Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-08-30 · Heft 493 (30.8.1935) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 493 (30.8.1935)
Date
1935-08-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712117--5282-2718879
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Preis 20 Groschen lahrgang 9 Freilag/ den 30« August 1935 Nr. 493 V« b* b» Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l"6diteur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—5 Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u, Freitag Trauer in Luzern Aus Luzern wird unter dem 28. gemeldet: Im Anschluß an seine Bede verkündete der Kongreßpräsident Prof. Weizmann, daß der Zionistenkongreß zum Zeichen der Trauer über die Verfolgung der deutschen Judenhelt Mittwoch, den 28. August, für einen halben Tag geschlossen bleibe. Die Sunden de§ Transfer Verhaftungen in Tel-Aviv Aus Luzern wird uns gemeldet: Montag, den 26. August, erhielt die Leitung der Juden staatspartei zwei Telegramme aus Palästina. Das erste Telegramm besagte, daß die „A.P.B." (Anglo-Palästina Bank, Bank der Zionistischen Organisation) für ihr neues Gebäude in Tel- Aviv ausschließlich deutschen Zement verwende. Das jüdisch - palästinensische Boykottkomitee, welches aus Vertretern aller zionistischen Gruppierungen besteht, hat gegen dieses Vorgehen der „A. P. B." Stellung genommen. Die jüdische Jugend ihrerseits hat Posten rings um den Neubau aufgestellt, um gegen das unpatriotische Vorgehen zu protestieren. Auf Aufforderung der ,,A. P. B."; beziehungsweise des Bauleiters, schritt die Tel-Aviver Polizei ein und arretierte im Zuge dieser Handlung zwei Mitglieder der Judenstaatsjugend. Das zweite Telegramm beinhaltet, daß auf Grund dieser Sachlage weitere Arretierungen unter der Judenstaatspartei-Jugend zu erwarten sind. Eine Interpellation Großmanns Meir Großmann, interpellierte am gleichen Tage, Montag, eleu 26. August, im Zuge der Generaldebatte das Haus und verlangte, der Kongreß möge die Zionistische Evekuttvc auffordern, unverzüglich zu dem gegebenen Sachverhalt Stellung zu nehmen und einen Beschluß zu fassen. Der Antrag wurde unter dem Vorsitz von Dr. Nahum Goldmann vor das Plenum gebracht. Die Abstimmung ergab, daß f ii r den Antrag Großmann außer der Judenstaatspartei der Misrachi und der Weltverband der Allgemeinen Zio nisten (Gruppe B) stimmten, während die Arbeiterpartei und die Weltvereini gung der Allgemeinen Zionisten (Gruppe A) gegen Großmanns Antrag stimmten. Auf Grund dieses Resultats wurde Großmanus Antrag auf sofortige Behandlung des „Ä. P. B." - Falles abgelehnt. Mi$radu#Opposirfon eingeteilt Aus Luzern meldet die J. T. A. unter dem 27. August: Zwischen Führern der Arbeiterlinken und solchen des Misrachi wurden im Verlauf des Montag direkte Verhandlungen, betreffend Einhaltung der Sabbatruhe in den von den nationalen Fonds unterstützten Betrieben, geführt. Die Verhandlungen erbrachten ein positives Resultat. Daraufhin hat sich die Fraktion des Misrachi bereit erklärt, an den Arbeiten des Kongresses teilzunehmen. Es wurde ein Mitglied des Misrachi in das Kongreßpräsidium kooptiert und Vertreter des Misrachi wurden in die Kongreßausschüsse entsandt. Durch das Zustandekommen dieser Einigung sind die Aussichten auf Bildung einer großen Koalition für die zukünftige Exekutive bessere geworden. Kongreßsdiluß wahrscheinlich Samstag Abend Wie vom Kongreßpräsidium mitgeteilt wird, ist der Schluß des Zionistenkongresses für kommenden Freitag, spätestens Samstag Abend, zu erwarten. Die Tagesordnung des Kongresses soll in der Welse geändert werden, daß den Fraktionen und Kommissionen Zeit für ihre Beratungen gegeben wird. NIZZA 7 Avenue Baquis "WD Hotel Arras Aller Kotntort. Elegant« Zimmer. Nahe am Meer und Kasino. Idealer Aufenthalt. Komplette Pension: IFres. 35.— Weizmann antwortet Stricker und GroBmann (Von unserem J.-F.-Korrespondenten in Luzern) Luzern, am 28. August. Nach vierjähriger Pause trat Professor Weizmann gestern nachts auf dem Zionistenkongresse mit einer politischen Rede hervor. Die Rede bildete zum überwiegenden Teil eine Polemik gegen die Ausführungen der Führer der Judenstaatspartei Robert Stricker und Mei'r Großmann. Weizmann wendete sich gegen die Forderung Strickers, aktive Judenstaatspolitik zu betreiben, obwohl er anerkennen mußte, daß die von Stricker hervorgehobene Bedrohung des jüdischen Aufbauwerkes tatsächlich vorhanden sei. Er ging diesmal in seiner Polemik gegen die Judenstaatsidee wohl nicht mehr so weit wie früher. Er nahm nicht direkt Stellung gegen den Judenstaat, sondern verlegte sich darauf, die Verschweigung der Forderung nach einem Judenstaat zu empfehlen. In der von Stricker aufgeworfenen Frage des Parlaments (Legislative Council) in Palästina, welche den Kongreß in Spannung erhält, nahm Weizmann Stricker gegenüber eine Stellung ein, welche einer Unterwerfung der zionistischen Organisation unter das Parlament gleichkommt und schon jetzt den jüdischen Widerstand in schwerster Weise behindert. Weizmann sagte nämlich: „Der zionistische Aufbau wird weitergehen, mit oder ohne Pariament." Es geht daraus klar hervor, daß Welzmann, dessen Wahl zum Präsidenten der zionistischen Organisation so gut wie gesichert ist, sich mit dem Parlament bereits ab* gefunden hat und nichts Entscheidendes gegen den Parlamentsplan unternehmen wird. Auf die Ausführungen Großmanns gegen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Diktatur der Arbeiterpartei (Histadruth) in Palästina antwortete Weizmann mit einem begeisterten Loblied auf die Histadruth. Er leugnete einfach, daß die Histadruth irgend einen Zwang auf Arbeiter oder Unternehmer ausübe, und erklärte, daß die Histadruth in biblischem Geiste wirke. Die Rede vermochte auf der Seite der Linken und seiner engeren Partei, der Allgemeinen Zionisten Gruppe A, keine Begeisterung hervorzurufen; denn es ging klar aus ihr hervor, daß Weizmann bei seinem alten System passiver Politik verharrte. Auch in der Frage Hitler-Deutschlands enttäuschte seine Rede. Denn er begnügte sich mit einigen Sätzen. Er warnte vor scharfem Protest gegen Hitler-Deutschland, und meinte, daß die Diffamierung eines „Teiles" der Juden am besten dadurch beantwortet wird, daß man in Palästina arbeite. * Wir geben die Rede Weizmanns nach dem kurzen Bericht der J. T. A. wieder, um später auf sie zurnchzukommen. Die Red. Notschrei der deutschen Juden an den Kongreß Aus Luzern wird gemeldet: Der Merkas der Hitachduth Olej Germania (Zentralkomitee des Verbandes deutscher Juden in Palästina) in Tel-Aviv überreichte den Delegierten des 19. Zionistenkongresses in Luzern e.in Memorandum, in dem ausgeführt wird: Man hat sich an die Tatsache gewöhnt, daß das deutsche Judentum unter den gegenwärtigen Verhältnissen zur Auswanderung gezwungen ist, man weiß,'daß ein erheblicher Teil dieser Auswanderung in Palästina Billige Sonderfahrten MaPoleiuCzernowitz Abfahrten: 8., 15., 25. und 36. September* Rückfahrten: 15. September, 21. Oktober „FRANC0P0L". III, Rennweg 1. Talaphon IM6.4.90 aufgenommen werden konnte (27.00.0 jüdische Einwanderer aus Deutschland von im ganzen etwa 90.000 bis 100.000 Auswanderern), und man rechnet damit, daß dieser Auswanderungsprozeß in der bisherigen Form weiter anhalten wird, ohne daß es einer besonderen politischen und wirtschaftlichen Aktivität der Zionistischen Organisation in dieser Richtung bedarf. Es ist der Sinn dieses Memorandums, den verhängnisv oll e n Irrtum einer solchen Auffassung darzulegen. In Deutschland stehen wir vor der Situation, daß eine Hunderttausende zählende jüdische Bevölkerung zur Auswanderung gezwungen wird. Die Situation hat in den letzten Monaten eine entselüedene Wendung zum Schlechten gemacht. Während noch vor kurzer Zeit die auswandernden Juden 1000 Pfund in bar mitnehmen konnten, hat die Entwicklung der deutschen Devisenverhältnisse dazu geführt, daß heute die Situation sich grundsätzlich geändert hat. Es warten heute in Deutschland zirka 800 bis 1000 jüdische Familien mit je 1000 Pfund auf die Möglichkeit zur Ausreise; von ihnen erhalten nicht mehr als zwölf bis fünfzehn Familien im Monat die zur Auswanderung erforderlichen Devisen, während in jedem Monat mehr als hundert derartige Familien hinzukommen. Das Ergebnis ist, daß diese Familien jahrelang warten müssen, bis sie nach Palästina kommen können, und daß die meisten von ihnen in der Zwischenzeit ihr Geld verbrauchen werden und so die Möglichkeit zur Auswanderung verlieren. Es entsteht also die paradoxe Situation, daß die deutsche Regierung polltisch die Auswanderung der Juden wünscht, daß aber gleichzeitig devisenpolitisch diese Auswanderung unmöglich gemacht wird. Bekanntlich bildeten die deutschen Juden in den letzten zwei Jahren zirka 50 Prozent der gesamten Kapitalisten-Alijah und die von ihnen ins Land mitgebrachten Summen belaufen sich auf zirka 9,000.000 Pfund. Diese Kapitalien haben die Palästina-Wirtschaft in außerordentlicher Weise befruchtet. Abgesehen von den privaten Investitionen, sind Millionen von Mark in national wichtigen Institutionen angelegt worden, und diepe Einwanderung mit Kapital schafft wiederum Arbeitsplätze für. Einwanderer ohne Mittel. Von den neuen Industriegründungen der letzten zwei Jahre sind nicht weniger als 60 Prozent von der deutschen Alijah geschaffen worden. Sieben neue mittelständische Siedlungspunkte wurden geschaffen und in acht weiteren Kolonien sind Gruppen von deutschen Siedlern zur Ansiedlung gelangt. Angesichts der immer größer werdenden Schwierigkeiten fordern wir, daß auch für den unbemitetlten Teil der deutschen Juden, soweit sie für Palästina geeignet sind, durch Zurverfügungstellung einer möglichst großen Anzahl von Zertifikaten die Auswanderung erleichtert wird. Das Auswanderungsproblem der deutschen Juden besteht nach wie vor und sogar noch in verschärfter Form. Die H. O. G. hält es für absolut erforderlich, daß auch in Zukunft im Rahmen der Londoner und der Jerusalemer Exekutive verantwortliche Menschen mit der Sonderaufgabe der Ansiedlung deutscher Juden betraut werden. Die Aufgabe besteht darin, einen großzügigen und systematischen Immigrationsplan vorzubereiten und seine notwendigen politischen und wirtschaftspolitischen Voraussetzungen zu schaffen. Es wird Sache des Kongresses, insbesondere der politischen Kommission, sein, die grundsätzliche Richtung der Arbeit zu bestätigen, deren Durchführung dann Sache der neuen Exekutive sein wird. Die Hitachduth Olej Germania appelliert an die Delegierten des Zionistenkongresses, sich mit dem hier konkret behandelten Fragenkomplex vertraut zu machen und für die oben gegebenen Richtlinien einzutreten. Die großen, vorzüglichen Salonschiffe ,Galilea", „Palestina" und „Gerusalemrae* der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag / Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß Lire 555.— / Auskünfte; Lloyd Triestino, Wien I. Kantnerring Nr. 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.