Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 496 (10.9.1935)
- Date
- 1935-09-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712120--5310-2718910- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE NEUE WELT Nr. 496 Ab§dii'ed von Luxem Aus Luzern meldet die .T. T. A.: Nach der Wahl der Exekutive hielt der zum Ehrenpräsidenten der Z. O. gewählte bisherige Präsident Nahum S o k o I o w eine Ansprache, in der er Richtlinien für die Arboit des K cren H a j e s s c d. zu dessen Präsidenten er ebenfalls gewählt worden war, aufstellte und erklärte, der Keren Hajessod bedürfe einer Reorganisation, der er sich sofort nach Schluß des Kongresser, widmen wolle. Sokolow sprach dann auch über seine neue Mission als Leiter der gesamten zionistischen Kulturarbeit und erklärte, er werde nach Schluß des Kongresses mit drr Organisierung der Kulturarbeit in einer Reihe wichtiger Länder der Diaspora beginnen. Der neugewählte Vorsitzende des Aktions-Komitees, M. M. Ussischkin, wies darauf hin, daß es diesem Kongreß gelungen sei. den bisherigen Separatismus in den zionistischen Reihen durch den Willen zur Einigkeit zu ersetzen. Dr. Wcizmann dankte dem Kongreß dafür, daß er ihn zum Präsidenten der Organisation gewählt habe. Er hob die Tatsache hervor, daß die jetzige Exekutive die breiteste Basis habe, die je eine Exekutive gehabt habe. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die oppositionelle Stellung des Kongresses gegenüber dem Legislative Council kein Hindernis sein werde für eine loyale Kooperation der Exekutive mit der Mandatarmacht auf anc'eren Gebieten, und betonte das erheblich gesteigerte Verständnis, das heute die jüdische Arbeit in Palästina bei der Regierung der Mandatar macht finde. Ben Gurion umriß die Rolle der Arbeiterschaft beim Aufbau Palästinas. Zum Schluß sprach Georg H a 1 p e r n im Namen des Kongresses Dr. Weizmann den Dank für die Art aus, wie er den Kongreß geleitet habe. * Gegen die Wahl der neuen Exekutive stimmten nur die Delegierten der Juden staatsparte i. Das neue Budget Mit 147 gegen 18 Stimmen hat der Kongreß das Budget für das kommende Geschäftsjahr angenommen. Es beträgt, wie schon mitgeteilt, 388.000 Pfund. Von ddi einzelnen Posten sind erwähnenswert: 30.000 Pfund für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina, "H.öOO Pfund für allgemeine Kolonisationsarbeit, 20.000 Pfund für Erziehungswesen, 55.000 Pfund für die Ausgaben der Einwanderungsabteilung, 13.000 Pfund für das Arbeitsdepartement, 12.000 Pfund für das politische Departement, 10.000 Pfund für Hachscharah, 11.000 Pfund für Verwaltungskosten und 21.000 Pfund für Verwaltungskosten des Keren Hajessod. * Gemäß den Vorschlägen der Organisationskommission wurde der Plan Ben Gurions, betreffend Schaffung von Territorial verbände n mit einigen Modifikationen bestätigt und der Verlegung des Organisationsdepartements von London nach Jerusalem zugestimmt. Der Wortlaut der Deufcdilandff Die vom Kongreß angenommene Resolution zur Lage der deutschen Juden lautet: „Der XJX. Zionistenkongreß erhebt seine Stimme gegen die systematische Entrechtung der Juden in Deutschland, deren sich immer mehr steigernde Vehemenz die moralische und materielle Existenz der deutschen Juden untergräbt. Hand in Hand damit erfolgt eine Diffamierung des gesamten jüdischen Volkes und seiner geistigen und ethischen Kulturleistung und die systematische Verbreitung von Lehren und Theorien, die dahin gerichtet sind, die Position der Juden in allen Ländern zu erschüttern. Der Zionistenkongreß, der stets die Wahrung der jüdischen Ehre als eine seiner legitimen und wichtigsten Aufgaben betrachtet hat, weist im Namen des jüdischen Volkes die Diffamierung von Juden wegen ihrer Kassezugehörigkeit, als im Widerspruch stehend zu den elementaren Prinzipien der Sittlichkeit und. Gerechtigkeit, mit Entschiedenheit zurück. Der Protest gegen diese Entrechtung ist nicht nur Sache des jüdischen Volkes, sondern eine Aufgabe der Verteidigung des Prinzips der Gleichberechtigung aller Völker. Der XIX. Zionistenkongreß erklärt, daß das jüdische Volk, das in mehrtausendjähriger Geschichte seine Ehre und Eigenart unter unendlichen Opfern bewahrt hat, niemals und in keiner Situation seine Ehre preisgeben wird. Es wird den Anspruch auf die Gleichberechtigung der jüdischen Bürger in allen Ländern und sein Recht auf Existenz als Volk unter den Völkern der Welt mit derselben Entschiedenheit verteidigen, mit der es seine nationale Heimstätte in Palästina aufzubauen gewillt ist. Die Judenfrage, die heute mehr denn je eine akute Weltfrage ist, erfordert zu ihrer Lösung die Mitwirkung und Sympathien der nichtjüdischen Welt. Der XIX. Zionistenkongreß appelliert an die Völker, dem jüdischen Volk im Ringen um die Wahrung seiner Ehre und die Sicherung seiner Existenz ihre Mithilfe z» gewähren." Nachdem dieser Beschluß in feierlicher Form durch Erheben der Delegierten von ihren Sitzen angenommen worden war, gab als Sprecher der deutschen Delegation auf dem Kongreß Dr. Siegfried Moses eine Erklärung ab, in der es heißt, daß die deutschen Zionisten als die Zentralaufgabe des Zionismus die konstruktive Lösung der Judenfrage durch Aufbau des jüdischen Nationalheima in Palästina betrachten. Die deutsche Delegation müsse gegen diese Resolution stimmen, weil sie diese klare Linie verlasse. Zugleich begrüße sie den Beschluß des Kongresses, nach v/elchem die Zionistische Weltorganisation den Transfer in ihre Obhut nahm. Der Kongreß nahm diese Erklärung, in der die besondere Stellung der deutschen Vertretung auf der Tagung zum Ausdruck kam, stillschweigend zur Kenntnis. Der Kampf um den Transfer Lieber die Sitzung, welche sich mit dem Transfer- Abkommen beschäftigte und über die wir bereits in unserer vorigen Ausgabe berichteten, liegt folgender Bericht der J. T. A. vor: Mit 163 gegen 12 Stimmen bei 17 Stimmenthaltungen und in Abwesenheit der Misrachi-Fraktion wurde eine Resolution gefaßt, in der das Transfer- Abkommen Deutschland-Palästina bestätigt und seine Durchführung der unmittelbaren Leitung und Kontrolle der Z. O. unterstellt wird. Der Abstimmung ging eine scharfe Auseinandersetzung voraus. Die Judenstaatspartei brachte eine Minderheitenresolution ein, in der die völlige Aufhebung des Transfer-Abkommens gefordert wurde. Sie wurde niedergestimmt, woraufhin die Delegierten der Judenstaatspartei mit den Rufen „Kauft deutsche Waren!", „Hitler-Agenten!" den Saal verließen. Die angenommene Resolution wurde von der Arbeiterfraktion urtd der Gruppe A der Allgemeinen Zionisten gestützt, die Judenstaatspartei und ein Teil der Delegierten der Allgemeinen Zionisten Gruppe B stimmten dagegen, die übrigen Delegierten der Gruppe E hatten zusammen mit sämtlichen Delegierten der Misrachi-Fraktion noch vor Beginn der Aussprache über den Transfer den Saal verlassen. Rabbi Hillel S i 1ver (Cleveland), der den Bericht des Transfer-Ausschusses zu erstatten hatte, erklärte, der Ausschuß sei endlich zu dem F-ehUic.-;c gekommen, d:iC ein:- Fortführung des Transfer im Interesse der fortgesetzten Einwanderung von Juden aus Deutschland notwendig sei. Das Komitee habe eine Reihe Entschließungen angenommen, die eine Garantie dafür bieten, daß das Abkommen sich lediglich auf solche Transaktionen beschränken würde, die die Sicherung des Kapitals jener deutschen Juden betreffen, welche wirklich nach Palästina auswandern, und daß keine im Rahmen des Abkommens importierten Waren in Nachbarländer Palästinas exportiert werden würden. Meir G r o ß m a n n erklärte, der Transfer bedeute keine Hilfe für die deutsche Judenheit, sondern nur eine Schädigung der zionistischen Sache. Nehme der Kongreß das Transfer-Abkommen an, so helfe er dazu, daß die Zionistische Exekutive faktisch eine Agentur für die deutsche Industrie werde; dies würde als Verrat an der Judenheit in allen Ländern der Diaspora angesehen werden. Golde M e y c r s o n, die palästinensische Arbeiterführerin, empfahl die Annahme der Resolution des Transfer-Ausschusses und führte aus, der Boykott Hitler- Deutschlands dürfe nicht zu einem Boykott der Juden Deutschlands werden. Es bestehe die Gewähr, daß die Kontrollmaßnahmen seitens der Exekutive durchgreifende sein werden. Dr. Emil Szmorak (Gruppe B der Allgemeinen Zionisten) empfahl die Ablehnung der Resolution und führte aus, es werde nicht möglich Zu den jüdischen Feiertagen n.<h Polen ..Czernowitz Abfahrten: 13.. 22., und 25. September. Rückfahrten: lo. September, 0. und 21. Oktober und nach allen jüdischen Feiertagen „FRANC0P0L", III, Rennweg 1. Telephon U-16-4>90 sein, den Anti-Nazi-Boykott in Polen, der mit großen wirtschaftlichen Verlusten für die Juden Polens geführt wird, fortzusetzen, wenn die Zionistische Exekutive sich bereit erklärt, offiziell als Agentin der deutschen Waren zu wirken. Er forderte den Kongreß auf, die Resolution in ihrer jetzigen Form abzulehnen und sie dem Ausschuß zu neuerlicher durchgreifender Revision zurückzugeben. Dieser Antrag wurde abgelehnt, Daraufhin erklärte Melr Grr.ßmann, daß seine Fraktion yc-ihon deshalb gegen ds.a Budget stimmen werde, weil ein Teil des Einkommens der Exekutive aus dem Transfer-Abkommen fließen würde. Die widifigsfen AlijasBeschlüsse Betreffend Alija nahm der Kongreß u. a. noch folgende Beschlüsse an: Der XIX. Kongreß hält es für not-* wendig, das Chaluz-Element zu verstärken, und beschließt, daß 5.r> Prozent des Einwanderungakontingents für Chaluzim verwendet werden sollen, die wenigstens ein Jahr in Hachschara-Kibbuzim gewesen sind. Von den übrigen Zertifikaten soll ein Drittel für Einwanderer aus den Handwerker-Irgunim bestimmt werden. Hinsichtlich Hachschara verpflichtet der XIX. Kongreß die Exekutive, die Hachschara-Tätigkeit zu fördern: 1. Durch Stärkung der landwirtschaftlichen und fachlichen Hachscharah; 2. durch Verbesserung der Bodenx'erhältnisse in den Hachschara-Kibuzim; 3. durch Hilfe bei Errichtung von Hilfswirtschaften durch städtische Kibbuzim; 4. durch Förderung und Durchsetzung der hebräischen Sprache in den Kibbuzim. Der Kongreß proklamiert die Notwendigkeit, die Chaluz-Hachschara organisatorisch zu vereinheitlichen. Zu Irgunim von Fachleuten und Landwirten kann, ein Facharbeiter oder Landwirt gehören, der in seinem. Fach wenigstens drei Jahre während der letzten fünf Jahre gearbeitet oder eine Handwerker- oder landwirtschaftliche Schule, wie „Ort", Technikum usw. absolviert hat. Der Kongreß nimmt mit Genugtuung vom Kampfe des Einwanderungsdepartements der .Tewish Agency gegen die Mißbräuche auf dem Gebiete der Alija Kenntnis und bestätigt die Beschlüsse des A. C, betreffend Einsetzung^ von Gerichtshöfen bei den Palästina-Aemtern zur Untersuchung solcher Mißbräuche. Die Alija-Kommission spricht sich gegen den Abschluß von neuen Vertrügen mit Irgunim, die außerhalb der Z. O. stehen, auf Kosten der Einwanderung' organisierter Zionisten aus. Unsere Leser werden auf die Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erbältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon Nr. R-41-4-20. E. t/Uitjffmßmn/'s iS-90 Wollstoff-Trotteurkleider, mit modernem Soidensamt-Aufput; Woll-öoudekleider, anKragenu- Klnrnisolffnrim. b eh. ttlrjpüti'pptu 4 ätotfschiager s ^Ode-SChOtten, diagonal gewebt, für das aklunllo Uorbstklcid, p. JW. ri r*lode-Samte, schnei- und watTd- Idndung, «ul waschbar, alle Karben H Panama-Boucle, roino voiic, mod. Kleiderlarben, lOOcm breit. . fc- Mantelstoff, ^2'9° 1790 Zum Schul Praktische Schulkleidchen, Gr. oo Schulschürzen, Gr. es, cioth s » üo, Blaudruck ................ Knaben-Steireranzüge aus 8uiemLodw. mit grUnen Aufschlügen, Gr. l>......: HUDertUS-TrenCh für Mädchen u. Knaben. Gr. K ...................S Schulstiefel,3t-3(; s io-30, ai-aa S 9-9», 31 S 8-DO, 2G—27...........^ flauschige Übergangsmäntel auf K.-Seide, reine Wolle, elegante (ft Herrenfasson........................• s ™ Schwarze Bouclemäntel mit Alaskalamm-Schalkragen, K.-Seide gefüttert und wattiert....................s Nopsaen-Mele-Mäntel mit Fuchslamm-Schalkragen, ganz K.-Seide A gefüttert unri wattiert ..... c- Elegante Modell-Mäntel, aus modern. Woll-Boucle, ru. reicher Pelzverbräraung (Seal, Skunks, Silberfuchs, OposKum) gunz Crepe Mon-Tf #V— Kol "ef. S Ü8.—.........SM & IDAMEH' Zihen's Zi/oa£mAouS clerSpOMOmm Eigentümer, Verleger, Herauageber und verantwortlicher Redakteur: Oherbaurat Robert Stricker. — Druck; Druckerei- und Verlags-A.-G, Ignaz Steinraann, beide Wien, * ' 9 ' XX. Universitätestraße