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Die neue Welt · 1935-08-16 · Heft 489 (16.8.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 489 (16.8.1935)
Date
1935-08-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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% Preis 20 Groschen Jahrgang 9 Freitag/ den 16* Aar, T>' lo V« b« b« Py, , ang vom Verleger versendet sff$^ 'rnal expediö par l'editeur" R E u HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig ö 4.—, ganzjährig S 16. —; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark L—, vierteljährig Mark 3.— : Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljäTirig Lire M.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Diensfan u. Freitetff Die deutschen Nazi beim Der Präsident der Liga zur Abwehr des Antisemitismus, der bekannte französische Publizist Bernard kecache, der augenblicklich in Wien weilt, teilte Wiener Journalisten über die Stellung des französischen Volkes zum Antisemitismus folgendes mit: Die Liga zählte bei ihrer Gründung in Paris 31 Personen. Heute verfügt sie über Zweigstellen in der Schweiz, in Belgier, in der Tschechoslowakei, in den Vereinigten Staaten, in Aegypten usw. Das französische Volk kennt keinen Rassenhaß und wird ihn nie kennen. In Algerien, \v der Stadt Constantine, wo es vor einem Jahr einen Pogrom gab, konnte die Liga einwandfrei feststellen, daß diese Ausschreitungen von deu^r.vbeu Nu/iprovokateure« angezettelt \var<?tn, ciif» im Auftrage de» Prop&gamlami nlsteriumw einsäe völlig mittellose Araber hierzu bea.rbeitrt.3n. Die Provokateure winden von unseren Mitgliedern genau eruiert Der damalige französische Innenminister, der die Untersuchung auf unsere Intervention hin an Ort und Stelle leitete, hat mir die Richtigkeit, der Angaben bestätigt. Beteiligt an dieser Hetze war außerdem ein gewisser Henry L a u t i c r, ein mehrfach vorbestrafter Hochstapler, der mit deutschem Golde ein judenfeindliches Blatt „T a m - T a m" in französischer und arabischer Sprache herausgab. (J.T.A.) Maiala, ein sfirateflgisdiiCT Pnnht Aus Mailan d wird berichtet: ,,Corriere deila Sera" meldet aus Jerusalem, England , wolle seine Flottenbasis im Mittelmeer von iMalta nach Haifa verlegen und in Akabah am Roten Meer eine. neue. Flottenbasis für seine Streitkräfte errichten. Außerdem sei hier die Anlage eines Flugplatzes vorgesehen, sobald diese Bucht durch eine Eisenbahn mit Haifa verbunden sei. Palästina und Transjordunien würden zu einem . Opcratioaszentrum des britischen Heeres zwecks Verteidigung der britischen Interessen im Orient werden. Auf diese Weise könnte England mit der neuen Eisenbahn den Suezkanal umgehen und die englischen Waren könnton mit, der Eisenbahn von Haifa nach Akabah am Roten Meer oder nach Bagdad geschickt werden. Sowohl vom strategischen als auch vom wirtschaftlichen und politischen Gesichtspunkt aus sei die Insel IMalta nicht mehr zur „wichtigsten Flottenbasis" Großbritanniens im Mittelmeer geeignet. Syrien gegen das japanische Duflnpuig Aus Beirut: In den Verhandlungen über einen Handelsvertrag zwischen Syrien und Japan hat der Oberkoinraissär von Syrien gefordert, daß die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern auf der Grundlage der Kompensation aufgebaut werden. Falls Japan diese Bedingung nicht annimmt, sollen auf japanische Waren die höchsten Einfuhrzölle erhoben werden. Die Industriellen von Syrien und Libanon verlangen ein vollständiges Einfuhrverbot für die den Markt überschwemmenden japanischen Waren. Din Forderungen des syrischen Oberkommissärs sind Im Hinblick auf die ähnlich gelagerten Verhältnisse Im benachbarten Palästina von besonderem Interesse. Reichssporftbumfl für PogromfronS Aus Frankfurt a. M.: Der Reichsdietwart Kurt Münch hat folgende Anordnung erlassen: „Die Uebergriffe, die sich das Judentum zur Zeit wieder in allen Gauen Deutschlands erlaubt, zwingen Staat und Bewegung zi einer scharfen und klaren Abwehrstellung. Die Vorfälle, die wir Tag für Tag in den Tageszeitungen lesen können, beweisen, daß die Judenfrage und die Gefahr, die das Judentum für das deutsche Volk bedeutet, noch nicht allgemein anerkannt worden sind. Aus all diesen Gründen ordne ich an, daß auf dem Dietabend im Herbstmond (September) von allen Dietwarten des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen die Judenfrage behfl—^lt wird." (J.T.A.) Bm blühende Land — eine politische Gefahr? Die Judenstaatler auf dem Luzerner Kongreß Jahrzehnte hindurch mußte sich der Zionistenkongreß hart darum bemühen, die Welt davon zu überzeugeii, daß der Aufbau eines jüdischen Palästina keine leere Utopie, kein Produkt verrannter Phantasie ist. Ein Volk? Nein, eine formlose Masse von Händlern, wurzelloser Intellektueller, produktiver Arbeit ungewohnter und unfähiger Luftmenschen! Und Palästina, das Land? Ein kleines Stück der großen Erde, über welches zwei Jahrtausende der Zerstörung hinweggegangen sind und Steine, Sand und Sümpfe hinter sich gelassen haben. Ein solches Volk, ein solches Land — was kann da schon herauskommen, wenn man die beiden zusammenbringt? Die ganze nichtjüdische und der größte Teil der jüdischen Welt glaubten einfach nicht an zionistische Möglichkeiten. Hotel Arras 7 Avenue Baquis Allel ivuiuiuK. lili'nanf: /.inniKi. iNahe am Meei und Kasino. Idealer AufenthaU. 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Im Hintergrunde des blühenden Palästina steigt riesengroß eine politische Gefahr auf: Der Neid und die Begehrlichkeit einer politisch zerrissenen und nach neuen politischen und wirtschaftlichen Stützpunkten hungrigen Umwelt. * Das arme und aussichtslose Palästina hat jeder den Juden gegönnt. Keinem ist es eingefallen, einen Juden daran zu hindern, in die „Wüste" am Jordan zu gehen, um dort schwer mit Sand und Sümpfen zu kämpfen, zu darben, krank zu werden, sich mit Arabern herumzuschlagen. Wer ins arme Palästina wollte, der brauchte nur die paar Schritte zum nächsten englischen Konsulat zu tun und hat dort nach wenigen Minuten seinen Paß und Segen auf den Weg bekommen. Wer heute nach Palästina will, in das glückliche Palästina, in das blühende Palästina, in das •; reiche Palästina, der findet den Weg gesperrt. Wer heute nach Palästina will, wird als unverschämter Eindringling betrachtet und behandelt. Die Tür Palästinas, die noch vor kurzem den Juden weit offen stand, ist bis auf einen kleinen Spalt geschlossen. Wer hinein will, muß warten, und wenn ihm zu Hause das Wasser schon an den Mund reicht. Er muß warten und warten und kämpfen und schwindeln. Zwi- ' sehen den Juden und das jüdische Land — seitdem es blüht — hat sich eine starke, fremde Macht geschoben. Ist das ein geringfügiger Zufall, über den man mit ein bißchen Geduld hinwegkommt? Oder ist es ein bedeutsames Zeichen für die Zukunft? Um das arme, wirtschaftlich und politisch nichtssagende Palästina hat sich die große Welt jahrzehntelang nicht gekümmert. Hie und da ein© Notiz über Zwischenfälle, Zusammenstöße. Der Pogrom 1929 mußte kommen, um etwas größere Publizität über Palästina anzuregen. Dann ging man, wieder zur Tagesordnung über. Jetzt, da die „Prosperity" über Palästina gekommen, ist es in den Mittelpunkt der Betrachtungen der Weltpresse gerückt. Sie bringt eine Ueberfülle von Nachrichten und eingehenden Abhandlungen. Immer und immer wieder wird die Bedeutung Palästinas für die Wirtschaft und vor allem für die Politik Vorderasiens und damit für die ganze Welt hervorgehoben. Die Presse aller Länder fordert von ihren Regierungen und wirtschaftlichen Machtfaktoren erhöhtes und tatkräftiges Interesse für Palästina. Dort ist wirtschaftlicher Vorteil zu holen, dort sind wichtige poetische Stützpunkte zu suchen! Neben der Bedeutung des aufstrebenden Palästina verblaßt diejenige des anderen Orients. Man hebt hervor, wie wichtig dieses Palästina geworden ist. Wer den Suez-Kanal in der Hand hat, hat freien Weg nach Asien, so sagte man vordem. Jetzt sagt man schon, daß Palästina. der Schlüssel ist. Sagt man das um der Juden willen, aus Freude darüber, daß die Juden an den hochbedeuteten Schlüssel gerückt sind? * Man hat die Juden in Palästina arbeiten lassen und sie haben dort Großes hervorgebracht und neue, gewaltige Möglichkeiten erschlossen. Aber es ist ja nichts Neues, daß man Juden dort arbeiten läßt, wo noch nichts ist. Man hat die Juden in Spanien arbeiten und Handel und Gewerbe und Verkehr entfalten lassen, bis man glaubte, sie nicht mehr zu brauchen. Dann hat man sie abgeschoben, unter dem oder jenem Vorwande, um sich an ihren Platz stellen zu können. Das hat sich unzählige Male an anderen Stellen wiederholt. Ein Prozess, der sich jetz in allen Ländern deutscher und slawischer Zunge vollzieht. Soller sich auch in Palästina wiederholen? Sollen auch dort die Juden arbeiten und arbeiten — für andere? Arbeit ohne politische Sicherung ist letzten Endes Arbeit für andere. Für die jüdische Arbeit in Palästina muß die entsprechende politische Sicherung geschaffen werden. Diese Sicherung liegt einzig und allein darin, daß der Jude in Palästina als Herr im eigenen Hause arbeitet. Er darf in Palästina nicht Mieter und Aftermieter sein, der hinausgejagt wird, wenn es dem Hausherrn so gefällt. Als ivvmmwMMi!iimJm Die großen, vorzüglichen Salonschiffe „Ualilea", „Palestina" und „Gerusalemme" der direkten Eillinie TRIEST —JAFFA des LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahl* Zeiten täglich bloß Lire 555.— / Auskünfte; Lloyd Tr.'estino, Wien I. Kiintnerrin.iT Nr. 0

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