Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 472 (18.6.1935)
- Date
- 1935-06-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WEL1 Nr. 472 von Kompensationsverträgen mit Ländern, deren Export nach Palästina ihren Import aus Palästina übersteigt. e) die Sicherung der vollen Rechte der hebräischen Sprache, die seitens der Staatsinstitutionen und im öffentlichen Leben jetz! verletzt werden. f) Umfassende soziale Gesetzgebung zum Schutze der Arbeiter in der Landwirtschaft und Industrie. Innerzionistische Forderungen 1. Dir letzton tragischen Ereignisse im Leben des jüdischen Volkes und dir ununterbrochen wachsende jüdische Not verpflichten den 19. Zionistcnkongreß, offen und tinzweideutig vor der ganzen Welt das Endziel dos Zionismus als die einzige Lösung des jüdischen Problems zu proklamieren. 1. Wiederherstellung der Souveränität der Zionistischen Organisation durch die Abschaffung der durch nichtnational" und nichtzionistischo Elemente erweiterten Jewish Ageney. 3. Beseitigung der gegenwärtigen Zionistischen Exekutive, die durch ihre Tätigkeit bewiesen hat, daß sie nur einen Teil der zionistischen Bewegung, und zwar denjenigen, der auf dem Boden des zerstörenden Klassenkampfes steht, repräsentiert. Diese Exekutive hat im Laufe der letzten zwei Jahre, trotz der günstigen Konjunktur die gröbsten Bodenspekulationen nicht zu verhindern verstanden, hat untätig dem ökonomischen Chaos im Lande zugesehen, hat keinen Einfluß auf das Leben des Jischuw geübt, hat für den Mittelstand nicht gesorgt, hat keine positiven politischen Leistungen, die dem Ernst und der Größe des Augenblicks entsprochen hätten, zu verzeichnen. 4. Die politische und sozialökonomische Gefahr, die das Judentum bedroht und insbesondere der Massencharakter der gegenwärtigen jüdischen Einwanderung nach Palästina verlangen die Schaffung einer starken Leitung, die das volle Vertrauen des Volkes genießt. Sie soll nicht nur auf einer rein parteilichen Basis aufgebaut und soll imstande sein, neue Arbeitsmethoden einzuführen. Zu der Leitung der zionistischen Bewegung sollen solche Persönlichkeiten herangezogen werden, die in einer engen Berührung mit den ökonomischen Faktoren des Landes stehen und die die Souveränität des- Zionistischen Kongresses anerkennen. 5. Grundsätzliche Aenderungen in den A rb e i tsmethoden der nationalen Fonds, die heute hauptsächlich jenen Volksschichten dienen, die ■ einer bestimmten politischen Richtung angehören. Die Fonds sollen ihre Tätigkeit den Bedürfnissen der neuen Einwanderung, die auch den Mittelstand nach Palästina bringt, angepaßt werden. 6. Um die Tätigkeit der verschiedenen ökonomischen .Kaktoren in Palästina zu koordinieren, um es der Zionistischen Organisation zu ermöglichen, die Initiative in dem Aufbauprozeß zu ergreifen und das heutige Chaos in der Zukunft auszuschalten, soll ein autoritativer Wirtschaftsrat ins Leben gerufen werden, in dem alle konstruktiven Kräfte und ökonomischen Interessen des Jischuw vertreten sein sollen. Dieser Rat soll auch die Ueberwachung der Tätigkeit der nationalen Institutionen übernehmen. 7. Abschaffung des heutigen Hachscharasystems, das auf Parteikon kurrenz aufgebaut ist und seine Aufgabe in keiner Weise erfüllt. Es muß einerseits durch systematische Fachausbildung der Jugend in der Diaspora, und andererseits durch ein Arbeitsdienstsystem und Arbeitspflicht der chaluzischen Jugend in Palästina selbst ersetzt werden. Demjenigen Chaluz der seine Pflichte/i gegenüber der Nation und dem Lande erfüllt, soll die Möglichkeit der Ansiedlung auf dem Lande gegeben werden. 8. Es ist die Pflicht des Kongresses, das Transfer- -ibkommen mit Hitler-Deutschland zu verurteilen und sich auf die Seite derjenigen zu stellen, die den Boykottkampf führen. 9. Der wachsende Antisemitismus, der durch seinen Ökonomischen und politischen Druck Millionen von Juden zur Auswanderung zwingt, stellt uns das Problem der systematischen Ueberführung von jüdischen Menschenmassen aus der Galuth nach Palästina. Um einen ökonomischen Zusammenbruch zu vermeiden, muß sofort Herzls Gedanke der Schaffung einer zentralen Liquidationsbank mit Zweigen in allen jüdischen Zentren verwirklicht werden. 10. Die Zionistische Weltorganisation muß gemeinschaftlich mit der Knesseth Israel (Nationale Organisation der palästinensischen Judenheit) an der Schaffung allgemeiner nationaler Institute für soziale Fürsorge, das heißt, Krankenkassen, Arbeitslosenversicherung, Unfallversicherung, Leih- und Sparkassen usw. arbeiten. Nur auf diesem Wege wird es möglich sein, der weiteren Verknechtung der Arbeiter durch politische Parteien und politische Gewerkschaften vorzubeugen. 11. Der Waad-Leumi (Jüdische Nationalrat in Palästina) soll im Einklang mit dem entsprechenden Kongreßbeachluß neutrale Arbeitsnachweisbüros in allen Städten und Kolonien schaffen, die eine gerechte Verteilung der Arbeit im Lande sichern. 12. Die Einführung obligatorischer nationaler Arbitrage (Schiedsgerichtsbarkeit) zur Lösung aller Konflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nach dem Prinzip der nationalen Arbeitsregulierung. 13. Aufhebung aller K o n g r e ß b e s c h I ü s s e, welche der auf dem Baden der Klas.senkumpfidcologic stehenden sozialistischen Gewerkschaft in Palästina „Histadruth Owdim Klalith" eine privilegierte Stellung rinrämnen. Der Kongreß muß das Rocht aller jüdisch e n A r b e i t e r. sich nach ihrem Wunsch zu organisieren, anerkennen und die Gleichberechtigung aller A r b e i t er o r g a n i s »».- t i o n e n in E r e z Israel proklamieren. 14. Die Schaffung eines speziellen Arbeitsamtes, das der Exekutive beigeordnet wird, und dessen Aufgabe es sein soll, für die entsprechende Ausbildung der Olim im Sinne des Punktes 7 dieses Porgramms und für deren Verwurzelung in der jüdischen Wirtschaft des Landes zu sorgen. 15. Die Schaffung einer höheren K o n t r o 11instanz über die zionistischen Finanz- Institutionen, deren Tätigkeit eng mit den kolonisatorischen und politischen Plänen der Zionistischen Organisation verbunden sein sollen. 16. Die Gründung einer zentralen nationalen Instanz für „Tozereth Haare z", d. h. für die Verbreitung und Verwendung der Produkte der palästinensischen Wirtschaft und die Schaffung einer Exportbank, deren vornehmlichste Aufgabe es sein soll, Märkte für die Produkte der palästinensischen Wirtschaft zu erschließen. T e 1 - A v i v, den 5. Juni, 1935. Das Exekutivkomitee der Judenstaatspartei» von Hcbräisch-Unterricht an 17 Schüler betroffen wurde. Er wird sich deswegen vor dem Stadtrichter zu verantworten haben. Aus aller Welt Ein Jude — Erbauer der „Normandie" Aus Paris (J. T. A.): Einer der Passagiere des französischen Dampfers ,,N o r m a n d i e", des größten, luxuriösesten und — wie sich bei der ersten Fahrt gezeigt hat — schnellsten Schiffes der Welt, das soeben in Le Havre eingetroffen ist, ist sein Erbauer Andre L e v y, Generaldirektor der Penhoet-Schiffswerften. Er ist 57 Jahre alt und hat schon eine Reihe großer Dampfer erbaut. Er begann als Ingenieur in der f ranzösischen Marine und bekleidet jetzt den Rang eines Chefingenieurs. Der „Palestine and Orient Lloyd" hat für die „Normandie" eine Thorarolle gestiftet. Auf dem Dampfer wurde ein eigener Raum zur Abhaltung jüdischer Gottesdienste eingerichtet. Ferner besitzt das Schiff eine große judaistische Bibliothek und vorbildliche Einrichtungen für rituelle Verpflegung. Vor Auflösung der Bne Brith in der Türkei Aus Istambul (J. T. A.): Der Kongreß der regierenden Volkspartei nahm eine Resolution an, in der die Auflösung aller jener Organisationen gefordert wird, die kein türkisch-nationales Ziel verfolgen und mit Schwestervereinen im Ausland verbunden sind. Die Zeitungen führen aus, daß die Resolution sich hauptsächlich gegen die Freimaurer und die Bne Brith richtet, und teilen mit, daß demnächst ein entsprechender Gesetzentwurf in der Kammer eingebracht werden wird. Die Polizei in Istambul hat einen Hebräisch- Lehrer namens Isaac verhaftet, der bei der Erteilung Eine Million Pfund-Anleihe luv Id-Aviv Aus Jerusalem: Der Stadtr-at von Tel-Aviv hat sich in seiner letzten Sitzung mit dem Projekt der Aufnahme einer Anleihe in Höhe von einer Million Pfund bei der großen englischen Versicherungsgesellschaft „Prudential" beschäftigt und den Plan ratifiziert. Dabei teilte der Vizebürgermeister Rokach mit, daß die Regierung ihre Zustimmung zu der Aufnahme der Anleihe bereits gegeben hat. Die Anleihe hat eine interessante Vorgeschichte: Im Dezember 1934 hat die Regierung den Plan einer Anleihe der Stadt Tel-Aviv bei der „Prudential" im Prinzip gebilligt, aber die Höhe der Anleihe von 350.000 auf 260.000 Pfund beschränkt. Inzwischen hat die. Stadt Tel-Aviv beschlossen, die Summe der Anleihe auf cino Million zu bringen, wozu nun die Regierung uneingeschränkt ihre Zustimmung gegeben hat. Die An« leihesumme wird zur Erweiterung der Stadt und ihrer; sanitären und kulturellen Einrichtungen verwendet werden. Es verlautet, daß die „Prudential" ihre Bereitschaft erklärt hat, auch dem Waad Leumi (Jüdischem National* rat) eine Anleihe zu 100.000 Pfund zu gewähren. Der Waad Leumi wird diese Summe zum Bau neuer Schulen verwenden. Gegen die „illegale Einwanderung" nach Palästina Aus Jerusalem (J. T. A.): Nach einer Mitteilung der arabischen Tageszeitung „Feiestin" wurden in Haifa unter Mitwirkung von Beamten der Irak Oil Company neun Juden verhaftet, die versucht hatten, ohne Visa ins Land zu kommen. Sie werden dem englischen Gericht in Haifa zur Aburteilung vorgeführt werden. Im Anschluß an diese Mitteilung klagt „Feiestin" darüber, daß die „illegale Einwaderung" sich in der letzten Zeit wieder verstärkt habe. Wie „El Dschamea el Arabia" berichtet, hat die libanesische Polizei 22 Europäer und 7 Einwohner der- Republik Libanon beim Versuch, die palästinensische Grenze illegal zu überschreiten, verhaftet. Verwahrloste Kinder in Tel-Aviv Aus Tel-Av'iv: Bei einer von dem Kinderschutzamt der Tel-Aviver Stadtverwaltung gemeinsam mit der Polizei unternommenen nächtlichen Fahndung nach verwahrlosten Kindern und Jugendlichen in den Straßen von Tel-Aviv wurden einige Dutzend Jugendliche beiderlei Geschlechts, darunter einige arabische Jugendliche, aufgegriffen. Die Untersuchung ergab, daß die Kinder zum Teil aus Jerusalcm, Tiberias und verschiedenen Siedlungen nach Tel-Aviv. gekommen sind. Die Angehaltenen wurden dem städtischen Erziehungsheim für verwahrloste Jugendliche übergeben. Jüdische Kinder aus Frankreich. Seitens der Fremdenverkehrsstelle wird mitgeteilt, daß in Frankreich lebende jüdische Eltern ihre Kinder (zwischen 12 und 22 Jahren) während der Ferienmonate bei österreichischen Familien unterbringen möchten, wo den Kindern Gelegenheit geboten wird, die deutsche Sprache, zu erlernen, beziehungsweise sich in der Konversation zu vervollkommnen. Es kommen Aufenthalte in Wien ala auch in österr. Sommerfrischen in Betracht. Personen, die solche Kinder bei sich aufnehmen wollen, wer« den ersucht, unter Bekanntgabe der Familienverhältnisse) und des Pensionspreises Name und Adresse der Fürsorge- Zentrale, Wien I, Seitenstettengassc 2, zwecks Weiterleitung bekanntzugeben. 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