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Die neue Welt · 1935-08-13 · Heft 488 (13.8.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 488 (13.8.1935)
Date
1935-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang 9 Dienstag, den 13« August 1935 Nr« 488 V« b.b* DIE NEUE Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par V&dlteur- 186 Titl. v*"**mu REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei moinAMofc icC , vierteljährig Kc 15. —; Jngoslawien monatlich Dinar 11.—. vierteljährig Dinar 40. —; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig WO. —; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Marli 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: nfflm, -rnoae^Hch Lire 5.—, vierteljährig Lire 11.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer* IFraivy? 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX, Universitätssir. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag a. Freitag La CiB3as*dia§ Leben bedroht Aus Paria wird gemeldet: Der New-Yorkcr Korrespondent des Pariser Blattes „L e Journal" hat an seine Zeitung dlo Mitteilung geschickt, daß die Polizei einem Attentat auf den New- Yorker Bürgermeister La Guardia auf die Spur gekommen sei. Das Attentat haben N e w- Yorker Nationalsozialisten vorbereitet, um an La Guardia Rache zu nehmen, der durch seine scharfen Erklärungen bezüglich des Naziregimes und der Judenverfolgungen in Deutschland die öffentliche amerikanische Meinung stark beeinflußt hat. Die Polizei-Untersuchung ist im Gange. Die Bewachung La Guardias ist verstärkt worden. Weil wir leben wollen Weltpolsfck der Wödse Jtsdesisfääräspaffteü in Palästina legal Aus Jerusalem wird gemeldet: Die ücgierung, die dem Statut der Judens t a a t s p a r t e i in Pa 1 ä s t i n a die Genehmigung deswegen versagt liatte, weil es die Förderung nach einem f Judenstaat mit jüdischer Mehrheit „zu beiden Seiten des j Jordans" enthielt, hat nunmehr das abgeänderte Statut der Partei gebilligt, welches den folgenden Programmpunkt enthält: Der Zionismus als die nationale jüdische Bewegung erstrebt in Uebereinstimraung mit dem Mandat die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in den historischen Grenzen, basierend auf jüdischer Mehrheit. ÜEasftBcge Sdhlägereien m Haifa Der Warschauer „Moment" vom 11. August meldet aus Haifa: Große Aufregung in der jüdischen Bevölkerung hat ein blutiger Zusammenstoß zwischen jüdischen Arbeitern im Emek Sebulun bei Haifa hervorgerufen. Die Traktorarbeitern auf einer Siedlung des Hapoel Hamisrachi im Emek Sebulön wurden der örtlichen Arbeiterkooperative „Hamachschir" Ubergeben. Die Haifaer Abteilung der Histadruth aber verlangte vom Hapbel Hamisrachi den Bruch des Kontrakts mit „Hamachschir", indem sie die Arbeitsausführung für sich beanspruchte. Der Hapoel Hamisrachi lehnte dieses Ansinnen ab, worauf es zu einer blutigen Auseinandersetzung kam. Fünf Mitglieder der Haifaer Histadruth wurden von der Polizei verhaftet. Ihnen wird der Prozeß gemacht werden. Der „Haarez" lädt die Schuld au den Geschehnissen auf die Anordnungen der Haifaer Histadruth, während das Arbeitcrorgan j.Dawar" erklärt, daß der „Hamachschir" eine Kooperative nichtorganisierter Arbeiter sei, welche der Histadruth Konkurrenz machen. Die großen, vorzüglichen Salonschiffe „Uulilea", „Palcstina" und „GeruBalemmc" der direkten Killinie TRI EST-JAFFA des LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag / Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß Lire 555.— / Auskünfte; Lloyd Trlestino, Wien I. Käntnerring Nr. 6 Der „italienisch-abessinischc Konflikt" war vom Tag an, wo er sich kriegerisch zuzuspitzen drohte, ein diplomatisches Aktenstück geworden, dem man je nach Temperament und Fleiß ein paar Blätter beifügen konnte. Auf die zynische Frage, ob „es" zum Krieg kommen werde, antwortete die Weltpresse mit einem nicht minder zynischen Achselzucken, das je nach Englands Auftreten in Rom und Genf bald kräftig, bald skeptisch ausfiel. Man redete bei dem Versuch, der Welt ein Bild moralischer Harmonie zu bieten, ausschließlich von kulturellen Aspirationen. Aber man kam damit nicht weiter. Die öffentliche Meinung wurde nervös. Das Quartett Englnnd-Frankreich-Italien-Abessinien klappte nicht. Erst als das Organ Mussolinis eindeutig Italiens abessinische Ansprüche bekanntgab, wurde klar, daß hinter den Kulissen nicht um Theorien, sondern um Maehifragen gekämpft wurde. Jetzt gibt es auch nach außen hin keine Zweifel mehr. Italien geht nicht nach Abessinien, um dort den völkerrechtlich verpönten Sklavenhandel abzuschaffen. Auch ist es nicht sein Ziel, Zivilisation und Kultur dorthin zu tragen. Keine moralischen und ästhetischen Aufgaben sieht „das neue Italien" in Abessinien. Es ist unser vitalstes Inte resse, schreibt das Organ Mussolinis, in A b c s s nien Raum zu gewinnen. Italien braucht Abessinien zum Leben, zum Atmen. Das behaupten die Italiener. Wieweit diese Behauptung zutrifft, wollen wir nicht prüfen. Italiens Expansionsdrang machte sich schon vor Jahrzehnten geltend. Die erste Etappe dieses Dranges hieß Tripolis, die zweite heißt Abessinien. Die Welt, die zivilisierte, nach ethischen Grundsätzen sich regulierende Welt, wird Italien gewähren lassen. Italien wird seinen „vitalsten Interessen" Genüge tun können. Es ist nicht schwer, eine Analogie in den zionistischen Aspirationen zu finden. Wenn schon das freie, unabhängige, bewaffnete, durch Bündnisse und Sympathien geschützte Italien die Befriedigung seiner angeblich vitalsten Interessen beansprucht, mit viel mehr Recht kann das jüdische Volk die Befriedigung seiner vitalen Bedürfnisse fordern — in einer Epoche, da es in den meisten Ländern eines unmenschlichen, seine physische, geistige und wirtschaftliche) Existenz bedrohenden Druckes ausgesetzt ist? Wer bestreitet, daß das jüdische Volk sich in ständigem Belagerungszustand befindet, wer leugnet, daß die Juden fast überall, wo sie in größerer Zahl wohnen, gesetzlichen und ungesetzlichen Attacken ausgesetzt sind, der tut es aus Kurzsichtigkeit oder Gehässigkeit, Der Fall Hitler-Deutschland allein läßt die Gefahr, in der die Juden sich befinden, erbarmungslos erkennen. Wir können darum Mussolinis Wort ohne Schwierigkeit auf unsere jüdische Situation auwenden: Wir verlangen Palästina nicht aus historischen Gründen, nicht um im Vorderen Orient Zivilisation und Kultur zu verbreiten, nicht einmal deshalb, weil es uns als unsere Heimstätte vom Völkerbund zugesichert wurde. Wir verlangen Palästina ob der vitalsten Interessen des jüdischen Volkes. W i r v e rlangen Palästina, weil wir leben wollen. Bisher war — wie im Fall Abessinien — der Begriff „Englisches Mandat übev Palästina" nicht viel mehr als eine diplomatische Formel. Die zionistische Exekutive verhandelte mit der palästinensischen Administration bisher immer unter dem Rechtstitel des Mandats. Ein wohl begründeter Titel, ein solcher, den die englische Regierung offiziell nie negieren konnte. Heute, in den Stunden eines welthistorischen Prozesses, innerhalb welchem wir unsere Kolonisierungsfähigkeit erwiesen haben und unser Verfolgtsein tägliches Ereignis ist, müssen wir unseren, aus dem Mandat fließenden Berechtigungsgründen noch den einen hinzufügen: Wir wollen leben! Es geht also nicht um Irgendwelche Dogmen, politische Verträge, kulturelle Errungenschaften und Sechtsbegriffe, sondern um die v i t a 1 s t en Interessen eines Volkes, das diese laut der Welt verkündet ... o. r. Der gelbe Fleck ,fSespefe4 vor dem IrSakenS&reBis" Die Diffamierung der Juden in Deutschland beschränkt sieh st-hon längst nicht mehr auf den gesellschaftlichen und privaten Bereich. Sie wird jetzt mit allen Mitteln des Terrors, der vor einem Mord nicht zurückschreckt, bis ans Aeußerste betrieben — mit der deutlich erkennbaren und offiziell geäußerten Absicht, die Juden nun auch wirtschaftlich zugrunde zu richten. Ausgeschlossen von jeder Arbeiter an Staat, Stadt, Werkstätte, hinausgejagt aus zahllosen Orten, vertrieben aus Wald- und Wieseneinsamkeit, wird der deutsche Jude zu innerer Einkehr innerhalb seines eigenen Heims gedrängt, und das gleich bei Beginn des Hitler-Regimes für ihn geprägt« Wort „Ja-Sagen zum Judentum" wird ihm zum seelischen Halt nach innen und außen. Wie dieser Prozeß der Pauperisierung und Aechtung enden wird, läßt sieh zur Zeit nicht sagen. Registrieren wir. wie in der Vorwoche, die Tatbestände: In einem Artikel „Klarheit über jüdische Geschäfte", den der „Wirtschaftspolitische Dienst der nationalsozialistischen Parteikorrespondenz" verbreitet, wird eine Kennzeichnung jüdischer Geschäfte durch behördliche Anordnung verlangt. Durch die Kennzeichnung werde der Jude die reale Macht der nationalsozialistischen Idee fühlen und werde Respekt vor ihr bekommen. Deutsche aber würden nicht mehr in Gefahr geraten, durch den Juden in Unannehmlichkeiten verwickelt zu werden oder gar (z. B. durch eigenmächtige Kennzeichnung jüdischer Geschäfte) mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Es wird angeregt, daß auf Grund gesetzlicher Bestimmungen sowohl beim Eingang als auch an allen Schaufenstern auffallende Plakate in gelber Farbe mit. der Aufschrift „Jüdisches G eschäft" befestigt werden müssen. Es wird allgemein damit gerechnet, daß dieser Plan der nationalsozialistischen Parteikorrespondena bald Gesetz werden wird. Sie terrorisieren und drohen Aus zuverlässiger Quelle erfährt die J. T. A., daß die Parteiführung der NSDAP, den Monat August durch geheime Order als Monat der Judenverfolgung bestimmt hat, und zwar zur Vorbereitung der Durchführung der vom Parteitag in Nürnberg im September zu beschließenden Judenentrechtungsgesetze. Man rechnet damit, daß die Judenverfolgungsaktionen sich in der zweiten Augusthälfte verstärken und in den letzten Augusttagen — kulminieren werden. Zur Abwehr der Reaktion des Auslandes hat der Reichsinnenminister Dr. Pric k in seiner Essener Pkede eine Warnung an die Juden des Auslandes, besonders A m erikas, ergehen lassen, daß Proteste und Demonstrationen gegen das Dritte Reich izn Auslande den Juden in Deutschland nicht nur nicht helfen, sondern nur eine negative Wirkung haben werden. Wie aus Berlin gemeldet wird, bildete in den letzten Tagen der O 1 i v a e r Platz im besten Wohnviertel des Berliner Westens das Zentruni anti jüdischer Aktionen. Alle Schaufenster der jüdischen. Geschäfte dieser Gegend wurden mit antisemitischen Losungen beklebt und bemalt. Jüdische Greise, Frauen und Kinder wurden aus der Grünanlage des Platzes vertrieben, die Kinder mußten auch die Spielplätze verlassen. fVflassenverhatftungen Entsprechend der Geheiminstruktion der Parteileitung der NSDAP, an die Unterführer, daß der Monat August ein Monat der Judenverfolgung im ganzen Reiche zu sein habe, steigt mit jedem weiteren Augusttage die Welle der Judenverfolgungen. Aus viele« Teilen des Reiches werden neuerdings Masseirven*

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