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Die neue Welt · 1935-09-20 · Heft 499 (20.9.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 499 (20.9.1935)
Date
1935-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgano 9 Freitag/ den 20« &pfeinher 1935 Nr. 499 V. In »♦ ^■ — ■■i— Ntur Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediö par lediteur" Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig ö 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljahrig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8,7ei. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Vorübergehende Panik in Palästina Geldabhebungen und Hamstere. Aua Tel-Aviv wird uns berichtet: Die unsichere Internationale politische Lage, die sich aus dem italienisch-abessinischen Konflikt ergeben hat, wie die gespannten englisch-italienischen Beziehungen haben im Verlaufe der letzten Woche Unruhe in der palästinensischen Oeffentlichkeit hervorgerufen, die sich in der Abhebung von Bankdepositen äußerte. Die Nervosität ging von der arabischen Bevölkerung aus. Die arabische Presse sprach unverblümt vom Ausbruch eines neuen Weltkrieges. In der Erinnerung an den letzten Weltkrieg, in dem Palästina ohne Nahrungsmittel gelassen wurde, begannen die Araber Lebensmittel zu kaufen, ihr Geld von den Banken zurückzuziehen upd Gold zu kaufen. Gewisse Nahrungsmittel stiegen im Preise und auch für Goldmünzen ergaben sich erhebliche Preissteigerungen. Die Unruhe beschränkte sich schließlich nicht auf die arabische Bevölkerung, sondern ergriff auch gewisse Kreise der jüdischen Einwohner, die auf Gerüchte in den Straßen hin bei den Banken Geld abhoben. Die Unruhe und Nervosität hat die gutfundierte Basis der palästinensischen Wirtschaft unberührt gelassen. Die großen Unternehmungen und die europäischen Kaufleute, die über die erforderliche Sachkenntnis und Urteilsfähigkeit verfügen, blieben von der Nervosität gewisser Schichten verschont. . Es handelte sich um eine Unruhe ohne jede sachliche Begründung. Wenn zwischen Italien und Abessinien ein Krieg ausbrechen sollte, so hätte dieser für Palästina überhaupt keine unmittelbaren Folgen. Die indirekten Rückwirkungen dieses Krieges auf die palästinensische Wirtschaft bewegen sich '■ aber durchaus in k o n j u n kkuriai-n regender Richtung. Gewisse Preisbefestigungen auf dem Waren-, Frachten- und insbesondere dem OrängennVarHt sind Faktoren, die" •' haussierend wirken. Auf die außerordentliche- Liquidität der palästinensischen Wirtschaft. braucht kaum besonders hingewiesen zu werden. Das.Bankwesen des Landes ist durch seine beiden größten Institute, bei denen gleichzeitig die Liquiditätsreserven der übrigen Banken angelegt sind, aufs engste mit dem englischen Geld- und Kapitalmarkt verbunden.- Die' Währung des Landes ist zu weit über 100 Prozent durch britische Staats- Rapiere gedeckt. Die Palästina-Regierung verfügt bekanntlich über Budgetreserven, die zur Zeit die Höhe von 6 Millionen Pfund Sterling erreicht haben dürften. Die Stärke des palästinensischen Bankwesens wurde in diesen Tagen der Nervosität und ..Unruhe unter Beweis gestellt. Durch sie wurde in erster Linie der Nervosität ein Ende gemacht. Hunderttausende von Pfunden wurden von den Banken zurückgezogen und nicht eine einzige — nicht einmal die kleinste — Bank verweigerte die Auszahlung auf das erste Verlangen hin. Wie wir erfahren, haben die Banken auf Wunsch hin sogar die auf feste Termine angelegten Depositen ausgezahlt. Die Depositenzurückziehung war nicht gleichmäßig auf alle Banken verteilt. An einigen Banken ging die Nervosität vollständig vorbei, bei anderen Banken äußerte sie sich verhältnisniäßig stark. Die Banken. blieben vollkommen Herren der Situation. Es ist auch bemerkenswert, Aß die große englische Barel ay's Bank sich vom ersten Moment an bereit hielt, den kleinen Banken nötigenfalls zu Hilfe zu kommen. Das Guvernment Treasury befand sich ebenfalls in ständiger Fühlung mit den Banken und beobachtete die Entwicklung der Situation. Zu Beginn dieser Woche beruhigte sich die Lage und das Wirtschaftsleben nahm wieder seinen normalen Lauf an. ' (Palnews.) Zionismus und Hitler-Deutschland Transfer oand ,,$u4enqe§etze" Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Hier fand eine gemeinsame Sitzung des \V a a fl Leuini (Jüdischer Nationalrai) und der Vorsteher des Palästina«Konütees. für den antideutschen Boykott statt. Auf dieser Sitzung wurde die Frage des Transfer im Zusammenhang mit den neuen, auf dem Nürnberger Reichstag verkündeten „-1 ugundgesetzen" behandelt Als Resultat dieser Aussprache; hat der Waad Leumi beschlossen, seine Mitglieder von der „Haavera", der Gesellschaft zur Durchführung des Transfer in Palästina» a b z u b e r u f e n. (Anm. d. Red.: In Luzcrn hat auf Grund eines Beschlusses die Zionistische Organisation mit ihren nationalen Institutionen die Kontrolle und Verantwortung für das Transfer-Geschäft mit Deutschland übernommen. Jetzt, laut vorstehender Meldung, lehnt die höchste nationale Instanz Palästinas, der Waad Leirmi,'jede Berührung von Geschäften mit dem Dritten Reiqh ,ab. Es ist also eine höchst sonderbare Situation entstanden, die bald geklärt werden muß.). Die jüdischen Gegner des nationalpolitischen Herzl-Zionismus haben von Anbeginn diese Bewegung als „Konzession an den Antisemitismus" zu diskreditieren versucht und jede von irgend einer nichtjüdischen Seite erfolgte Anerkennung des Zionismus als diesen belastendes Moment gewertet. Auch jetzt verweisen jüdisch-assimilatorische Zeitungen voll Erbitterung darauf, daß die Hitler-Leute für die jüdischnationale und zionistische Bewegung andere und mildere Töne übrig haben als für die jüdisch-assimilatorische, und daß auch die Behandlung der zionistischen einerseits und der jüdisch-assimilatorischen Organisationen anderseits im Dritten Reich eine verschiedene ist. Die billigste Feiertags-Reise na«. Polen uCzernowitz Abfahrt: 22. u. 25. September. Rückfahrt: 9. i». 21. Oktober Fahrpreis- Wien—Czemawili—Wien $ 100.—, Wien Lemberg-Wien S 80.— mit Ausreisebewilligung „FRANCOPQL", Wien III, Rennweg 1. Tel. IM6-A.90 Solche Differenzen sind wirklich festzustellen. Zionistische Versammlungen, welche die Ueberführung von Juden nach Palästina zum Gegenstand haben, sind erläubt, sonstige jüdische Zusammenkünfte, in welchen die Verbundenheit der Juden mit Deutschland auch nur angedeutet werden könnte, sind untersagt. Ebenso wird der zionistischen Presse ein größeres Maß von Bewegungsfreiheit gewährt. Auch liegen offizielle Auslassungen. des Nationalsozialismus vor, in welchen mehr oder minder deutlich zum Ausdruck kommt, daß in der Richtung des Zionismus ein gewisser Ausgleich zwischen Nationalsozialismus und Judentum gefunden werden könnte. Solche Stimmen waren gerade in letzter Zeit zu vernehmen. *am*g* von der täglichen Qua ist die sanft-scharfe SKOG^.t-j-^ati.. «jof.»a'.-_iA Aus Anlaß der neuen Schulgesetzgebung im Dritten Reich, welche die radikale Absonderung der jüdischen Kinder zum Inhalt hat, schreibt die ,,Nationalsozialistische Parteikorrespon« denz": „Das Gesetz bedeutet — das sei insbesondere dem Auslände gegenüber hervorgehoben — keine Härte gegen die Juden, denn es wird ihnen ja die Möglichkeit gegeben, ihre Kinder in besonderen Schulen ihrer Art gemäß zu erziehen ... Wären die Juden wie andere Nichtarier irgendwo in der Welt in einem Staat zusammengeschlossen und hielten sich nur einzelne von ihnen in Deutschland auf, so würde auch bei ihnen eine Trennung nicht nöti" sein." In einer Betrachtung über den Luzerner Zionistenkongreß sagt Hitlers „Völkischer Beobachter" in Uebereinstimmung mit dem amerikanischen Zionistenführer Dr. Wise, daß die Juden in Deutschland nicht ihren Status als Staatsbürger verloren hätten, wenn sie sich nicht als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, sondern als sich selbst achtende deutsche Juden angesehen, hätten. Das Blatt schließt mit der Feststellung, daß der„Zion'ismus einen Weg einschlagen will, der wenigstens eine erträgliche Lösung (der Judenfrage) ahnen läßt". Nach den judenfeindlichen Reden Hitlers und anderer Führer auf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP, verbreitete das offizielle „Deutsche Nach* r richtenbüro" einen offenbar für das Ausland bestimmten Artikel, in welchem das Judenproblem wesentlich anders und verhältnismäßig milde behandelt wird. Der Grundgedanke der Rede Hitlers und der Judengesetze ist, so heißt es in dem Artikel, die Juden in Deutschland als nationale Minderheit zusammenzufassen. Gegen die Juden, welche Angehörige des jüdischen Volkes sein wollen und danach handeln, haben die Nationalsozialisten nichts einzuwenden: Sie lehnen es nur ab, den Juden als deutschen Volksgenossen anzuerkennen. Schließlich heißt es: „Wie auch auf dem Zionistenkongreß in dbr Schweiz festgestellt worden sei, handelt es sich beim Judentum nicht nur um eine Religion, sondern um ein eigenes Volk. Deutschland kommt jetzt den Forderungen des Zionistenkongresses nach. Die jüdische Minderheit in Deutschland erhält durch die neuen Gesetze ihr eigenes Kulturleben und könne sich auf jedem kulturellen Gebiet f r e betätigen ... Deutschland fördert dadurch die Volkswerdung des Judentums und trägt dazu bei, das Verhältnis zwischen beiden Nationen erträglich e r zu gestalten." ' Es ist begreiflich, daß solche und ähnliche Aeußerungen^d^^und dort und besonders auf wenig orientierter oder befangener Seite den Eindruck hervorrufen, als bestünden zwischen Hitler- Deutschtum und Zionismus gewisse Gemeinsamkeiten in Weg und Ziel: besonders auf jüdisch-assimilatorischer Seite, wo man angesichts des Zusammenbruches aller alten Anschauungen und Hoffnungen förmlich den Kopf verloren hat und verzweifelt nach äußeren Gründen des Debakels sucht, wo man sich auch dazu versteigt, den Zionismus als Ursache der Hakenkreuzlerei zu denunzieren. Auf dieser Seite aufklärend wirken zu wollen, ist jetzt noch verlorene Liebesmüh, denn die Erschütterung der jüdischen Assimilanten ist: zu groß, als daß sie einer ruhigen Erwägung zugänglich sein könnten. Für diese Elemente ist und bleibt die zionistische Ideologie die Bejahung der antisemitischen, nicht Paralysierung der Wirkungen des Antisemitismus, sondern Verstärkung derselben. Hingegen ist es notwendig, in gewissen zionistischen und nichtjüdischen Kreisen aufzuklären und etwaigen Illusionen von der Möglichkeit eines Ausgleiches zwischen Hakenkreuz und Zionismus zu * W^^^^^M&äWho Palästina u< Aegypten mit dem Luxusexpreßdampfer „CONTE GR (26.060 Tonnen) ab Triest . . . 30. Septem an Haifa . . 3. CUio&zr an AEessdncfrien 4 OktG&ee* Auskünfte: Gensralagentur Kien I IMnm 6 U-47-5-60 U-47-5-EÖ :> -,m liilllllirtlni,.mt.„,nwmmi[>|M| LLOYÖi^lc?iE^!llL. _ FLOTTE RlUNlTE LlOYD TRIgSTIHQ-HARmiMÄITALIAMA-SITMAtt

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