Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 475 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S DOS NEUE WELT Nr. 475 luden m üim I/oft de. Istael 2wi ICohhcc Die Tatsache, daß durch den 19. Zionistenkongreß Luzern in den Bannkreis unserer Aufmerksamkeit gerückt ist, gibt der Geschichte der Juden dieser Stadt erhöhte Aktualität. Die Juden sind in die Schweiz, aus dem Elsaß, aus Süddeutschland, Flandern und aus der Champagne eingewandert. Sie ließen sich unter anderem auch in Luzern nieder. Wahrscheinlich haben die Juden in Luzern zugleich mit den Habsburgern ihren Einzug gehalten (12 9 1). Urkundlich geschieht erst im 14. Jahrhundert eines ,,alten Juden" im Kustoreirodel Erwähnung; er wurde vor 1324 vom Hof Stift mit einen: Garten belehnt. (Th. v. Liebenau, „Das alte Luzern", Luzern 18-31, pag. 255 f. Steinberg, Studien zur Gesch. der Juden in dar Schweiz", Zürich 1903, pag. 3.) Außer diesem „alten Juden" treten nur spärlich E i n z e 1 p e rsönlichkeiten aus der Gesamtjudenschaft hervor: 1423 Isaias; 1425 der Arzt Joser von Zürich nach Luzern berufen. Man erteilte ihm „sicheres Geleite bis auf Widerruf". 1437 ein getaufter Jude Jakob Friedrich. Dieser scheint aber nicht aus Ueberzeugung, sondern aus Armut seinen Glauben gewechselt zu haben, damit er vom Luzerner Rat unterstützt werde, was denn auch wirklich geschah. 1474 mailändische Juden. Der Umstand, daß diese Juden alle nach einer andersnamigen Stadt benannt sind, läßt schließen, daß die Juden in Luzern Wohnerlaubnis nur für kurze Zeit erhielten, nur ein durchwanderndes Element waren. Von Handel und Verkehr ausgeschlossen, lebten sie hauptsächlich vom Geldgeschäft. Als Pfänder durften ihnen nur Mobilien dienen, niemals Grundbesitz. Sie durften außerdem nur noch als A e r z t e tätig sein, von denen einige rühmlichst bekannt sind. Man vermutet, daß der bekannnte Wiener Arzt Leo Lucerna (17. Jh.) aus Luzern stamm" t. Mit seinem hebräischen Namen hieß er Moses Jehuda Löb Maor Katan. Maor Kctan Hebräisierung des „Lucerna" (Lichtchen). — 1522 nimmt der Abt des Klosters St. Urban (Luzern) bei einem unbekannnten jüdischen Arzt in. Winterthur Wohnung, um sich von ihm behandeln zu lassen. Ohne von den Behörden strenge in ein besonderes Judenviertel verwiesen zu werden, wohnten die Juden nichtsdestoweniger um ihre SyrAgoge gruppier nichtsdestoweniger um ib.-' Synagoge gruppiert. Das Judenzentrum in Luzern war die Kröngasse bis zum „Zöpf le" (hier lag also selbstverständlich die Synagoge). Gegen die Fleuß zu lag der sogenannte judenturm. Von einem jüdischen Friedhof in Luzern besitzen wir jedoch keine Mitteilung. Es war ihnen gestattet, ihr Fleisch nach ritueller Vorschrift zu Schächten. Sie hatten aber kein eigenes Schlachthaus, sondern deckten bei den christlichen Metzgern ihren Bedarf, und waren gesellschaftlich von der übrigen Bevölkerung durch strenge Gesetze geschieden. Sie mußten den Judenhut tragen. In verschiedenen Verfolgungen machte sich die Feinseligkei. der Bevölkerung gegen sie Luft, besonders infolge der angeblichen Brunnenvergiftungen während der Epidemie des Schwarzen Todes. Das Pestjahr 13 4 8 war em Leidensjahr für die Juden. Wie andere Schweizer Städte, muß auch Luzern sein Autodafe^ veranstaltet haben, obschon keine authentischen Nachrichten darüber vorliegen. Man wies ihnen die Tür. Aber nach wenigen Jahren fanden sie sich wieder ein. Gleich nach 1 3 4 9 ließ Luzern sie wieder ein. Die Ruhepause, die nun für ein halbes Jahrhundert eintrat, war eine bloß äußerliche. Die obersten Schützer der Juden in Luzern waren die Herzoge von Oesterreich. Die Juden wurden gelegentlich Streitobjekt zwischen den Habsburgern und den Bürgern. An ihnen läßt die Stadt den Haß gegen Oesterreich aus und muß sich im Brandenburger Frieden (1352) zu einer Entschädigung dss Herzogs für die an seinem „Eigentum" begangene Beraubung verstehen. Mit der allmäh. liehen Loslösung Luzcrns von Oesterreich wird auch die Lage der Juden schwieriger. Sahen sie sich doch dadurch, daß man den bislang so verachteten Bankierberuf rehabilitierte und ihn somit den Christen zugänglich machte, in ihrer lab:ien Existenz gefährdet. Luzern schloß sie 1 3 8 3 vom Wechselgeschäft aus. Als man ihnen durch dieses Verbot den Hauptnahrungszweig aus der Hand riß, war ihnen auch jedes Motiv zum Bleiben, genommen. Die allmählich sich durchsetzende christliche Konkurrenz durch Lombarden und Cahorsiner (Geldverleiher aus Cahors in Südfrankreich) führte zu ihrer Ausweisung aus Luzern im Jahre 138 4. Luzern war die e r 3 t e Stadt in der Schweiz, die mit der Vertreibung der Juden begann. Erst 25 Jahre später folgten in ungleichen Abständen die anderen Städte diesem Beispiel. Nur vereinzelt lassen sich Juden im 15. Jahrhundert und später nieder. Auch aus Polen kommen Zuzügler, was der oft vorkommende Familienname Bollag (Pollak) beweist. Im 16. Jahrhundert herrschte eine stark judenfeindliche Stimmung, wie aus den alljährlich in Luzern aufgeführten Osterspielen hervorgeht (Lothar PvOtschild: „Die Juden in Luzern", „Isr. Wochenblatt für die Schweiz", Jahrgang 32, 1932, Nr. 37). Auf VereheJichunj mit Juden stand Konfiskation des Vermögens. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts erfolgte eine neue jüdische Zuwanderung. Der Erwerb von Boden und das Handwerk war ihnen auch diesmal verschlossen, sie blieben somit auf Hausier-, Vieh- und Liegenschaftshandel beschränkt. Die Entstehung der „Helvetischen Republik" (1798) änderte wenig an diesen Verhältnissen. Nach 1 8 4 8 wohnten einige Juden in Luzern. denen die Zulassung ausnahmsweise als Gunst, aber nicht kraft rechtens gewährt worden war. Die Anfänge der heutigen jüdischen Gemeinde fallen erst in das Jahr 1866. Nachdem die Gesetzesvorlage über die Emanzipation der Juden in der eidgenössischen Volksabstimmung vom 14. Jänner 1866 angenommen worden war, wobei übrigens Duzern selbst die Vorlage verworfen hatte, mußte sich der Kanton der gesamteidgenössischen Regelung fügen. (Die Gemeinde besitzt einen großangelegten eigenen Friedhof im Friedental seit 1 8 8 8.) Im Jahre 1832 brachte das „Luzern er Tagblatt" (Band 41, Nr. 183) einen Aufsatz unter dem Titel: „Ist das Schächten eine religiöse Handlung?" Das Tagblatt verneint diese Frage und trägt so zur Kampagne gegen das Schächten bei. Das Schächtverbot, das 1894 eingeführt wurde und noch besteht, trägt jenes eigentümlich schweizerische Gepräge von Antisemitismus, der sich auf das Prinzip der allgemein demokratischen Ordnung beruft, die nicht durch Ausnahmen durchbrochen werden darf. (Jüd. Lex., Band V, pag. 308.) 19 12 wurde die große, prunkvolle Synagoge in der Bruchstraße eingeweiht, in der sich auch die Mikwah (rituelles Bad) befindet. Die Gemeinde zählt 550 Seelen. Die Juden Luzerns sind heute insbesondere in der für das Land maßgeblichen Textil-, Seiden-, Konfektions- und Strickereibranche tätig. Luzern gehört zu den allerkleinsten jüdischen Gemeinden — und doch soll dort ein Zionistenkongreß tagen. Ist Luzern eine judenfreundliche Stadt? Die historische Straf karte sagt: Nein! Vielleicht, daß sich die Einstellung der Luzerner gegenüber den Juden in der zionistischen Aera geändert hat. Der Verfasser dieser Zeilen verbrachte einen Teil seiner Jugend in Luzern und gznoß die Gastfreundschaft dieser stillen Stadt. Hoffentlich werden auch die zionistischen Gäste keinen Anlaß zu Klagen haben. Der sogenannte grüne Zahnbelag: bei Kindern ist eine sehr häufig beobachtete Erscheinung, die dadurch entsteht, daß infolge ungenügenden Putzens, Speisereste — vor allem klebrige Zuckermassen — Gärungssäuren bilden, die eine Entkalkung der Schmelzschichte und eine Besiedlung der Zähne mit grünen Fadenpilzen herbeiführen. Deshalb sollen auch die Zähne der Kinder mit einer geeigneten Bürste und Zahnpasta gründlich und regelmäßig gereinigt werden. ODOL-ZAHNPASTA reinigt gründlich, ohne den Zahnschmelz anzugreifen, desinfiziert, ist von angenehmem, köstlichen Geschmack und verleiht reinen Atem. Stuhlverstopfung. Berichte von Oberärzten in Heilanstalten für Magen- und Darmkrankheiten betonen, daß das „Franz-Josef "-Bitterwasser ein ganz vorzüglich wirkendes, natürliches Abführmittel ist. Austritte aus dem Judentum Danzinger Lily, Friseurin, geb. am 6. September 1912 Wien, ledig, IX., Wilh.-Exner-Gasse 25. — Diamant Charlotte, geb. am 27. Juni 1911 Wien, ledig, XVH., Geblergasse 8/9. — Heutier Malv/ine, geb. am 15. Juli 1902 Straßnitz, ledig, II., Robertgasse 1/56. — Breier Ludmilla, geb. am 12. Juni 1916 Wien, ledig, II., Praterstraße 27/6. — Markstein geb. Jokobovicz Jeseni vereb. Janka, geb. am ledig, VI., Joanelligasse 3. — Schlesinger Richard, geb. am 20. April 1909 Wien, ledig, IX., Schwarzspanierstraße 15. — Markstein geb. Idobkovicz Jeseni vereh. Janka, geb. am 3. Dezember 1885 Erdödka, ger. getr., IX., Althanplatz 4. — Simonovlts Georg, geb. am 29. Mai 1935 Wien, Prag. — Roth geb. Pollack Luise Therese, geb. am 6. April 1907 Wien, verh., IV., Lothringerstraße 8. — Neugebauer Gertrnde, geb. am 10. August 1904, ledig, VI., Mariahilferstraße 47. — Steiger geb. Wechsberg Lily, geb. am 6. November 1900 Wien, verh., XVIII., Edelhofgasse 36. — Halm geb. Zimmel Mathilde, geb. am 12. März 1909 Groß- Globnitz, verh., IX., Klammergasse 3. — Flosvai Ludwig, Obering., geb. am 21. Februar 1895 Czernowitz, ledig, IV., Waaggasse 17. — Löw geb. Bäckmann Romana, geb. am 23. Juni 1899 Laibach, ger. getr., IV., Kolschitzkygasse 10. — Klein geb. Zltzraann Anna, geb. am 15. April 1888 Wien, verw., XIV., Sechshauserstraße 5/19. — Braun Valerie, geb. am 1. Dezember 1907, Wien, ledig, XIV., Grimmgasse 26. — Lichtwitz Johann Erik, geb. am 6. November 1896 Budapest, ledig, XIX., WUrthgasse 1. — Fleischer Herta, geb. am 20. Juni 1914 Wien, ledig, XIX., Hauptstraße 57. — Eckfeld Waldemar Bernhard, geb. am 29. November 1915 Wien, ledig, XIX., Hauptstraße 34. — Tibor Dr. Alfred, -?eb. am 12. April 1890 Wien, verh., IX., Alserbachatraße 39. — Feldbaum geb. Kucera Rosa, Rentnerin, geb. am 21. Juni 1878 Wien, verw., IX., Porzellangasse 22a. — Guttmann Alfred, Oberbaurat d. B. B., geb. am 27. Mai 1880 Wien, verh., IX., Althanplatz 3. — Schelnker geb. Bauer Helene, Röntgenassistentin, geb. am 13. November 1903 Petrograd, ger. getr., IX., Bleicherplatz 5. — Szanto Friedrich, Handelsagent, geb. am 29. Juni 1910 Wien, ledig, IX., Fuchsthallergasse 8. ■■■MMMiMMaaMBBMMBHMaMaaBHHMMiHHHaanBaMinBHBHaaaaBMnHaBai JUskukakl Bittet ßestrenommierie Küche -W3 REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UND 2.60 SCHWECHATER BRÄU H(Hammer-Purgsffcll-Gasse 3 (nädist SahtorbrGd<e)#TeU-41-C-25 Hotel-Restaurant Smetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wasser. — Erstklassiges Restaurant und Cafe. — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. — Eröffnung 15. Mai. Bis 15. Juni billige Vorsaisonpreise. EmpfehBen§werte Firmen Restaurants, Cafes etc. A. Bnrschak, II., Große Schiffgasse 3. Streng "i«3. Vorzügliche Küche. Billige Preise. Cafö-Itcstaiirant Espresso, l., Rotenturmstraße 1. Internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Cafö-Kondltorcl rtcumann, Ii., Uredierstralie ü (Telephon A-42-3-81), III., Löwengasse 47 (Tel. U-10-5-78). Caf6 Schottentor, 1., Ring des 12. November 10, Telephon U-26-5-90, vis-a-vis der Universität. 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