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Die neue Welt · 1935-07-26 · Heft 483 (26.7.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 483 (26.7.1935)
Date
1935-07-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 9 freilag/ den 26* *«o 483 Ti». I/n ,V***tefclWl, V« b» b* «Erleger versendet par lediteur" REV HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind.entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitäisstr. 8, Jet. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Jüdisch-katholische Einheitsfront Radierung von J. Glasner Vor einem Jahr (am 21. Tammus 5694) ist Ch. N. Bialik von uns gegangen. Sein Tod ist — wie seine letzten Lebensjahre und wie sein ganzes Lebenswerk — ein nationales Ereignis geworden für die Oaluth und für Palästina. Der Mann, der dem jüdir schien Leben unserer Zeit Führer und Gestalter gewesen, wirkt fort in die Jahrhunderte, bleibt Mahner und i Erzieher über den Tod hinaus. Für uns und für die ' kommenden Geschlechter des Judentums wird Bialik als Meister des Buches, als Wiedererwecker des hebräischen Schrifttums, als sittlicher Führer des Volkes bleiben. So lange im Judentum die Ehrfurchlt für Schönes und Gewaltiges bestehen wird, so lange wird die Verehrung für Bialik als einen Großen in Israel bestehen. — Wir veröffentlichen im Innern des Blattes Ch. N. Bialiks Rede anläßlich der Eröffnung der Volkshochschule in Jerusalem. Gedenken für Dr« Doilfuß Nie vergessen! Das ist das Wort, womit die breiten Massen der österreichischen Bevölkerung erfüllt sind, wenn die Gestalt des verewigten Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß vor ihr inneres Auge tritt. Es ist auch die Parole der Erneuerer des österreichischen Staates, dem in den letzten Jahren zahlreiche Wunden geschlagen worden sind. Dr, Dollfuß war das Geschick des Österreichischen Volkes gerade in einer Epoche anvertraut, die zu den menschlich und politisch bittersten gehört; ihm war auch die Aufgabe anvertraut, die edelsten Güter des Oesterreichertums zu wahren und gegen brutale Angriffe teils überheblich-verbrecherischer, teils töricht verführter Menschen zu schützen. Wir Juden Oesterreichs haben mit Bewunderung und Treue die Anstrengungen des Bundeskanzlers begleitet und überall unsere Kräfte für das Wohlergehen Oesterreichs bereitgestellt. Die Grundlagen des Österreichischen Staates als eines Kulturstaates mitzuschützen, war uns nicht Pflicht, sondern naturgegebene, sittlich begründete Selbstverständlichkeit. Des Mannes, der den heroischen Kampf um Oesterreichs Selbständigkeit und Gesittung siegreich begann und mit seinem Blut bezahlte, werden die j»äeii überall ein respektvolles Andenken bewahren. Mit einer Schnelligkeit, die an ein noch besteh mensch m auf die pogromistischen Exzesse der nati Ueberall kam der Abscheu von diesem schändlichen Tr daß es sich nicht um ein plötzliches Aufflammen von tionen gewisser Führerkreise, die in Erkenntnis der s land den unzufriedenen Elementen, Juden und Katho Während in den europäischen Ländern die T politik mehr platonisch zum Ausdruck kommt, hat i aktive Maßnahmen erforderlich sind. Zahlreiche jüdi gelfaßt, die darin gipfeln, den bisherigen Boykott ge Bankier und Philanthrop Felix W a r b u r g gab, wie dung einer großen jüdischen „Hilfsgescllsch benen Juden" beschlossen worden sei, und ein F werde, wovon bereits IVa Millionen Dollar in barem Am 23. Juli fand in New York eine M a s s e n v und katholischen Kreisen einberufen wurde. Zweck d katholischen Einheitsfront gegen Deu Juden und Katholiken beschlossen, sich an den Boyk beteiligen. Wie weiters aus New York unter dem 24. Juli (J. T. A.) berichtet wird, haben in der Sitzung des Amerikanischen .Kongresses mehrere Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten die neuen Judenverfolgungen in Deutschland zur Sprache, gebracht und ihrem Abscheu über die neue antijüdische Hetzkampagne Ausdruck gegeben. Das State Department (Auswärtiges Amt der TJ. S. AT) verbreitet-' einV- Rede - des Präsidenten Roosevelt über die religiösen Verfolgungen in Mexiko, in der Roosevelt diese Verfolgungen verdammt und dabei hervorhebt, daß sie von Deutschland dirigiert werden. Am Montag, dem 22. Juli, hielt der American Jewish Congress eine außerordentliche Konferenz Welcher Käse ist der delikateste? SCHWEIZEI Emmentaler Marke ab, in der der neue antijüdische Terror in Deutschland behandelt wurde. Eine Vertreterschaft der amerikanischen Zionistischen Organisation wohnte den Verhandlungen bei. Die englische Presse sagt die Wahrheit Aus London (23. Juli). Gleich der schweizerischen Presse und der Persse in den anderen Ländern drückt auch die englische Presse üiren Abscheu über die rüden Beschimpfungen, denen die ausländischen Pressevertreter in Berlin im „Völkischen Beobachter" ausgesetzt sind, aus. „Morning Post" schreibt: Wenn der „Völkische Beobachter" erklärt, die ausländischen Korrespondenten hätten das „Zerschlagen einiger Fensterscheiben" zu einem Pogrom aufgebauscht, so können die ausländischen Korrespondenten erwidern, daß sie in der Samstagnacht und am Montag abend am Kurfürstendamm mit eigenen Augen viele zerschlagene jüdische Gesichter und eine bis zur Bewußtlosigkeit geschlagene Frau gesehen haben. Die Komödie mit dem ^Stürmer'' Aus Prag (2a. Juli). Der Berliner Havas-Berichterstatter wußte gestern spät abends zu melden, daß der von Julius Streicher herausgegebene „S t ü rm e r" verboten wurde, weil sich das Blatt gegen mehrere nationalsozialistische Persönlichkeiten gewendet hatte. Bald stellte sich heraus, daß es sich keineswegs um ein Verbot der Zeitung, sondern lediglich um eine B eschlagnahme der letzten Nummer infolge der erwähnten Angriffe handelt. Mit der Hetzpolitik des „Stürmer" gegen die Juden hatte die Beschlagnahme nichts zu tun. Aber auch die Beschlagnahme wurde nach wenigen Stunden widerrufen, nachdem Julius Streicher zu Hitler fuhr und bei ihm als seinem persönlichen Freund intervenierte. Wie es heißt, habe Streicher versprochen, sich von jetzt ab jedweden Angriffs auf amtliche Persönlichkeiten zu enthalten. Der „Stur- Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller K.omtort. Elegant« Zimmer, tyahe am Meer und Kasino, Idealer Aufenthalt. Komplette Pension itpres .85.— endes Weltgewissen glauben läßt, haben alle Kulturonalzozialistischen Banden in Deutschland reagiert, eiben zum Ausdruck, wobei insbesondere betont wird, Rowdyinstinkten handelt, sondern um planmäßige Akchwierigen Lage des nationalsozialistischen Deutschliken zum Opfer hinwerfen« eilnahme an den Opfern hakenkreuziorischer Gewaltn Amerika die Erkcnnnis Platz gegriffen, daß sehe Organisationen haben neuerlich Entschließungen gen deutsche Waren zu verschärfen. Der bekannte aus New York gemeldet wird, bekannt, daß die Bilaft, für die aus Deutschland vertrieonds von 10 Millionen Dollar zur Verfügung stehen aufgebracht sind. er Sammlung statt, die gemeinsam von jüdischen er Versammlung war die Bildung einer „Jüdischtsc bland". Zunächst wurde ein Aufruf an alle ottmaßnahmen gegen das hitleristischc Deutschland zu mer" wird sich nunmehr ausschließlich der antijüdiüchen Hetze widmen. Gleichzeitig mit der Beschlagnahme des „Stürmer" wurde — wie eingeweihte Kreise glauben, als Kompensation an Streicher — die „Jüdische Rundscha u",. das Zentralorgan der deutschen Zionisten, auf die Dauer von drei Monaten verboten. Dieses Verbot wurde nicht zurückgenommen. Das Verbot der „Jüdischen Rundschau" trifft nicht allein die deutschen Zionisten, sondern das gesamte zeitunglesende jüdische Publikum, das sich von der gleichgeschalteten Tagespresse abkehren mußte, schwer. Die „Jüdische Rundschau" führte die Verteidigung der angegriffenen Judenheit sehr maßvoll und enthielt sich im allgemeinen einer negierenden Kritik an den regierenden Männern und an den Erscheinungen in Deutschland. Bekanntlich wurde vor einigen Wochen auch das Organ des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, „C. - V. - Z e i t u n g", für mehrere Monate verboten, nachdem sie vorher gezwungen worden war, ihr Motto „Für Deutschtum und Judentum" aus dem Zeituhgskopf zu entfernen. AppcS3 an England Aus London (23. Juli). Der Anglo-Jewish Board ofDeputies (Vertreterschaft der englischjüdischen Gemeinden) befaßte sich in seiner am Sonntag, 219 Das neue Corpulront-Stützmieder, leicht, weich, kein Druck, kein Verschieben, jedem Fall sorglältig angepaßt, eine Erlösung für starke Frauen, bei Schwangerschaft, Hängebauch Unterleibsleiden, nach Operationen etc. Alleinverkauf: Bandngen-mihaltisi Gratisbroschüre Wien II, Taborstraße 22 den 21. Juli, abgehaltenen Sitzung mit der neuen schweren Drangsalierung der Juden Berlins. (Die inzwischen eingetroffenen Meldungen über neue schwere antijüdische Exzesse in der deutschen Provinz, namentlich in Baden und in Schlesien, lagen dem Board noch nicht vor.) Der Präsident des vom Board of Deputies und der Anglo-Jewish Association gemeinsam gebildeten Joint Foreign Committee (Komitee zur Wahrnehmung der Interessen unterdrückter Juden im Auslande), Leonard G.Montef iore, leitete die Sitzung mit einer Ansprache ein, in der er u. a. sagte: „Die englische Presse hat über die letzten Ereignisse in Berlin ausführlich berichtet; ich zweifle nicht, daß es dieser Publizität zu verdanken ist, daß nicht noch weitere größere Verbrechen begangen wurden. Die ausländischen Zeitungsberichterstatter waren direkt Augenzeugen der Judenverfolgungen, es war deshalb der deutschen Regierung nicht möglich, die Grausamkeiten in Abrede zu stellen oder sie als Erfindung ausländischer jüdischer Propagandisten hinzustellen. Kein in Deutschland lebender Ausländer kann sich im unklaren sein über die Quell e, die diese Ereignisse inspiriert hat und die Deutschland in den Mißkredit An jedem Sonntag Sonderfahrt /fa|lgj| nach Polen und der Bukowina HNBU Direkte verkürzte Reisedauer, Sammelpaß. Rückfahrt; 4. Augus', 1. und 15 September. Anmeldeschlub Doniiet Reisebüro „ I R U T44 Ref. S. Rosenkranz Tel.: U-44-5-79,1, Karlsplatz 1, Kärntnerstraße 63

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