Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 477 (5.7.1935)
- Date
- 1935-07-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang # Fvetog, den 5* lull 1935 Niu 477 V. b. b» 186 Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp6di6 par l editeur" fii,Y, REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—: Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar M.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—: Dentsehland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Balgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa SO.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig' Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: 1X% Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag it. Freitag Nach Schluß des Blattes Die österreichischen Kongreßwahlen Wien, 5. Juli. Die Wahlen zum 19. Zionistenkongreß fanden in Oesterreich gestern, Donnerstag, den 4. Juli, statt. Es erreichten, einzelne Provinzstadtc noch nicht berücksichtigt: Judenstaatspartei (Robert Stricker)......2536 AUgem. Zionisten (Weltverband, Dr. Grünbaum) . 4074 AUgem. Zionisten (Weltvereinigung) \ . 1148 Arbeiten des Palästina J gekoppelt . 2918 Adolf-Stand-Klub j . 304 Mtorachl . ,.............831 Insgesamt. . 11811 Bei einer Schekelzahl von 17.500 wurden also rund ttt Prozent Stimmen abgegeben. Die Aufteilung der Mandate wird nach Erledigung diverser Proteste wahrscheinlich noch heute erfolgen. Aus den österreichischen Wahlen zum 18. Prager Zionistenkongreß gingen insgesamt vier Delegierte (aus 8600 abgegebenen Stimmen) hervor, während diesmal 7 Delegierte zu erwarten sind. Der linke Block (Weltvereinigung, Arbeltendes Palästina, Standklub) durfte 3 Mandate, die Allgemeinen Zionisten (Weltverband) 2 oder 8, die Judenstaatspartei 2 oder 1 Mandat erhalten. Oie Wahlsummen aus Wien und der Provinz setzen Bich itolgendermaßen. zusammen: Wien Provinz: Judenstaatspartei 2149 389 Allgemeine Zionisten (Weltverband) 3581 493 Allgemeine Zionisten (Weltvereinfgong) 1063 85 Arbeltendes Palästina 2646 272 Adotf-Staud-Klub 302 2 Misrachi W 84 ™ * Aus dieser Tabelle ist zu. ersehen, daß die Judenstaatspartei in der Provinz unverhältnismäßig viel Stimmen erhalten hat. Einzelne Provinzorte wählten geschlossen die Judenstaatspartei, die bekanntlich unter diesem Titel zum erstenmal kandidierte. Auf die Wahlziffern und die Umstände, unter denen sich die österreichische Wahl zum Luzerner Kongreß vollzog, werden wir in unserer nächsten Ausgabe ausführlich zurückkommen. Die Wahlen der anderen Länder finden an verschiedenen Tagen des Monates Juli statt. JUtete HatUtitUieu aus VatästiM Raw Kiik schwer erkrankt Aus Jerusalem wird gemeldet, daß Oberrabbiner Kuk schwer erkrankt ist. Das Rabbinat hat eine Botschaft an alle frommen Juden erlassen, sie mögen für den achwererkrankten Oberrabbiner Tehillim sagen. (J.T. A.) Deutscher ZemenfrSchmiiggel Jerusalem. Die Zollabteilung in Jaffa hat tausend Tonnen deutschen Zement konfisziert, der nach Palästina importiert wurde. Die Ursache dieser Konfiskation besteht daxin, daß im Gegensatz zu den bestehenden Vorschriften die Fabriksmarke nicht in deutscher, sondern in englischer Sprache bezeichnet war, wodurch leicht ein Irrtum entstehen konnte. Der Importeur hat gerichtliche Bestrafung zu erwarten. Keine neuen Bodenkaufe Jerusalem. Im Zusammenhang mit den Nachrichten über neue Bodenkäufe des Nationalfonds teilt das Direktorium mit, daß letztens keine neuen Käufe getätigt wurden, sondern daß es sich um einen Bodenaustausch zwecks Abrundung jüdischen Bodenbesitzes handelt. (J.T.A.) Schrittweiser Abbau Sonder-Zertifikate für Kolonisten Aus Jerusalem: Die Hitachduth Haikarim (Kolonistenverband) teilt der J. T. A. mit, daß als Resultat langer Verhandlungen mit der Palästina-Regierung der Kolonistenverband eine Anzahl Zertifikate für die Verwandten von Siedlern bekommen werde, welche als landwirtschaftliche Arbeiter nach Palästina kommen wollen. Von der Ar« beiter-ScheduIe der Zionistischen Exekutive sollen Zertifikate für den Kolonistenverband und andere ähnliche Körperschaften reserviert werden. Diese Nachricht besagt, daß das Zertifikatenmonopol der Zionistischen Exekutive wiederum, diesmal seitens des von Mosche Smilanski geführten Pflanzerverbandes, durchbrochen wird- Die Zionistische Organisation muß zusehen, wie die Palästina-Regierung an Körperschaften, welche mit der Z. O. in keinem Zusammenhang stehen, Zertifikate austeilt. §* t allzu langer Zeit hat die Palästina- Regierung alle Einwanderungszertifikate der Zionistischen Exekutive übermittelt und diese allein hat nach Gutdünken die Verrejjung vorgenommen. Dann "hat es die Organisation der Trennungs-Orthodoxie, die „Agudah",,durchgesetzt, daß ihr eine von der Palästina-Regierung festgesetzte Zahl von Zertifikaten direkt zur Verteilung nach eigenem Ermessen überlassen werden. Nach Ausscheiden der Union der Zionisten-Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation wurde auch dieser Gruppe das Recht eingeräumt, eine Zahl von Zertifikaten zugeteilt zu erhalten, über deren Vergebung sie allein zu entscheiden hat. Set 8efier=u ©allenletben ftet« nur $reWouer •wp Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Allel Koimon. Eleuant* Gimmel. Nahe am Meer und Kasino. Idealer AufeathaU. Komplotte PeuiiouifFr«. 35.- Wie man also sieht, ist ein schrittweiser, aber unaufhaltsamer Abbau der Machtbefugnisse der Zionistischen Organisation im Gange. Die Palästina-Regierung geht unverkennbar darauf los, die Jewish Agency, d. h. die Zionistische Organisation in ihren aus dem Palästina-Mandat hervorgehenden Vorrechten zu beschränken. Während einerseits die Zionistische Organisation mit der Verantwortung für den Aufbau und alle Störungen desselben belastet bleibt, nimmt man ihr stückweise das Recht, diesen Aufbau — insbesondere durch Auswahl der Einwanderer — zu beeinflussen. Das istwohl ein Zeichen dafür, wie gesunken das politische Ansehen der Exekutive ist. Unbekümmert um ihre Vorhalte tut die Palästina-Regierung einfach was sie will. Allerdings trägt die Zionistische Exekutive große Schuld an diesem Vorgehen der Regierung. Sie hat es der Regierung leicht gemacht. Vor allem durch die Art, wie sie bisher die Zertifikate verteilt hat. Die Exekutive hat, man muß sagen, in skrupelloser Weise, die Zertifikate zum Monopol einer Partei gemacht. Fast alle Zertifikate werden den linken Parteigängern zugeteilt. Auf die anderen Gruppen entfallen lächerlich kleine Quoten. Zionisten, die jahrelang zionistisch gearbeitet und die beste Schulung für Palästina hinter sich haben, gut-jüdische Familien rechnen vergeblich darauf, eines ihrer Mitglieder ins jüdische Land zu bringen. Aber Protektionskinder der herrschenden, linken Partei bekommen im Handumdrehen Zertifikate, auch wenn sie ein paar Wochen vorher ganz weg von allem Jüdischen waren und sich um ihr Judentum, geschweige denn um den Zionismus, überhaupt nicht gekümmert haben; ja, auch wenn sie antijüdisch und antizionistisch eingestellt waren. Die Empörung und die Klagen wegen dieser Mißwirtschaft sind natürlich bis zur Palästina-Regierung gedrungen. Und die Palästina-Regierung, welche sonst jüdischen Beschwerden wahrlich nicht sehr zugänglich ist, zeigt sich für diese Klagen sehr empfänglich! Sie dienen ihr zur Feststellung, daß die Zionistische Organisation das in sie gesetzte Vertrauen nicht rechtfertigt und bei der Verteilung von Zertifikaten mit unzulässiger Willkür verfährt. Sie nimmt das zum willkommenen Anlaß, auch die Verteilung der Zertifikate nach und nach völlig an sich zu ziehen. So rächt sich die Willkür der im Zionismus herrschenden Arbeiterpartei am ganzen Zionismus und am jüdischen Palästina, dessen menschliche und gesellschaftliche Zu> sammensetzung nicht mehr von der Weltorganisation, sondern von englischenBeamten und jüdischen Sondergruppen bestimmt wird. Nur schrittweise» aber mit unfehlbarer Sicherheit vollzieht sich die Entmachtung der Zionistischen Organisation auf den wichtigsten Gebieten des Aufbaues Palästinas. je richtige Senkfußeinlage sorgfältigst angepaßt, hochelastisch, federleicht, für jeden Schuh, Marke „PEDIFRIT" Rnnringen-rrltknlasch Wien II. laborsiraße 22 Alleinverkauf; Fachfirma Gegründet 1904 tVodensfäepei Merkwürdige Psychologie „Daß Nichtzionisten, die im Verlauf ihrer Beschäftigung mit der Judenfrage fast auf allen. Gebieten zur Erkenntnis der Richtigkeit der zionistischen Forderungen gekommen sind . . trotzdem zögern, der zionistischen. Organisation beizutreten, ist ein merkwürdiges psychologisches Faktum, das der Zionismus — nach vielen inneren Kämpfen — anzuerkennen sich entschlossen hat, wofür die gemischte Jewish Agency der äußere Ausdruck ist" („Jüdische Rundschau" in einem Aufsatz über die Nichtzionisten in der Jewish Agency.) Herberl Samuel schützt Hitler«Deutschland „Die öffentliche Meinung in England fängt an, die Geduld zu verlieren. Wir sind nicht bereit, noch weitere Jahre mit Konferenzen, Formeln oder ,völlstänäigen grundsätzlichen Einigungen' vergehen zu lassen . . . Wir haben keine Lust, stillzusitzen und auf die Katastrophe zu warten. Daher das deutsch-britische Flottenabkommen." Aus einem Aufsatz Sir Herbert Samuels, des englischen Führers der Liberalen, des ersten Oberkommissärs über Palästina, des von den Weizmann-Zionisten verehrten Juden, der vom englisch-deutschen Flottenpakt begeistert ist. Der Liebling der jüdischen Assimilation Wenn ich mir die Kindheit hole Wunderlich und unversehrt, Glaub' ich nicht, sie sei wie Kohle, Längst verglommen, längst verzehrt. Wo die Kindgespenster nisten, Geh' ich als mein Widerhall Ewig zu den Piaristen Irgendwo in Gotes All. Franz Werfel: „Erster Schulgang" aus „Schlaf und Erwachen". Angesichts des 30» Mordjum in Hitler* DciaüsthHarad „Ich glaube, durch das, ivas heute im deutschen Lande geschieht, iverden nicht nur die Menschen gewandelt; auch Erde, Wasser, Luft und Wind werden heimlich gewandelt; ein großer Schritt in der Erlösung des uns umgebenden unsichtbaren Reiches wird getan. 4u<?/i dss-