spannungsgrad das Verhältnis-Dreieck England-Italien-Abessinien erreicht hat, wobei die Terminologie der Diplomaten zur Richtschnur für die Beurteilung der Lage gemacht wird. Das Barometer der Krise wird je nach Sympathie und Antipathie stündlich von neuem abgelesen, und die nervösen Zeitungsleser haben sich endlich zur Erkenntnis durchgedrungen, daß man den Morgen nicht vor dem Abend-Blatt loben dürfe. Im übrigen aber kümmern sie sich wenig um die Genfer Details; es ist ihnen gleichgültig, ob das ,,Fünferkomitee" gesprochen habe oder der einzig ausschlaggebende „Rat", ob ein „Lösungsversuch" gegeben wurde oder bloß eine „Anregung". Es geht ihnen um die Frage, ob — Krieg wrid. Zurzeit wird weiterverhandelt. Das Meer rauscht unter den es durchfurchenden Kriegsschiffen, bei Gibraltar, Malta, Haifa und Suez sind Symbole des britischen Imperiums sichtbar geworden, während die Italiener bei Libyen und Erythrea, in der Nachbarschaft Aegyptens, tätig sind. Und da hier England eine politische Empfindlichkeit zeigt wie sonst nirgends im Bereich seiner Macht, ist es zur Konfrontierung der englischen und italienischen Aspirationen gekommen. England erlaubt Italien eine Expansion nur bis zu einem bestimmten Ausmaß. Darüber hinaus läßt es keinen Machtzuwachs zu. Deswegen ist ein Krieg Italiens gegen Abessinien sinnlos. Was für Italien erreichbar ist, ist durch Verhandlungen erreichbar. Jeder Krieg mündet in einen Friedensschluß. Wenn Italien seine militärischen Operationen beendet hat, muß es sich mit dem Negus an den Verhandlungstisch setzen. An diesem Tisch wird ohne jeden Zweifel auch England — und zwar als Vorsitzender — sitzen. Vorläufig sind die Machtverhältnisse so. Italien wird also nach dem Krieg vor derselben Situation stehen wie heute, dazu noch geschwächt an Menschen, Kriegsmaterial und Geld. Nur jemand, der die Geschichte und Englands politischen Charakter nicht kennt, kann glauben, daß Italiens Position gegenüber England nach einer Okkupation Abessiniens günstiger sein wird. Gefehlt. Da die Stoßrichtung der italienischen Expansion englische Interessensphären an der heikelsten Stelle des Weltbereiches berührt, so wird englischerseits so radikal wie möglich vorgegangen werden. England wird alle seine Mittel, seine politischen und militärischen und moralischen, anwenden, um jeder Gefahr rings um den Suezkanal zu begegnen; es wird zu einem gewaltigen Stoß ansetzen, um seine Weitmachtstellung, von deren Abbröckelung seit einem Jahrzehnt gefabelt wird, äugen sichtlich zu demonstrieren. Seine politischen Mittel sind die scheinbaren Bemühungen zum Schutz der Farbigen; seine militärischen die Flotte und die Stützpunkte, seine moralischen der Völkerbund, den England jetzt favorisiert und respektiert, weil er seinen Interessen in der Frage Italien—Abessinien entgegenkommt. Diese Frage wird wohl friedlich gelöst werden. Zur Stunde, da diese Betrachtung geschrieben wird, läßt sich ein Friedensschimmer auf dem Horizont erblicken. England hat seinen Gegner Italien müde gemacht. Der nordischen Kühle ist das romanische Temperament auf die Dauer nicht gewachsen. Nach wie vor fallen die vorderasiatischen Entscheidungen kraft Englands Willen. Das ist die wichtigste Erkenntnis, die uns aus den diplomatischen Manövern der letzten Monate erflossen ist. Im Augenblick, wo das abessinischc Abenteuer Üifliiidiert ist, wird sich England mitsamt seinen Alfred Rosenberg hat gesiegt Die deutschen Juden — keine nationale Minderheit Wir haben in unserer letzten Ausgabe davor gewarnt, die von den deutschen Nachrichtenstellen verbreitete Kunde, daß die Hitler-Regierung die Juden fortab als nationale Minderheit behandeln, also — wie das so schön gesagt wurde — eine „erträgliche Lösung in der jüdischnationalen, zionistischen Richtung" finden will, ernst zu nehmen. Unsere Warnung hat prompteste Bestätigung erfahren. Kaum 48 Stunden paradierte die Legende in der Presse. Sie war ja nur von nationalsozialistischen Zeitungsschreibern in die Welt gesetzt worden, um da3 erste Entsetzen des Auslandes über die Nürnberger Judengesetze abzudämpfen. Nationales Minderheitsrecht ist ja nicht, wie insbesondere die jüdische Assimilation gegenüber dem Zionismus behauptet, m i nderes Recht, sondern vor der Willkür der andersnationalen Majorität ausdrücklich geschützte staatsbürgerliche Gleichberechtigung. Die Hitler-Regierung denkt daher natürlich nicht daran, die Juden in den Stand einer nationalen Minderheit zu versetzen. Das.. hat im Jahre 1933, als sie noch dem Völkerbunde Angehörte, ihr Vertreter in Genf mit allem Nachdrucke erklärt. Das hat auch Alfred Rosenberg, der Kulturdiktator des Dritten Reiches, in Nürnberg selbst vor: Verkündung der Judengesetze gesagt: Die Juden sind keine Nation, sondern bilden eine einzigartige Gemeinschaft blutbedingten Verbrechertums, das wohl ausgerottet werden muß, aber keineswegs unter nationales Minderheitsrecht gestellt werden darf. Was die offiziellen Zeitungsschreiber von Minderheitsrechten gefaselt haben, ist verflogen. Alfred Rosenberg hat natürlich gesiegt! * Aus Berlin wird gemeldet: Die „Nationalsozialistische Korrespondenz", die maßgebende Stimme der nationalsozialistischen Parteiführung, korrigiert in einer Betrachtung über die verkündeten Rassengesetze die ersten Kommentare der reichsdeutschen Presse, wonach die Juden von nun ab eine Minderheit wären. Das Verhalten des Deutschtums zum Judentum, so heißt es da, verlangt eine Sonderregelung, weil die Juden unter den Völkern eine Sonderstellung einnehmen. Der Jude sei zwar Gast in Deutschland, wie der nichtjüdische Fremde, aber er sei Gast in einem a ndern Sinne, weil er kein andres Territorium als Vaterland habe. Er gehöre zwar zu einer Minderheit, aber diese Minderheit sei nicht eine Minderheit in völkerrechtlichem Sinne. Denn während den Minderheiten Gleichberechtigung zugebilligt werde, werden die Juden von dieser Gleichberechtigung ausgeschlossen. Die „Nationalsozialistische Korrespondenz" betont ausdrücklich, daß die verkündeten Gesetze nur eine Regelung der Beziehungen zwischen Ariern und Juden brächten. Daraus zu folgern, daß Mischehen zwischen Deutschen und Nichtariern und sonstigen Fremdrassigen gestattet sind, wäre falsch. Diese Fragen konnten nur noch nicht im Rahmen dieses Gesetzes geregelt werden. Die „Nationalsozialistische Korrespondenz" zerstört somit hier die Hoffnung der deutschen Nichtarier — siesollen nach nationalsoziali- ,.Freunden" wieder Europa zuwenden. Europa und dem Vordem Orient. In Europa wird die Frage des Donaupakts, also der Sicherung Oesterreichs, aktuell werden, im Vordem Orient wird Palästina auf die Tagesordnung kommen. Beide Fragen müssen uns vom zionistischen Gesichtspunkt tief berühren. Ein befriedetes Mitteleuropa gibt uns die Möglichkeit, unsere Position — vor allem gegen Hitler-Deutschland — zu befestigen. Und ein Palästina, das England immer mehr als Terrain für die Wahrung seiner ägyptisch-indischen Interessen ausbaut, muß uns den Schlüssel zu einer vernünftigen, zielbewußten z i onistischen Politik geben — gegenüber den Engländern und den Arabern. o. r. stischen Angaben mehr als zwei Millionen ausmachen —, daß ihnen, wenn ihnen auch die meisten Berufe verschlossen sind, doch wenigstens die Ausstoßung aus dem Volke erspart bleiben werde. Diese Absicht, auch die Nichtarier abzusondern, bestand schon immer, wie ja aus der Tatsache hervorgeht, daß man die Deutschen mit jüdischem Bluteinschlag nicht als Deutsche, sondern als Juden bezeichnet. In welch schwieriger Lage sich gerade diese christlichen Nichtarier befinden, beweist ein Fall, über den in den letzten Tagen in Berlin gesprochen wurde. Ein Nichtarier, das heißt ein Deutscher von teilweise jüdischer Abstammung, wollte eine Jüdin heiraten; dies wurde ihm verwehrt mit der Begründüng, daß er damit der Verstärkung des jüdischen Blutes Vorschub leiste. Seiner Schwester, die dagegen einen Arier heiraten wollte, wurde dies erst recht verboten. Man erwartet in Deutschland nun für die nächste Zeit die angekündigten Durchführungsbestimmungen zu den Rassegesetzen, die Festsetzung der in Aussicht gestellten Strafen für die Eingehung von Mischehen, für , „Rassenschande" und „Rassenschändung", die neuesten Begriffe des deutschen Rechtes. Man kann darüber nur Mutmaßungen anstellen. Daß man sie aber zu den schwersten Verbrechen stempeln wird, steht außer Zweifel. Aus den bisherigen Vorentwürfen, zum Beispiel dem des ehemaligen deutschen Justizministers und jetzigen Reichsministers Kerrl, kann man «ich ein ungefähres Bild von diesen Durchführungsbestimmungen machen. * Es ist notwendig, bei dieser traurigen Gelegenheit auf den verhängnisvollen Irrtum der jüdischen Assimilation nachdrücklichst zu verweisen. Die national eingestellten Zionisten haben immer und überall für jüdischnationales Minderheitsrecht gekämpft. Assimilatorische und leider auch gewisse zionistische Juden, die Juden Deutschlands allen voran, haben diesem Bestreben den Krieg verkündet und es als Vorschubleistung für den Antisemitismus förmlich gebrandmarkt. Jetzt erweist sich, daß der radikalste Antisemitismus die jüdischen Minderheitsrechte ebenso entschieden ablehnt, weil sie den Juden Schutz und Gleichberechtigung garan-r tieren. Also: In Ansehung der nationalen Minderheitsrechte befinden sich nicht nationale Juden und Antisemiten auf gleicher Linie, sondern — wie das deutsche Beispiel jetzt so augenscheinlich lehrt — radikaler Antisemitismus und jüdische Assimilation. Nicht der nationale Zionismus, sondern seine Gegner sind in eine fürchterliche Gemeinschaft geraten. mit dem Luxusexpreßdampfer 91 (26.000 Tonnen) ab Triest . . . 3C. September an Haifa ... 3. Oktober an Alexandrien 4. Oktober Auskaufte: Gsneraiagentur Wien I, Mimmm i U-47-5-60 U-47-5.60 FL-oWERiyMITE^^U^^