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Die neue Welt · 1935-08-27 · Heft 492 (27.8.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 492 (27.8.1935)
Date
1935-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang 9 Dienstag / *Vtt. UnjVi Nr* 492 V. b» b* kbibi f Zeitung vom Verleger versendet 'Whek „Journal expedie prir l'editeur" HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER IIIIIIIIIIIIIM Meir Großmanns Der Höhepunkt des Kongresses Seite 2 lllllllllill!llllllllllllliiliilfl!lllll!lllllll!lllll!!!!!ll!lllll!llllllll HitlerrAgenten in Luxem Aus Luzern wird uns berichtet; Samstag abends warfen Nationalsozialisten, die in Luzern Spitzcldlenste betrieben und insbesondere die zionistischen Delegierten aus Deutschland beobachteten, mehrere Papicrböller in die Jugendherberge, wo gegen 150 Jugendliche, die auf dem Zionistenkongreß den Ördnerdienst versahen, wohnen. Die- Fapicrböllcr richteten nur Sachschaden an, verletzt wurde niemand. Die Luzerner Polizei führt eine strenge Untersuchung und hofft, die Attentäter bald zu verhaften. Die Luzerner Bevölkerung, die. sich den Kongreßdelegierten und Gästen gegenüber besonders freundlich zeigt, ist über das Vorgehen der Nationalsozialisten sehr erbittert. ISedie M®heH Stoidkers In der Sonntagnachmittagsitzung (25. August) sprach der Führer der österreichischen Judenstaatspartei, Robert Stricker, de ausfülirte, daß nur ein Judenstaat der bisher geleisteten Arbeit die staatsrechtliche Sicherheit geben könne.;Der Kongreß müsse sich.für die Errichtung des Judenstaates, gegen die Einführung eines Parlaments mit arabischer Majorität und gegen jede Verletzung des Völkerbundsmandats für Palästina aussprechen. (Wir werden die Rede in unserer nächsten Nummer in vollem Umfang wiedergeben.) AnkBatferetien gegen Deutediland Wie wir erfahren, wird Rabbi Stephen Wise, der Vorsitzende des jüdisch-amerikanischen Kongresses (Verband der amerikanischen Judengemeinden), in einer der nächsten Sitzungen die von ihm angekündigte Anklagerede gegen Hitler-Deutschland halten. In dieser Rede soll die ganze Tragödie des deutschen Judentums zum Ausdruck gebracht und die Kulturwelt aufgefordert werden, den verfolgten deutschen Juden Hilfe zu leisten. Es verlautet auch, daß der zum Präsidenten des Kongresses gewählte Prof. Weizmann den Antrag stellen werde, eine 24stündige Pause in den Kongreßarbeiten eintreten zu lassen, einen Gottesdienst abzuhalten und Dienstag, den 27. August, als Protest gegen die Schmach der Judenverfolgungen in Deutschland zum nationalen Tr,auertag zu erklären. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.— : Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljahrig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX, Universitätsstr.8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Der Luzerner Kongreß Weiterer VerBauff bis zur Generaldebatte Die Eröffnungssitzung vom Dienstag, 20. August, abendsist vorüber. Sokolows Darstellung der Lage der Juden in der Welt hat die Tragik des jüdischen Volkes außerhalb Palästinas enthüllt. Der Teil des Referats, der sich mit Deutschland beschäftigt, mit einem Land also, wo die Judennot zum Himmel schreit und von wo die Parolen zur Vernichtung des Judentums ohne jede Hemmung für die ganze Welt ausgegeben werden, zeigte nicht die erwartete Strenge und Eindeutigkeit. Man darf annehmen, daß die deutschen Delegierten mit Unterstützung der „deutschen" Delegierten Palästinas und der Linken, welche das Transferabkommen mit Hitler-Deutschland getroffen haben, bei Sokolow eine Milderung des Textes durchsetzten. (Wir berichten darüber an anderer Stelle unserer heutigen Ausgabe.) Damit ist natürlich die Aufgabe des Kongresses, eine präzise Stellungnahme zu Deutschland zu formulieren, nicht beendet. Vor allem ist es die Jude nstaatspartei, die den ganzen jüdisch-deutschen Fragenkomplex behandelt sehen will, wobei sie die Unterstützung der amerikanischen Zionisten findet. Daneben gehen die Bestrebungen zur Schaffung einer Koalitionsexekutive auf breiter Grundlage weiter. Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten versucht so viel seines Prestiges als möglich zu retten, indem er zeitweise ein oppositionelles Gesicht zeigt, während der Misrachi — nach seiner zwiespältigen Haltung auf seiner Krakauer Weltkonferenz — seine Mitarbeit am Kongreß immer noch von der Erfüllung seiner alten Forderungen abhängig macht. In einem Anfall von Konsequenz ist er bisher dem Kongreß „ferngeblieben", nachstehende Forderungen anmeldend; 1. Sabbat- und Feiertagsruhe auf dem Felde, .im Garten sowie in Handel, Gewerbe und Industrie. — 2. Absolut koschere öffentliche Küchen. — 3. Wer diese Gebote verletzt, verliert das Recht auf Kolonisation, Subventionen und Einwanderungszertifikate. — 4. Sabbatruhe auf den Hächscharah-Plätzen in der Galuth. Wer sie verletzt, verliert das Recht auf Zertifikate. — 5. Dem Misrachi wird ein bestimmter Prozentsatz an Arbeiter- und Mittelstands-Zertifikaten eingeräumt. — 6. Ein bestimmter Prozensatz des Budgets für Kolonisierung orthodoxer Juden. — 7. An allen Punkten der Kolonisation durch die Z. O. sind religiöse Institutionen (Synagogen, rituelle Bäder usw.) zu schaffen. — 8. Sicherung einer bestimmten Zahl von Beamtenstellen in der Z. O. Wie man sieht — eine umfangreiche Liste von Misrachi-Forderungen, über die hinter den Kulissen verhandelt wird. Der weitere Verlauf des Kongresses war folgender: Die zweite Sitzung begann Mittwoch, 21. August, vormittags. Es gelangten die bereits von uns veröffentlichten Begrüßungen zur Verlesung, hierauf nahm der Kongreß den Bericht über die Prüfung der Delegiertenwahlen durch das Kongreßgericht (Vorsitzender Doktor S. Gronemann) entgegen, wonach 632.446 gültige Stimmen abgegeben und bei einer Wahlbeteiligung von 66,5 Prozent 466 Delegierte gewählt wurden. Am gleichen Tag sprach Ben Gurion über Probleme der Verwirklichung des Zionismus. Meir Großmann (Judenstaatspartei) fragl. das Präsidium des Kongresses und des Aktionskomitee", ir.-.ler welchem Rechtstitel Mitglieder der Arbeiterdelegation mit roten Bändchen im Saal zu sehen sind und wohin die blau-weiße zionistische Fahne gekommen sei. Dr. N. Goldmann, der den Vorsitz führt, gibt eine ausweichende Erklärung. In der dritten Sitzung (21. August nachmittags) referiert Prof. Brodetsky in hebräischer Sprache über die politische Lage und die Tätigkeit der Exekutive in der vergangenen Kongreßperiode. Prof. Weizmann wird zum Präsidenten des Kongresses gewählt — bei Stimmenthaltung des Misrachi und gegen die Stimmen der Judenstaatspartei, welche durch ihren Vertreter Dr. Rosenblum erklären läßt, daß sie die Kandidatur Weizmanns auf Grund seiner antijudenstaatlerischen Erklärungen im Jahre 1930 und 1031 bedingungslos ablehne. Zu Vizepräsidenten des Kongresses werden die Herren Dr. N. Goldmann, S. Kaplansky, Dr. Machower (Judenstaatspartei), Dr. Mossinsohn, Ing. Reiß und Josef S p r i n z a k gewählt. In der Nachmittagssitzung (Mittwoch, 21. Augusty gab es die Referate von Dr. A. Ruppin „25 Jahre Zionistische Organisation", von Leib Jaffe „15 Jahre Keren Hajessod" und von M. H. Ussischkin „Die Leistungen und Probleme des Keren Kajemeth". Am Abend fand die feierliche Trauerkundgebung zu, Ehren des Andenkens der in der Kongreßperiode verstorbenen Zionisten (Redner Nahum Sokolow) statt. In der D on ner s t a g - Nachsitzung (22. August) begann die Generaldebatte Als erster Redner sprach der Führer des Arbeitenden Palästina, Josef Sprinzak, der verlangte, daß Herzte Parole von der Eroberung der Kultusgemeinden in eine Parole von der Eroberung des Volkes umgewandelt werden müsse. Für die Weltvereinigung (Gruppe A) sprach. Dr. Nahum G o 1 d m a n n. Als erster Oppositionsredner ergriff für den Weltverband (Gruppe B) Dr. Schwarzbarth das Wort, der sich scharf gegen die Linken wandte. Im Namen der Judenstaatspartei sprach deren Vorsitzender Mair Großmann, dessen Rede, wir an anderer Stelle wiedergeben. In den Plenarsitzungen des Kongresses am Freitag vor- und nachmittags kam die zweite Reihe der Redner in der Generaldebatte zu Wort. Im Vordergrunde der Debatte stand die Schaffung einer großen Koalition. Es sprachen Harzfeld (Pal. Arbeiterpartei), Doktor Szyper, von der Weltvereinigung (Gruppe A). Doktor E. Szmorak vom Weltverband (Gruppe B), SaJman Rubaschow (Arbeiterpartei). , In der Nachmittagssitzung von Freitag sprachen Chasan (Haschomer Hazair), der englische Abgeordnete Barnett J a n n e r namens der englischen A-Zionisten), Dr. Bogratschow für den Weltverband, S c h k o 1 n i k (Arbeiterpartei), Suchowitzky von der Weltvereinigung und Dr. Oskar Grünbaum (Gruppe B, Oesterreich). In den Permanenzausschuß wurde für die Judenstaatspartei Dr. Rosenblum gewählt, der Misrachi verzichtete auf einen Vertreter. Der Permanenzausschuß trat Samstag nachts in Verhandlungen mit den einzelnen Parteien über die Bildung der neuen Exekutive. Am Samstag vormittags fand in den Synagogen Luzerns ein feierlicher Gottesdienst für die; Delegierten und Gäste des Kongresses statt. Die Anstellung deuftsdier luden Das der Jewish Agency angegliederte und von Dr. Chaim Weizmann geleitete Zentralbüro für die Ansiedlung deutscher Juden hat dem XIX. Zionistenkongreß und der vierten Tagung des Council der Jewish Agency einen 90 Seiten umfassenden Tätigkeitsbericht vorgelegt. Darin wird betont, daß Palästina dadurch, daß es 25.000 Juden aus Deutschland ein neues Heim gegeben hat, die Erwartungen, betreffend seine Rolle in dem Hilfswerk für Juden aus Deutschland, übertroffen habe. Die Arbeit des Zentralbüros ging von dem Gedanken aus, den Juden aus Deutschland in erster Reihe bei der Eingliederung in die Landwirtschaft und in zweiter Reihe bei der Ergreifung eines Berufes in Handwerk und Industrie zu helfen. & Kostenlose Beratung In allen Relseanjrelejri nheltcn, weiche Palästina betreffen, mündlich und telephonisch im Reisebüro „IN DIE WEIT", (Dr. S. Tocker) IX, Llethtenstelnstraße 2, Telephon A-14-504

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