Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 466 (24.5.1935)
- Date
- 1935-05-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712090--5094-2718664- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JSta&AiÄ "?BS OOS NEUE WELT Nr. 466 0iil fkatlottü ^WWWWr W W rfrWWlFIF ZW Sckukcal eines luckttsUuntne* Von Ing. L. Zelwer, Barcelona Das Besondere in der Lage der getauften Juden auf Mallorca zur Zeit der Ausweisung der Juden aus Spanien war, daß sie, infolge der vorangegangenen Taufen und der Abwanderung von erheblichen Teilen der eigentlich jüdischen Bevölkerung schon vor der Austreibung, von der großen Austreibung im Jahre 1499 nur wenig be GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, I. Bez., Seitenstetiengasse 2, III Samstag XI., Zeniralfriedhof, neb. d. 7. Tor. ||| geschlossen rührt wurden. Ihrer harrte ein vielleicht noch viel tragischeres Geschick. Während die Sephardim in der Türkei, in Holland und anderen Staaten sich von ihren verheerenden Schlägen erholten und mit echt jüdischem Fleiß und Lebenskraft an den Aufbau ihrer Zukunft in der neuen Heimat gingen, blieben die getauften Juden Mallorcas in den Klauen der blutrünstigen Inquisition, die es mit dem Verzehren von Schweinefleisch mitten in den öffentlichen Plätzen nicht hat bewenden lassen. Die Leidensgeschichte dieser Unglücklichen hatte erst begonnen und konnte von den nun außenstehenden Juden fast nicht wahrgenommen werden. Nur die durch Jahrhunderte in Klöstern gemachten Aufzeichnungen von Opfern der Inquisition geben davon Kenntnis, wie die heutigen „Chuetas" (Schweinefleischesser, Spottname für die getauften Juden) zu solch frommen und ergebenen Katholiken — dies sind sie jetzt nämlich in der Tat — gemacht worden sind. Die Scheintäuflinge oder des Judaisierens verdächtigten Neuchristen, die nicht mehr lebendig zu erreichen waren oder sich rechtzeitig vor den Häschern und Henkern der Inquisition flüchten konnten, wurden in einer großen Anzahl von Fällen „in Effigie" (im Bild) verbrannt und — was für die Dominikaner nicht weniger wesentlich war — ihre Besitztümer eingezogen. Wenn man heute mit einer nicht geringen Bewunderung vernimmt, daß in Portugal Teile der Maranen zum Judentum zurückkehren wollen, so erscheint es vielleicht nicht minder staunenswert, daß die erschütternden Erzählungen von unterirdischen Synagogen, in denen sich an den hohen jüdischen Feiertagen die zum Schein getauften Juden unter Lebensgefahr zusammenfanden und zuweilen mitten im gedämpft vorgetragenen Kol-Nidre-Gebet von der schleichenden Hand der Inquisition erfaßt wurden, keine Legenden, sondern historische Tatsachen sind. So wurde im Jahre 1679 — also fast 200 Jahre nach der Vertreibung der Juden aus Spanien — in der Nähe von Palma eine geheime Synagoge entdeckt, was mehrere hundert Chuetas mit lebenslänglichem Kerker büßen mußten. Zu jener Zeit geschah auch das oben genannte Ereignis mit den Märtyrern, die auf englischen Schiffen die Insel heimlich verlassen wollten, vom Sturm jedoch zurückgetrieben wurden und nach öjähriger Haft erdrosselt und verbrannt wurden. "Unter den 50 Hingerichteten waren der Rabbiner Raphael V a 11 s und die Geschwister Benito und Catalina Tarongi. Nebenbei sind dies neben anderen 14 Familiennamen der Chuetas die am meisten verbreiteten: Andere sind: Pomar, Cortes, Pico, Bonnin, Fortessa, Segura usw. In einigen Familien sollen sogar eigene Familienchroniken aufbewahrt sein, welche über die unsäglichen Leiden der Chuetas während langer Jahrhunderte berichten. Noch heute leben die 3 0.0 0 0 Chuetas in Palma, das 90.000 Einwohner zählt, in besonderen Gassen in der Nähe der Calle Santa Eulalia und zeichnen sich durch ihre besondere Berufsschichtung aus. Sie sind vorzugsweise Goldschmiede, Uhrmacher, Schlosser und Fleischer. Geht man heute durch die Calle Plateria, so könnte man mitunter glauben, man befinde sich in einem jüdischen Massenzentrum im Osten. Und vielleicht ist die Aehnlichkeit nicht nur rein äußerlich. Man erzählt sich vielmehr, daß trotz der unleugbaren Anhänglichkeit der Chuetas zum Katholizismus manche Bräuche noch bis auf den heutigen Tag in unverfälschter jüdischer Uebungsform unter ihnen aufrechterhalten blieben. Die bei uns bekannte Einführung Raban Gamliels von Jabne, daß die Toten ohne Unterschied ihrer Vermögenslage in einfachen weißen Linnen begraben werden, soll heute noch bei den Chuetas bestehen. Die Absonderung der Chuetas von der übrigen Bevölkerung hat zwar im Bezirk des öffentlichen Lebens durch die Gesetze von 1782 aufgehört. Sie sind also zu allen Berufen und Aemtern zugelassen. Gesellschaftlich sind sie jedoch isoliert geblieben. Daran ändert nicht einmal die Tatsache, daß manche von ihnen es zu Wohlstand und Ansehen gebracht haben und besonders als Komponisten und Maler die Insel mit Ruhm bedeckten. Die drei bekanntesten Musiker der Insel Mallorca, nämlich Segura, Pina und Portas Fortessa, sind Chuetas. üeberhaupt ist die Begabung und die Liebe zur Musik eines der ausgeprägtesten seelischen Merkmale der Chuetas. Bekannt sind auch mehrere berühmt gewordene Maler, die von Chuetas abstammen. Selbst unter den Heiligen und Schutzpatronen auf der Insel sind die Chuetas vertreten. Man zeigt sich in den größeren Kirchen Altäre, die nicht nur von Chuetas gestiftet und ausgeführt wurden, sondern in der ganzen Konzeption und Ausschmückung an jüdische Typen und Szenen erinnern. Als Thema sind Bilder aus der Inquisition vorherrschend. Allein, eine Ehe von einem Mallorcaner mit einer Chueta Frau, oder umgekehrt, gehört noch heute zu den Seltenheiten, denn der Mallorcaner sieht im Chueta ein minderwertiges Geschöpf, mit dem er am liebsten nicht in Berührung kommt. Dabei ist nicht zu vergessen, daß die Chuetas 15 Prozent der Bevölkerung Mallorcas ausmachen. Ueber die Beziehung der Chuetas zu den Juden gehen die verschiedensten Gerüchte herum. Im allgemeinen sind sie außerordentlich vorsichtig und mißtrauisch, wenn man sich ihnen als Jude vorstellt und sie um irgend welche Auskunft über ihr Leben und dergleichen bittet. Ein Chueta soll, nachdem er durch langes Drängen zum Reden gebracht wurde, in bittere Vorwürfe gegen die Juden ausgebrochen sein. „Wo seid ihr während der Jahrhunderte gewesen, als man uns durch, alle Qualen der Hölle trieb? Wo seid ihr gewesen, als man uns vom Leben ausstieß und uns nicht einmal in die Kathedrale zum Beten hineingehen ließ? ... Ihr habt dagegen eure Stimme nicht erhoben..." Es sei daran erinnert, daß man ihnen früher, in der Kirche wie auf dem Friedhof, abgesonderte Plätze zuwies. Manche Chuetas zeigen sich Juden gegenüber sehr liebenswürdig und unterstützen sie geschäftlich, insbesondere außerhalb der Insel Mallorca, wo man sie als solche nicht mehr kennt. Es entbehrt nicht einer gewissen Kuriosität, daß es im 19. Jahrhundert so etwas wie eine „antichuetischc" Bewegung geben sollte, die mit einem Hetzbuch von Juan de la Puerta „La Sinagoga Balear, Historia de los Judios de Mallorca" eingeleitet wurde, aber keine Bedeutung gewann. Von einem nationalen Gefühl in bezug auf das Judentum kann bei den Chuetas nicht die Rede sein. Die Jugend ist sogar eine ausgesprochene Stütze des Katholizismus, so unter anderem in den spanischen Hochschulen, wo sie gewöhnlich zu der katholischen Studentenschaft gehört. Ueber ihre inneren Stimmungen und Regungen gegenüber den allgemeinen jüdischen Zeitereignissen läßt sich nichts erfahren. Schwer ist ebenfalls, etwas in Erfahrung zu bringen über ihre sicherlich sehr interessanten Familienerinnerungen und Gegenstände von Kultus und Kunst, die von großem historischen Wert sein könnten. Es sollen in manchen Familien alte Teller mit hebräischen Stichen und Szenen aus dem Familienleben ihrer jüdischen Vorfahren vorhanden sein. Aehnlich wie von den Schweizern sagt man sich auch von den Mallorcanern, daß sie in noch so vielen Ländern herumgekommen sein mögen, immer kommen sie in ihre Heimat zurück, die ihnen durch ihre Schönheit ans Herz gewachsen ist. Dies gilt auch von den Chuetas, die seltsamerweise nur selten die Insel verlassen. Unwillkürlich kommen einem die heute wieder aus dem gesellschaftlichen und öffentlichen Leben ausgestoßenen „Nichtarier" in Deutschland in den Sinn, die ebenfalls dem Judentum den Rücken gekehrt hatten und heute oft nur im Freitod den Ausweg aus ihrer seelischen Situation finden. Die Geschichte verläuft nach einem bekannten Ausspruch in einer Spirale und nach einer Zeitepoche stoßen die Ereignisse auf denselben Radius ... Amtliche Verlautbarungen der HraeL Kultusgemeinde Wien* Israelitische Jugendgottesdienste. 1. Jugendgottesdienst für Volks-, Haupt4- und Mittelschiiler(innen). Samstag, den 25. Mai d. J., um 3 Uhr nachmittags in allen Gemeinde- und Bezirks-Synagogen. Besondere Ju gendgo11esdienste für Mittelschüler und -Schülerinnen fürUnterklassen im II., IX. und XX. Bezirk. Samstag, den 25. Mal d, J., um viertel 5 Uhr nachmittags im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse 3 und in den Bezirks- Synagogen, IX., Müllnergasse 21, und XX., Kluckygasse 11. Schrifterklärungen In den Gemeinde- und Bezirks- Synagogen. Samstag, den 25. Mai 1935, beim Vormittagsgottesdienst: XX., Kluckygasse 11, Rabbiner Dr. B. Murmelstein; XXI., Holzmeistergasse 12, Rabbiner Dr. M. Rosenmann; beim Abendgottesdienst: XIII., Eitelbergergasse 22, Rabbiner Dr. M. Lewin. Warnung. Da neuerlich von unbefugten Personen unter Angabe falscher Namen Geldsammlungen für die Jcachiwa 3ar Jochai und das Altershaus in Mlron (Palästina) vorgenommen werden, wird zur Kenntnis gebracht, daß als ausschließlicher Vertrauensmann für Oesterreich und die Tschechoslowakei für die genannten Institutionen Herr Israel Leib Brecher fungiert. Es empfiehlt sich, unbefugte Sammler anhalten zu lassen. -^3 ßestrenommierie Küche REICHHALTS GEMENÜSä S 1.90 UND 2.60 f, C ti W l£ C II A TER BRÄU ll,Hammer-Purgs«alS-Gctsse 3 (nächst Salztorbrüchc) ® Tel. A-41-C-25 Hotel-Restaurant Smetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wasser. — Erstklassiges Restaurant und Cafe\ — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. — Eröffnung 15. Mai. Bis 15. Juni billige Vorsaisonpreise. Empfeh!en§werle Firmen Restaurants, Cafes etc. Ilolcl-ltestanrant „Stephanie", II., Taborstraße 12. Vor* zUgliche Wiener Küche. Speisen am Rost. Menü ab S 1.60. Täg* lieh frische Fische. Cafe-Restaurant Espresso, i., Rotenturmstraße 1. Inter* nationale kalte und warmo Küche. Menüs zu billigen Preisen. Cafe Schottentor, 1., Ring des 12. November 10, Telephon U-26-5-90, vis-a-vis der Universität. Cafe-Konditorei Neuniann, II., GredlerstraßO 2 (Telephon A-42-3-81). III., Löwengasso 47 (Tel. ü-10-5-78). „Vegetaria", Kcstaurant, Diätküche, Milchspeisen, XI., Obere Donaustraße 89 a: IX.. Währingerstraße 21. Kcstaurant „Spritzer", früher „Hotel National", Jetzt II., Hammer-Purgstallgasse 7. Vorzügliche Wiener und internationale Küche. Tel. A-45-5-42. Bekleidung, Wäsche Glanzmann, Epstein & Co., Herren- und Damen-Konfektion, Spezialerzeugung von Regenmänteln jeder Art, II., Obere Donaustraße 35, Tel. A-49-0-86. Schuhe S. Ahrahamovicz, Schuhhaus, n., Taborstraße 33, Tele« phon A-48-1-62. Pelze Pelzo jeder Art, M. Bermann & Co., Wien, I., Hoher Markt Nr. 9, Tel. U-24-1-68. Optiker öl. Schüchtcr, II., Glockengasse 25. (Samstag geschlossen.! Sämtliche Rezepte werden gewissenhaft ausgeführt. Große Aua» wähl. Billigste Preise. Reparaturen sofort. Diverse Parfümerlo Freyung, 1., Heidenschuß 3, Tel. U-20-8-73. Parfümeriewaren, Toiletteu. Wirtschaftsartikel. Billigste Preise. Falikmann Heinrich. Juwelenf asser, II., J/aDorstraße Nr. 1-3/66. Tel. A-48-4-45. Halpern S.. Palästina-Produkte, £1., Förstergasse 6. Tel. A-46-4-12. Internationale Spedition (Palästina-Transporte) P. Ritt« gelbium, II.. Große Mohrengasse 3 a. Tel. R-41-9-75. Jüd. Buchhandlung, Erzeugung aller GebetarUkel. M. Salztnann, II.. Große Schiffgasse 4. Tel. A-49-9-74. Kalb Josef, Juwelengeschäft und Pzazisionsuhrmachet, II.. Taborstraße 56. A. S. Rabiner, Spenglermelster. II.. Untere Augarten-* Straße 31. Tel. A-45-0-29. Schwcdenapothcko (Besitzer: J. Bauer), l., Schwedenplats. Josof Teller. Friseur. II.. Molkerelstraßo 7. Zimmer- und Dekorationsmaler Samuel Kleinbcrg, Zimmer- und Dekorationsmaler, IT., Taborstraße 69. Tel. A-48-6-50. Installationen und Elektrowaren Advokat & Fantl, Beleuchtung, Glühlampen, Elektro« waren, Gasgeräte, Badeeinrichtungen. Beheizung. II., Taborstraße 8 b. Tel. R-47-1-51. Paul Heller, Installationen für elektrische Kraft- und moderne Beleuchtungsanlagen, elektrische Beheizungs- und Haushaltungsgerätc. Radio, Luster, I.. Lichtensteg 1, Tel. U-21-9-12. Anfragen und W ü n s c n e. weicne diese Rubrik De« treffen, sind an die Verwaltung des Blattes, IX., Universität»» Straße 8. Telephon A-20-2-78. zu richten. VERSICHERUNG!* BESTAND. ... 3.1 Milliarden GARANTIEMITTE! . 680-Millionen VERSICHERTE . . . 877.309 VERSICHERUNGS¬ ZAHLUNGEN 1933 72 Millionen LEBENS VERSICH ERUNGS-GIS. Wochen-Kalender Mai 1935 "PN rrinn Ijar 5695 Freitag 24 21 Sabbateingang 7,35 Samstag 25 22 Sabbatausgang 8,35 Sonntag 26 23 Montag 27 24 Dienstag 28 25 Mittwoch 29 26 Donnerstag 30 27 SJigentümer, Verleger. Herausgeber; JW4 XfirjffltffiOEtlis&CFrR^ftKtew: .Oberbaurat Robert Stricker. —,-Druck: Druckerei-, und, yerlagSrA^G, Ignas gteinmagn. bette. ^Wieju / J^ XüU^r^tätMtiÄÄe «—