Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 495 (6.9.1935)
- Date
- 1935-09-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 droschen lahrgang 9 Freitag/ den 6» September 1935 Nr« 495 V. b* b« Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'editeur" 186 Vniv^tshiblioth Wien, i R E V U HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— : Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120. — : Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Marl: 3.— : Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franc3 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8i Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Die TransfersSdiande bleibt . Aus Luzern wird gemeldet: Die von der Judonstaatspartei in den Vordergrund gerückte Frage des deutsch-palästinensischen Transfer-Abkommens hat in der ganzen, jüdischen Welt ungeheures Interesse erweckt. Handelte es sich doch darum, ob das jüdische Palästina weiterhin hitlerdeutsche Waren beziehen und konsumieren soll und überdies in einem Umfang, der fast die Höhe des englischen Importes erreicht. Sogar ein Teii der Arbeiterfraktion, S. Kaplansky und Jarblum, sonst ganz und gar im Fahrwasser der Unken Intentionen, waren sich der Transfer-Schande bewußt und suchten einen Weg, sie abzustellen. Während des Kongresses gingen dem Präsidium und dem Transfer-Ausschuß massenhaft Briefe und Telegramme seitens jüdischer Organisationen und Persönlichkeiten zahlreicher Länder zu, in denen die Aufhebung des Transfer gefordert wurde. Im Ausschuß selbst gingen die Meinungen scharf auseinander. Die Führer im Kampf für Aufhebung des Transfer waren Robert Stricker und der amerikanische Rabbi A. H. Silver (Cleveland), die seitens einzelner Delegierten auf Unterstützung hoffen konnten. Der Kampf dieser beiden Männer hatte allerdings keine Aushobt auf Erfolg; man konnte bloß mit einer Modifikation rechnen. Diese ging dahin, dafür eine Garantie zu schaffen, daß, die aus Deutschland nach Palästina exportierten Waren den Gegenwert der zugunsten deutscher Juden auszuführenden Kapitalien n i]c h.fc , ü b e r.s t ei g en sollen. Die bisher unter der 'Maskevou Kapitalsausfuhr geübten Manipulationen fioHxHa .unmöglich gemacht werden. Die Arbeiterfraktion, deren Konsumfirmen bisher das deutsch-palästinensische Transfergeschäft machten, brachte einen Beschluß ein, won<ich der Transfer nicht ni'flir von p r i v a t c n. Händen geübt, sondern unter die d. ekte Kontrolle der Exekutive gestellt werden soll. Von nun ab wird die zionistische Organis ait ion selbst den Handel mit Waren „M ade in Pogroni-Germany" kontrollieren. Zum Tode dies Rabba Kook •Nach längerer Krankheit ist, wie bereits gemeldet, in Jerusalem der Oberrabbiner der aschkenasisehen Gemeinschaft in Palästina, Rabbi Abraham Jizchäk Hakohen Kook, im Alter von 69 Jahren gestorben. Rabbi Kook wurde 1866 in Griva (Kürland) geboren, wurde 1886 Rabbiner in S e m e 1, später in B a u s k (Litauen) und erhielt 1903 einen Ruf nach Jaffa. In Palästina entfaltete Rabbi Kook bald eine vielseitige Tätigkeit, indem er in den, mit der jüdischen Kolonisation zusammenhängenden religionsgesetzlichen Fragen (Maasser, Schomitta usw.) bedeutsame halachische Entscheidungen traf. In Deutschland, wo er an der konstituierenden Versammlung der Agudas Jisroel teilnehmen wollte, vom Weltkrieg überrascht, blieb er zunächst in der Schweiz und folgte 1916 dem Rufe der „Machsike-Hadass"-Gemeinde in London. Dort nahm er an'den Bestrebungen, die schließlich zur Balfour- Deklaration führten, Anteil und erließ den Aufruf .zur Schaffung der Jerusalem- Organisation (Histadruth Jeruschalajim, auch Degel Jeruschalajim), die den Zweck verfolgt, die nationale Wiederbelebung zu den ursprünglichen Quellen des Judentums zurückzuführen, das Rabbinat zu vereinheitlichen und Thora- Institutionen in den Kolonien zu fördern. Nach Kriegsende wurde Kook Oberrabbiner der aschkena- Bischen Gemeinde in Jerusalem, 1921 Vorsitzender des neugeschaffenen Beth Din hagadol, d. h. Oberrabbiner der aschkenasischen Judenheit Palästinas. Die 1922 von ihm gegründete Jeschiwa Merkasit Olamit in Jerusalem stand unter seiner Oberleitung. Rabbi Kook, der stets energisch für die Stärkung der palästinensischen Einheitsgemeide Knesseth Jisroel eingetreten ist, war die fünrende Persönlichkeit der gesetzestreuen Judenheit im neuen Palästina. Er stand dem Misrachi nahe und hat wiederholt Kundgebungen zugunsten des zionistischen Aufbaues erlassen. Gegenüber der Regierung vertrat er stets stolz und würdig die Förderungen des palästinensischen Rabbinats. Er bat eine Reihe im rabbinischen Judentum hochangesehener Schriften halachischen Inhaltes veröffentlicht, in „Roschmillin" eine Zusammenstellung der kabbalistischen Grundworte gegeben und in „Orot" sowie „Orot hateschuwa" Abhandlungen über Palästina und die Renaissance des jüdischen Volkes in seinem Lande in Buchform veröffentlicht. Ferner erschien mehrbändig eine Sammlung seiner Briefe („Iggrot Reaja"). Ah§diluß de§ Luzerner Kongresses "TO Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller Komiort. Elegant« Limmer. Nahe am Meer und Kasino. Idealer Aufenthalt Komplette Pension :fFrcs. 35.— JudenstaafS'Resolutfion Den dramatischen Abschluß der Verhandlungen des Kongresses bildete die von der Judenstaatspartei eingebrachte Resolution, welche das Bekenntnis des Kongresses zur Idee des Judenstaats forderte. Die Teilnahmslosigkeit der Delegierten und Zuhörer, welche auf diesem Kongreß während des größten Teiles seiner Beratungen lastete, war plötzlich ge\vichen. Der sonst halbleere Saal war überfüllt. In atemloser Spannung lauschten Delegierte und Gäste den Ausführungen Robert Strickers, welcher eine Resolution verlas und mit einer Rede von unerhörter Wucht begründete. Die Resolution lautet: Die tragische Situation, in welcher sich die überwältigende Majorität des jüdischen Volkes befindet, und die immer wachsende Bedeutung Palästinas als Land der Einwanderung für die verfolgten jüdischen Massen hestütigt den prophetischen Glauben Theodor Herzls, daß die Errichtung eines Judenstaates in Palästina die einzige Lösung der Jndenfragc ist. Darin liegt auch der Sinn des Palästina-Mandats, welches der Völkerbund ßroßhritanncn zum Zwecke der Wiedererrichtung?" des jüdischen Nationalhcimes verliehen hat. Der gewaltige Fortschritt des Aufbauwerkes in Palästina in einer Zeit der schwersten ökonomischen Weltkrise beweist, daß das jüdische Volk fähig ist, sein .Nationalheim aufzubauen, ohne auch nur im geringsten die Stellung der nicht jüdischen Bevölkerung des Landes zu gefährden. Die schöpferische Arbeit des jüdischen Volkes in Palästina kann aber.nur dann die Lösung der judenfrage herbeiführen, wenn sie sowohl durch die M a n d a t a r m a c ht als auch durch die Z i o n i s t is che Organisation im Geist der Errichtung eines Zu den Jüdischen Feiertagen nacSi fg£?S3B u,m4 Abfahrten: 8» 22., und 25. September. Rückfahrten: 15. September, 9. und 21. Oktober und nach allen jüdischen Feiertagen „FRANCQPOl", III, Rennweg 1. Telephon U.16-4-90 Judenstaates mit jüdischer Majorität in den historischen Grenzen Palästinas gerührt und gesichert wird. In einer Zeit der größten Verzweiflung, in welcher Millionen von Juden vor der Vernichtung ihrer politischen und sozialen Position stehen, ruft das jüdische Volk von der Tribüne des XIX. Zionistenkongresses den Völkerbund, die Mandatarmacht und die ganze zivilisierte Welt auf, ihm mit allen Kräften bei der Erfüllung seiner großen historischen Aufgabe, der Wiedererrichtung des jüdischen Staates, beizustehen. Robert Stricker sprach nicht zu einem in seinem Willen freien Kongreß. Mehrere Tage hindurch, gab es in den Fraktionen lange, stürmische Debatten über die Stellungnahme zur angekündigten Resolution der Judenstaatler. Nach vielen Anstrengungen gelang es den routinierten Führern, ihre Leute einzuschüchtern und durch,.Heraufbeschwörung ungeheurer Gefahren", zurückzuhalten, für die Resolution zu stimmen. Um einer Diskussion auszuweichen, wurde beschlossen, Uebergang zur Tagesordnung zu beantragen und für diese Abstimmung Klubzwang zu proklamieren. Trotz dieses eisernen Zwanges aber stimmten mehr als dreißig Delegierte, allgemeine Zionisten A und B, Linke und Misrachi, mit den Judenstaatlern. An die hundert Delegierte waren bei der Abstimmung abwesend oder enthielten sich der Abgabe der Stimme. Die Begründung des Antrages auf Ueberga'ng zur Tagesordnung, welche dem routiniertesten Redner der Majorität, Dr. Nahum Goldmann, übertragen, worden war, löste trotz rhetorischer Vollendung ein Gefühl unbehaglicher Leere aus. Die äußerlich glänzende Rede Goldmanns und der eiserne Klubzwang vermochten nicht, die Demonstration von mehr als hundert der eingeschworenen Anhänger zur Stimmenabgabe gegen die Resolution der Judenstaatler zu bewegen. (Anm. d. Red.: Wir werden über die Reden der Delegierten Stricker und Goldmann noch berichten.) Die neue Leitung Aus Luzern wird unter dem 4. d. gemeldet: Heute fand die Schlußsitzung des XIX. Zionistenkongresses statt, welche sich mit der Wahl der neuen Leitung beschäftigte. Zum Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation wurde Prof. Chaim Weizmann mit allen Stimmen gegen die Stimmen der Judenstaatspartei und bei Stimmenthaltung von 37 Delegierten gewählt. In die neue Exekutive treten ein: Für die Arbeiterpartei die bisherigen Mitglieder der Exekutive David Ben Gurion, Moscheh S h e rt o k und Elieser Kaplan; für die Allgemeinen Zionisten, Gruppe A, Jizchak Grünbaum und Prof. Selig Brodetzky; für die Allgemeinen Zionisten, Gruppe B, Doktor Fischel R o 11 e n s t r e i c~h; für den Misrachi Rabbi Fish ma n. Dr. Arthur R u p p i n behält weiterhin das Kolonisationsreferat bei der Zionistischen Exekutive (Jerusalem), Dr. Nahum Goldmann geht als Vertreter der Zionistischen Organisation nach Genf, dem Sitz des Völkerbundes, Leonhard Stein, der seinerzeitige Sekretär Dr. Weizmanns in London, wurde dem politischen Referenten der Zionistischen Exekutive in London als eino Art Unterstaatssekretär zugeteilt. Louis L i p s k i wurde zum Vertreter der Exekutive für Amerika gewählt. — Der bisherige Leiter des Organisationsdepartements Berl Locker scheidet «aus der Exekutive aus. Dienstag, den 10. September 1935, spricht dt. L $. Saskm über Naharija, Musterkolonie für intensive Wirtschaft Näheres in unserer nächsten Dienstag-Ausgabe Der bisherige Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Nahum S o k o 1 o w, wurde zum Ehrenpräsidenten der Organisation, zum Präsidenten des Keren Hajessod und des Mosad Bialik (Kulturfonds) gewählt. M. M. U s s i s c h k i n übernahm das Präsidium des Aktionskomitees. Von der Judenstaatspartei wurden die Herren Robert Stricker (Wien) und Meir Großmann (Tel-Aviv) ins Aktionskomitee gewählt. Als Stellvertreter wird Richard Licht heim fungieren. Die großen, vorzüglichen Salonschiffe „(Jalilea", „Palestina" und „Gerusalenime" der direkten Eillinie TRIEST —JAFFA de:; LLOYD TRIEST1NO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag' Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß Lire 555.— / Auskünfte; Lloyd Trlestino, Wien I, Käntnerring Nr. 6