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Die neue Welt · 1935-05-03 · Heft 460 (3.5.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 460 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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PreiS 20 GrOSChOII Jahrgang Freitag, den 3« Mai Nr« 460 V« b. b» Zeitung vom Verleger versendet REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 15.—: Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 15.—; Jntoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Eumänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa SO.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Liro 14.—« Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca L50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Ersdieint Dienste? u. Freitag ItecdotHevit, fübtet m sdmeteu la^eu Heute, am '2. Mai, am 75. Geburtstag Theodor Herzls, setzen sich unzählige Federn in Bewegung, um das. Leben dieses Menschen zu beschreiben.. Tausende Male wurde das bereits versucht.. Der Mann, der Führer, der Politiker, der Prophet, der Envecker findet sich alljährlich von neuem dargestellt, und doch versucht man immer wieder, das Bildnis Herzls durch einen neuen Zug zu bereichern, etwas Neues an ihm zu entdecken. Die Ursache hiefür ist sehr einfach: Herzl wird von jeder jüdischen Generation von neuem erlebt. Die Geschichte des jüdischen Volkes rollt in der Weise ab, daß Herzls Idee ihm immer wieder seinen Sinn gibt. Herzls Unsterblichkeit ist also im Ablauf der von den Juden erlebten und erlittenen Geschichte begründet. So wie wir Herzl erleben, so erlebte er das Leid seines Stammes. Nicht aus der Tändelei des Alltags, nicht kraft einer logischen Gedankenfolge wurde der Gedanke von der Einheit des jüdischen Volkes und von. der Einmaligkeit seiner gegenwärtigen Aufgabe geboren. Erst die Not und der Schmerz entfachten Herzls Seele zu der Tat, die uns heute Selbstverständlichkeit, Unentrinnbarkeit geworden ist. Was heute hunderttausende, vielleicht Millionen Juden in der Galuth über sich hereinbrechen sehen, davon wurde Herzl in den Tagen des Dreyfus-Prozesses ergriffen: Mag Gesittung, Wohlwollen, ja Gerechtigkeit für uns sprechen — im letzten Grunde gibt es für uns nur eine Rettung — Selbstemanzipation, Wiedergeburt des nationalen Bewußtseins, eigenes Land, eigene JJJrde, eigenes staatliches Sein, Judenstaat. Es ist heute sehr leicht (und auch, bequem), diesen Gedankenbau als etwas Natur- und Schicksalgegebenes zu proklamieren. Heute steht den Leitern des zionistischen Schicksals ein großer, vielfältiger Apparat, eine ausgebaute Organisation, eine politisch günstige Weltlage zur Seite. Herzl besaß nichts davon, er besaß bloß seinen Willen, seine Kraft, seinen Stolz, seine Sachlichkeit, seine Phantasie und den G1 a u- •ueo Hotel Arras ZZ 7 Avenue Baquis Allel Komion. Elegant* /Ummer. Nah« am Meet und Kasino. Idealer Aufenthalt Komplette Pension: IFrcs.35.— Pension Meister. Meraro idealer ganzjähriger Autenthalt, letztet Komfort, perühmie Küche, herrl. Park, mäßige Preise. Verlaufen Sie Prospekte ben. Also all das, was jene entbehren, entbehren zu können glauben. Aus den genannten Eigenschaften entstand der Gedanke des Judenstaates. Herzl rechnete nicht mit der Macht der Fonds, mit der Mechanik der Organisation, mit der Systematik des Beamtenapparats. Hätte er sich bloß auf diese Dinge verlassen, würde er wohl nicht den Mut zu seiner einzigartigen Konzeption besessen haben. Ihm ward die Gnade zuteil, an die Macht der Idee zu glauben, an die Stoßkraft des Ideals, die Menschen und Völker bewegt. Aus diesem Glauben heraus fand er den Weg, der zur Erlösung führt. Und man war von seinem Glauben besessen und man folgte ihm. Niemand fiel es ein, an der Wahrheit seines Glaubens und an der Richtung seines Weges zu zweifeln. Herzl band ein Fahnentuch an eine Stange — es war ein blau-weißes Fahnentuch. Ein Fetzen Tuch, und doch ein Symbol von unerhörter Suggestionskraft. Sein starker Will© und das Drängen des Volkes, der Führer and die Geführten — es war eine Harmonie von seltener und einprägsamer Schönheit. Herzl hatte die Juden aus der Tiefe ihrer Leiden in die Höhe seines Traumes gerissen. Nach qualvollen Widerständen eine Sehnsucht, ein Ruf: Judenstaat. Es war ein Kampf, wie wenige Sterbliche ihn ausgekämpft haben. Herzl hat diesen Kampf bestanden, er ist in diesem Kampf gefallen. Millionen Juden feiern diesen Heldenkampf, gedenken dieses Helden. Und was gibt es Höheres für uns, als heute, an seinem 75. Geburtstag, das Gelübde zu tun, daß wir, wir Judenstaatler, sein Werk vollenden werden! o, r. M (Ufas smd wit Juden Eine interessante Rundfrage Wie wir Juden sind, was wir im Konzert der Völker darstellen, was für einen Platz wir innerhalb der Menschheit einnehmen — diese Fragen haben ewige Aktualität. Von ihrer Beantwortung hängt die Anerkennung der Judenheit als Volk zwischen den Völkern der Welt ab. In ihrem negativen Sinn sind die Fragen bereits erledigt: wenn ein Mensch jüdischer Abstammung etwas Schlechtes, Sittenwidriges, Gemeines begeht, wird dem ganzen jüdischen Volk die Verantwortung hiefür auferlegt. Im umgekehrten Fall, wenn eine große Idee, eine edle Tat, eine der Menschheit Nutzen bringende Sache einen Juden zum Urheber hat, dann heißt es, es wäre ein Engländer, ein Amerikaner, ein Franzose; Es. ist dies eine alte Geschichte. Es ist dies — jüdisches Schicksal. Eine sehr angesehene jüdisch-französische Zeitschrift, die „Revue Juive de Gen>eve", hat kürzlich, eine sehr interessante und wichtige Rundfrage unter be- ' kannten jüdischen und nichtjüdischen Persönlichkeiten durchgeführt. Es ging um folgende drei Probleme: 1. Gibt es einen authentischen jüdischen Gedanken? 2. Wenn ja, vermag er bei der Lösung der Weltkrisis mitzuhelfen? 3. Glauben Sie an die Notwendigkeit eines jüdischen intellektuellen Zentrums, das die erforderliche Autorität hat, die Prinzipien der jüdischen Idee zu entwickeln? ^eiSc6cr5uub©allenleif)cn ftets nur $teblauet Der Herausgeber der Genfer Revue, der Schriftsteller Jose J e h o u d a, hat sehr interessante Antworten bekommen. Sie geben uns eine Vorstellung davon, wie man uns in den höheren geistigen Kreisen sieht, wieweit man uns versteht; und sie lassen zugleich erkennen, daß wir ihnen immer noch fremd sind, unverständlich, ein versiegeltes Buch. det We$ H4uk ttezlstaet führt über die PAMKSTINA-EIL1INIE des LLOYD TRIESTINO TRIEST—JAFFA-HAIFA nur in der ausgezeichneten Touristenklasse in zwei- oder \ 250 vierbettigen Außenkabinen mit reichlicher u. schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) Die großen Luxusschiffe ,GALILEA' ,GERUSALEMME' ,PALESTINA' (je 12.500 Tonnen Deplacement) verkehren sechsmal monatlich nach Palästina, außerdem dichter Verkehr via Aegypten und via Athen—Istanbul. Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer. Für IteUefeseMsckofteH Soude^teise! LLOYD TRIESTINO Wien I Kärntnerring 6 Telephon U-47-S-60 Alle — bis auf einige jüdische Persönlichkeiten — anerkannten nicht die Existenz eines authentischen Gedankens. „Es gibt keinen jüdischen Gedanken, der Klar Hahmatt, preiswert, delikat, SCHWEIZER-Fab,« echter Emmentaler - Käse, Marke BERNA definiert wäre", erklärte der französische Schriftsteller und Gelehrte Jean Cassou, „weil der jüdische Gedanke nicht den Stempel einer Akademie trägt oder eines Instituts, das im Zentrum eines jüdischen Staats existiert." Nach dieser allgemeinen Erklärung geht Cassou noch weiter: der jüdische Gedanke hat keine offizielle Repräsentanz, wie die anderen nationalen Gedanken sie beim Völkerbund haben können, wo man klar und deutlich weiß, was der französische oder venezuelische Gedanke vorstellt. Der jüdische Gedanke ist unbestimmt und verschwommen in Raum und Zeit. Es gibt keinen jüdischen Gedanken, nur jüdische Denker, welche ihren Teil zur universalen Idee der Menschheit beigesteuert haben." Weiters erklärt Cassou: „Ich bin ein großer Anhänger der jüdischen Denker und davon, was ich <"-*i jüdischen Gedanken nenne. Aber ich halte es absolut nicht für nötig, daß sich iieser jüdische Gedanke in einem intellektuellen Zentrum festsetze und seine offiziellen Repräsentanten habe, um sich in der Form von Prinzipien und Dogmen ausdrücken zu können. Wir haben in der Welt schon zuviel religiöse Tempel und Akadmien ..." So spricht ein Judenfreund, ein Mann, der oft schon seine aufrichtige Anerkennung für die Juden und das geistige jüdische Schaffen manifestiert hat. Das hängt damit zusammen, daß man zwar für uns Sympathie hat, aber uns nur wenig versteht. Nun kommt eine weitere Antwort. Sie stammt ebenfalls von einem Judenfreund, einem persönlichen Freund des Herausgebers der Revue, von Alexander Her enger, und besagt bei aller Sympathie fü^ das jUdische Wesen dasselbe. Auch Herenger weiß nichts von einem authentischen jüdischen Gedanken und auch er hält ein intellektuelles Zentrum für die Judenheit überflüssig. Der bekannte französische Schriftsteller Pierre Mille, ein anerkannter Sympathiker der jüdischen Sache, Allwöchentliche Fahrten nach PAiÄsnwn mit den Luxusschiffen der italienischen Linien, billigtse Preise, günstige Arrangements. Auskünfte und Anmeldungen Reisebüro CENTRAL, «fe» IWuSATiÄVAl Telephon R-27-2<£i (gegenüber Kriegsministeriwn)

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