Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 462 (10.5.1935)
- Date
- 1935-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Tltl. Uiuv UätsbibttotheU ersita Wien, 1. Preis 20 Groschen Jahigfliifl # Pvc£ax|/ ^fcw JM Nr* 462 V* b* b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedi6 par rediteur** BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S IS.-—j Polen monatlich Zloty 1.5p. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; JnKoslawlen monatlich Dinar 14-—. vierteljährig Dinar 40.—: Bnmtaien monatUch Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—: Deutschland monatticb Mark 1.-. vierteljährig Marls• 3.—i Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: »»«en monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatUch Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Franc3 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag «. Freitag REVUE Einstein vor ein Ehrengericht gefordert Weil er sich zu Hetzereien hat mißbrauchen lassen Hie J. T. A. meldet aus New York: Die Union der Zionisten-Revisionisten in den Vereinigten Staaten hat Professor Albert Einstein voir ein Ehrengericht geladen, weil er auf einer Versammlung der sozialistischen „Liga für das arbeitende Palästina" die Zionisten-Revi- 8ionisten in vehementer Weise beleidigt, sie als Förderer der Bodenspekulation, der Volksausbeutung und der Hetze gegen die Araber hingestellt hat. Sie fordern von ihm, er möge vor einem Ehrengericht den Beweis für diese ungeheuerlichen Anschuldigungen erbringen. * Auf die Nachricht, daß Einstein im Dienste der Zionisten-Sozialisten gegen den Revisionismus kämpfe, haben wir unserem Bedauern über den Mißbrauch mit diesem großen, aber in die Zionistischen Parteiverhältnisse völlig uneingeweihten Gelehrten Ausdruck gegeben. Nun, da der Wortlaut seiner Rede gegen die Revisionisten vorliegt, müssen wir feststellen, daß der Mißtrrauch mit Einstein nicht nur bedauerlich, sondern auch schändlich ist. Einstein sagte: „In der VemJslatdung nationalistischer Propaganda sucht <Jer Revisionismus die destruktive Bodenspekulation zu unterstützen, rlas arbeitende Volk auszubeuten und es seiner Rechte zu berauben. Revisionismus ist Verkörperung jener schädlichen Mächte, die Moses in kluger Voraussicht' zu bannen suchte, als er sein SbzialrecmV formuliert*:/"'u-v~ , - „Dazu kommt, daß der vom Revisionismus genährte Geisteszustand das ernsteste Hindernis auf dem Wege zii einer friedlichen und freundschaftlichen Zusammenarbeit mit d«m rassisch verwandten arabischen Volke bildet." „Soll Palästina ein nationales jüdisches Zentrum werden, so muß der Jischuw eine beispielgebende Lebensform für die ganze Judenheit durch Kultivierung geistiger Werte werden. Ich bin überzeugt, daß die Histadruth (Organisation der sozialistischen Arbeiter) die Verkörperung der besten, in dieser Richtung wirkenden Energien ist; sie ist das stärkste Bollwerk gegen alle Tendenzen, die das Gemeinschaftsleben zu vergiften suchen; sie bietet dem Revisionismus am wirksamsten Schach, einer Bewegung, die unsere Jugend mit unseren schlimms t eh Feinden entlehnten Phrasen irrezuführen sucht und die Arbeit der hingebensten Pioniere hindert." Die Revisionisten, welche jetzt die Zionistische Weltorganisation verlassen haben, verdienen in vieler Hinsicht scharfe Kritik und schweren Tadel. Sie haben sich als unreif erwiesen, das von ihnen vertretene Programm des Judenstaatszionismus zu fördern. Sie sind auf Irrwege geraten und haben sich an der Organisation Herzls versündigt. Aber was Einstein über sie sagt, ist nicht Kritik und nicht Tadel. Das ist grundlose Verleumdung giftigster Art! Diese ist nicht aus seinem Hirn gewachsen. Man sieht det Mck ttett lstad ■nKBeasaanasBi führt über die am» EILLINIE Ue3 T R I E 5 T~ J AFFA-HAIFA nur in der ausgezeichneten Touristenklasse in zwei- oder % 250 vierbettiKen Außenkabinen mit reichlicher u. schmackhafter Verpflegung (v i e r Mahlzeiten täglich) Die großen Luxusschiffc ,GALILEA' ,GERUSALEMME' ,PALESTINA' (je 12.500 Tonnen Deplacement) verkehren sechsmal monatlich nach Puliistina, außerdem dichter Verkehr via Aegypten und via Athen—Istanbul. Gelegenheit au herrlichen Rundfahrten im Mittolmocr. FUr Hm^eseUsc^ieu $o$tdeq*eise! LLOYD TRIESTIN0 Wien I Kärntnerring 6 Telephon U-47-S-60 deutlich die heimtückischen Einbläser hinter dem in eine gewissenlose Gesellschaft geratenen, willensschwachen und urteilslosen Gelehrten. Mit teuflischem Behagen hetzen sie den schwachen Mann mit dem großen Namen in einen unehrenhaften Kampf. Das sind dieselben Men- »*» ,Jeurigen" fRreftltroer Dcrrongc aitm sffiein *W ©auerBrunn sehen, die sich nicht scheuten, aus der Ermordung Arlosoroffs politisches Kapital zu schlagen und die Zionistische Organisation bis zum Abgrund zerrten, weil sie sie so am besten zu beherrschen glaubten. Der tote Arlosoroff zieht nicht mehr — also her mit dem lebenden Einstein! * Vor einiger Zeit, kam aus Amerika die scherzhaft klingende Nachricht, es hätte sich dort eine „Gesellschaft der Freunde Einsteins" gebildet, mit dem einzigen Zwecke, Einstein davon abzuhalten, Bankette und Versammlungen zu besuchen und dort politische Reden zu halten. Die letzte Exkursion Einsteins auf politisches Gebiet läßt wünschen, den Scherz in die Tat umzusetzen. Der Prozeß um die //Protokolle der Weisen von Zi'on // Fortsetzung der Verhandlung Auch am fünften Verhandlungstag, am .Freitag, den 3. Mai, ist der von den Angeklagten gestellte Sachverständige Ulrich Fleischhauer (Erfurt) mit seinen Darlegungen nicht zu Ende. Er zitiert eingehend eine antisemitische, in der Schweiz erschienene Broschüre „Dokumente zur Judenfrage in d.er S.chw.eiz" von Armbrunnen. Er erklärt es als Sinn und Aufgabe des internationalen Zusammenschlusses der Antisemiten in der ganzen Welt, die Völker über die jüdische Gefahr aufzuklären. Fleischhauer, behauptet/ daß die jüdischen Aerzte schon viele Christen, getötet^ben»-;; - . ,. Mit großer Schärf e wendet ^c^*''Me^c^&uer'.ge'gen' den V ö 1 k e,r du n d, den er als eine j ti-d ische Er findung und als ein Werkzeug zur Weltherrschaft des Judentums bezeichnet. Der Völkerbund wolle eine .einheitliche Sprache, ein einheitliches Recht und eine einheitliche Währung herbeiführen. Der Völkerbund war' es auch, der den Juden Palästina ausgeliefert hat. Der Jude Herbert Samuel war der erste Oberkommissar Palästinas gewesen. Alle diese einwandfreien Tatsachen seien unerschütterliche Belege dafür, daß der Völkerbund nichts anderes sei als ein Werkzeug der Juden. Die Juden, fuhr Fleischhauer fort, trügen die Schuld am Weltkrieg, sie seien sehr wohl dazu fähig, eine W e 11 r e v o 1 u t i o n anzuzetteln. Stalin/ der „Sdiabbesgoj" Der Gerichtspräsident fragt Fleischhauer, ob er, der schon am vierten Tag spricht, heute zu Ende gehen wolle. Der Obergutachter Loosli habe sich dem Präsidenten gegenüber verpflichtet, im Gegensatz zu Fleischhauer nur vier Stunden zu sprechen. Ironisch meint der Präsident, er möchte gern das Urteil noch selbst sprechen und den Spruch nicht etwa 's e i n e n E n k c I n überlassen. Fleischhauer erwidert, er werde sich bemühen, heute fertig zu werden. Allerdings müsse er seinen ausführlichen Bericht über die Freimaurerei noch gesondert behandeln. Vorerst müsse er die Rolle der internationalen Bibelforscher behandeln. Der Geist der Bibelforscher sei der Geist der „Protokolle". Nach Mr. Rutherford, der Autorität der Bibelforscher, müßten alle Nichtjuden beschnitten werden (Gelächter im Saal). Die Bibelforscher seien eigentlich schon eine jüdische Organisation. Sie seien „die internationalen Pestboten des jüdischen Bolschewismus". Die Ermordung des österreichischen Kronprinzen Ferdinand in Sarajevo, die Anlaß zum Weltkrieg wurde, sei Freimaurerwerk gewesen. Es bestehe ein enges Zusammenspiel zwischen proletarischen und kapitalistischen Juden. Bevor Gerichtspräsident Meyer die Vormittagsaitzung schließt, wendet er sich an Fleischhauer mit der ironischen Frage: „Die Juden sind erledigt, die Bibelforscher zappeln am Boden, wie lange braucht Herr Fleischhauer noch, um die Freimaurer und die Bolschewiken niederzukriegen?" JUDENSTAATSPARTEI ÖSTERREICHS 2 große Vortragsabende Redner: Dr. H. Rosenblum (Kaunas) Samstag, den 11. Mai. halb 9 Uhr abends, im Zentralheim, I, Werdertorgasse 14 Thema: Die Lage im Zionismus Montag, den 13. Mai, halb 9 Uhr abends, im Heim der Bezirksgruppe Brigittenau, XX, Heinzelmanngasse 20 Thema: Vor dem XIX. Zionistenkongreß Gäste willkommen! Fleischhauer kam dann auf den „Ritualmord" zu sprechen; für ihn sei es sicher, daß Angehörige der chassidischen Sekte ihren Söhnen „geheime Lehren" übermitteln. Achad Haam war Angehöriger einer solchen chassidischen Sekte. Stalin, der führende Mann der Sowjetrepublik, sei der „Schabbesgoj" des Judentums. Nicht die „Protokoll e" seien „Schundliteratur", sondern die Schriften eines Rousseau, Voltaire, Wedekind, Schnitzler, Marx, Börne und Heine seien „Schundliteratur", Das Volk der Bibe2 ... -Am sechsten Verhandlungstagf Samstag, den 4 .Mai, ergriff der von der jüdischen Seite gestellte Gutachter Professor der Rechtsphilosophie an der Universität Basel, Dr. Baumgarten, das Wort zu folgenden Ausführungen: modernst konstruiert, wunderbar leicht, absolut ohne Druck, ohne Beschwerden, glänzend bewährt, ärztlich auch dort empfohlen, wo bis jetzt andere Bruchbänder versagten, ist unser neues HERNIASTAT**- Bruchband nach Dr. Jaro Hecht. Broschüre überallhin kostenlos. Fachkundige Beratung. Alleinverkauf: Banrianen-nlTkolpsrJi II, TaborttraBe 22 R-42-5-40 Serie „Es gibt keine jüdische Geheimregierung. Wir alle spüren, daß in der Welt nicht alles in Ordnung ist. Aber alle Krisen dadurch zu erklären, daß dahinter eine jüdische Geheimregieruxtg stehe, sei der denkbar untauglichste Versuch, eine Lösung zu gewinnen. Wie bei allen üblen Erscheinungen des Mittelalters, wolle man auch heute das Judentum für die Krisen dieser Zeit verantwortlich machen. Aber die Judenverfolgungen, die wir erleben, helfen auch nicht um ein Jota über die Not hinweg. Das jüdische Volk soll diese abscheulichen .Protokolle* fabriziert haben? Ich studiere die Kulturleistungen des jüdischen Volkes seit grauer Zeit. Ju, das jüdische Volk hat .Protokolle' hervorgebracht: die .Bibel'. Das Volk, das die Bibel geschaffen hat, kann nicht das Volk sein, das mit Theodor Fritscli's .Protokollen' etwas zu tun hat." Fleischhauer sieht die Weltgeschichte nur durch die Brille des Mißtrauens gegen die Juden. Er wendet sich, gegen alles, was jüdisch ist. Ich muß an die Juden denken* denen ich im Leben begegnet bin: es waren wunderbare^MenscJien unter ihnen, die herrliche Beispiele von Selbstlosigkeit gegeben haben. Diese meine persönlielam Erfahrungen sind beweiskräftiger als noch so viele Zitate aus Schriftstellern des Mittelalters und der neueren Seit. Wollten wir uns nach Zitaten richten, dann könnten wir jedes Volk moralisch in Grund und Boden verurteilen; denn über alle Völker ist viel Schlechtes gesagt worden. Baumgarten wendet sich nochmals der Entstehung der gefälschten „Protokolle" zu. Hinreichend belegt n^D Hotel Arras NIZZA 7 Avenue ßaquis Aller Komlori. Elegant« Zimmer. Naht am AUei und Kasino. Idealer Aufenthali. Komplette Pension »Frcs. 35.— Pension Irma Meister» hieran Idealer aaiUÜShrlfjer Autenthalt, letzter Komfort, berühmt* Küche, herrl. Park, mäßigePr«*tc. Verlangen Sie Provftcfctt