Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 497 (13.9.1935)
- Date
- 1935-09-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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■yy»? DIE NEUE WELT Mr. 497, Die /feto* Sfuuuek Von Dr. I. Z.Kanner (zzt. Madrid) IIL Die luden in den übrigen Städten Allerdings gibt es auch in den übrigen Städten Juden: in Valencia, Bilbao, Gibraltar, Mallorca, Reus (bei Barcelona), Sevilla, Grandia, Alicante (beide in Südspanien), Murcia (in der Provinz Cartagena), Toledo (der Schriftsteller Cahn), Algeciras (bei Gibraltar), doch GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, I. Bez., Seiienstettengasse 2, ||j Samstag XI.. Zentral triedhof, neb. d. 1. Tor. |]| geschlossen nirgends über zwanzig Familien; aber der größte Teil von ihnen hat gar keine Verbindung' mit dem Judentum und viele wollen überhaupt nicht, man möge wissen, daß sie Juden sind. Ich fragte einige Juden, warum sie sich nicht zionistisch betätigen. Darauf erhielt ich die Antwort, man müsse sich zunächst in Spanien einordnen; man müsse den Spaniern den Dank abstatten für die Einreiseerlaubnis und ihnen beweisen, daß man nur ein Vaterland kenne: Spanien. Solche Juden betätigen sich bei jeder Gelegenheit als Vollspanier und wissen nicht Mittel genug, um ihre hundertfünfzigprozentige Treue zu beweisen. Mischehen sind gang und gäbe. Sie liefern zusammen mit den Konfessionslosen und den Getauften dem Antisemitismus mehr Zündstoff als die Volljuden selbst. In Toledo gibt es zwei Synagogen, die ehemals in Kirchen verwandelt worden waren, jetzt aber wieder restituiert wurden und darauf warten, daß man zu ihnen zurückkehre und Thora lerne. Eine davon ist da:, Bethaus des R. Schmuel Halevi. Schluß mit der Marannenpsydhose Man ist leicht geneigt, in jedem Spanier jüdische Züge aufzuspüren, weil eben alle Südländer ähnliche Gesichtszüge haben. Ganz besonders die Spanier, die einen jüdisch-maurischen Einschlag haben. Junge Geistliche sehen wie Jeschiwah-Bachurim aus. Man sagt überhaupt, daß z. B. Katalonien verjudet sei und daß jeder zweite Katalonier jüdisches Blut habe. Wenn ich wissen wollte, ob ich es mit einem Spanier oder mit einem Juden zu tun habe, fragte ich stets: ,.Haben Sie schon ein Zertifikat?" Stutzte er ganz unverständlich mit dem Kopf, dann war es ein Spanier, machte er aber eine traurige Miene, dann war es einer der Unserigen. In jedem Ghetto hatte ich das Gefühl: hier schleichen lebende Schatten jüdischer Abkömmlinge in der Gestalt aufgeklärter und freiheitsuchender Spanier. Ich -war also in jenen Fehler verfallen, in den jeder Jude, der nach Spanien kommt, verfällt. Ich habe aber versucht, mich von diesem mystischen Gefühl zu befreien und der Wirklichkeit Raum zu geben. Tiefer Schauder erfaßt nämlich jeden, wenn er das Wort Marane hört. Naivetrweise wird geglaubt, daß die Maranen noch heute geheime Juden seien und nur auf den Augenblick warten, um zum Judentum zurückzukehren. An vielen Schildern sieht man die Namen Jaime (sprich: Chaime : Chajim), Rafael, Cheskel, Rüben, Perez, Ezequiel usw. Wo ich eine solche Aufschrift sah, ging ich hinein, um mich zu erkundigen, ob der Betreffende Jude sei. Ueberau war die Antwort eine negative. Der jüdische Name ist einfach mit der Vorliebe, biblische Namon anzunehmen, zu erklären. Man hält die Nachkommen der einstigen Maranen noch heute für Märtyrer. Dazu ist zu bemerken, daß in Spanien selbst davon sehr wenig die Rede ist. Hier spukt das Maranentum nicht so stark, wie im Ausland angenommen wird. Der Begriff Marane hat einen Bedeutungswandel mitgemacht. Wenn heute einer wirklich weiß, daß er von Maranen abstammt, so ist es für ihn eine außerordentliche Ehre, daß in seinen Adern Tropfen Blutes des ältesten und begabtesten Volkes fließen, aber er denkt bei weitem nicht daran, zum Judentum zurückzukehren, da es ihm jetzt in gleichem Maße gefällt, einem mächtigen Volke Südeuropas anzugehören. (In Portugal gibt es tatsächlich einige Gruppen von Maranen, die zum Judentum Ubertreten wollen.) Was ich also feststellen will, ist, daß man sich u n ter den heutigen Maranen keine Dulde r vorstellen soll, sondern Vollblutspanier, die in nationaler Hinsicht für das Judentum nichts, in kultureller sehr wenig übrig haben. Drei Ausnahmen seien hier erwähnt: Auf der spanischen Mittelmeerinsel M a 11 o r c a (einer Insel der Balearengruppc) trifft man die Chuetas, Nachkommen ehemaliger Juden, die zu Massentaufen gezwungen worden waren. Chuetas bedeutet: Schweineesser. Sie aßen nämlich öffentlich Schweinefleisch, um ihre angezweifelte Treue zur Kirche kundzutun. Auf der Insel wohnen über 50.000 Chuetas, davon 30.000 allein in der Stadt Palma, die 90.000 Einwohner zählt. Sie verkehren nur unter sich und werden von den Mallorcanern mit Verachtung behandelt, Sie wohnen in besonderen Gassen, in der Nähe der Calle Santa Eulalia. Hier ist auch eine Straße nach dem berühmten jüdischen Kartographen Jehuda Crcsq u a s benannt. In den Bergen lebt eine Sekte, die sich alljährlich am zweiten Pcßachtag versammelt, Teig in der Sonne bäckt und Gebete verrichtet. Sie stammen von Juden ab, die, um den Nachforschungen der Inquisition zu entgehen, nicht am ersten, sondern am zweiten Tage das Peßachfest begingen und zur Sicherheit sich überdies in die Berge zurückzogen. Außerhalb Barcelonas, in der Vorstadt Sans, befindet sich in der Ol-Cantilla-Straße in einem kleinen älteren Häuschen eine Oclhandlung. Wer es versteht, das Vertrauen der Besitzerin zu gewinnen, dem ist ein herrliches Schauspiel gesichert. Die Frau führt dich durch eine Geheimtür in den anstoßenden Raum und hier enthüllt sich folgendes Bild: Drei Stiegen führen zu einer geheimen Tür hinab. Die Wände sind mit Goldbuchstaben beschrieben, darunter sind die Zehn Gebote in spanischer Sprache. Auf den Lampen ist „Salem Aleikum" aufgeschrieben. Ueberall befindet sich das Wort: Dios (Gott). Uralte Bücher liegen schön geordnet herum. Keiner der Nachbarn weiß, was hier verborgen ist. Die Frau erzählt, daß sich noch zur Zeit ihres Urgroßvaters Leute zum Beten hier versammelten. Sie selbst habe die Absicht, ihren neunzehnjährigen Sohn beschneiden zu lassen, aber die Judengemeinde von Barcelona lehne dies aus Angst vor eventuellen Demonstrationen ab. In Montserrat, einem gebirgigen Wallfahrtsort in Katalonien, befinden sich in einem Kloster zwei Sefer Thoras, ein Paar Tefillin und eine Geige, die die Geige König Davids sein .soll. (Ein Schlußartikel folgt.) ■"■'■■■■'■■■■""««■•■■«■»■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ Billige Feiertagsfahrten nach Polen und Czernowitz. Abfahrt: 15., 22., 25. September. Rückfahrt: 9. und 21. Oktober. „Francopol", III., Rennweg 1. Tel. U-16-4-90. Schulbücher für Volks-, Haupt- und Mittelschulen, neue und antiquarische, in der Buchhandlung M. Rath, IL, Taborstraße 20 A. 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Fisman Ernestine, geb. 11. V. 1914 Wien, verh., XX., Jägerstraße 30. — Kaiser David, geb. 20. I. 1897 Wien, verh., XIV., Oelweingaslse 35. — Horvat Maria, geb. 20. XII. 1897 Wien, verw., Seöovce. —■ Dratva, geb. Klamper Alice, geb. 17. IX. 1902 Wien, verh., X., Quellenstraße 82/5. — Scheier Peter Kurt, geb. 6. VI. 1908 Glogau, verh., XII., Cothmannstraße 11. — Wittmann Friedrich, Bankbeamter, geb. 1. II. 1901 Wien, verh., II., Obere Donaustraße 23. — Berdach Paul, Handelsangestellter, geb. 4. IX. 1915 Wien, led., VII., Stuckgasse 13. —r- Korn, geb. Udvarnoczky Margarete Maximiiiana, geb. 15. VII. 1900 Wien, verh., V., Margaretenstraße 114. — Korn Otto, Geschäftsreisender, geb. 30. X. 1900 Wien, verh., V., Margaretenstraße 114. — Manier, geb. Steiner Käthe, geb. 4. VII. 1901 Troppau, verh., XIII, Spohnstraße 47. — Bauer Emil, geb. 1. IV. 1917 Wien, led., Dorf Aschbach. — Deutsch Hans Rudolf, geb. 7. VI. 1912 Wien, led., VI., Mariahilferstraße 89 a. — Heitier Erwin, Radiotechniker, geb. 4. IV. 1910 Wien, led., VII., Döblergasse 2/17. — Kohn Grete, Friseurgehilfin, geb. 11. IX. 1914 Wien, led., XVI., Gaullachergasse 18. — Jank, geb. Hohn Margarete, geb. 23. IV. 1910 Wien, ger. getr., XX., Pater-Abel-Platz 9. — Berger Gertrud, geb. 13. II. 1921 Wien, led., II., Reichsbrückenstraße 38. — Horadek Leopold, geb. 4. X. 1920 Wien, led., II., Kaiserwasserstraße 36. — Weithorn, geb. Sarosi Julia, geb. 15. X. 1890 Wien, ger. gesch., II., Ennsgasse 5. — Singer Hugo Robert, geb. 8. XI. 1885 Wien, gesch., IX., Berggasse 19. — Max Gustav, Marktarbeiter, geb. 15. XII. 1902 Wien, ger. getr., III., Leonhardgasse 3. — Soukup, geb. Paneth Lucie, geb. 10. VI. 1895 Bielitz, verw., III., Hießgasse 7. — Back Hilda, geb. 5. XII. 1914 Berlin, led., III., Wassergasse 10. WOCHENsKALENDER September 1935! Ww rvjnn Elul 5695 Freitag 13 15 Sabbateingang 6.10 Samstag 14 16 Sabbatausgang 7.10 Sonntag 15 17 Montag 16 18 Dienstag 17 19 Mittwoch 18 20 Donnerstag 19 21 JUstoüttoi Biäet ßestrenommierle Küche "Ntfs REICHHALTIGE MENÜS b S 1.90 UND 2.60 SCHWEI U A T E K B R Ä U ll,Hammer-Purgstall-Gasse 3 (nächst Salzforbröd<G)*TeU-4t-G-25 Hotel-Restaurant Smetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wasser, — Erstklassiges Restaurant und Cafö. — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. — Eröffnung 15. Mai. Bis 15. Juni billige Vorsaisonpreise. Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Cafes etc. A. Barschalf, II., Große Üchiffgasse 3. Streng "1C3. Vom zügliche Küche. Billige Preise. Caf6-ilestaurani Espresso, i., Kotenturm3traße 1. Int CT» nationale kalte und warmo Küche. Menüs zu billigen Preisen. Najfcls Selehwarcnrpstaurant, II., Piateratraße 33. Orth. "Uio Menü S 2.—. 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