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Die neue Welt · 1935-08-13 · Heft 488 (13.8.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 488 (13.8.1935)
Date
1935-08-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Nr. 483 '!■ fkätcketUkeMee l/ott Hlauo Hcohz (Tel-Amt) Der Autor dieses Aufsatzes iat ein Wiener Künstler, clor seit einem Jahr in Palästina als tlogi;-s:ur wirkt und sich boreits einen guten Namen gemacht hat. Wenn ich heute darangehe, ein h c b r ä i s c h o s Märchentheater zu schaffen, so ist das keinesfalls eine reine Geschäftsidee. Man weiß zu gut, daß in Palästina mit Theater nicht so ohne weiteres Geschäft zu machen ist. Die Bühnen, die lange Jahre hier im Lande sind, behaupten sich nur sehr schwer, alle neuen Unternehmen, selbst wenn sie künstlerisch auf der Höhe sind, können sich trotz größter Opfer nicht durchsetzen. Vielfach liegt es ja an der Unkenntnis der hebräischen Sprache seitens der breiten Masse, die lieber ins Kino geht, weil man hier nicht so sehr an die Sprache gebunden ist. Mich bewog, mich ernstlich mit der Durchführung des Kindertheaters zu befassen, die Tatsache, daß hier für das Kind nur sehr wenig getan wird. Die Kleinen werden nachmittags ins Kino geschickt, wogegen nichts einzuwenden wäre, wenn für die kleinen Schüler ein eigenes Filmprogramm gezeigt werden könnte. Das ist aber nicht der Fall. Meist sehen sie Filme, welche für sie unverständlich sind. In allen großen Städten Europas bringt man an den Bühnen Märchenvorstellungen für die Kleinen, Klassiker für die Größeren. Wohl bringen hier einige Schauspieler dann und wann Märchenvorstellungen heraus, aber nur selten und unregelmäßig. Anderseits wissen Erzieher viel darüber zu erzählen, wie Kinder auf Theater reagieren. Auch ich, der ich in Wien viele Märchen inszenierte, kenne die Kinderseele in bezug auf Theater. Eine Vorstellung ist für sie das größte und schönste Erlebnis. Sie sehen und hören. Wohl auch im Kino. Aber im Theater sehen sie wirkliche Menschen, sehen Farben und bekommen Kontakt mit den Schauspielern, die mit den Kindern in der Kindersprache sprechen. Sie werden angeregt, machen sich allerhand Gedanken, fangen an zu erzählen, dichten selbst und die Phantasie sucht sich neue Wege. Kinder sind rigorose Kritiker. Es ent geht ihnen nichts. Mit unbeschreiblicher Anteilnahme verfo'j'en sie die Geschehnisse oben. Ich erinnere mich, als wir einst einen Abstecher in eine Provinzstadt machten, wo es nur selten Vorstellungen gibt (wir spielten damals „Schneewitchen und die sieben Zwerge"), wie die Kinderdie Bühne stürmen wollten, weil die böse Stiefmutter dem Schneewittchen den vergifteten Apfel anbot. Ich bin mit dem Kindertheater verwachsen. Als ich nach Palästina kam, war meine erste Frage: Welches Theater gibt hier Märchenvorstellungen? Nun bin ich daran, ein Theater für Kinder ins Leben zu rufen. Was braucht man für solch ein Theater? Zunächst müssen alle Teilnehmer Kinderfreunde sein. Autor, Regisseur, Schauspieler, Komponist, Musiker, Maler, kurz alle. In Wien werden oder wurden am Raimund-Theater allwöchentlich dreimal Märchenvorstellungen gegeben. Meist waren es Märchen von Emil Jankö; er war seinerzeit Lehrer und gab seinen Beruf auf, da er es nicht überwinden konnte, nach den beengenden Normen Unterricht zu erteilen. Er wurde Schauspieler und begann auch Märchen zu schreiben. Auf Grund seiner Bühnenpraxis bearbeitete er die Stücke so, daß sie leicht aufführbar wurden. Auch ich habe mich hier an einen Lehrer gewendet, der als besonderer Kinderfreund bekannt ist und sich in seiner freien Zeit mit' Theaterliteratur befaßt. Er wird zunächst Sagen von B i a 1 i k für die Bühne bearbeiten. Ich werde aber auch, wenn das Unternehmen zustande kommt, Märchen übersetzen lassen. Einen wichtigen Faktor bildet (nebst Musik und Kinderballett) die Dekoration. Ich stehe hier unbedingt auf dem Boden des Naturalismus. Auch für dieses Gebiet habe ich mir die richtige Verbindung gesucht. Eine Dekorationsmalerin, die für Bilderbücher malt, soll die Dekorationen herstellen. Auch die Art der Darstellung muß durchaus realistisch sein... Ich will mich von Haus aus gar nicht auf eine sogenannte Richtung festlegen, sondern auf Grund der Vorstellungen versuchen, den Wünschen der Kinder und ihrer Erzieher nachzukommen. Langsam sollen die Kinder selbst zur Mitwirkung herangezogen werden; als Schauspieler, Maler, Dichter, Musiker usw., je nach Neigung und Talent. Wohl fehlt noch Geld für die Sache. Aber bei dem Interesse für das an Entstehen begriffene Unternehmen wird sich wohl jemand finden, der das notv/endige Kapital zur Verfügung stellt. Im übrigen habe ich einen Organisationsplan entworfen, der vorsieht, daß die Vorstellungen durch die Schulen besucht werden. Man darf nicht glauben, daß diese Arbeit einfach ist. Es ist viel schwerer, Kindervorstellungen zu machen, als Stücke für Erwachsene zu stellen. Für die Kinder muß wirklich alles klappen. Großen Wert lege ich auf Kostüme und noch größeren auf das Ballett. Auch für das Ballett habe ich Vorbereitungen getroffen. Solch ein Unternehmen muß von Anbeginn für alles Vorsorge treffen. Dann gibt es auch kein Geldrisiko. Mein Plan sieht alles Nötige vor. Natürlich müßte die Unterstützung der Schuldirektoren da sein, damit die Schulen gemeinsam bei ganz kleinen Eintrittspreisen zu diesen Aufführungen gehen. Ich will etwas schaffen, wofür mir die Kinder ein freundliches Lachen schenken werden. Mit diesem Geschenk bin ich vollauf zufrieden. Ein glückliches Kindergesicht. Augen voll Tränen und Heiterkeit, stimmt das nicht auch Eltern und Lehrer fröhlich? Niemand weiß, mit wieviel Hingabe alle Mitwirkenden für Kinder arbeiten. Die Kinder sollen Freude am Theater bekommen, sie sollen einmal gutes Theatorpublikum werden, und deshalb muß man ihnen die Märchen schön und gut vorführen. Ich werde für das Gelingen alles tun, was in meiner Macht liegt, gestützt auf meine Kinderliebe und Erfahrung. Jetzt gilt es nur noch, die Geldmittel aufzutreiben. Nach meinem Projekt amortisiert sich das Kapital in ungefähr zwei Jahren. Derjenige, der es vorstrecken wird, setzt sich ein Denkmal im Herzen der Kinder. Die Nadindifen aus Belgien J. T. A. berichtet: In einer gemeinsamen Sitzung der interministeriellen Flüchtlingskommibsion mit Vertretern des jüdischen Flüchtlingskomitees und der HICEM, ist beschlossen worden, bis zum 4. November .1935 keine deutschen Flüchtlinge mehr aus Belgien auszuweisen: es wird erwartet, daß bis zu diesem Zeitpunkt der größere Teil der deutschen Flüchtlinge Belgien verlassen haben wird. Nach dem 4. November werden die Verhandlungen zwischen der Regierung und den jüdischen Flüchtlings-Institution e n wieder aufgenommen werden, um zu beschließen, was mit jenen Flüchtlingen zu geschehen habe, die noch in Belgien verblieben sind. Der Präsident des Komitees für den Schutz jüdischer Rechte, Torczyner, hat beim Innenminister Vorstellungen dagegen erhoben, daß ausländische Markthändler — in Belgien handelt es sich bei solchen vornehmlich um Juden — Erkennungsmarken tragen müssen, die sie von den belgischen Bürgern unterscheiden. Der Innenminister gab Herrn Torczyner die Versicherung, daß die Bestimmung über die Erkennungsmarken nur für drei Monate Gültigkeit hat und dann außer Kraft gesetzt werden wird. Der Magistrat von Antwerpen beschloß, einen speziellen Polizeibeamten mit gründlichen Kenntnissen der jiddischen Sprache einzustellen. Hachajtm Halalu. Wie uns mitgeteilt wird, erscheint u^nnächst in Tel-Aviv die illustrierte Wochenzeitung „Hachajim halal u", die erste große illustrierte Zeitung Erez-Israels in hebräischer Sprache. Damit wird ein seit langem fühlbarer Mangel im hebräischen Zeitungswesen behoben. An alle Freunde der hebräischen Kutlur. Der Hebräische Kulturverband ,,Javneh" in (izhornd (Podkarpatskä Rus) ersucht auf ilkseni Woge allr ji':<!i:\:h<ni Institutionen und Freund" der helniiischcn Kultur, Lehrbehelfe für Physik und N'atur.'ehre für uns hebräische Rcal-Refomgymmu;iuni in [J/horod gefälligst .spenden zu wollen. Hunderten jüdischen Kindern wird dadurch die Möglichkeit gegeben, an einem heimischen Gymnasium, zu studieren und eine Erziehung im freiste der jüdischen. Renaissance zu erhalten. Adresse. „J avneh" hebrejsky kuiturni r,vuz v Uzhorode S. R. Aufruf des „Bund iiUUsduev frorc$so!«r.«jÄ4?n öesteg-reäcä»!»" Der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs hat im Vorjahre in Erfüllung einer se iner heiligsten Pflichten auf dein jüdischen Hcldeiifriedhofe in \\ ien 100 Grabsteine für im Weltkriege gefallene Soldaten errichtet. Noch gibt es ungefähr 200 Ileldengräber ohne, Grabstein. Es ist eine Ehrenpflicht, diesen toten jüdischen Helden Grabsteine zu stellen. Der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs setzt diese Aktion fort und will sie im heurigem Jahre beenden. Helfen Sie, die hiezu notwendigen Geldmittel aufzubringen! Spendet für die Grabsteinaktion de« „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs". Ehret unsere Im Weltkriege gefallenen Helden* Aus dem Bade Luhacovice Auch der zweite Monat der Hauptsaison des Kurortes Luhaöovice verzeichnet steigende Frequenz. Diese Tatsache bietet den wiederholten Beweis, daß dieser schönste Kurort der Tschechoslowakei äußerst bei liebt ist, wo sich die Natur märchenhaft zeigt. Einzig schön ist der Herbst im Bad Luhacovicc, wo äußerst günstige Pauschalkuren verabreicht werden. Aus den Tagesberichten ward ersichtlich, wie programmreich die heurige Saison war und folgt dem H. der III. Waldlauf um den Wanderpokal der Kurdirek« tion, zu welchem außer anderen, die berühmten Leicht-* athletiker Rozvoda aus Praha und Koäcak aus Brno, ge* meldet sind. Am 15. d. JVI. folgen große Trachtenfeste, die als einzig schön bezeichnet werden können* Am 17. und 18. d. M. werden weiter die traditionellen Autotage, mit Plakettenfahrt, Concours d'Eleganca und Auto-Motto-Turnier abgehalten, sodann folgen noch weitere Veranstaltungen, wie Wettspiele, Ping-Pong usw« Die Statistische Abteilung weist zum heutigen Tage einen Besuch von 35.355 Gästen gegenüber 33.957 des Vorjahres auf. In zweieinhalb Tagen nach Palästina. Am 3. Sep* tember nachts läuft der Riesenluxusdampfer „Roma'* (33.000 Tonnen) der „Italia"-Schiffahrtsgesellschaft von Neapel aus und trifft in Haifa bereits am 6. September früh ein. Hiemit ist die kürzeste Verbindung zwischen Europa und Palästina hergestellt. Der in Palästina bereits bestens bekannte Ozeandampfer, der den Reisenden jeden Komfort bietet, ist auf einer Vergnügungsreise begriffen und wird außer den erwähnten Häfen Portsaid (Cairo) und Phaleron (Athen) berühren. Auskünfte: „Italia"-Cosulich, Wien, I., Kärntnerring 6. 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