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Die neue Welt · 1935-07-09 · Heft 478 (9.7.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 478 (9.7.1935)
Date
1935-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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PrOiS 10 Qf OMiKMI J*fci*«iig 9 DfeiMteg, den 9* Mi Nr* 478 V. b, b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedi6 par I'edftour" BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Balgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung : IX, Universitäfsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Diensta% u. Frertatt E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Die Einführung des „Parlaments" in Palästina \Jodcau Von unserem Jerusalemer Korrespondenten. fadmstoQtsftadei Mittwoch, den 10. Juli, um I i # 7a9 Uhr abends im Heime, 1/Afjft5/jL/jL Wien I, Werdertorgasse 14 Thema: Ausgang der Kongreßwahlen in Oesterreich. — Was nun? Referent: Robert Stricker Dank an unsere Kongreß:: Wähler! Der Judenstaats-Zionismus hat bei den Kongreß- Hahlen in Wien einen großen Erfolg errungen. Unter den ungünstigsten äußeren Bedingungen hat die Liste der Judenstaatspartei rund 2600 Stimmen erhalten. Noch ist die Zahl der in Oesterreich mit diesen Stimmen erzielten Mandate nicht errechnet, doch steht fest, daß die Judenstaatspartei auf Grund dieser Stimmenzahl zwei Kongreßmandate errungen hat. Entweder zwei von den sieben in Oesterreich zu besetzenden Mandaten; falls aber die genaue Durchrechnung nach Erledigung aller Wahlproteste ergeben sollte, daß noch einige Stimmen fehlen, erhält die Judenstaatspartei Oesterreichs ein österreichisches Mandat und ein sicheres Mandat auf der Weltwahlliste, 2600 Stimmen, 2 Mandate 1 Gegen die Judenstaatspartei setzte die Agitation der Zionisten-Bevisionisten ein, welche insbesondere unter den. Juden* staatszionisten für Wahlenthaltung arbeiteten. Dann der Block der Linken, welcher mit Unterstützung der Welt-Exekutive den Kampf führte und mit Hinweis auf die hinter ihm stehende Macht der Weltorganisation den Wähler mit Versprechungen und Drohungen beeinflußte. Schließlich die Allgemeinen Zionisten, welche ihre lokalen Machtpositionen, ihre öffentlichen Mandate und ihre Mandate in den Kultusgemeinden seinerzeit dank der* aufopferungsvollen Mitarbeit der , Judenstaatler errungen, nunmehr gegen die Judenstaatspartei in die Waagschale werfen konnten. Ihnen gegenüber stand die Judenstaatspartei, welche nichts zu geben und nichts zu versprechen hatte, als ihr Programm der Rückkehr zu Theodor Herzl. Vor sage und schreibe eineinhalb Jahren ist die Judenstaatspartei aus dem Chaos der zerrütteten Weltorganisation hervorgegangen. Mit nichts als einem Häuflein opferbereiter Idealisten. Und diese junge Partei mit dem alten Programm hat einen Erfolg errungen, der zwingend beweist, daß ihr die Zukunft des österreichischen Zionismus und des Weltzionismus gehört. Der große Erfolg konnte nur dank einer in ihrer Hingebung beispiellosen Arbeit errungen werden. Wie zur Zeit Theodor Herzls gaben Männer, Frauen, Alte und Junge, von reinstem Idealismus und Selbstlosigkeit beseelt, ihr Bestes her. Wie zur Zeit Theodor Herzls setzten sie sich, den Blick auf das hohe Ziel der Judenstaatspartei gerichtet, über Schmähungen und Spott, über Lockungen und Drohungen einer mit äußeren Machtmitteln reich versehenen Majorität hinweg und arbeiteten und kämpften. Dafür sei ihnen der herzlichste Dank gezollt. Ihr Lohn ist der mit diesen Wahlen erbrachte Beweis, daß der Sieg der neuerstaudenen alten Idee vom Judenstaat nicht aufzuhalten ist, daß schon die nächste Zukunft unserer Partei, der Judenstaatspartei, gehört. Wien, am 6. Juli 1935, Für die Judenstaatspartei Oesterreichs Robert Stricker, Obmann» Auskünfte ätu Heim MtU tote* eeteitt 2)e. S. lacket plen IX, Üechtensteinstr. *, Tal. A»1»-S0* Ueber die Absicht der Palästina-Regierung, im Einvernehmen mit dem britischen Kolonialamt den seit längerer Zeit bestehenden Plan der Schaffung eines Gesetzgebenden Rates (Legislativ Council Parlament) baldmöglichst zu verwirklichen, liegen hier bereits authentische Informationen vor. Bereits am 26. Juni d. J. sollte einediesbezügliche offizielle Erklärung der Palästina-Regierung erscheinen, wurde aber auf eine Londoner Direktive hin für einige Wochen verschoben. Inzwischen beschäftigt sich die Palästina-Regierung mit den Vorbereitungen zur Herausgalbe eines Gesetzes bezüglich des Parlaments und dessen Einberufung. Viele Symptome deuten darauf hin, daß der Oberkommissär Sir Arthur Wauchope sich verpflichtet fühle, das Versprechen, das er den arabischen Führern bei Amtsantritt gegeben hat, nunmehr einzulösen. Zwischen der Palästina-Regierung und den maßgebenden arabischen Kreisen besteht zweifellos in Sachen der Einführung des Parlaments ein Einverständnis. Der kürzlich ernannte Kolonialmini&fcer Malcolm Macdonald soll angeblich ein Anhänger eines Gesetzgebenden Rates in Palästina sein, obzwar in London versichert wird, daß er zu den Freunden des Zionismus zähle. Je unsicherer die Prognose über den Ausgang der österreichischen Kongreßwahlen wegen verschiedener Umstände wurde, desto intensiver gestaltete sich der Wahlkampf, der diesmal eigentlich schon bei der Placierung der Schekel eingesetzt hatte. Das Ausscheiden der Revisionisten aus dem Wahlwerben konnte das Bild der Wahlbewegung kaum verändern, zumal der Entfall der revisionistischen Stimmen durch die Erhöhung der Schekelanzahl von 12.000 auf 17.000 reichlich wettgemacht wurde. Die Wahl der österreichischen Schekelinhaber zum Luzerner Kongreß stand im Zeichen des Wettkampfes zwischen den zwei „Allgemeinen" (dem alten „Weltverband" und der neuen „Weltvereinigung") und der Parole des Weltverbandes (Liste Dr. Grünbaum, bzw. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich), um jeden Preis der jungen Judenstaatspartei mit dem Listenführer Robert Stricker den Garaus zu machen. Diesem Ziel sollte alles, was es an Fairness, Wahrhaftigkeit, anständiger Gesinnung und Geschmack im öffentlichen Leben gibt, geopfert werden. Das Opfer wurde gebracht, aber das Ziel — wie wir noch sehen werden — nicht erreicht. Die Konstellation, die sich nach der Krakauer Konferenz der Allgemeinen Zionisten durch die Schaffung der neuen „Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten", der sogenannten vereinigten A-Gruppen ergab, ließ zwar erkennen, daß jetzt das linksinfizierte A dem rechteinfizierten B ein Treffen liefern werde, aber die Ueberraschung für viele bestand in etwas anderem: in der Listenkopplung der österreichischen Radikalen (in der Weltvereinigung) mit der Arbeiterpartei, die sich heuer Binjan Haarez, bzw. Arbeitendes Palästina nannte. So ergab sich die pikante Tatsache, daß die bisher radikalen Antilinks-Schreier sich auf einer Liste mit dem linken Binjan Haarez fanden, während der „Weltverband" der Allgemeinen Zionisten, die Herren also des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, einst wackere links orientierte Wähler für die österreichischen Vertretungen — obwohl es jeweils eine nationaljüdische Kandidatur gab —, gegen jene, gegen die einstigen radikalen Marxistenfresser zu kämpfen hatte. Aber es gab noch eine Attraktion im Reich der Allgemeinen: Die Wiener Radikalen in der neugeschaffenen Weltvereinigung, die schärfsten Gegner Professor Weizmann s> machten eben diesen Weizmaun zu Führende zionistische Kreise sowohl in Jerusalem als auch in London sind wegen der Entwicklung der Dinge überaus besorgt, da sie von der Einführung eines Parlaments eine schädliche Wirkung auch auf die wirtschaftliche Entwicklng des Landes fürchten. Alle sind sich darin einig, daß die Errichtung eines Parlaments mit einer jüdischen Minorität schwere Gefahren für den Zionismus in sich berge. Nur über die Frage, wie die Zionistische Organisation im Falle der Errichtung eines Parlaments zu handeln habe, ist man sich noch nicht einig. Die Judenstaatspartei stellt sich mit aller Entschiedenheit gegen die Beteiligung der Juden an einer sogenannten parlamentarischen Körperschaft. Sie befürwortet absoluten Boykott des Gesetzgebenden Rates und verlangt, daß gegen jeden Juden, der die nationale Einheitsfront in dieser Frage bricht, alle Sanktionen angewendet werden sollen. Die Gefahr der Errichtung des Gesetzgebenden Rates wird, wie ich erfahre, seitens der Judenstaatspartei auf dem kommenden Luzerner Kongreß mit allen Mitteln bekämpft werden. ihrem Listenführer, protzten mit diesem Namen, der immer noch in den jüdischen Gassen einen Klang' hat: die Attraktion Weizmann sollte ihr den Zulauf verschaffen, auf den sie in bezug auf ihre eigene Zugkraft nicht sehr fest war. Weizmann als Spitzenkandidat der österreichischen Radikalen, die seit Jahr und Tag befehdeten Linken als Kompagnons der Radikalen im Wahlkampf (dazu noch das Grüppchen des Adolf-Stand- Klubs, von dem niemand weiß, warum er sich „selbstständig gemacht" hat) — wahrlich eüi Vexierbild für den stam-zionistischen Wähler, der laut einer Humoreske von Tunkeier ein Kopfwehpulver brauchte, um zur Ruhe zu kommen. Die Linken hatten eine leichte Aufgabe. Sie sitzen in der Exekutive, sie sind die Nutznießer der Fonds, sie beherrschen die Palästina-Aemter, sie sind die Herreu über die Zertifikate. Aus diesen Gründen läuft man ihnen nach. Sie haben Posten, Pfründen, Zertifikate, „Budget" zu vergeben. „Ich muß für den Binje(!) arbeiten, sonst bekomme ich kein Zertifikat", sagte eine Chaluza öffentlich. Und sie arbeitete bei der Wahl für den Bin je und wird ein Zertifikat bekommen. Das sind alltägliche Tatsachen. Der Bin je, will sagen Binjan Haarez, bekam sogar mehr Stimmen, als er Schekel ablieferte. Auch Schekelnehmer der „Allgemeinen" wählten links. Die Wählerliste gibt hierüber eindeutigen Bescheid. Die Radikalen (in der Weltvereiniguug der Allgemeinen Zionisten) haben, wie bereits gesagt, die Mehrzahl ihrer 1158 Stimmen dem Namen des Usteniührer» Weizmann zu verdanken. Ohne diesen Schmuck ihrer Firma wäre es ihnen nicht gelungen, die genannt© Stimmenzahl aufzubringen. Der Misrachi bat seine 831 Stimmen ohne viel Aufhebens ins Trockene gebracht. Traditionsgemäß ist seine Propaganda von jeder Schärfe entfernt; er stützt sich auf die konservativen Massen in, allen Ländern, ohne eine Stimmenanzahl zu forcieren, die er bei intensiver Pflege der Stimmung zweifellos erreichen würde. Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten in Oesterreich, repräsentiert durch das Zionistische Landeskomitee, hat mit seinen 4074 Stimmen rund 50 Prozent seiner abgelieferten Schekalim an die Urne gebracht. Da die Durchschnittsbeteiligung au den Wahlen über 67 Pro» zent betrug, so ist als sicher anzunehmen, daß viele mit dem »allgemeinen" Schekel ausgerüstete Wähler für Auf Wiedersehen in Luzern Zu den österreiohischen Kongreßwahlen

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