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Die neue Welt · 1935-08-02 · Heft 485 (2.8.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 485 (2.8.1935)
Date
1935-08-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen lahrgang 9 Freilag, den 5* Augiiff 193$ 485 V. I ♦ vom Verleger versendet -Adle par rediteor'* REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Ke 15.—: Jogoslawlen monatlich Dinar ^—. vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.— : BnlKarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwele und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anseigen sind entgeltlich. Redaktion uf Verwaltung: lX,Universitä*sstr.8,7el. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u, Freitag Judenstaaf§partei' kämpft für ihr Recht In unserer Ausgabe vom 19. Juli brachten wir die Meldung, daß die palästinensischen Behörden die Registrierung der Judenstaatspartei verweigerten. Der Grund dieser Haltung lag darin, daß die Judenstaatspartei in ihrem Programm die Forderung nach Schaffung eines Judenstaats zu beiden Seiten des Jordan aufstellt und eine jüdische Mehrheit in Palästina anstrebt. Das Verbot der palästinensischen Judenstaatspartel fiel mit den Wahlen zum Luzerner Zionistenkongreß zusammen und hatte eine starke Benachteiligung dieser Partei zur Folge. Die Judenstaatspartei hat die Streichung der genannten Stellen aus ihrem Pnogramm abgelehnt und gegen die Verfügung der Behörden Berufung beim Obersten Gerichtshof eingelegt. Terror gegen jüdische Oiympiade?Sportler Wie die J. T. A. aus Berlin erfährt, ist dort eiri großer jüdischer Sportklub (Es dürfte sich um den Makabi handeln. Anin. d. Red.) behördüch verboten worden. Die jüdischen Sportler, die seinerzeit die Erlaubnis erhielten, für die. B e r Ii n e r Olympiade 1936 zu trainieren, erhielten den Bescheid, daß-sie von .der Teilnahme an der Olympiade ausgeschlossen sind. Damit hat Deutschland die von fast sämtlichen ausländischen Sportvereinigungen gestellte and von Deutschland seinerzeit angenommene Bedingung, daß im Zusammenhang mit der Olympiade- Diskriminierungen von Sportlern nach Basse und Religion nicht stattfinden ( sollen,1 eklatant vorletzt. Es entsteht der Ein- ' ^irucky als ob man in Berlin selbst nicht; mehr an die Abhaltung der Olympiade in di e s er Stadt glaubt und deshalb ' den Gefühlen gegenüber den jüdischen Sporfc- 1 lern nunmehr freien Lauf läßt. Die amerikanische Presse berichtet, daß die Absicht besteht, die Olympiade 1936 in Rom oder in London abzuhalten. Juden verlassen Berlin ■ Die Polnische Telegraphen-Agentur meldet aus Ber- Oin u. d. 29. Juli: In den Gassen Berlins wurden Aufrufe angebracht, ■Welche die Juden auffordern, die Stadt zu einem bestimmten Termin zu verlassen. Wie das „Deutsche Informationsbüro" mitteilt, befolgen die Juden diesen Aufruf und verlassen die Stadt in Massen. Die Ursache des Aufrufs soll darin bestehen, daß seitens Mitgliedern eines jüdischen S(Awimrnklubs „beleidigende Bemerkungen" (!) an die. Adresse von Rudolf Heß, dem Stellvertreter Hitlers, gewacht wurden. Anti|'ü<?i$die Unruhen in Danzig und Zoppot ' Aus1 Warschau: Hier sind aus Dan zig alarmierende Nächrichten über antijüdische Unruhen eingetroffen. Die von reichsdeutscheu Stellen angeordnete Kampagne zur Vertiefung der Nazi-Weltanschauung in Danzig artete in schwere antijüdische Demonstrationen aus. Immer wieder fuhren heimische SA.- Leute zusammen mit aus Ostpreußen eingetroffenen SA.- Äbteilungen durch die Straßen D a n z i g s und des Badeortes Zoppot und stießen in Sprechchören Schmäh- und Drphrufe gegen die Juden aus. Die Lastautos waren mit judenhetzerischen Transparenten versehen. In Danzig •wurden in den meist von Juden bewohnten Straßen, unter anderem auch vor dem Hause der jüdischen Gemeinde, von SAr-Leuten Barrikaden aus alten Möbelstücken aufgestellt und in Brand gesteckt. Dabei wurden antijüdische J^osungen ausgerufen. In Zoppot griffen die mit Lastautos eingetroffeneu Exzedenten das jüdische Kaffeehaus :„TaudingM an, mißhandelten die Kurgäste, unter ihnen zahlreiche Ausländer. Ausländische Juden, die protestierten, wurden' von SA.-Leuten mit Dolchen bedroht. In Danzig und in Zoppot haben die SA.-Leute große Plakate ,in den Straßen angeklebt, in denen die Juden aufgefordert werden, Danzig zu verlassen. Ueberau erschien die 'Polizei erst dann, als die Demonstranten weitergezogen »wea.( ( J. X A.X MacDonald kommt nach Warschau Aus Warschau wird uns gemeldet: Im Zusammenhang mit den neuerlichen Judenverfolgungen in Deutschland hat das Vereinigte jüdische Hilfskomitee für die Flüchtlinge ein« dringende Depesche an den Oberkommissär für Flüchtlingshilfe beim Völkerbund James MacDonald geschickt, worin auf den zu erwartenden neuen Flüchtlingsstrom aus Deutschland aufmerksam gemacht wird. Dieses Telegramm hat MacDonald ausführlich beantwortet. Er hat für die Ausführungen gedankt und erklärt, daß er über die Lage äußerst besorgt sei und die Ereignisse in Deutschland mit tiefem Ernst verfolge. Schließlich betont MacDonald in seiner Antwortdepesche, daß er alle Möglichkeiten einer effektiven Hilfe erwäge. Der Oberkommissär teilt ferner dem Hilfskomitee mit, daß er am 23. oder 24. August nach Warschau kommen werde und bittet das Komitee, ihm eine Konferenz mit den jüdischen Fuhrern zu ermöglichen, auf der die aktuellen Fragen der jüdischen Flüchtlingshilfe beraten werden können. Die Antwort des Oberkommissärs MaxDonald und Beine Bereitschaft zu einer Aussprache mit dem Warschauer Flüchtlingskomitee ist um so auffallender, als der bisher aufgebrachte Hilfsfonds für die deutschen Flüchtlinge bereits verbraucht ist und das vom Völkerbund eingesetzte Flüchtlingskommissariat demnächst liquidiert werden soll. Man nimmt an, daß Oberkommissär MaxDonald neue Schritte in Sachen der Flüchtlingshilfe unternehmen will. In den Warschauer jüdischen Kreisen hat die Nachricht von MacDonalds Besuch tiefen Eindruck gemacht. Pr*»ie§t gegen Nazeterror i'n Paris und New York Wie aus Paris gemeldet wird, fand auf Veranlassung des Präsidenten der Internationalen Liga gegen den Antisemitismus Bernard Lecache, in der Rue de Lancry eine Versammlung zum Protest gegen die neuen schweren Verfolgungen in Deutschland statt: Der Deputierte Pajil Perrin» Bernard;Lecache, G. A. Tedeäco," Leyin^Bgsohliiie, Zerapha und der Pater Mangold nahmen in dieser Versammlung das Wort; Man verurteilte die'zahlreichen Revolten gegen Katholiken .und Juden, man sprach von der zunehmenden. Zahl .der. sogenannten Selbstmorde oder der Erschießungen auf der Flucht und wies auch auf den beginnenden Widerstand ■ gegen den Hitlerismus hin, der sich überall bemerkbar mache. Zum Schluß der Versammlung haben die Versammlungsteilnehmer folgende Resolution angenommen:, „Die Bürger und Bürgerinnen, die sich auf den Aufruf der Internationalen Liga gegen den Antisemitismus hier eingefunden haben, brandmarken aas Wiederaufkommen des Antisemitismus, der sichin Deutschland durch Vorgänge - barbarisoben Terrors offenbart und.sich durch immer größere Erpressungen gegen Katholiken und alle die, die versuchen, ein freies Wort zu sprechen, ankündigt. Die Versammelten appellieren an die zivilisierte Welt, um sich gegen den Hitlerismus zu einen, um den Boykott der Hitler -Waren zu verschärfen und die Gegenpropaganda zu verstärken, um den Frieden deir Welt gegen die äußeren Bedrohungen des Dritten Reiches zu verteidigen!" Nach einer Meldung der „New York Herald Tribüne" sprach sich der Präsident des Araateur-Spor.tyerbandes der Vereinigten Staaten, M a h o n e y, ebenfalls gegen die Olympiade in Berlin 1986 aus, falls Deutschland die Sportler nach Rasse und Religion unterschiedlich behandle. Mahoney : appelliert r an das amerikanische Olympische Komitee, sich an der Berliner Olympiade nicht zu beteiligen, falls nicht feste Garantien für gleiche Behandlung aller neuerdings gegeben werden. Er verlangt, daß die amerikanischen Sportverbände auf ihrer Dezembertagung die Frage der Teilnahme an der Berliner Olympiade, neu zur Abstimmung stellen. Auch aus anderen Ländern, so aus der Schwell, treffen Meldungen ein, die auf eine Verschärfung <Jes Widerstandes gegen die Teilnahme an der Berliner Olympiade schließen lassen. Aus Paris wird gemeldet, daß die Einberufung einer außerordentlichen Konferenz des Internationalen Olympischen Komitees erwogen werde. * Der Führer des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes, Green, forderte in einer Konferenz der GewerkittO Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller Kornion. Elegant« /.immer. Nahe am Meer und Kasino, idealer Auftntbat», Komplette Pea^a;fFtca»35,»t schaftsräte zu einer lückenlosen Durchführung des Boykotts deutscher Waren in den Vereinigten Staaten unter Hinweis auf die neuen Katholiken- und Judenverfolgungen in Deutschland und die systematische Entrechtung der Minderheiten auf. Green appellierte auch an die amerikanische Regierung, gegen dieses grausame' Verfolgungssystem zu intervenieren. Die Stunde, sagte er, sei gekommen, wo die amerikanische Regierung handeln müsse. (J, T. A.) Roosevelt nimmt an der Besorgnis der Juden teil Aus Washington: Auf Anregung des Präsidenten Roosevelt übergab das State Department der U. S. A. der Presse folgenden Text des Antwortbriefes des State Department an die amerikanischen jüdischen Organisationen, die gegen die erneuten antijüdischen Unruhen in Deutschland protestierten: „Das Staatsdepartement versteht Ihre Besorgnis voll und ganz, die Sie über die Erfahrungen der Gruppen hegen, die nach hier vorgelegten Berichten in Deutschland Leiden zu erdulden haben. Die Idee der religiösen Freiheit und der Gewissensfreiheit für alle stellt einen der hervorragendsten Grundsätze unserer eigenen Zivilisation und unseres politischen Glaubensbekenntnisses dar. Da dies so ist, wird das amf rikaincho Volk immer der Erhaltung dieser Gedanken sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen Ländern trmpathisch gegenüberstehen." Die richtige Senkfußeinlage ßSa» sorgfältigst angepaßt, hochelastisch, federleicht, für jeden Schuh. Marke „PEDIFRlT" Alleinverkauf: Fachfirma Gegründet 1904 BiMdogen-mThalnsRh W>n II. laborstraße 22 Besserung im Beiinden -von Rabbi ICook Aus Jerusalem: Das Befinden des erkrankten äschkenasischen Oberrabbiners von Palästina Rabbi Kook hat sich etwas gebessert, sein Zustand ist aber immer noch als ernst zu bezeichnen. Er liegt jetzt nahezu vier Wochen zu Bett, und in Anbetracht seines Alters von über 70 Jahren ist dabei Grund zur Besorgnis vorhanden. In ganz Palästina und in zahlreichen Orten der Diaspora wurden, für Rabbi Kooks Genesung Bittgottesdienste veranstaltet. An der Klagemauer in Jerusalem versammelten sich über 60 angesehene palästinensische Rabbiner und beteten um die Wiederherstellung des Erkrankten. Bei einem dieser Gottesdienste kam es zu einem Zwischenfall. Eine Gruppe jugendlicher Heißsporne, die dem extremen Flügel der Aguda angehören, störten den Gottesdienst. Der Zwischenfall hat auch in orthodoxen Kraisen Unwillen hervorgerufen. Der Grund für diesen Zwischenfall ist darin zu suchen, daß einige extreme Gruppen in der agudistischen Bewegung Oberrabbiner Kook bekämpfen, weil er das religiöse Oberhaupt der offiziellen jüdischen Religionsgemeinde, der Knesseth Israel, ist, die auch unreligiöse Elemente umfaßt. (J. T. A.) PalästinatEinwanderuno. sin Inns Aus Jerusalem: Wie mitgeteilt wird, sind im Verlauf des Monats Juni 1935 4343 Juden in Palästina eingewandert;, unter ihnen befinden sich 354 Familien c\cr sogenannten Kapitalistenkategorie, die ein Mindestkapital von je 1000 Pfund mitgebraent aaben. (j. T. A*) I ty-.

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