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Die neue Welt · 1935-07-05 · Heft 477 (5.7.1935) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 477 (5.7.1935)
Date
1935-07-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite s DIE NEUE WELT Nr. 477 TMecdet Heed und Hemam Bake I/öft /cw^ TtänUd Theodor Herzl hatte bereits die erste rechtshistori- Bche Staatsprüfung an der Wiener Universität abgelegt, als Hermann Bahr mit leidenschaftlicher Neugierde die ersten Vorlesungen an der philosophischen Fakultät besuchte. Während Herzl die Trikolore der akademischen Burschenschaft „Albia" trug, trat Bahr der Korporation als ,.Hospitant" erst bei. In der ,,Albia" lernten die beiden einander im Jahre 1S82 kennen. Sie wurden Freunde. Beide hatten Mensuren geschlagen, Blutige bezogen, Kneipen- und Studentenstreiche mitgemacht. Bahra Einfluß in der Verbindung wird immer größer, die ,,Albia" schlug durch ihn eine neue Richtung ein und begann für den deutschnationalen Antisemiten Schönerer zu schwärmen. GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, I. Bez., Seitenstettengasse 2, III Samstag XL, Zenitallriedhof, neb. d. 1. Tor. W geschlossen Der „inaktive Bursch" Herzl war mit der Politik Bahrs und der „Albia" unzufrieden und meldete den Austritt an. Trotzdem blieben Bahr und Herzl gute Kameraden; sie kamen oft, manchmal fast täglich, zusammen und besprachen die neuesten literarischen und politischen Ereignisse. Herzl erzählte Bahr erregt von seinen Eindrücken aus dem Dreyfus-Prozeß, begründete ihm den politischen Zionismus und die Notwendigkeit eines „Judenstaates", während Bahr ihm seine Zeitungs- und Bühnenpläne auseinandersetzte. Es war im Jahre 1899. Im Burgtheater sollte nach Hauptmanns preisgekröntem „Fuhrmann Henschel" Herzls „Unser Käthchen" aufgeführt werden. Nach der dritten Probe erklärte plötzlich eine Schauspielerin, die im Stück auftreten tollte, daß sie einige Sätze und Worte aus dem Lustspiel „Unser Käthchen" vor dem Publikum nicht sprechen werde. Da Herzl die Bewilligung hiezu nicht erteilen wollte, wurde „Unser Käthchen" einige Tage vor der angekündigten Aufführung wegen „nachträglicher" Bedenken abgesetzt. Dieses Vorgehen stellte in der Geschichte des Burgtheaters ein Novum dar und erregte großes Aufsehen. Emmerich von Bukovics, der Direktor des Deutschen Volkstheaters, bewarb sich um das Stück, und schon am •<. Februar desselben Jahres fand die Erstaufführung statt. Auf Grund des Erfolges, überredete Emmerich von Bukovics Herzl gegen seine bessere Ueberzeugung, sich dem Publikum zu zeigen. Ein Teil der Theaterbesucher, von einer gewissen Richtung aufgehetzt und ermuntert, empfing den Autor mit Pfui-Rufen. Es kam zu Kundgebungen und Demonstrationen für und gegen Herzl. Als einige das Pfui-Konzert fortsetzen wollten, kam es zu Prügeleien, ja sogar zu Verhaftungen... Die Wiener Polizeidirektion sandte darüber an die Statthalterei einen Bericht, worin es u. a. heißt: „Das Haus war in allen Räumen dicht besetzt und das Publikum sichtlich in gespannter Erwartung über den Inhalt und die Aufnahme der durch ihr Schicksal im Hofburgtheater interessant gewordenen Novität. Der erste Akt wurde infolge der geschickt gearbeiteten Exposition sehr günstig aufgenommen, im zweiten Akt gefielen einige witzige Bemerkungen, zumal man die satirische Tendenz erriet, und die Stimmung wurde so günstig, daß neben den Darstellern der Autor wiederholt gerufen wurde--, so daß, als die zahlreichen Anhänger des als Zionisten bekannten Verfassers ihren Beifall allzu demonstrativ äußerten, im Stehparterre lebhafte Opposition sich kundgab und schrille Pfiffe laut wurden. Dies gab in dem genannten Räume Anstoß zu stürmischen Wortwechseln, welche polizeiliche Intervention nötig machten. Im Laufe dieses Vorfalles wurden der Jurist Otto Zeisl, der Handlungsreisende Siegfried Fink und der Statist Johann Fürst angehalten und wird gegen Erstgenannten wegen unanständigen Benehmens amtsgehandelt. Der vierte Akt wurde freundlicher aufgenommen, so daß im ganzen von einem Achtungserfolg gesprochen werden kann ..." Hermann Bahr, der im damaligen literarischen Leben Wiens eine große Rolle spielte, schickte nach diesem Vorfall Briefe an Herzl und an bedeutende Schriftsteller und nahm in diesen hiezu folgende Stellung ein: „Man wird wirklich in unsere Premieren bald nicht mehr gehen können. Sie hat schon gar keinen Sinn mehr, denn niemand fragt da nach den Stücken, es gilt jetzt nur, wer für und wer gegen den Autor ist. Diese klatschen, weil sie zu seiner Partei, jene zischen, weil sie zu einer anderen gehören. Wie das Stück ist, ob es wirkt, ist ihnen gleich. Welche dramatische Kraft es hat, erfahren wir erst das zweite oder dritte Mal, wenn das Publikum kommt, das wirkliche, das ein Schauspiel verlangt, nicht eine Abstimmung über den Autor. In den Premieren erfahren wir nur noch, wie stark der Autor ist, er selbst, nicht sein Stück: ob er Freunde und welche Gegner und welche Macht sein Name hat. Die Werke verschwinden dabei, es wird nur noch um Personen gestritten. Ich vermute, daß das noch ärger sein wird (den Leuten scheint der Tumult der Meinung zu behagen), bis wir eines Tages resolut sind, wir Autoren, und beschließen, uns bei unseren Premieren nicht mehr zu zeigen. Das Beste wäre freilich, gleich zur alten französischen Sitte zu greifen: das Stück anonym zu geben und erst am Ende den Dichter zu nennen. Tun wir das nicht, so werden wir immer nur wissen, ob unsere Person „beliebt" ist oder nicht, da wir doch wissen möchten, ob unser Stück gut oder schlecht ist . . ." Bahr verlangt schließlich, daß die Autoren sich bei »ren Premieren dem Publikum nicht zeigen. Herzl antwortete: „Wien, den 11. Februar 1S99. Lieber und geehrter Herr Bahr! Sie fordern mich auf, über die Frage des Erscheinens der Autoren im Theater meine Ansicht zu sagen. Das tue ich gern. Ich bin entschieden gegen das Hervorrufen des Verfassers. Ich habe es auch in früheren Fällen so gehalten, dafür gibt es unter den Mitlebenden Zeugen. Aber ich zog mir den Vorwurf zu, daß ich mich aus Hochmut nicht zeige — für Diskretion, um nicht zu sagen Bescheidenheit, wollte es niemand halten. Unter uns: das Herauskommen ist eine schwere Geschmacklosigkeit. Schon die Schauspieler, die soeben gestorben sind oder im tiefsten Gram dalagen und sich lächelnd verneigen, zerreißen die Stimmung. Wie erst der fremde Herr, der bisher im Stück nichts zu tun hatte und nun zwischen zwei kostümierten Darstellern auftaucht. Das war und ist meine Ansicht. Sie tun mir wahrhaft unrecht, wenn Sie glauben, daß ich diesmal aus Eitelkeit oder zu meinem Vergnügen herauskam. „Alle tun es", wurde mir streng vorgehalten, und das ist wahr. LTanche sind sogar unmäßig und kommen, wenn man sie nicht ruft. „Mir daucht, ein weiser Mann trägt wie andere Leute", sagte der alte Wieland. Und nach diesem Sprüchlein richte ich mich gern — in Kleinigkeiten. Durch die Unmanierlichkeit einiger Leute, welche zischten, als ich nach dem sehr starken Hervorrufen vom zweiten Akt weiter herauskam, bin ich fortab von dem albernen Gebrauche frei. Ob mit oder ohne Liga der Autoren — ich war schon nach den Erfahrungen dieser Premiere entschlossen, mich künftig wie früher nicht vor der Rampe zu zeigen. Je ventre dans le bon goüt. Sie hahen ja so recht, wenn Sie sagen, daß die Person des Autors vom Werk ablenkt. Aber die Anonymität ist auch nicht das Richtige. (Nebenbei: die alte französische Sitte, den Autor erst am Schlüsse zu nennen, existiert in Frankreich nur noch zum Scheine. Man weiß immer genau schon vorher, von wem das Stück ist.) Erstens würde die Anonymität dem bewährten Spürsinn der Theaterreporter nicht widerstehen. Zweitens will der Autor doch die Proben sehen. Drittens und hauptsächlich muß der Name dastehen, sonst kennt man sich gar nicht aus. Wer versteht denn ein Stück?--" Theodor Herzl beschäftigte sich im Brief noch über die Motive des Stückes „Unser Käthchen" und schließt: „Gerade solche mißverstandene Stücke haben manchmal eine Zukunft. Ja, wenn ich höre, welche Aufnahme .Unser Käthchen' bei den Wiederholungen fand, so muß ich annehmen, daß die Nachwelt für mein Stück schon begonnen hat. Mit den schönsten Grüßen Ihr aufrecht ergebener Th. Herzl." Hermann Bahrs Agitation unter den Theaterautoren führte bald zu folgendem Beschluß, der am 22. Februar 1899 veröffentlicht wurde: „Wir haben beschlossen, uns fortan bei den Premieren unserer Stücke dem Publikum nicht mehr zu zeigen. Hermann Bahr, Julius Bauer, Felix D ö r m a n n, Ludwig Ganghofer, Theodor Herzl, C. Karlweis, Philipp Langmann, Viktor Leon, Franz von Schönthau, Ernst von Wildenbruch." ♦ Als Herzl den „Judenstaat" veröffentlichte, schickte er auch an Bahr ein Exemplar. Zufällig trafen sie einander kurz darauf im Deutschen Volkstheater. Bahr sagte zu Herzl, mehr ironisch als ernst: er werde gegen den Zionismus schreiben, da er gegen eine Judenauswanderung sei. In Wirklichkeit ließ er eine prozionistische Besprechung der Herzl-Schrift in seiner Zeitung (von Nathan Birnbaum) zu und kam manchmal zu Herzl, um ihm mitzuteilen, wer für oder wer gegen den Zionismus sei. Bahr hatte die große Bedeutung Herzls erkannt. Im Jahre 1899 sprach er dies wie folgt aus: „Man weiß, daß Theodor Herzl nicht nur ein Mann der Worte ist, er hat das Glück, durch sein Tun einem großen Gedanken dienen zu dürfen, für diesen setzt er sein Leben ein. Er will sein Volk von der Not befreien und zur Macht führen, dem hat er sich mit einer edlen Leidenschaft gewidmet ..." (Siehe J. Fränkel „Des Schöpfers erstes Wollen" im Fiba-Verlag.) _ Austritte aus dem Judentum Kriß Susanne, geb. 9. März 1919 Wien, ledig, XIII., Hadikgasse 102. — Liebermann geb. Lämmermeyer Maria, geb. 17. Jänner Wien, verw., II., Schönngaase 12. — Woller Friederike, geb. 31. Jänner 1912 Wien, ledig, II., Pazmanitengasse 21/5. — Mautner Herbert, geb. 24. Juli 1920 Wien, ledig, VJJL, Josefstädterstraße 79. — Noskes Johann, geb. 17. Jänner 1921 Wien, ledig, X., Eckertgasse 16/8. — Eisinger Ida, geb. 11. März 1910 Hohenau, ledig, X., Gudrunstraße 125/7. — Schreier geb. Pomeranz Eva, geb. 3. Juni 1888 Przemysl, verh., III., Esteplatz 3. — Schiffmann geb. Haas Charlotte, geb. 29. Jänner 1886 Sv. Mikolaä, verh., III., Kundmanngasse 10. — Rosenfeld geb. Kantor Malvine, geb. 18. Oktober 1895 Wien, ger. gesch., III., Strohgasse 4. — Nowotny geb. Weseli Sophie, geb. 15. Dezember 1863 Trebitsch, verw., III., Untere Weißgärberstraße 16/17. — Quastler geb. Jollea Friederike, geb. 24. November 1866 Lemberg, verw., III., Klimschgasse 12/8. — Benda geb. Szabo Katharina, geb. 4. September 1897 Baja, verh., II., Radingerstraße 15/11. — Benedikt Frieda, Studentin, geb. 3. November 1916 Wien, ledig, XK., Himmelstraße 55. — Tyroler Ernestine, Verkäuferin, geb. 12. Oktober 1911 Wien, ledig, XXI., Svchlingerhof XXIH, 1/5-6. — Wolter Edith, Modistin, geb. 30. April 1901 Wien, ledig, XDC., Sieveringerstraße 112. — Engel geb. Kallmus Janoszi Caroline, geb. 2. Oktober 1897 Paris, verh., XDC., Hotzeile 12. — Freisinger Franz Alexander, geb. 6. Jänner 1917 Wien, ledig, TV., Argentinierstraße 69. — Landesmann geb. Goldblatt Hilda, geb. 26. September 1890 Wien, getr., XV., Fuchsgasse 6. — Adler Kurt, geb. 31. Mai 1020 Wien, ledig, XVII., Röntgengasse 58. — Behau Marianne, Privatbeamtin, geb. 24. Jänner 1910 Wien, ledig, I., Börseplatz 3. — Schlemcl Walter, geb. 17. Juli 1908 Judenburg, ledig, III., Hauptstraße 146. — Tyrolt Andreas, geb. 9. Dezember 1886 Zwittau, verw., III., Khunngasse 12. — Preis Leo, geb. 10. September 1882 Lundenburg, verh., XIII., Lainzerstraße 123 a/8. -- Diamant Rosa, geb. 12. Juli 1912 Wien, ledig, XIII., Felbigergassc 72/74. — Isler Otto, geb. 16. Oktober 1890 Wien, ledig, Berlin W. — Wicselberg Otto, geb. 10. April 1910 Leipzig, ledig, III., Lechnerstraße 8. — Stier Leopold, geb. 12. Mär« 1893 Wien, getr., VII., Neubaugürtel 4. JUsüukokl BiMü yff3 Bestrenommierte Küche REICHHALTIGE MENOSäS 1.90 UND 3.60 iCHWECHATER BRÄU ll,Hammer-Pur9Stall*Casse3(n§distSalzfotlirfld(s)«TtLX-4(-C>25 Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Cafes etc. A. Barsclmk, II., Große Schiffgasse 3. Streng 1»3. 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