Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 491 (23.8.1935)
- Date
- 1935-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712115--5266-2718861- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 20 Groschen laftrgaiHg 9 Freitag/ den &)♦ August 1935 THl Vniversim Hr. 491 V* b-!>♦ Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'fediteur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Ke 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Dentschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, viertel jährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Die Kongreßdelegierfen Aus Luzern wird gemeldet: Am 19. Kongreß beteiligen sich alle Mitglieder des Aktionskomitees und der Exekutive, zusammen mit den Delegierten über 500 Personen. Die Delegierten stammen aus allen Weltteilen, darunter auch aus China, Sibirien, Indien, und zum erstenmal in der Geschichte des Zionismus, auch aus Spanien. Mit Ausnahme von Sowjetrußland sind auf dem Kongreß Sämtliche europäische Länder vertreten AppelB an Amerika Der Präsident Nahum Sokolow gab für die große amerikanische Nachrichtenagentur „Associated Press" eine Erklärung ab, die an die amerikanische Regierung und an das amerikanische Volk gerichtet war. Nach einer Darlegung der zionistischen Probleme in bezug auf Einwanderung und Boden, appellierte Sokolow an die amerikanische Regierung und an die amerikanische Oeffentlichkeit, sie mögen dem jüdischen Volke beim Aufbau seiner Heimat behilflich sein. ,,Die amerikanischen Traditionen und die freundliche Haltung der offiziellen Stellen in Washington", erklärte Sokolow, geben uns Grund zur Hoffnung, daß wir vom amerikanischen Volke die moralische Unterstützung gegen den Angriff .auf die jüdische Nation erhalten werden." Begrüßung durch Lloyd George Lloyd George hat an den Kongreß ein Begrüßungsschreiben geschickt, worin es heißt: Der Aufbau von Zion und die Errichtung des Vaterlandes für das jüdische. Volk zwischen den Bergen, und Tälern Palästinas erfordert unendlich viel Geduld und großes politisches Talent. Ich begrüße aus vollem Herzen den Zionistenkongreß und glaube, daß er durchdrungen sein wird von der Vernunft, der Aufopferung und des unerschütterlichen Willems, von Eigenschaften, welche den bisherigen Fortschritt des zionistischen Werkes erzielt haben. AkfiHoia für «lern Weltfrieden Aus London meldet die Polnische Telegraphen- Agentur: Der Führer der Arbeiterpartei im englischen Parlament, Lansbury, sandte an den Papst einen Brief, worin er bittet, der Vatikan möge, zusammen mit den Führern, Kirchen und Religionsgesellschaften, eine feierliche Kongregation nach Jerusalem einberufen, um die Friedensidee zu propagieren. Diese religiöse Versammlung könnte auf dem Kalvarienberg stattfinden und den Gottesfrieden für die ganze Welt proklamieren, wodurch dem gegenwärtig herrschenden Kriegsgeist ein Ende gemacht werden könnte. Eine ähnliche Aufforderung sandte Lansbury auch an das Oberhaupt der anglikanischen Kirche in England und an das Oberhaupt der sogenannten Freien englischen Kirchen. Drei Meldungen der letzten Tage beschäftigen sich mit dem Schicksal der deutschen Juden. Sie bezeugen den tragischen Ernst des Augenblicks: Das vereinigte Komitee zur Bekämpfung der Judenverfolgungen in Deutschland hielt eine dringende Sitzung ab, auf welcher der Bericht über die letzten antijüdischen Pogrome in Danzig angehört wurde. Es wurde beschlossen, einen Appell an das Gewissen aller Völker der Welt zu richten, sie mögen sich den antijüdischen Verfolgungen in Deutschland entgegenstellen. Das Komitee sandte ferner ein Telegramm an den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Nahum Sokolow, mit der Bitte, der Luzerner Kongreß möge seine Empörung gegen die brutalen Angriffe der nazistischen Horden auf Juden im Dritten Reich ausdrücken. Die dritte Nachricht besagt, daß Mittwoch, den 21. August, in New York ein gewaltiges antinazistisches Meeting stattgefunden hat, bei welchem als Redner Mitglieder des amerikanischen Kongresses und Senats hervorgetreten sind. Wie groß die Wirkung des amerikanischen Protestmeetings sein wird, läßt sich nicht sagen. Das Meeting ist jedenfalls der Ausdruck eines spontanen Gefühls für Recht und Menschlichkeit. Anders steht es um die Entscheidung des Zionistenkongresses. Die Kongreßtribüne kann Maßnahmen proklamieren, die mehr bedeuten als feine platonische Kundgebung. Der Kongreß hat begonnen In den 38 Jahren, die seit dem ersten Zionistenkongreß in Basel verflossen sind, hat sich die geistige Haltung der Judenheit wesentlich verändert. Nicht daß die Assimilation verschwunden oder zum größten Teil zurückgedrängt worden wäre! Immer noch gibt es in den Ländern der Zerstreuung Juden, die dem nationalen Ideal fremd und sogar gehässig gegenüberstehen und versuchen, in anderen Lagern ein „politisches" Betätigungsfeld zu finden. Immer noch gibt es Schichten von Juden, die aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte nichts gelernt haben und sich an Parolen klammern, die augenscheinlich Schiffbruch gelitten haben. Und auch in der nichtjüdisehen Welt stößt man da und dort auf mangelndes Wissen und Uninformiertheit über das, was wir als Juden und als Zionisten wollen. Nichtsdestoweniger aber hat Herzls Idee Kreise ergriffen, die glaubten, mit dem Kampf gegen den Antisemitismus durch Aufklärung und jüdische „Bravheit" wäre alles getan und man könne, befreit von den Sticheleien und Anpöbelungen, weiterleben in die Ewigkeit; man müsse gegen die heftigen Formen des Antisemitismus auftreten, ein bißchen „Tradition bewahren" und das Judentum sei gerettet. Diesen Glauben haben unter der Wucht des zionistischen Gedankens fast alle verloren. Sogar die periphersten Juden wissen, daß es heute um eine gründliche Gesundung des jüdischen Volkskörpers geht, um eine politische, soziale und seelische. Sie wissen, daß diese Gesundung nur durch den Zionismus, allerdings einen hundertprozentigen, erreicht werden kann. Zuversicht und Besorgnis Soweit man die Lage überblicken kann, wird aus dem Luzerner Kongreß eine Leitung hervorgehen, die in ihrer Mehrheit der bisherigen gleichen wird. Darum sind die Besorgnisse des patriotischen Zionismus trotz des glanzvollen Eröffnungsbildes und der äußeren Kongreß-Prosperity nicht kleiner geworden. Leibbinden, (nie der Arzt sie verlangt: Das neue Corpufront-Stützmieder, leicht, weich, kein Druck, kein Verschieben, iedem Fall sorRlältig angepaßt, eine Erlösung lür starke Frauen, bei Schwangerschatt, Hängebauch, Unterleibsleiden, nach Operationen etc. Alleinverkauf: Gratisbroschüre Bnndagen-fflTkolgsch Wien II, Taborstraße 22 Das jüdische Schicksal ist kein Buchthema mehr. Es ist eine täglich zu erlebende Wirklichkeit. Das Beispiel Deutschland schlägt alle Einwände nieder. Darum ist das Interesse, das dem Luzerner Kongreß entgegengebracht wird, ein Symptom für alles, was heute unter der „Judenfrage" verstanden wird. Herzls grandiose Konzeption hat bewirkt, daß es eine Judenfrage ohne Palästina nicht gibt. Sie war und ist das erneuerte Geschichtsbewußtsein unseres Volkes: Aus Judennot durch Judenkraft zum Judenstaat! All die Rückschläge, die unsere Bewegung zu verzeichnen hatte, sind auf die Verletzung der Integrität dieses Gedankens zurückzuführen. Der Herzl- Zionismus hat eine einigende Kraft, aber nur er. Die Formänderungen der Zionistischen Organisation, wie sie unter der Aegide Weizmanns und seiner allgemeinzionistischen und linken Anhänger vorgenommen wurden, haben die Bewegung geschwächt, gespalten, diskreditiert. Wenn trotzdem Großes und Schönes geschaffen wurde, so geschah dies zum großen Teil unabhängig von der Organisation und gegen die zerstörerischen Kräfte einzelner zionistischer Fraktionen. Unabhängig von den Bestrebungen der Linken, in Palästina ein sozialistisches Gemeinwesen und nicht einen allen Juden gehörenden Staat aufzurichten, waren Menschen an der Arbeit, welchen die Schaffung der Grundlage des Jüdischen Nationalheims am Herzen lag — aus patriotischem Antrieb und unter dem Druck der Juden not, die sich nicht um enge Parteidogmen und sogenannte „kulturelle" Weltanschauungen kümmert. Die große Aufgabe des Kongresses — die Weiterführung der zionistischen Aufbauarbeit und deren politische Sicherung für die Zukunft — ist überaus verantwortungsvoll. Der Kongreß soll eine Exekutive wählen, die dieser Arbeit gerecht wird. Nahum Sokolow eröffnet Am Dienstag, den 20. August, abends, wurde der XIX. Zionistenkongreß in Luzern mit einer Ansprache des Präsidenten der Zionistischen Organisation, Nahum Sokolow, eröffnet. Sokolow gab einen Rückblick über die materiellen und geistigen Errungenschaften des Zionismus in den zwei Jahren seit dem Prager Kongreß. Er führte hiebei aus: „Geehrte Mitglieder und Gäste! Ich sage euch allen ein enthusiastisches „Schalom". Ich kann meine Rede nicht auf bessere Art beginnen, als mit dem Ausdruck der Freude über diese große Versammlung. Es ist heute ein großer Tag für unsere Organisation und unser Volk. Eine Zeit voll Wandlungen, reich an Geschehnissen, zieht an unserem Gedächtnis vorbei. In der letzten Zwischen-Kongreß-Periode war ein Aufstieg auf der ganzen Linie zu verzeichnen. Ueberau blüht neues Leben. Die Konsolidierung unserer landwirtschaftlichen Siedlungen auf dem Boden des JüdischenNationalfonds. ist in einem stetigen aktiven Fortschritt begriffen, neue Plantagen und Kolonien gesellten sich in großer Zahl zu den alten, und der Keren Hajessod arbeitet stetig und opferwülig für ihre Entwicklung und Prosperität. Eine neue -große Zivilisationsaufgabe haben wir mit der Erwerbung der Huleh-KonZession auf uns genommen, wir eröffnen ein neues Feld jüdischer Pionierarbeit in Mej-Merom. Die großen elektrischen Anlagen am Toten Meer liefern dem Lande ihre Arbeitskraft, helfen die natürlichen Schätze des Landes entwickeln und neue Industrien aufbauen. Die Einwanderung jüdischer Arbeit und jüdischen Kapitals hat in den zwei Jahren un-. geheure Fortschritte gemacht. Knapp 100.000 Juden haben wir ins Land gebracht. Tel-Aviv wurde Großstadt. Hier begegnen sich auf der Levante-Messe dreißig Völker in friedlichem Wettbewerb. Gekrönt ist diese Ausstellung durch das schon traditionell gewordene Sportfest unseres M a k k a b i. Die kulturellen Erfolge des Zionismus sine* noch wichtiger als der materielle Fortschritt. Die kulturellen Werte des Zionismus haben eine gesundmachende Wirkung auf unser Volk ausgeübt. Der größte Erfolg ist die Wiederbelebung der Sprache unserer Heiligen Schrift in Palästina. Dieses Werk muß entwickelt und vertieft werden. Die Hebräische Universität, die Krone unserer Kultur in Palästina, feierte den zehnten Jahrestag ihrer Existenz. Es ist jetzt der Grundstein gelegt "WD Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquit Aller Komtort. Elegant« /immer. Nabe am Meer und Kasino, Idealer Aufenthalt. Komplette Pension :fPres. 35.— ab Genua 2., ab Neapel 3. September 1935 III. Klasse von NEAPEL—HA CFA mit vorzüglicher, auch koscherer Verpflegung und Kabine..........Lire 650»— 50% ErmäOigung auf den königl. italienischen Bahnen Auskünfte: Ift «I I, Kärntnerring 6 ir«- i^.