Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 486 (6.8.1935)
- Date
- 1935-08-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Groschen Jahrgang 9 Dienstag/ den <*♦ August 1935 Nf* 4M V* b**h» Zeitung vom Verleger veraendet »Journal expedie par rediteur4* Titl. Universitätsbibliothek EVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—: Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15. — : Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Marl: 3.— : Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verivaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Weltpolitik der Woche Die Erregung, die während der letzten Wochen allenthalben in der Welt rings um den italienischabessinischen Konflikt herrschte, hat einer nüchterneren Betrachtung Platz gemacht. Es ist Z e i t gewonnen worden, also das Wichtigste, das bei großen internationalen Spannungen und Vermittlungen gewonnen werden kann. Die Genfer Völkerbundratstagung hat die italienischen Aspirationen in weitestgehendem Maße anerkannt und die letzte Entscheidung einer Konferenz der Dreiermächte im September anvertraut. Italien ist als Anwärter auf eine abessinische Einflußsphäre legitimiert; es geht nun darum, diesen Anspruch in der Praxis zu verwirklichen. Da die abessinische Frage ein Weltproblem geworden ist, so wird der Ausgang dieses Konflikts ein Maßstab sein für den Wert des Völkerbundes, bzw. für das Verhältnis der Mächte zu ihm. Das moralische Prestige von Genf ist. vorläufig gerettet. Ob bei der Septemberkonferenz der drei Mächte Italien, England, Frankreich die Richtlinien Genfs noch werden gewahrt werden können, ist eine andere Sache. Und hierin liegt der Ausgang der Angelegenheit: Nur die größten Kompensationen werden Mussolini davon abhalten, seinen Willen auf militärischem Weg durchzusetzen. Alles ist noch in Schwebe. Die Hoffnung, daß die Besprechung der drei Großmächte ein definitives, Ruhe verbürgendes Resultat bringen werde, kann als gering bezeichnet werden. Es wird so lange keine Ruhe geben, bis England seinen Anteil an der abessinischen Beute im Trockenen hat. # Die neue Haß- und Verfolgungswelle in Deutschland hat wohl allen, die auf die Wiederkehr zur Vernunft hofften, die Unvereinbarkeit des Nazismus mit Menschlichkeit und Recht gelehrt. Auch der Rest der deutschen Judenheit, der sich in die Hoffnung eines anonymen Daseins geflüchtet hatte, muß jetzt Farbe bekennen. In Hitler-Deutschland ist nicht einmal mehr ein Nebeneinanderleben von Juden und Ariern, von jüdischen und nationalsozialistischen Staatsbürgern möglich. Es hat keinen Sinn, sich auf Normen des Völkerrechts, der Humanität zu berufen und davon sein Heil zu erwarten. Nazideutschland ist der Verachtung der ganzen Kulturwelt preisgegeben. Aber diese Verachtung hat nicht die Kraft, den Hitlerismus zur Abdankung zu zwingen. Sie kann ihn — bestenfalls- — zu weiteren Exzessen aufpeitschen. Denn das Dritte Reich hat sich bisher von keinerlei von außen kommenden Sentiments zu einer Aenderung seines Kurses 'bewegen lassen. Der Abscheu über die zahllosen Verbrechen des Regimes hat keinerlei Wandlung Deutschlands bewirkt. Sogar die jüngsten klaren Verurteilungen des hakenkreuzlerischen Pogromismus seitens des offiziellen Amerika (Roosevelt, Senator King, Borah u. a.) geben uns nicht das Recht, eine Abkehr von den bisherigen blutigen Methoden zu erwarten. Das nationalsozialistische Deutschland wird nicht zur Besinnung gebracht werden. Es kann in die Knie gezwungen, niemals aber „veredelt" werden. Keine Geschäfte mit Deutschland, kein persönlicher Verkehr mit den Machthabern, eine geistige Blockade, eine wirtschaftliche Abschnürung — das sind die einzigen Maßnahmen, die Erfolg verbürgen. Heber moralische Vorhalte lacht das zur Macht gelangte Plcbejertum. o. r. Das japanische Dumping in Palästina Wie von der Palästina-Regierung offiziell mitgeteilt wird, hat Japan im Verlauf des Monates März nach Palästina Waren im Werte von Pfund 82.477 eingeführt und im gleichen Monat aus Palästina Waren im Werte von nur 1 Pfund bezogen. (J. T. A.) Je-den SoHfriap ««h Polen uCzerno witz Abfahrten: 11., 18. und 28. August, Rückfahrten: 1. und 15. September, 21. Oktober „FRANC0P0L", III, Rennwag 1. Telephon IMo-fetO Die Empörung über NaziffDeuf§dhJand Die Wirkung der Nachrichten über die antijüdischen Exzesse in Deutschland und die weiteren Maßnahmen der Regierung gegen die Existenz der jüdischen Staatsbürger ist derzeit noch nicht abzusehen. Nachrichten aus einzelnen Ländern lassen wissen, daß hier allmählich die Erkenntnis von der wirklichen Lage in Hitler-Deutschland heranreift. Handelspolitisdie Repressivem Wie aus New York gemeldet wird, hat dort am 1. August eine von den jüdischen Organisationen New Yorks einberufene Protestversammlung gegen die erneuten Judenpogrome in Deutschland stattgefunden. In dieser imposanten und von der New-Yorker Presse vielbeachteten Versammlung erklärte der Hauptredner, der jüdische Abgeordnete des Kongresses der U. S. A. C e 11 e r, er habe am 30. Juli den Präsidenten Roosevelt im Weißen Haus zu Washington besucht und Präsident Roosevelt habe mit seiner Meinung in der Frage der Judenverfolgung nicht zurückgehalten, sondern seinen Standpunkt klar zum Ausdruck gebrächt. Präsident Roosevelt habe ihm, Celler, mitgeteilt, daß cr^ bereits den deutschen Botschafter Dr. Hans Luther ins Weiße Haus gebeten und ihm erklärt habe, daß gegen Deutschland R cpressalien auf handelspolitischem Gebiet werden ergriffen werden müssen, falls die Ausschreitungen gegen Juden und Katholiken in Deutschland nicht aufhören. Untersuchung gegen die Nazi Senator King und der Abgeordnete Samuel Dickste i.n, die im amerikanischen Kongreß bereits die Forderung nach Abbruch der Handelsbeziehungen zu Deutschland eingebracht haben, wendeten sich im Senat und im Repräsentantenhaus gegen eine Entschuldigungsgeste seitens der U. S. A. wegen des Vorfalls auf dem deutschen Schiff „Bremen". Dickstein erklärte: Der Untersuchungsausschuß des Repräsentantenhauses hat festgestellt, daß Deutschland den Handelsvertrag mit den Voreinigten Staaten verletzt hat. Ich werde weiter darauf dringen, daß der Kongreß eine neue Untersuchung über die nationalsozialistischen Umtriebe in den Vereinigten Staaten einleitet." Senator King erklärte: „Deutschland soll sich für die Art entschuldigen, wie es unsere Staatsbürger behandelt hat." Aktion der VölkerbundSiga Aus Genf wird gemeldet, daß die Leitung des Weltverbandes der Völkerbundligen an die Völkerbundligen in allen Ländern die von der XIX. Vollversammlung der Völkerbundligen gefaßte Resolution mit dem Ersuchen gesandt hat, deren Inhalt der Oeffentlichkeit in dem betreffenden Lande zur Kenntnis zu bringen. Die Resolution besagt u. a.: „In Anbetracht dessen, daß die erwähnten Maßnahmen die Juden des Deutschen Reiches von einer gleichen Behandlung vor dem Gesetz ausschließen und 'sie der ungeschriebenen Menschenrechte berauben, auf denen der Völkerbund und die Zivilisation aufgebaut sind, stellt die XIX. Vollversammlung nochmals fest, daß es im Interesse des Weltfriedens notwendig sei, daß alle Staaten ihren nationalen Minderheiten zumindest jene Rechte zubilligen, welche in den Minoritätenverträgen festgelegt sind. Pie XIX. Vollversammlung der Völkerbundligen fordert daher alle ihre Schwesterligen auf, ihre Regierungen zur Einhaltung dieser wichtigen Minoritätenbestimmungen zu bewegen und die öffentliche Meinung ihrer Länder für die Einhaltung der bürgerlichen und politisqhen Gleichberechtigung der Juden in Deutschland zu gewinnen." Die Anti-Nazi-Boykottbewegung breitet sich in den Vereinigten Staaten immer stärker aus; die fünf Millionen Mitglieder der amerikanischen Arbeiter-Föderation, die mit ihren Familienangehörigen 15 Millionen Konsumenten ausmachen, bilden einen mächtigen Faktor in der Boykottaktion. Gegenwärtig geht die Föderation daran, einen Fonds von » i 250.000 Dollar zur Stärkung der Boykottaktion zu schaffen; man hofft, daß der Fonds bald zustande gebracht sein wird. * In der Plenarsitzung des Verbandes der Rabbiner der Vereinigten Staaten und Kanadas wurde beschlossen, an den Präsidenten Roosevelt einen Appell um Schutz der. verfolgten Juden in Deutschland zu richten. In dem Appell heißt es u. a.: „In diesem Moment der Trauer wenden wir uns an das Oberhaupt unserer Regierung, den Beschützer menschlicher Freiheit und Kultur und Verteidiger der Zivilisation, um Rat und Hilfe." „B>euSsdie Studentenschaft" büeiht draußen Am 2. August hat die Internationale Studentenkonföderation den Prager Teil ihres Kongresses abgeschlossen. Abends reisen die Kongreßteilnehmer nach Trencsin-Teplitz, wo sie die Kongreßverhandluugen bis 6. August fortsetzen werden. Vor der Abreise aus Prag gab der Vorsitzende der Konföderation, Gino Gardini, Pressevertretern Informationen über die Struktur und die Tätigkeit der Internationalen Studentenkonföderation. Er erwähnte, daß sich die Studentenorganisationen Jugoslawiens, Irlands, Palästinas, der Vereinigten Staaten und Oesterreichs bei der Konföderation angemeldet haben. Dies ist deshalb interessant, weil die österreichische Studentenschaft bisher durch Vermittlung der „Deutschen Studentenschaft" organisiert war. Der Rassencharakter dieser Organisation habe zur Folge, daß sie nun allein da-« stehen wird. Der Völkerbund und die Flüchtlinge Aus Genf: Der Hochkommissär für die deutschen Flüchtlinge James MacDonald weilte auf der Durchreise in Genf. Nach einer kurzen Erholung in der Schweiz wird er Anfang September wieder nach Genf kommen, um hier der Aussprache in der Völkerbundversammlung über den Vorschlag der nor wegischen Regierung, eine zentrale Institution des Völkerbundes für den Schutz aller Kategorien der Flüchtlinge, auch der deutschen, zu schaffen, beizuwohnen. In Ausführung einer Entschließung des Völkerbundsrates vom 24. Mai, ersuchte der Generalsekretär des Völkerbundes alle Regierungen der Mitgliedstaaten, die Bestimmungen über die Ausfolgung von Nansen- Pässen auch auf Saarflüchtlinge auszudehnen. (J. T. A.) Für die judischen Aerzfe bei Palästina Aus London meldet die J. T. A.: „T i m e s" veröffentlichen einen Brief von Colonel Josiah W e d g w o o d, in welchem dieser den Entwurf einer neuen Verordnung in Palästina, wonach für neu zu erteilende Aerzte-Lizenzen jährliche Quoten eingeführt werden sollen, kritisiert. Im Dezember 1933, schreibt Wedgwood, gab es in Palästina 1043 Aerzte, von denen nur 165 einheimische waren. Seitdem sind etwa 300 jüdische Flüchtlings ärzte zugewandert, aber nur sehr wenige dürfen infolge der Verordnung ihren Beruf ausüben. Es sei dies der erste Fall im British Empire, daß eine Quote ungeachtet der Qualifikation festgesetzt wird. Die jüdischen Aerzte in Palästina, die die überwiegende Mehrheit der Aerzte im Lande ausmachen, haben gegen diese Beschränkung Protest eingelegt. Die jüdischen Aerzte sind bestqualifiziert. Die jüdischen Aerzte wollen von der Regierung keine Bezahlung, sie wollen nur die Möglichkeit, zu leben und zu arbeiten. Viele Jahre lang war Wien das Zentrum der Medizin, allmählich nimmt Jerusalem diesen Platz ein, da es für die ständig wachsende Zahl von Patienten aus dem Nahen Osten und aus Indien günstiger gelegen ist. Es Ist heute die Frage, ob die Traditionen Großbritanniens unsere Palästina-Politik bestimmen sollen oder die Praxis Nazi-Deutschlands. * ijie Verordnung der Palästina-Regierung über Einschränkung der Praxis neu eingewanderter Aerzte teilt die Bewerber In zwei Kategorien: a) Personen, die am 1. Dezember 1985 die Palästina-Bürgerschaft oder ständiges Wohn recht besitzen werden; b) Personen, die nach dem 1. Dezember 1985 Bürgerschaft oder Wohnrecht haben werden. Für die zweite Kategorie setzt der High Commissioner alljährlich ein© Maximala,uote für die Erteilung der Lizenzen f?«t»