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Die neue Welt · 1935-04-05 · Heft 453 (5.4.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 453 (5.4.1935)
Date
1935-04-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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185 Titl. UniversitätsbibliotheU Wien, I. Pr€iS 20 GrOSCheil Jahrgang 9 Freitag, den April 1935 Nr« 453 V* h. b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediö par l'cditeur** REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljahrig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—*| Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr, 8,7et. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u, Freitag Jüdischer Protest gegen KathoIiken*VerfoIgiHiBg Von unserem New-Yorker Berichterstatter. Das Ende einer Lüge (Vorbemerkung). Im Dezember v. J. brachten die „Wiener Neuesten Nachrichten" einen Bericht aus Mexiko, in welchem es hieß: „Bezeichnenderweise sind es hauptsächlich Juden, die an den zahlreichen Revolten und Kirchenverfolgungen hier im Lande führend beteiligt sind." Die Deutschen in Mexiko, von denen das Blatt offenbar seine Berichte bezieht, sind fast durchwegs Hitler-Leute. Kein Wunder, daß sie solche Lügen in die Welt setzen. Aber auch in katholischen Blättern findet man hier und dort Andeutungen über jüdische, gegen die katholische Kirche in Mexiko gerichtete Einflüsse. Der Bericht unseres Korrespondenten enthüllt die Unwahrheit aller dieser Meldungen. Er führt den berufensten Kronzeugen gegen sie, den Kardinal- Erzbischof von Mexiko, Pascual Diaz. Unser New-Yorker Korrespondent schreibt: Der „Jewish Congress", die große Organisation der nationalen Juden in den Vereinigten Staaten, hatte ihr Leitungsmitglied Rabbiner Dr. Ph. Bernstein nach Mexikoensendet, um an Ort und Stelle den Charakter der Religionsverfolgu ugen zu prüfen, auch dahin, ob das jüdische Glaubensbekenntnis Anlaß von Schikanen bildet. Dr. Bernstein ist nun zurückgekehrt und hat einen ausführlichen Bericht erstattet. Er hat festgestellt, daß die i. a t h o 1 i s c h e Kirche tatsächlich in heftigster Weise verfolgt wird; Ihre Geistlichen werden vertrieben und von Ort zu Ort gejagt. Eine Unzahl von Gotteshäusern ist behördlich gesperrt oder für profanste Zwecke in Benützung genommen. Dis Prieser können ihren Beruf überhaupt nicht oder nur unter unter größten Gefahren ausüben. Ein Zustand, der in diesem fast hundertprozentig katholischen Lande niederschmetternd wirkt. Andere Glaubensbekenntnisse sind seitens der Regierung keiner Verfolgung ausgesetzt. Sie läßt: auch die religiösen Uebungen der Juden ungestört. Nur in den Schulen herrscht streitbares, unduldsames Freidenkertum, welches viel zur Entfremdung der Kinder von Haus und Glauben beiträgt. Dr. Kernstein erklärte, daß es ungeachtet der Schonung, welche die mexikanische Regierung allen anderen Bekenntnissen und auch dem jüdischen angedeihen läßt, Pflicht ist, gegen die maßlosen Verfolgungen, denen die katholische Kirche aus- | gesetzt ist, die Stimme zu erheben. Ueber Antrag Dr. Bernsteins beschloß die Leitung des Jewish Congress die Veröffentlichung einer Erklärung, in welcher namens des nationalen Judentums gegen Drangsalierung der katholischen Kirche feierlich protestiert und an die mexikanische Regierung die Aufforderung gerichtet wird, den Katholiken volle Glaubensfreiheit zu gewähren. Rabbi Bernstein berichtete auch über seine Begegnung mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche in Mexiko, Erzbischof Pascual Diaz. Der Kirchenfürst dankte .Dr. Bernstein i$r seine Anteilnahme an dem Geschick der katholischen Mexikaner und wies betont auf das gute Verhältnis zwischen Katholiken und Juden im Lande hin. Vor seiner Abreise erhielt Dr. Bernstein ein herzlich gehaltenes Abschiedsschreiben des Erzbischofs, welches mit den Worten schloß: „Als vor zwei und drei Jahren eine antisemitische Bewegung im Lande wuchs, da wandte man sich an mich, als das Oberhaupt der katholischen Priesterschaft, und erbat meine Hilfe für diese Bewegung. Ich habe geantwortet, daß die katholische Kirche die Nächstenliebe über alles stellt. Nie werden ich und meine Brüder irgend einer Bewegung beistehen, welche Feindschaft gegen Juden zum Inhalt hat." Werenleifeenöen Siebte ftctä Den nIiÖelucu)rieu Leser In Fauotiten! Beachtet Inserat S. 3! Saucibvunn Auswanderung — einzige Rettung! Im Berliner „Staatszionisi" nimmt der frühere Präsident der Berliner Judengemeinde, Direktor Georg K a r e s k i, in einem Artikel „Liquidation des deutschen Judentums — Konkurs oder Zwangsvergleich" gegen alle Stellung, die noch an die Möglichkeit einer Besserung der jüdischen Lage in Deutschland glauben. Er warnt davor, die Rettung anders als in der Auswanderung zu erblicken. Er schreibt: „Sollen wir die Dinge, soweit sie überhaupt durch uns beeinflußbar sind, weitertreiben lassen bis zum völligen Zusammenbruch mit allen seinen, Werte und Schicksale zerstörenden Folgen, oder sollen wir, da eine Fortführung vernünftigerweise nicht mehr möglich erscheint, versuchen, durch einen Zwangsvergleich eine geordnete Liquidation zu ermöglichen?" Kareski geht davon aus, daß angesichts des deutlich bekundeten Willens des heutigen Staates, die Juden auszugliedern, jede Spekulation auf eine Sinnesänderung auf diesem Gebiete als Illusion spolitik abzulehnen sei. Alle Maßnahmen lassen erkennen, daß die Wünsche des deutschen Volkes nach Dissimilation der Juden mit deren Ausschaltung aus dem öffentlichen und kulturellen Leben nicht restlos erfüllt sind, sondern (laß man die Judenfrage in Deutschland erst dann als gelöst ansehen werde, wenn es in diesem Lande »ogutwiegarkeino Judcnmehrgeben wird. D Bl I 5 TP I MI Fahrten nach H I^HWI^^OP ■ ■ ■ ^W^m mit den Luxussohiffeu clor italienischen Linien, billig tso Preise. günstlRo Arrangements. Auskünfte und Anmeldungen Reisebüro CgNTRftL, T^Vs^iA^^ *r elephon R-27-2-U2 (gegenüber Kriegaministerium) Die jüdischen Positionen sind auf die Dauer nicht zu halten. Die Frage sei nur, ob es möglich sein werde, sie in Ruhe und im Wege einer organischen Entwicklung zu räumen. Hiezu bedürfe es neben der Bereitwilligkeit der deutschen Juden, sich auf diese Entwicklung einzustellen, det (tief wuk foezlseaet führt über die PALKSTINA-EILIINIE den LLOYD TRIESTINO TRIEST-JAFFA-HAIFA nur in der ausgezeichneten Touristenklasse in zwei- oder % 250 vlerbettlgen Außenkabinen mit reichlicher u. schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) Die großen Schiffe ,GAULEA' ,GERUSALEMME' .PALESTINA' (je 12.500 Tonnen Deplacement) verkehren sechsmal monatlich nach Palästina, außerdem dichter Verkehr via Aegypten und via Athen—Istanbul. Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer. Für lUisefeseltsdutfleH Swukquteise! LLOYD TRIESTINO Wien I Kärntnerring 6 Telephon U-47-5-60 $e&atydaftfiM dec UefcoUcUe** Uhwec$ää£ (Artikel s. S. 5.) jHlllllttü auch der Bereitwilligkeit der deutschen Staatsführung, eine solche Entwicklung zu ermöglichen. Kareski zeigt sodann die rückläufige Bevölkerungsbewegung der Juden durch wachsenden Sterbcüberschuß und Auswanderung auf. Bei einer Auswanderung von nur 20.000 Seelen im Jahre würde innerhalb von zehn Jahren die heute nur wenig über 400.000 betragende Zahl der Juden in Deutschland auf etwa 1 0 0.0 0 0 sinken. Diese Entwicklung könnte von Staats wegen neben der Zuwanderungssperre durch systematische Förderung der jüdischen Auswanderung beschleunigt werden. Wenn auch eins Devisenzuteilung nicht in Frage kommt, so könnte doch durch andere Erleichterungen ein Anreiz zur Auswanderung .fegeben werden. Für die mit langen Zeiträumen rechnende Staatsführung könnte es von sekundärer Bedeutung sein, ob dieser Lumidationsprozeß zwanzig oder dreißig Jahre dauert. Wenn die Erreichung des Zieles gesichert ist, sollte auch den immer weniger werdenden Juden in Deutscldand die Möglichkeit gegeben werden, sich ohne Diffamierung als Gemeinschaft und als Individuum aus Deutschland zu lösen, zum kleineren Teil allmählich auszusterben. Es lohne sich, auch vom deutschen Standpunkt aus, zu prüfen, ob nicht eine solche Loslösung ohne Groll und Verbitterung angestrebt werden soll. Direktor Kareski hat recht, wenn er die Hoffnung auf Besserung der jüdischen Lage unter dem Hitler- Regime als gefährliche Illusion ansieht und aui die Auswanderung als einzige, mögliche Rettung verweist. Aber er selbst gibt sich einer Illusion hin, wenn er glaubt, daß Hitler jemals bereit sein wird, von Diffamie u n g c u abzusehen und eine für die Juden günstige Regelung der Auswanderung zuzulassen oder gar zu fördern. Die Hitler- Leute wollen ja im Grunde keine Auswanderung der Juden, gar ein? gerogelte. Sie wollen die Ausrottung der Juden, nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. Nur eine letzte Hemmung hält sie vott der physischen Ausrottung ab. Eine anständige Entlassung der Juden könnte der Hitler-Regierung nur durch auswärtige überlegene Mächte aufgezwungen werden. Aber unter den derzeitigen Umständen mit einer5 solchen Intervention ernstlich zu rechnen, ist mehr als naiv. Man braucht nur an den englischen Premierminister MacDonald zu denken. Dieser mit allen sozialistischen Salben geschmierte, die Bibel ständig zitierende und von Menschlichkeit triefende Mann war bisher nicht dazu zu bringen, die Judenpolitik Hitlers auch nur mit einem Wort zu verurteilen. Wer soll da Handlungen setzen? Kareski dürfte leider recht haben, die Juden müssen gehen. Aber nicht unter günstigen, sondern unter den ungünstigsten Bedingungen. 5 pezialverkehr j nach Palästina Gütertransporte, Liftvans, Ueberslrri'ungen Ulimann, R i n k & Co. Wien I, Kurrentgasse 12 / Tel. U-22-2-54

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