Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 459 (30.4.1935)
- Date
- 1935-04-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang 9 Dfenrfag, den 3* April 1915 186 Nr« 4S9 V. b* b+ Zeitung vom Verleger versendet» „Journal expedie par Teditenr*4 Vi livi e*m %, °th <>k tcJif REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. jährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entseitlich. Redaktion u. Verwaltung : lXtUniversitätsstr.8,TeLA-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Anläßlich des 75. Geburtstages Theodor Herzls veranstaltet die Judenstaatspartei eine Judenstaatspartei Oesterreichs / GROSSE HERZL-GEDENKFEIER welche Donnerstag, den 2. Mai, um halb 9 Uhr abends im Festsaale des Hotel Continental, II, Taborstraße 4, stattfindet Die Gedenkrede hält Obeibaurat Inj?. Robert Stricker. Den künstlerischen Teil bestreiten: Heinrich Schnitzler (Deutsches Volkstheater), Opernsänger Hugo Sterne, Klaviervirtuosin Sonja Gurewitsch, Violinvirtuose David Grünschlag (Meisterklasse Prof. Bronislaw Huberman) tu a._ Karten ä. S 1.50 und S 1__sind erhältlich in allen Sektionen der Judenstaatspartei, bei Frau Paula Stricker, Tel. A-48-1-89, im Warenhaus Brüder Schil'fmann und in der Buchhandlung M. Rath, II, Taborstraße 20 a, und an der Abendkasse 250 jüdische Jungärzte - auf dem Pflaster fii Das Präsidium der „Vereinigung jüdischer Aerzte in Oesterreich" veröffentlicht folgenden Aufruf: „2 5 0 junge Kollegen haben ihr Diplom errungen — und liegen auf der Straße. Denn von den bezahlten Stellen und Stipendien an den Spitälern des S t a a tc s und der Gemeinde Wien sind sie als Juden ausgeschlossen und als unbesoldete Hospitanten können sie nicht arbeiten, weil sie /um allergrößten Teil völlig mittellos sind, weil ihnen das Notwendigste für Wohnung, Ernährung, Kleidung Telilf.- Aueh sie dürsten nach Ausbildung in ihrem Interesse und im Interesse derer, denen sie einst Hilfe bringen sollen. Um diesem schrecklichen Zustande abzuheilen, haben Avir beschlossen, einen „A u s b i 1dungsf onds i ü r J u n g ärzt e" zu schaffen und aus diesem Fonds monatliche Stipendien zu verleihen, um die drückendsten Sorgen zu beheben. Wieviele solcher Stipendien wir schaffen werden, hängt von den Mitteln ab, die ihr, Kollegen und Kolleginnen, uns zur Verfügung stellen werdet. Der Appell an euch fällt uns nicht leicht. Es ist uns nur zu gut bekannt, wie schwer jeder einzelne um seine Existenz ringt und die Sorge um die Zukunft auf ihm lastet. Aber im Gedenken an eure eigene Jugend und an euren eigenen, wahrscheinlich auch nicht leichten Kampf um das Studium und die Ausbildung werdet ihr Verständnis aufbringen für diejenigen, welche noch härter betroffen sind, weil sie für ihre Zugcliöri g k e i t z u m Judo n t u m leiden müssen. Helfet uns, Hilfe zu bringen! Wir und die jüdischen Jung ä r z t e h o f t'en auf e u c h!" Dieser Notruf lenkt die Aufmerksamkeit auf das traurige Bild der Entrechtung und geistigen und materiellen Verelendung der jüdischen Intelligenzler in Oesterreich. Viele praktizierende jüdische Aerzte sind ihrer Stellungen enthoben oder in ihrem Tätigkeitsgebiet eingeschränkt worden. Aber erschütternder ist die Tatsache, daß den noch nicht in die Praxis getretenen jüdischen Jungärzten, wie der Aufruf ihrer Fachorganisation zeigt, jede Möglichkeit der unbedingt notwendigen Ausbildung und damit, auch jede Hoffnung auf Ausübung ihres Berufes in Oesterreich und anderswo geraubt wird, weil sie Juden sind. Der Aufruf der jüdischen Fachorganisation beweist den löblichen Willen, die jungen, schwer getroffenen Menschen nicht ohne Hilfe zu lassen, und er wird, so ist zu hoffen, in der großen jüdischen Oeffentlich'keit, auch bei Nichtärzten, Widerhall erwecken. Aber der Aufruf ist nicht nur ein Ausdruck der Opferbereitschaft. Er ist leiderein Ausdruck der Resignation. Aus ihm spricht auch der Zweifel daran, den jungen jüdischen Menschen ihr Recht verschaffen zu können. So tut man, was man tun zu können und zu müssen glaubt, man gibt ihnen Almosen. Die Vereinigung jüdischer Aerzte hat in der Sache alles getan, was eine Fachvereinigung tun kann. Ungezählte Memoranden, mit einwandfreiem statistischem Material belegt, sind an die Behörden gerichtet worden, ungezählte Besuche — oft unter demütigenden Bedingungen — wurden Ministern und ihren Fachreferenten abgestattet. Das Resultat ist Ablehnung fcller Forderungen, bestenfalls in glatte, unverbindliche Phrasen gehüllt. Der Boykott jüdischer Aerzte schreitet fort. ■X- Die um das Wohl ihrer Kollegen wacker und redlich bemühten Führer der jüdisch-ärztlichen Fachorganisation unterliegen einer verhängnisvollen Täuschung. Sie glauben, wie übrigens auch die Vertreter anderer jüdischer Stände, den Kampf um ihr teil bedrohtes, teils bereits entzogenes Recht als Fach Vertreter führen zu können, als ob der Angriff auf die jüdische Aerzteschaft ein gesondertes Kapital wäre! Der Angriff auf die jüdische Aerzteschaft ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem jetzt tobenden Angriff auf das ganze jüdische Volk. Wenn irgend jemand diesem Angriff widerstehen kann, so nur das gesamte jüdische Volk, die gemeinsame Vertretung aller jüdischen Stände. Wenn jüdische Aerzte, Ingenieure, Juristen, Kaufleute usw. gesondert den Kampf aufnehmen, so bereiten sie damit den Antisemiten den größten Gefallen. Sie rücken einzeln vor und werden einzeln abgetan. «■■■M^iiiiiiiiiMMUMilllllHIHMIIIIMBn^^ **. GoUftrentteit flJreblouer Jn'ft [juücriönlfl W Sauerbcunn Man muß der geeinten Front der Judengegner eine geeinte jüdische Volksfront entgegenstellen. Man darf die jüdischen Gruppen und Stände nicht isolieren. Wo es eine zielbewußte antisemitische Politik gibt, muß es eine zielbewußte jüdische Politik geben. Von dieser Erkenntnis ausgehend, wurde der „Jüdische Volksbund für Oesterreich" gegründet, mit dem Ziele, alle jüdischen Standesgruppen zu vereinigen und an die Stelle ohnmächtiger jüdischer Standespolitik jüdische V o 1 k s p o 1 i t i k zu setzen. Es soll an dieser Stelle daran erinnert werden, daß das österreichische Judentum schon einmal ähnlicher Gefahr ausgesetzt war wie in diesen Tagen, und zwar in der Zeit des Umsturzes, nach Beendigung des großen Krieges. Damals haben sich alle jüdischen Stände im Jüdischen Nationalrat zusammengefunden und in einer Zeit größter Verwirrung hat diese Institution der bedrohten österreichischen Judenschaft die besten Dienste geleistet. Zu ihrem schweren Nachteil haben viele Juden daran vergessen. Leider auch die jüdische Aerzteschaft, die jetzt einen aufreibenden und aussichtslosen Einzelkampf dort führt, wo die Gesamtvertretung des jüdischen Volkes einzugreifen hätte. Der Platz der jüdischen Aerzte und ihrer Standesvertretung ist im Jüdischen Volksbund, neben den Angehörigen und Vertretern aller anderen jüdischen Stände. Alle müssen für alle arbeiten und jüdisch arbeiten. Der schmerzerfüllte Aufruf der österreichischen Aerzteschaft ist eine beredte Mahnung. Wehe einer Judenschaft, die ihr Recht nicht erhalten kann und in Almosen Rettung suchen muß! r. st. Von der Judcnstaafsparfeü Palästinas Aus Jerusalem wird berichtet: In: Zusammenhangmit den Zeitungsmeldungen, daß die Palästina-Regierung es abgelehnt habe, die Judenstaatspartei Palästinas als eine Bewegung,, welche die Schaffung eines jüdischen Staates .in Palästina anstrebe, zu legalisieren, wird seitens der Judenstaatspartei mitgeteilt, daß tatsächlich diesbezügliche Schwierigkeiten bestehen, und daß die Verhandlungen zwischen der Judenstaatspartei und der Palästina-Regierung bezüglich der Anerkennung der Partei noch nicht beendet sind, Weltpolitik der Woche Immer wieder setzen die europäischen Staatsmänner zu dem Versuch an, eine Atmosphäre der Sicherheit und Stabilität zu schaffen. Und immer wieder bemühen sie sich, den Ursachen nachzuspüren, die solch einen Zustand verhindern. In der letzten Zeit, rings um die Konferenz von Stresa, waren es drei Momente, die das Gemüt der europäischen Kulturvölker beunruhigten. Zunächst die Meinung, daß Polen mit Deutschland ei n e n Geheimvertrag besitze, der ein Zusammengehen mit den Stresa-Konferenzpartnern unmöglich mache und Deutschlands kriegerische Haltung stärke. Diese Meinung wurde in dem Augenblick erschüttert, als Polen sich dem vom Völkerbund an Deutschland gerichteten Tadel wegen dessen eigenmächtiger Aufrüstung anschloß. Heute wird klar, daß Polen sich Deutschland zuliebe in keine Isolierung hineinmanövrieren lassen wird. Den zweiten dunklen Punkt auf dem politischen. Horizont bildete die Schwierigkeit der Textierung des französisch-russischen Paktes. Eine gewisse Presse, vornehmlieh die Nazipresse, wußte davon zu erzählen, daß die Konvention Paris-Moskau an der Unmöglichkeit scheitere, Frankreichs Interessen im Westen und Sowjetrußlands Bindungen im Osten unter ein Dach zu bringen. Auch diese Prognose erweist sich als irrig. Der Pakt kommt zustande in dem intendierten Umfang und mit der Richtung gegen etwaige Friedensstörer. * Die letzte Besorgnis betraf Engiand. Die Gespräche des englischen Außenministers Simon und des Lordsiegelbewahrers Eden mit Hitler in Berlin, die immerwährenden Versuche der britischen Politik, Deutschland in den Völkerbund zurückzubringen, die äußere Gleichgültigkeit, mit der in London das offizielle deutsche Aufrüstungsgeständnis aufgenommen wurde, ließen die Vermutung aufkommen, daß Deutschlands aggressives Vorgehen bei England auf keinen nennenswerten Widerstand, stoßen werde oder — anders gesagt — daß Englands Interesse am Kontinent vor seinen imperialen Sorgen kapitulieren werde. Aber auch hier gab's einen Wendepunkt. Die Ausführungen des Premiers Macdonald, den wohl niemand für einen Mann mit starker Hand halten wird, bezeugen, daß England endlich klar ersieht. Und das wollte die Welt wissen. Englands Einsicht von einer Kriegsgefahr, die im Osten und Süden Hitler-Deutschlands droht, bringt es mit sich, daß die allenthalben bis zum Alpdruck verdichtete Beunruhigung nunmehr einer sachlicheren Beurteilung der Lage gewichen ist. Man weiß auch, daß Englands Politik keine dauernden des We% tuuk ttmlstmt führt über die PAUKSTINA-EIUINIE des LLOYD TRIESTINO TRI EST-JAFFA-HAIFA nur in iler ausgezeichneten Touristenklasse in zwei- oder J 250 vierbettigen Außenkabinen mit reichlicher u. schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) ■■■■IHMBBBHBmMBMBMnni Die großen Luxusschiffe ,GALILEA' ,GERUSALEMME' .PALESTINA' (je 12.500 Tonnen Deplacement) verkehren sechsmal monatlich nach Palästina, außerdem dichter Verkehr via Aegypten und via Athen—Istanbul. Gelegenheit /.u herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer. Für fai$e#eseU$eU®fieK SoHdequseise! LLOYD TRIESTINO Wien I Kärntnarring 6 Telephon U-Q7-5-60